Der kleine Unterschied

Ob ich in diesem Jahr sportlich ambitioniert bin, wurde ich gefragt. Ich habe eine Weile nachdenken müssen um das zu beantworten und bin zu folgendem Schluss gekommen: Meine größte sportliche Herausforderung liegt in diesem Jahr darin, den Unterschied zwischen „Lust auf Sport“ und „Lust auf dünn-sein“ herauszufinden. Für mich persönlich eine harte Nuss!

Tatsächlich nämlich habe ich in den letzten Jahren viel daran gesetzt die Spuren von 34 Jahren Leben und vier Schwangerschaften zu verwischen. Ich habe meinem Körper den coolen Deal vorgeschlagen: Ich bewege dich viel und gebe dir wenig zu essen, dafür machst du, dass wir aussehen wie 16! Mit großen Ideen wie ‚vor dem Frühstück 10km laufen‘ habe ich versucht meinem Teil der Abmachung einzuhalten und muss euch nun mitteilen: Klappt nicht! Und viel schlimmer noch, es macht nicht mal Spaß! Und so stelle ich mich neuen Herausforderungen!

Mit 34 sieht man aus wie mit 34. nach vier Kindern sind manche Stellen an so nem Körper anders als andere. Essen macht Freude und tut gar nicht weh und niemand auf der Welt mag mich mehr nur weil mein Bauch weniger wabbelt. (Sollte das anders sein kann der jemand mich mal!!) Und wenn ich wirklich Lust habe mich zu bewegen, dann tu‘ ich das, und zwar mit Freude. In den letzen Tagen bin ich viel Rennrad gefahren. Es war herrlich und Balsam für die Seele. Ich quäle mich nicht in diesem Jahr, ich versuche es mal mit glücklich sein.

Das Wunder des Lebens

D-Hörnchen und ich sitzen beim Friseur und warten. Er fasst sich an die Haare, ins Gesicht und an die Ohren.

„Wie habt ihr meine Ohren so fest gekriegt?“, fragt er mich. Ich erkläre, dass die schon dran waren. Er klopft sich auf den Kopf. „Und wie habt ihr den Kopf an mir fest gemacht?“ Ich erkläre weiter, dass der Kopf auch schon fest war, ebenso wie Arme und Beine. D-Hörnchen hört gespannt zu und fährt mit den Händen über sein Gesicht. „Und wie habt ihr meine Augen in die Löcher gekriegt?“.

Ich fuhr fort, dass Babys schon ganz vollständig aus dem Bauch raus kommen, und dass man sie nicht zusammen bauen muss. D-Hörnchen zeigt sich deutlich verblüfft. In seiner kleinen Welt wurden Babys mit einer Bauanleitung geboren, in Einzelteilen. Lego, vielleicht auch Ikea. Über die Tatsache, dass alles schon fertig wäre, war er deutlich erleichtert. „Dann kann man da ja auch nix falsch machen, nech?“, sicherte er noch ab.

Ja, beim zusammenbauen kann man nicht viel falsch machen. Da stimmt. Danach… stehen Eltern schier unendliche Wege zur Verfügung, ihre Kinder kaputt zu machen. Zum Glück aber ist der am häufigsten angewandte Weg der, der Kinder einfach zu glücklichen Individuen werden lässt.

Das Wunder des Körpers 

In der Straßenbahn erzählt mir das A-Hörnchen, dass der Sexualkunde-Unterricht jetzt in zwei Gruppen stattfände. Ich zeige mich interessiert und erkundige mich, was man denn so als Junge in Sexualkunde lernt. Ganz sicher war ich mir, dass die Antwort allenfalls ein: „Mama! Peinlich!“ sein würde, so wie bisher wenn dieses Thema aufkam. Etwas verwundert war ich hingegen, dass er es überhaupt angesprochen hatte. Und dann legte er los. 

Schwellkörper und deren Funktion, weshalb es wichtig sei, dass Penisse steif würden und wo genau die dann hingehörten. Ohne Scham und Gekicher erklärte er mir den gesamten Akt in akkuraten Fachbegriffen. Kein roter Kopf, kein Stammeln. Selbst Erektionen und Ejakulat konnten ihn nicht aus der Fassung bringen und so erklärte er mir weiter wie dann Eier zu Samen finden und Frauen zu Mamas werden. Selbst eine Abhandlung über Gifte in der Schwangerschaft inklusive Contagan bekam ich. 

Ich staunte nicht schlecht und fragte, ob das ganze gar nicht mehr peinlich und doof wäre. Da holte das A-Hörnchen tief Luft uns sagte im Brustton der Überzeugung: „Mama weißt du, ich finde den Körper und wie das alles funktioniert und so, so interessant! Da ist gar nichts peinlich, das ist ja alles so gedacht!“ Ich war baff! Ich meine, genau so sehe ich das auch. Körper und all ihre Funktionen sind toll und können gar nicht ausgiebig genug bestaunt und benutzt werden. Aus dem Munde meines kleinen Jungen jedoch war das neu und ungewohnt. Nun bin ich stolz; mein Sohn!!!

Anatomie 

Ich liebe den menschlichen Körper und all seine Funktionen. So ist es nicht verwunderlich, dass auch meine Hörnchen recht früh beginnen sich mit dem Wunder der Anatomie auseinanderzusetzen. So entstehen regelmäßig Gesprächskreise, in denen die Organe, ihre Funktionen oder die Knochen besprochen werden. Zuletzt hatte auch das D-Hörnchen ein Buch in der Hand, in dem der Körper erklärt wurde. Wie gebannt ließ der kleine Kerl sich erklären, wie das Essen seinen Weg durch den Körper nimmt und wie es wieder rauskommen. Er war begeistert. Auch die Tatsache, dass im Kopf eine Matsche ist, die denken kann, fand er ganz großartig! 

Heute dann hörte ich Rufe von Klo. Das D-Hörnchen saß dort und sinnierte:“ Mama, in welches Gehirn geht nochmal das Pipi?“ Ich war entzückt! Wie viel er schon verstanden hat! Und wievieles dann eben doch noch nicht. Süß! Später am Abend erfolgte dann noch einen Geschlechtsteil-Untersuchung mit C-Hörnchen. Die quetschte an ihrer Hühnerbrust herum und erklärte, dass da auch schon bald ein Busen wachsen würde. Ihr Bruder griff sich entschlossen an den Bauch und fügte hinzu:“ Wenn ich später ein Mädchen bin, wächst mit da sich ein Busen!“ 

Needle-Party

Heute hatte ich die tapfersten Kinder der Welt!! A-Hörnchen bekam beim Arzt seine Allergiespritze. Das ist fast Routine und fordert ihn lang nicht mehr. B-Hörnchen musste geimpft werden. Für sie gar keine Routine. Ein wenig aufgeregt war sie, definitiv. Aber tapfer hat sie es ohne eine Träne überstanden und dabei noch interessiert zugesehen. Die Heldin des Tages war das C-Hörnchen. Sie hat sich aus dem Urlaub ein unschönes Souvenier mitgebracht. Einen sehr entzündeten Stich mit einem kräftigen roten Ring. Zum Ausschluß von Boreliose sollte ihr Blut abgenommen werden. Und was war das Kind tapfer! Ohne einen Pieps ließ sie sich zwei Röhrchen Blut abzapfen, nicht ohne anschließend alles genau zu begutachten. 

Ich bin ganz stolz. Hätten sie geweint wäre es nicht anders. Was mich stolz macht ist das Interesse für das was da passiert, wie es funktioniert und wozu es dient. Nach der Behandlung gingen Salven von Fragen auf mich nieder und ich habe es genossen beim folgenden Mittagessen alle zu beantworten. Denn auch ich liebe den menschlichen Körper mit all seine Prozessen und Funktionen und Geheimnissen.  Und so klärten wir die Zusammensetzung des Blutes, seine Aufgaben, die Nachweisbarkeit von Krankheiten,  Schliff von Spritzen, Infektionen und vieles mehr. 

Ich bin nicht schwanger!!

So ist es! Nicht schwanger. Und es steht auch nicht zur Debatte und das tat es nicht und wird es auch nicht. 

Aber von Vorn. Heute hat mich (malwieder) jemand wildfremdes gefragt, ob es denn ein Junge oder ein Mädchen wird. Ich habe es geschafft noch halbwegs gefasst zu reagieren und habe gesagt:“Nicht von beiden, aber danke für das Kompliment!“ 

Tja, und in der Tat sollte ich lernen solche Zwischenfälle als ‚ok‘ anzusehen. Ja, ich habe einen Bauch. Und ja, 90-60-90 war gestern. Ich habe Dellen und Falten und bin wo zuviel und woanders zu wenig. Aber das alles doch nur, weil mein tapferer Körper vier wunderbaren Menschen das Leben geschenkt hat. Mein blöder,hässlicher Bauch ist vier mal knapp geplatzt. Er hat vier mal etliche Kilo Kind und Kram getragen und selbiges tapfer auf dem natürlichsten aller Wege nach draußen befördert. Es ist ok. 

Tatsächlich ist es ein Gefühl, wie mit der Stange geschlagen. Ist man doch selbst mit sich viel zu streng. Sicher will keiner dieser Kassier, Kellner oder anderen Menschen mich ärgern, aber letztlich könnte ich jedem einzelnen den Kopf abreißen. 

Nein nein, es ist kein Junge und kein Mädchen. Es ist ein Rest!!! Und es ist ok.