Lügen haben kurze Nächte 

Lügen gehört sich nicht und doch ist es Bestandteil des allgemeinen gesellschaftlichen Lebens. Es gibt böse, vorsätzliche und hässliche Lügen, es gibt Lügen fast wie aus versehen und es gibt diese Notlügen. Letztere muss ich als Mutter immer wieder benutzen; und ich bin nicht stolz darauf. Das Problem ist folgendes: Als Mutter schickt es sich nicht besonders Kinder zu haben, die gut schlafen. Als Babys schon gar nicht, aber auch im Kindergarten- und Grundschulalter gehören kleine und große Einschlaf, Durchschlaf oder im-eigenen- Bettschlaf- Probleme dazu. 

Meine Kinder sind alle gute Schläfer; und das von Anfang an. Klar habe ich die ersten Monate nachts gestillt und nein, sie haben nicht nach drei Wochen 12 Stunden durchgeschlafen. Aber es war alles in einem guten Rahmen. Um den ersten Geburtstag war der Spuk vorbei und sie schliefen. Auch das zu Bett bringen war bei uns nie en Problem. Alle vier gehen gut und widerstandslos zu Bett. Keine Kämpfe, keine Randale. Alles was wir haben sind feste Zeiten, Rituale und eben das Glück schläfrige Gene zu haben. 

In der Mutti-Welt ist das nicht gut. Vollkommen nachvollziehbar; wer jahrelang nicht vernünftig schlafen konnte, der kann es schwerlich ertragen, dass das Problem bei anderen nicht existiert. Für mich ist die Konsequenz aus den genervten Blicken, dem traurigen Seufzen und den vielen fragenden, erschöpften Blicken die, dass ich die Sache leider gelegentlich etwas schlechter darstelle als sie ist. Ich Lüge keinem ins Gesicht, aber wenn es dann mal einen Zwischenfall gab – Pipi im Bett, schlecht geträumt oder ähnliches- ich diesem gern und mit stolz erwähne, wohingegen ich die Tatsache, dass sie fast immer gut schlafen selten bis nie formuliere.  Schlecht schlafen gehört zum guten Ton!