Paradoxe Intervention

Es gibt Zeiten,in denen ist das Klima hier etwas rau. A-Hörnchen motzt alles und jeden an, alles weiß er besser. Ins besondere C-Hörnchen reagiert darauf mit heftigen Protest. Gleichzeitig ist es C-Hörnchen, die immer wieder das D-Hörnchen nervt und bevormundet, so dass er außer sich gerät. Auf diese Bevormundungen reagieren wiederum A- und B-Hörnchen mit Reglementierungen in Richtung des C-Hörnchens, was diese zum erneuten Protest ermutigt.

Ja, manchmal ist es zum weglaufen. Die ständige Gereiztheit schlägt, vor allem dem Menne und mir, massiv auf’s Gemüt. Und das bekloppte ist, wettert man immer noch dagegen, wird es in nu noch ungemütlicher. Verhext, denn nichts dazu zu sagen, kommt faktisch auch nicht in Frage. Heute morgen hatte ich dann eine bahnbrechende Idee:

Immer wenn jemand quängelt, motzt oder jammert, sagen wir: „Hansterkäfig!“, schreit einer: „Stoooop!“, „lass das“ oder ähnliches in einer beschriebenen Konfliktsituation, sagen wir „Kaninchenstall!“. Klingt hirnlos? Ist es aber nicht!

Durch das Einbringen der vollkommen unpassenden Worte geschehen zwei Dinge. Zum einen wird der abgenutzte Konflikt unterbrochen, zum anderen wird verdeutlicht, wie oft der immer selbe Dialog zwischen den verschiedenen Parteien geführt wird. Dadurch, dass wir aber als Intervention nicht meckern, sondern etwas sinnloses sagen, verschlechtert die Intervention nicht zusätzlich das Klima. Paradoxe Intervention ist der Fachausdruck für dieses irre aber manchmal sinnvolle Vorgehen. Und was auch in der klinischen Praxis gelegentlich erfolgreich ist, kann doch hier nicht so schlecht sein.

Suchen und Finden

Heute Morgen gab es Streit. Das A-Hörnchen konnte seine Brille nicht finden und ich war stark genervt von seiner Schludrigkeit. Wir stritten ausgiebig ohne jeden Erfolg oder Sinn, die Brille blieb verschwunden, ich wütend und er auch. „Wie kann man so dämlich sein?! Wie kann einem das denn bitte passieren…“ mottete ich vor mich hin und so ging er zur Schule und ich machte mich auf den Weg zum Auto.

Da es bei uns wenig Parkplatz gibt, ist es manchmal nicht leicht. Heute suchte ich 10 Minuten lang nach dem Auto und lokalisierte es erst mit Hilfe des Mennes am Telefon. Endlich am Auto angekommen stellte ich fest, dass der Autoschlüssel nicht da war. Ich kochte innerlich und konnte es doch nicht ändern. Der Schlüssel war offenbar im Haus, ich draußen und uns trennte das Schloss. Ich rief meine Schwiegermutter an, sie hat den Ersatzschlüssel. 15 Minuten später öffnete sie mir mein Haus.

Der Schlüssel war nicht da. Nicht an seinem Platz, nicht in meinen Taschen, Jacken und auch sonst an keinem Ort. Zu meiner Wut mischte sich eine gewisse Verzweiflung. „Wie kann man so dämlich sein?! Wie kann einem das denn bitte passieren…“ dümpelte es in meinem Kopf herum. Entnervt stapften wir noch einmal gemeinsam die Straße auf und ab und da lag er, mitten auf einer Straße; mein Schlüssel.

Wenn das A-Hörnchen kommt muss ich mich dringend entschuldigen. Zwar weiß ich immer noch nicht, wie einem SOWAS passieren kann, jedoch passiert es halt. Manchmal, jedem.

Katalonien und Spanien

Die politischen Fronten zwischen Spanien und Katalonien sind verhärtet. Katalonien fordert die Unabhängigkeit, Spanien will den wirtschaftsstarken Teil des Landes nicht hergeben; der König Streut Salz in die Wunde und kritisiert die nach Unabhängigkeit strebenden Katalanen. Ein unabhängiger Vermittler wird gebraucht, eine Mama. 

Bei mir sitzen Katalonien und Spanien im Wohnzimmer. Seit Tagen streiten sie unablässig um Duplo-Steine. Das A-Hörnchen hält die Mehrheit der Steine, er verfügt über das Imperium und teilt die Besitztümer scheinbar willkürlich zu. C- und D-Hörnchen streben nach Unabhängigkeit. Sie wollen sich nicht vorschreiben lassen wann sie mit was spielen. A-Hörnchen hingegen will zwar die Macht nicht abgeben, weiß aber auch, dass das Ausscheiden der Kleinen Hörnchen aus dem Spiel, das Ende des selbigen bedeuten würde. B-Hörnchen stellt die übergeordnete Macht dar. Sie kann den Streit schlecht ertragen, versteht, dass keiner profitiert. B-Hörnchen holte Mama. 

Als unabhängige Beraterin vermittelte ich zwischen den Fronten. A-Hörnchen muss seine Macht aufgeben. C- und D-Hörnchen erhielten die Unabhängigkeit, sie bekamen vollen Zugriff auf alle Ressourcen. Um A-Hörnchen als Ursprungsland des Spiels aber nicht im Regen stehen zu lassen, stimmten sie zu, weiter mit ihm zu spielen. B-Hörnchen, die Wächterin beider Völker war zufrieden und wohnte dem Spiel friedlich wieder bei. 

Frieden kann nur über einen gleichberechtigten Dialog hergestellt werden. Verhärtete Fronten und ein verharren im Eigenen Recht führt zu nichts; Kompromiss istvdas Zauberwort! Ich bewerbe mich hiermit als unabhängige Beraterin. 

B-Hörnchen ist gerade acht geworden. In der Schule ist sie das, was man eine Überfliegerin nennt. In Mathe und Deutsch liegt sie seit über dem Regeldurchschnitt (so nennt man die 1+ mit * wenn es keine Noten gibt) und ist auch in den anderen Fächern top. Sie zeichnet herausragend, kann sich alles schnell und gut merken und spielt virtuos Block- und Querflöte. Auch sportlich ist sie ganz vorn dabei. Sie ist eine gute Kletterin, bouldert die schwierigsten Strecken und kann hervorragend Schwimmen. Neue Bewegungsabläufe lernt sie schnell und effektiv. Durch ihre schmale aber muskulöse Statur ist sie wendig und kraftvoll. B-Hörnchen liest unglaublich viel, sie ist vielfältig interessiert und kann gut und logisch argumentieren. Man könnte glatt denken: Die kann ja alles! Könnte man, und zwar so lange, bis sie in einen sozialen Konflikt gerät. Denn da hört der Höhenflug aus, B-Hörnchen gerät ins Straucheln und stürzt ab. 

Bis vor kurzem hat sie schlicht kein Wort mit Fremden gewechselt – fremd waren auch ihre Lehrer, die Eltern ihrer Freunde etc. Gab es hier zu Hause Streit, erstarrte sie zur Salzsäule und verstummte. Jeder Konflikt war mit Geduld und viel Empathie meinerseits verbunden. Denn sie auf ihren Emotionen sitzen zu lassen war für mich keine Option. So übten wir fleißig zu sprechen, Emotionen in Worte zu packen, Kissen zu schlagen und eben nicht an der eigenen Emotionalität zu ersticken. Langsam wurde es leichter, auch in der Schule taute sie zusehends auf. Ich war erleichtert. 

Inzwischen haben wir eine ganz neue Facette des emotionalen Umgangs, und wieder ist es alles andere als einfach. B-Hörnchen hat offenbar gut gelernt, Emotionen nach außen zu bringen. Da sie aber immer noch nicht in der Lage ist einen Missstand in Worte zu fassen, lösen Kneifen, Hauen und Haare ziehen das Problem. So traktiert sie ihre Schwester im Streit ohne auch nur ein Wort gesprochen zu haben. Argh!! Man kann nicht alles können, so ist es wohl. Vor ihr und mir liegt abermals viel Arbeit und ich frage mich, ob diese neue Farbe der Streitkultur nun, bei aller Abart die ich Gewalt im allgemeinen zuschreibe, ein kleiner Fortschritt ist. Vor allem aber hoffe ich, dass sie diese Dummheit schnell wieder ablegt und durch etwas sozialverträglicheres Verhalten ersetzt. Denn den der hat, den mag am Ende meistens keiner. Am wenigstens er selbst fürchte ich. 

Soda kaputt 

Unser Soda Stream war kaputt! Die Geschichte ereignete sich so: Wir hatten das Teil mit im Urlaub und auf dem Rückweg trug der Menne es im Rucksack. Zu Hause angekommen barg ich es aus dem Sack, stellte es an seinen Platz und es war kaputt. Vollkommen verzogen, unbenutzbar! Für mich stand fest, der Menne hatte es während der Reise unvorsichtig behandelt und es geradezu fahrlässig zerstört! Ich sprach ihn betont vorsichtig an und bat ihn sich das Dilemma umgehend anzusehen. Mir war klar, dass er selbst feststellen würde, dass er es kaputt gemacht hat. 

Der Menne nahm den Soda Stream fachmännisch in seine Hände. Er kippte ihn links, kippte ihn rechts und drehte ihn auf den Kopf. Er entfernte zwei vollkommen sandige Nimm2 BonBons, die ich seit längerem in meinem Rucksack beherberge und stellte den nun klebenden Soda Stream gerade wieder hin. Heile. 

Ich ruf die Polizei 

Heute war es so weit, das A-Hörnchen ist ausgezogen. Der Grund für den verfrühten Aufbruch war meine mehrfache Ermahnung, sein Zimmer aufzuräumen und der damit verbundenen Teilräumung im Anschluss. Genau genommen hatte ich das A-Hörnchen seit Tagen gebeten wenigstens den Boden und den Tisch zu machen ; bis exakt heute. Tat er nicht, da tat ich. 

Das A-Hörnchen drehte durch wie noch nie gesehen, völlig außer Rand und Band brüllte er mich an, schrie, tobte und zeterte. Mit hochrotem Kopf zerrte er an der Tasche, in die sein Hab und Gut nach und nach wanderte und, das freut mich sehr, behielt dennoch die Beherrschung mir nicht weh zu tun. Irgendwann tobte er aus dem Zimmer, blieb in der Tür stehen und schrie in einem unfassbar donnernden und tosendem Ton:“Ich ruf‘ die Polizei!“; schlug die Tür zu und ging. Das A-Hörnchen zog sich Schuhe und Jacke an und verließ das Haus. Ohne Telefon. 

Ich stand am Ort des Geschehens und konnte nicht anders als einen Lachkrampf zu bekommen. Wie lange habe ich auf diese Art Konflikt gewartet, wie oft habe ich ihn selber aus der anderen Perspektive geführt. Ich tat weiter was ich so oft angedroht hatte zu tun, wischte dem Kind noch den Schreibtisch sauber und ging runter. Keine 5 Minuten später kam er wieder. Wütend aber ansprechbar. Dann sprachen wir. Über Wut und Unmut, über Kind sein, Mama sein und über Dreck und aufräumen. Und dann räumten wir auf. Mal wieder; bis zum nächsten Mal in diesem Zirkus. 

Wo es wirklich weh tut 

Was D-Hörnchen gestern Nachmittag hatte, sah für die meisten aus wie ein klassischer Wutanfall. Tatsächlich aber war es tiefe und traurige Enttäuschung was meinen kleinen Jungen da befallen hatte. 

Er und ein anderer Junge hatte das gleiche Auto mit in die Kita gebracht. Ein knallroter Lightning McQueen, ein echtes Liebhaberstück. Als ich zum Abholen kam war nur noch ein Auto da. Beide Jungen waren sich sicher, dass es ihres war, in Wahrheit war es nicht zu erkennen. Ich war da, die Mama des anderen Jungen noch nicht. So beschloss man, das Auto zu verwahren bis das Problem am kommenden Tag geklärt werden konnte. 

D-Hörnchen brach vollkommen zusammen. Blanke Wut quoll aus jeder Pore. Er schrie und tobte. 45 Minuten lang versuchte ich ihn zu beruhigen und ihm deutlich zu machen, dass das Problem morgen geklärt werden würde. Nach 45 Minuten waren wir immerhin am Weg vor der Kita angekommen. Das D-Hörnchen tobte ausdauernd und ich lobte das C-Hörnchen für ihre sagenhafte Geduld. 

Da wurde plötzlich der andere Jubge abgeholt. Stolz und siegessicher ging er an uns vorbei und band dem weinenden D-Hörnchen taufrisch auf die Nase, dass das Auto nun in seinem Rucksack wäre. Da war es aus. 

Die Wut des D-Hörnchen wandte sich in grenzenlose Enttäuschung und Trauer. Das hatte gesessen. „Mama! Hilf mir!“ Schrie der Wurm immer wieder, doch es half alles nichts. Das Auto zog von dannen, samt Kind und Babysitterin, die es nicht wagte eine Entscheidung zu treffen. Der Ausbruch dauerte weitere 45 Minuten. Unser gesamter Bezirk weiß mit Sicherheit, dass das Hörnchen gestern laut war. Jeder hat es gesehen, jeder zweite hatte einen Kommentar für uns. Was keiner sehen konnte, war die Verletzung meines kleinen Jungen. Ungerechtigkeit tut weh. 

Ich muss nicht erwähnen, dass wir natürlich noch am selben Nachmittag einen Ersatz gekauft haben. Das hilft nicht gegen die Ungerechtigkeit aber gegen den Verlust. Vielleicht wenigstens ein bisschen.  

Das ultimative Streitthema 

A- und B-Hörnchen haben heute jeder einen Wecker bekommen. Beim Abendessen hatte jeder also seinen brandneuen digitalen Funkwecker neben sich stehen und sie waren Thema Nummer-Eins! Ganz nebenbei haben die beiden das aller beste Streitthema aller Zeiten gefunden:

A: Es ist 18.30 und sieben Sekunden 

B: Nee, neun!

A: Nee, es sind zwölf!

B: Nein!!! Fünfzehn. Sechzehn. Siebzehn..

A: Du bist so dumm B-Hörnchen! Es ist 18.30 und Fünfundzwanzig. Man!

B:Nein A-Hörnchen, siebenundzwanzig. Echt!

Die Unterhaltung wurde in diesem Stil noch Minuten weitergeführt. Es kam zu keiner Einigung. Der Sieger in diesem Konflikt? Ganz klar die Wecker!

Lange Gesichter II

Nachdem es auf meinen letzten Beitrag im „Lagge Gesichter“ im sozialen Hauptmedium etwas anstößige Reaktionen gab, möchte ich dringlich das mutmaßliche Fehlverhalten meiner selbst und der Hörnchen erörtern. Ich werde also im folgenden die „Langen Gesichter“ 1-8 noch einmal zur Ansprache bringen um zu verdeutlichen, dass der vermeintliche Fehler gar keiner war. Es handelte sich um einen klassischen Generations- bzw Interessenkonflikt. 

1. Die lange Anfahrt: Ich kann mit den Hörnchen eine Stunde, ja sogar zwei oder drei Stunden Auto fahren. Sogar recht problemlos, höre ich dabei Die ???  Dies tut keinem weh, macht aber auch keinem Spaß. Somit verhält es sich ähnlich wie ein Besuch beim Gynäkologen. Macht man mal, muss man auch; freut sich aber kaum einer drauf. 

2. Am Spielplatz vorbei gehen: Es liegt leider in der ungestümen Natur meiner Hörnchen, dass sie enorm gern spielen. Da wir in aller Regel eher freudig auf einen Spielplatz zulaufen, entwickeln meine Kinder automatisch eine Art  Erwartung wenn sie einen Spielplatz sehen. Das ist eine einfache klassische Konditionierung: Glocke-Sabber-Essen. Bleibt bei Pawlowsch’s Hund das Fressen aus, ist er arg enttäuscht, da sein Behaviorales System zwar aktiviert wurde, es aber zu keiner Belohnung kam. Der Hund kläfft, die Hörnchen auch. 

3. Die Kälte: Meine Hörnchen sind leider alle vier ausgesprochen dürr. Trotz bester Fütterung und enger Kooperation mit dem Doc wollen sie nicht so recht fett werden. Dieser Mangel an Körperfett bringt es mit sich, dass vor allem B- und D-Hörnchen  trotz Strumpfhose-Leggins-Cordhose-Schneehose blitzschnell kalt werden. Im gestrigen Fall hatte ich es mit blauen Lippen und Wangen sowie markerschütterndem Zittern zu tun. Ich finde das auch nicht schön, kann es aber aktuell nicht ändern. 

4. Spaß an der Rolltreppe: Was soll ich sagen, die weitestgehend verwaisten Rolltreppen in einem beheizten Einkaufszentrum hätten mich als sechs- oder achtjährige auch angesprochen, ja gradezu angefallen. Verkehrtherum rauf, rasend schnell runter. Das macht doch nunmal einfach Spaß. Höllenspaß. Enttäuschung erlaubt, vor allem, wenn man halt wieder raus muss (siehe Punkt 2 und 3).

5. & 6. Strand und Spielplatz: Siehe Punkt 2. 

7. Das Essen: Dieser Punkt kommt auch von mir. Ich denke eigentlich, dass es ok ist essen nicht zu mögen. Ich denke auch, dass es ok ist das zu sagen. Ich denke außerdem, dass das Essen eher den Koch als den Organisator anspricht. Außer der Organisator hat gekocht. Der kann es aber viel besser, das weiß ich sicher!!

8. Klönen: Ich persönlich sitze liebend gern nach dem Essen noch mit der Familie zusammen und klöne, sehr zum Leidwesen meines Mannes. Meine Hörnchen hingegen findet das eher öde. Im gestrigen Falle haben sie sich erstaunlich ausdauernd und lieb mit Malbüchern beschäftigt, was toll war. Ansonsten stelle ich fest, dass es für mich im Alter von Ca. 6-17 nicht schlimmeres gab als Familienfeste. Warscheinlich war ich einfach ein schlimmer Rebell, aber dann sind es meine Hörnchen auch – und das ist gut so. Würde man des Beisammensein nach Hörnchen-Manier gestalten, hätten wir unter den Tischen eine Höhle  gebaut und in der gegessen. Anschließend hätten wir Memory und UNO gespielt und gern etwas Lego. Da wären wir aber wieder bei dem Interessenkonflikt. Für diese Bedürfnisse gibt es Kindergeburtstage. 

Und für unsere gibt es halt Kohltouren.