Bildung für alle

Nach einem Jahr „ich mach das schon“ und einem wahren Gewitter aus Fünfen und Sechsen habe ich in Sachen Schule nun das Ruder übernommen. Selbstständiges Lernen stand in den Klassen 1-4 nicht auf dem Lehrplan und mein Irrer Gedanke, er würde es in der 5. durch Versuch und Irrtum lernen hat sich selbst ad absurdum geführt. Irre und vollkommen und unschaffbar, ich gebe es zu. Was einem keiner zeigt, das keiner lernt. Und so ist es nun an uns beiden, die Versäumnisse aufzuarbeiten und das Lernen zu lernen.

Tja, und wie heißt es so schön: Bildung ist für alle da. Endlich kann ich die Dritte Deklination Akkusativ Plural in den Nominativ umwandeln, auch das auffrischen der Vokabeln tut gut und bringt ganz neue Einblicke – oder wusstet ihr, dass das englische Wort für Schluchtklettern „gorge climbing“ ist? Wahrscheinlich nicht. Auch die Erkenntnis, dass die Hauptstadt von San Marino San Marino heißt hatte ich zwischendrin vergessen. Primfaktorzerlegung hingegen klappte noch ganz gut.

Immerhin bin ich mit diesen Erkenntnissen alles andere als allein. Unter den Eltern der Klasse herrscht ein reger Austausch über Hausaufgabenaufkommen, zu lernende Vokabeln und Inhalte von Referaten. Keiner lernt dort selbstständig, jeder einzelne unterliegt Muttis oder Vatis Management. Das Bestehen der Kinder ist, bis auf wenige Ausnahmen, vom Engagement, Zeitkontingent und Können der Eltern abhängig. Wer nicht mitzieht, der lässt sein Kind auf der Strecke. Mein Kind möchte nicht auf der Strecke bleiben, und so halftern wir gemeinsam durch den Stoff, hecheln Lektion für Lektion ab und recherchieren den Verlauf des Limes. Wie ich das finden soll weiß ich nicht. Klar lerne ich mit ihnen Vokabeln und erkläre mal die Hausaufgaben. Der Eindruck aber, dass alle Eltern praktisch immer mit ran müssen, ist irgendwie befremdlich.

Ändern werde ich das nicht, tatsächlich kann ich nicht mal eine Kritik formulieren. Und da ich nicht die Mama sein will, die ihr Kind auf die Nase fallen lässt, ziehe ich eben mit; und versuche ihm irgendwie trotzdem selbstständiges Lernen beizubringen. Denn bis zum Abitur … ist es noch lange hin.

Eigenverantwortung

Eben sah ich etwas verstörendes: Das A-Hörnchen am Schreibtisch; Hausaufgaben machend. Tatsächlich tut er das nicht allzu oft, zumindest aber sehe ich es fast nie. Das Hörnchen ist inzwischen fast in der 6. Klasse. Sein Erfolg in der Schule ist .. ..ok. Sein Notendurchschnitt ist irgendwo zwischen drei und vier; bei Minimalanstrengung. Er tut was er muss, selten mehr, manchmal etwas weniger. Ich versuche es gelassen zu sehen. Mein Ansinnen in Sachen Schule ist es immer gewesen ihn zur Eigenverantwortung zu erziehen. Nicht lernen früher zu schlechten Noten, Hausaufgaben nicht zu machen führt zu Nachsitzen etc. Früher oder später würde er das verstehen, die Zusammenhänge sehen und dann nachhaltig begreifen. Ist es doch viel effektiver über gemachte Erfahrungen zu lernen.

Ein Jahr lang haben wir das nun durchgezogen. Ich gab Ratschläge, machte Angebote zum gemeinsamen Lernen und erinnerte hier und da. A-Hörnchen lehnte alles ab, tat wenig bis nichts für die Schule und blieb stoisch. Ich blieb lange ruhig und wartete auf die Erkenntnis. Dem immer wieder kehrende: „Ich mach das schon“, meines Sohnes versuchte ich irgehdwie Glauben zu schenken, oftmals hilflos, manchmal panisch. Gestern dann brach das System „ich mach das schon“ zusammen. Die Kombination aus „keine Hilfe annehmen“ und „keinen Plan haben“ hatte das A-Hörnchen nach und nach in den schulischen Kollaps geführt. Nach einem tränenreichen Abend und einer schlecht geschlafenen Nacht kamen wir heute endlich zu dem Ergebnis, dass ein wenig Hilfe vielleicht doch nich schlecht ist.

Ordnung, Struktur und auch das Lernen muss man lernen. Klingt bescheuert, ist aber so. Beim A-Hörnchen scheiterte es oftmals an banalen Kleinigkeiten, wie sich die Hausaufgaben aufzuschreiben, Klassenarbeiten einzutragen usw. Er bekam keinen Flow, wurde immer wieder von Terminen und Anforderungen überrannt. Aus dem anfänglich überzeugtem „ich mach das schon“ wurde mit dr Zeit ein hilflos ruderndes „geht schon!“. Sich wiederum einzugestehen, dass der Plan, alles allein zu machen, gescheitert ist, fällt wahnsinnig schwer.

Nun also endlich gemeinsam, in die Eigenverantwortung. Aus Fehlern wird man schlau; und so hat das A-Hörnchen gelernt, dass es manchmal klug ist Hilfe anzunehmen und ich, dass es manchmal klug ist dranzubleiben.

Battariert

Heute schenke ich euch eine wunderbare Wortschöpfung des D-Hörnchens:

Wenn etwas kaputt geht, macht Papa es heile; er repariert es. Und ganz oft, wenn die Hörnchen etwas für kaputt befinden, muss Papa eigentlich nur die Batterie wechseln. 

Gestern war ein Druckknopf am Kindersitz los. D-Hörnchen versuche emsig ihn wieder zu befestigen. Als dies nicht klappte bat er seinen Papa darum, doch bitte den Kindersitz zu batterieren. 

Papa hat das hinbekommen. Ganz ohne Batterie sogar, einfach batteriert. 

Exil

Kommende Woche ist eine meiner wichtigen Prüfungen an der Uni. Und wie im Film bricht zu Hause die Welt zusammen. Kranke Kinder, ich selber auch alles andere als fit. Aber – the show must go on. Ich muss noch so einiges in mein Hirn einfüllen, und damit das nun endlich gelingt, bin ich ins Exil gegangen. Der Menne sitzt zu Hause und hütet Hörnchen. 

Hoch ambitionierte hatte ich in den vergangenen Tagen versucht, im heimischen Chaos wenigstens ein bisschen was zu lernen; vergebens. Wann immer ich halbwegs konzentriert war, kam irgendein krankes Hörnchen angewankt und hatte ein unbefriedigtes Bedürfnis dabei. 

So kam es, dass ich nun bei meinen Schwiegereltern sitze, im alten Kinderzimmer meines Mannes und endlich lernen kann. Alles wird gut; am Ende. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende. 

Schule stinkt

Ferien zu Ende; mal wieder. Gruselig. 

Und so komme ich, wie so oft, zu dem Schluss, dass es ohne institutionelle Schule auch gut ginge. Vielleicht sogar besser. Vielleicht sogar warscheinlich; oder sicher. 

Das Bisschen, was Kinder in den ersten vier Jahren in der Schule rein sachlich lernen, bekommt man (oder zumindest wir hier) in der  Hälfte der Zeit rein, vor allem dann, wenn man sich nicht mit all dem anderen Schulkram rumschlagen muss, der so anfällt. Dass auch ‚das Soziale‘ wichtig ist, weiß ich auch und finde ich wichtig. Jedoch denke ich, dass auch dieser Aspekt mit Leichtigkeit aufgefangen wäre, mit ein wenig Engagement versteht sich.   

Der Stress, Druck und Zwang der mit dem Modell ‚Ganztagsschule‘ einher geht ist nix für mich. Vielleicht auch nicht für uns alle; zu dumm, dass man sich der Tretmühle nicht entziehen kann. Zumindest ohne Auswanderung. Und das ist es  mir dann auch nicht wert. 

Vokabelheft

Wisst ihr was das sicherste Mittel gegen Vokabeln lernen ist? Ganz einfach: Man vergisst immer und immer wieder das Vokabelheft in der Schule. Wie klug von meinem Sohn. 

Nach drei Tagen ‚ups vergessen‘, habe ich heute mal zu hoch-mütterlichen Mitteln gegriffen. Ich habe kurzer Hand an alles in seinem Ranzen einen PostIt geklebt, auf denen das Wort ‚Vokalheft‘ stand. Um halb drei wusste ich dann, meine Methode hatte Wirkug gezeigt. 1. hatte A-Hörnchen das Heft tatsächlich dabei, und 2. war er mächtig genervt von seiner blöden Mama. Und auch sein Kunpel, der heute bei uns war, kicherte über die Aktion. Er fand es aber „voll krass“. 

Besorgte Website

Putzig. Als ordentliche Studentin bin ich unter anderem im Netzwerk ‚Studydrive‘ angemeldet. Auf dieser Plattform werden mehr oder weniger regelmäßig Materialien zu den einzelnen Veranstaltungen hochgeladen, von Kommilitonen. Ich agiere dort höchst selten und nie aktiv. 

Viel häufiger hingegen bekomme ich beinahe besorgte Emails von der Plattform. Der Inhalt ist jedes Mal großartig:

A lot of things happened in your courses. We don‘t want you to miss out on important stuff for your studies. That is why we quickly inform you about the most interesting updates.

Recent activities in your courses:

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Ich sehe, da lohnt es sich alsbald vorbei zu schauen!! 

1000er Faltbuch

Gesten Abend war ich auf dem Elternabend vom großen Hörnchen. Die Mathelehrerin berichtete, dass die Kinder zum Beginn des 3. Schuljahres ein ‚1000er Faltbuch‘ fertigen sollten, um sie auf den Zahlenraum bis 1000 einzustellen. Die Mutter eines lieben Mädchens, direkt neben mir, griff in den Ordner ihrer Tochter und förderte ein wunderschön, akkurat gefaltetes kleines Heft zu tage. Die Lehrerin lobte, wie schon das Kind diese Arbeit ausgeführt hatte. Motiviert vom Lob griff auch ich in den Materialordner meines Sohnes.

Ich griff in etwas gnüddeliges. Dann zog meine Hand einen knüddeligen Haufen heraus. Mein Sohn hatte offenbar etwas weniger Motivation sich diesem Thema zu nähern. Das Büchlein war kaum ausgefüllt und wenig gefaltet. Der Lacher der anderen Eltern war auf meiner Seite und auch die Lehrerin konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Und ich nahm die Situation als mein ganz persönliches Lob. Nur zu gut kann ich mein Hörnchen verstehen. ICH hätte da auch keine Lust zu gehabt.

Ich legte ihm sein Heftchen wieder in den Ordner  und machte eine kleine Notiz dran:

„Toll, wie gut du schon falten kannst. Mama:“

Kassettenaugen

Manche Dinge brauchen sehr, sehr lange um abschließend geklärt zu werden. So saßen der Menne und ich gestern Abend zusammen und irgendwie kam das Gespräch auf eine Fliege. 

(Btw.: es ist nicht so schlimm wie es klingt; Fliegen als Gesprächsthema sind nicht das letzte was uns geblieben ist…)

Jedenfalls sagte der Menne etwas über die Farcettenaugen der Fliege und ich lachte hämisch aus und erklärte ihm freundlich, dass die Dinger Kassettenaugen heißen würde.  Große Diskussion und dann ein schneller Blick zu Google. 

Scheiße! Der Typ hat Recht!! 

Da habe ich in der 6. Klasse für eine WUK-Arbeit dieses Wort falsch gelernt, und 20 Jahre lang ist es nicht aufgefallen. Und dann sowas. Welch eine Blamage. Schule macht doof.