Der D-Faktor

Es gibt zwei Möglichkeiten den obligatorischen Sommerferien-Schluss-Einkaufsbummel zu begehen:

1. Vier Kinder ins Auto, Parkhaus. D-Hörnchen quengelt am Aufzug zum ersten Mal, dass er nach Hause möchte. Pipi machen gehen im ersten Geschäft. Auf dem Weg in die Abteilung will das D-Hörnchen 200 Dinge kaufen, die keiner braucht. Auf den 50 Metern zum 2. Geschäft verendet er fast an schmerzenden Beinen, wird sehr laut. Im Bekleidungsgesschäft 1 kaufen wir Unterwäsche und drei Kleider für C-Hörnchen, D-Hörnchen unterkriecht während dessen alle Ständer und würde gern die Vorhänge der Unkleiden öffnen. Beim Zahlen bettelt er nach Socken. Auf der Strecke zum dritten Geschäft liegt ein kleiner Spielplatz, D-Hörnchen stirbt 1000 Tode, laute Tode, weil er nicht spielen darf. Drittes Geschäft, wir suchen eine Badehose für’s A-Hörnchen, D-Hörnchen beginnt abermal die Abteiling von unten zu erkunden,… Einkaufen ist langweilig! Im vieren Geschäft, dem Schuhladen, ist ein Fernseher. Während Turn- und Hausschuhe für die drei Schulkinder ausgesucht werden, darf das D-Hörnchen Fernsehen. Beim Aufbruch folgt die große Rebellion. Fernsehen ist nicht langweilig!! Im Schweibwarengeschäft kommt D-Hörnchen fast nicht an. Er kann unmöglich noch einen Schritt laufen. Laut kann er das nicht. Endlich angekommen befummelt er mit seinen kleinen, klebrigen Fingern jedes einzelne Teil im Laden und will ausnahmslos alles haben. Das Zusammensuchen der diversen Hefter, Mappen, Stifte und anderer Artikel dauert ohne Faktor-D schon lange, mit eben noch länger. Zuletzt schleppen wir uns in die Drogerie, ein paar Kleinigkeiten kaufen. Beim Anblick der kühlen Getränke (wir haben nur Wasser dabei) und der Leckerchen an der Kasse ist der Ofen entgultig aus. Auf dem Rückweg zum Parkhaus jammert und schreit das D-Hörnchen im Wechsel, wie eine Prozession schleppen wir und im Schneckentempo durch die sengende Hitzen und die Massen. Unzählige strafende Blicke prasseln auf uns ein; es ist elend!

2. Vier Kinder ins Auto, D-Hörnchen zum Kumpel bringen und ins Parkhaus. Zum Aufzug und dann mal eben schnell Pipi machen. Und drei Geschäften verschiedenstes Textil kaufen, in zwei weiteren viererlei Schuhwerk. Ins Schreibwarengeschäft um eine halbe Tonne Hefter, Mappen und Stifte zu kaufen, danach noch schnell in die Drogerie. Die Stimmung, gelöst. Man zeigt sich die Schätze, berät sich kompetent und irgehdwie ist es geradezu effizient. Am Ende bleibt sogar noch Zeit für ein Eis. Und während wir das Essen, sprechen wir darüber, wie entspannt das Leben auch mal ohne den Kleinen ist. Nach dem Eis fluchs zum Kumpel, das D-Hörnchen einladen. Die Wiedersehensfreude ist bei allen groß.

Mein Dank gilt Mama J von L.

Allein allein

Ich bin allein zu Hause. Nach der Arbeit habe ich im Garten geraucht. Ich habe mich danach in der Küche ausgeruht und danach im Wohnzimmer. Ich bin sehr ausgeruht.

Diese Woche ist der Menne mit der Meute im Urlaub; allein. Ich habe keinen Urlaub und bin nun hier. Und während ich überhaupt gar keinen Zweifel daran habe, dass die fünf eine gute Zeit haben werden, bin ich mit über den Gehalt meiner kommenden Tage nicht im klaren. Ich habe mit Absicht nichts groß geplant, wollte es auf mich zukommen lassen. Nach den ersten zwei Stunden habe ich Kippen im Garten liegen lassen, Bonbons auf dem Sofa und meine Schuhe mitten im Flur. Ich komme mir ausgesprochen rebellisch und autonom vor.

Möglicherweise reicht dieses Programm zum füllen einer ganzen Woche jedoch doch nicht aus. Angebote nimmt das Sekretariat oder Facebook entgegen.

Prokrastination

Das angesagte Wort „Prokrastination“ beschreibt das Auf- oder verschieben anstehender Tätigkeiten. Im hippen Volksmund wird es zur Zeit allerorts als eine besonders gesellschaftsfähige Ausprägung des Nicht-tuns benutzt. Studenten prokrastinieren anstatt die Vorlesuzu schwänzen, Mütter prokrastinieren anstatt sich peinlich berührt vor der Hausarbeit zu drücken und alle andern tun es auch. Alle; außer mir.

Denn ich bin leider ausgesprochen schlecht in Nichts-tun. Ich kann es weder heimlich noch gesellschaftlich akzeptiert, keine 7 Minuten bekomme ich hin. Dabei weiß ich sehr wohl, wie wichtig es für Körper und Seele ist sich zu entspannen und alles frei zu lassen. Ja, ich habe davon gehört, dass der Kopf erst wieder so richtig in Schwung kommt, wenn er ab und zu mal Leerlauf erlebt. Mein Kopf kennt das nicht. Sobald ich still irgehdwo sitze oder liege beginnt das rattern im Oberstübchen. Einkaufszettel, aufstehen Treppe saugen, wann hat B-Hörnchen eigentlich zuletzt geduscht und haben wir noch Eier.. Aufsehen, nachgucken, hinsetzen. Die Wunschzettel der Kinder werden bedacht, googeln. Hier noch mal ne Nachricht an irgendwen, E-Mails checken. Noch mal eben das Altpapier raus bringen. Nein, dieses Nichts-tun habe ich nicht erfunden.

Sehr schade eigentlich, und ein wenig bleibt die Frage, ob ich es früher einmal konnte. Früher, bevor die kleine Armee hier begonnen hat mich ständig zu beschäftigen. Und während die Studenten im Nachbargarten auf einem Bein stehend meditieren, beschließe ich zumindest noch mal für sechs Minuten das Telefon weg zu legen und zu prokrastinieren. Ab JETZT!

Urlaub…!

Der Jobwechsel bringt es mit sich, dass ich Urlaub habe. Ich, nur ich allein. Der Menne arbeitet, die Kinder haben Schule und ich eben Urlaub. Seit einer Woche jetzt, und noch für weitere 15 Tage. Ich, Urlaub, allein. Es ist herrlich, ein Traum! Morgens um kurz nach sechs stehe ich auf, mit dem Kindern. Um acht ist alles geschafft; vier weg. Ja, und dann beginnt mein Tag. Jeder Tag ist jetzt mein Tag!

Nun ja, was soll ich sagen?! Die Küche ist dann sauber. Der Kühlschrank ausgewischt, die Schrankfronten poliert. Alle Regale drei mal bei sortiert und ausgewischt. Das Bad erstrahlt und auch die Wäsche ist gemacht; was heißt gemacht. Gestern ertappte ich mich dabei, wie ich rastlos durch’s Haus lief und einzelne Kleindungsstücke aus Legokisten sammelte. Irgendwie muss doch eine weitere Waschmaschine voll zu bekommen sein. Elend.

Mein Fahrrad war bei der Reparatur, ich kaufe täglich ein und allgemein ist alles erledigt. Alle Bücher gelesen, Facebook leer geguckt und auch Twitter hat man irgendwann durch. Ein Traum(a). Und zu meinem großen Glück habe ich noch 15 weitere Tage Urlaub. Urlaub, nur ich allein. Was habe ich es doch gut!

Warten

Wisst ihr was auf der ganzen weiten Welt das ist, was ich am schlechtesten kann? WARTEN! Und trotzdem habe ich immer wieder den strengen Eindruck, dass ich den Großteil meines Lebens nichts anderes tue. Ich warte auf Hörnchen, Freunde, Entscheidungen und alles nur erdenklich andere, auf das man so warten kann.

Warten. Warten macht mich madig, misslaunig und lässt mich stellenweise an meiner blanken Existenz zweifeln. Warten heißt keine Zeit zu haben was sinnvolles anzufangen. Warten heißt ausgeliefert zu sein und darauf zu warten, dass der andere Zeil des Konstruktes den Startschuss gibt endlich loszulegen. Warten ist ätzend!

Als kluger Mensch würde ich jetzt anderen raten, sich etwas kurzweiliges, nettes zu tun zu suchen um die Zeit angenehm zu überbrücken. Das klünge für mich nach einem guten Plan; außer wenn ich schon warte. Denn wenn ich erst mal am warten bin, dann blockiert klug und wird sofort und postwendend durch bockig ersetzt. Und so bleibt am Ende wieder nur das blanke, hässliche, unattraktive warten.

Wangleilig

Einige Wochen lang haben wir abends „Shameless “ geguckt. Jeden Abend zwei Folgen, am Wochenende drei. Und es kam wie es kommen musste, schneller als etwartet ist alles durch, jede Folge gesehen, analysiert und verschlungen. Was danach kommt ist die große Leere, die Rückkehr zum TV-Programm und die Verzweiflung über selbiges. Nach nur einem Abend bin ich am Boden zerstört und halb tot vor Langeweile, oder um es in C-Hörnchen’s Worten zu sagen:“Mir ist so waaangleilig!!“ 

Und so bin ich ganz paralysiert von lauter Wangeleile. Zu gewangleilt um das Licht anzumachen, zu gewangleilt um mir Kekse zu holen und sogar zu gewangleilt um die Katze zu ärgern. Es ist ganz klar! Eine neue Serie muss her. Also bitte, was soll ich gucken? Ich fordere maximalen Anspruch, mindestens fünf Staffeln kostenlos bei Amazon Prime und das war’s. Also bitte, lasst mich nicht verwangleilen. Helft mir!! 

Ein Hauchvon Nichts

Wenn ein Mensch in den Ruhestand geht sagen ihm schon Jahre vorher alle, er soll sich dringend ein Hobby suchen. Gegen die Langeweile und das drohende Nichts. Müttern ist ebenfalls klar: Wenn die Kinder ausziehen ist alles anders, Nutzlosigkeit, Langeweile und Mitlife Krises drohen unmittelbar. In Zukunft sollte sich eine weitere Personengruppe in diese Aufzählung einreihen: Studenten ! 

Tatsächlich bin ich in den vergangenen vier Wochen in etwas ähnliches geraten. So ein uuumpf, so ein Loch. Zu viel Zeit und zu wenig zu tun. Ich glaube ich beginne schon komische Dinge zu tun und irgendwie strukturlos zu werden. Ich dümple so durch meine freie Zeit ohne Sinn und Auftrag und mit nur einem Ziel: Dem Aufbruch zur Arbeit. So kommt es zu sinnvollen Vormittagen, an denen ich primär auf dem Küchenstuhl sitzend darauf warte, dass ich los muss. Endlich los. Und während ich mich vor wenigen Tagen noch beschwerte, dass meine Tage mit Job zu sehr fremdbestimmt sind, stelle ich nun fest, dass sie es gleichzeitig aber auch viel zu wenig sind. Ich bin so freivon  Freizeitgestaltung, dass mich mein Nichts am Ende viel mehr stresst als es ein Vollzeitjob könnte. 

So ist das nächste Zeil leicht bestimmt: Ich brauche ein Hobby; und nein ich werde nicht Häkeln;) Irgendwas cooles, sinnloses aber am besten schwer sinnvoll. Billig und einfach zu erlernen. Sowas wie.. ja?! Was denn nur?

Langeweile 

A-Hörnchen leidet sehr. Ihm ist langweilig. Keiner seiner Kumpel hat Zeit zum Daddeln. Er hat zu Ende gechillt und kein Bock was zu machen. Lesen ist assi, kein Bock den Legosatz zu Ende zu bauen, kein Bock auf alles. Ein Drama. 

Also für ihn, nicht für mich. Da verendet das Kind beinahe vor lauter Untätigkeit, in einem Zimmer, das mit Spielzeug vollgestopft ist. Alles so langweilig. Und wie gern würde ich ihm lachend sagen:“Langeweile ist gesund und beflügelt deinen Kopf!“. 

Denn so ist es ja angeblich. Der Leerlauf im Kopf macht und kreativ und treibt uns an; zumindest so lange er nicht chronisch wird. Gehirne mögen es durchaus einmal herunterzufahren und zu gammeln, angeblich. Leider klingt das alles in Theorie weit attraktiver als in Echt. In Echt hasse ich es auch wie die Pest, nichts zu tun zu haben. Ich werde davon irre, drehe mich in mir selbst im Kreis und werde nicht kreativ sondern aggressiv. Mein Hirn verstopft und beginnt verzweifelt gegen die Schädeldecke zu schlagen. „Los!!! Animier mich!“, scheint es ununterbrochen zu schreien. Und alles was ich ihm vorwerfe lehnt es gelangweilt und stuhr ab. Langeweile ist quälend und grässlich! Und ich bin mehr als froh fast nie Zeit für sie zu haben. Denn dann würde ich verrückt werden. 

Ich bin frei

Ich sitze in der Küche und habe in Dauerschleife den Titelsong der Eiskönigin im Ohr: Ich bin frei.. Ich bin freeeiiii… Nerv. Aber genau so ist es. Nach endlosen Wochen bin ich zum ersten Mal frei. Ich habe nichts zu tun, keine Aufgaben zu erledigen, niemanden zu betreuen. Ich bin vollkommen frei. Was ich alles tun könnte..!

Ändern wir den Satz etwas ab: Was könnte ich tun? Denn so sieht es aus. An die lange und intensive Prüfungsphase reihten sich die Ferien mit den Hörnchen. Wenigstens drei Monate am Stück war ich jeden Tag voll beschäftigt, ohne Atempause. So mag ich das. Nun habe ich keinen Schimmer was ich tun soll. Das Haus ist ok. Nicht blitzeblank aber… Ich putz doch jetzt nicht die Fenster wo ich zum ersten Mal frei habe. Meine Kaffee-Damen sind arbeiten und haben somit keine Zeit. Ich habe nichts einzukaufen, was wirklich dramatisch ist. Habe sogar das Auto vor der Tür und weiß nicht wo ich hinfahren soll. Langweilig. Und . Doof. So eine Vollbremsung tut mir nicht gut.

Das Dümmste ist, dass selbst das Naheliegenste wie Lesen, Fernsehen (haha, um 10.00 morgens..) oder Laufen gehen mich grad nicht locken können, da ich so angekotzt von sob sob sob bin, dass ich das kaum genießen könnte. Aber jetzt weiß ich es! Ich warte einfach motiviert von jetzt, 8.50 ihr bis 14.50 Uhr bis ich ENDLICH meine Kinder abholen kann. Und bis dahin checke ich 978 mal meinen Facebook-Account und meine Mails. Herrlich, das wird ein Fest. Klasse so ein freier Tag.

 

Kotz