Besprechung mit anschließendem Frühstück

Heute vor 77 Jahren wurde auf der Wannenseekonferenz die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen. Die Einladung mit den schlichten Worten „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ war an 15 hochrangige Parteimitglieder gerichtet. Kern der Zusammenkunft war es nicht etwa den Massenmord zu beschließen, viel mehr ging es darum ihn zu verbessern.

Seit inzwischen 1,5 Stunden versuche ich meine Gedanken zu sortieren und etwas schlaues zu verfassen, versuche die Tatsache, dass sich 15 Menschen trafen und bei Kaffee und Tee berieten, wer wann wo wen wie umbringt zu begreifen und psychologisch zu betrachten. Nichts.

Fasse ich es also knapp zusammen. Der Mensch ist einfach so unfassbar dumm, dass man ihm die unglaublichsten Wiederwertigkeiten, das größte Leid und die dämlichsten Theorien als Wahrheit verkaufen kann, wenn man ihm nur seinen eigenen Vorteil sichert. Menschen glauben einem alles, und das schon immer. Menschen gehen auf Kreuzzüge, Versklaven andere und gucken sich Sonntags Mittags begeistert Gladiatorenkämpfe an. Hass, Unterdrückung, Leid und Mord sind in unserer Gesellschaft tief verankert und die meisten nehmen es gern in Kauf. Es ist ok, am besten wenn man es nicht direkt sieht. Und die hässlichen Berichte in den Spätnachrichten, da kann man ja drüber hinweg sehen.

Nur weil keiner was sagt, ist nicht alles ok. Nur weil alle es tolerieren, ist es nicht gut und nur weil man es nicht sieht, ist es nicht weg. Jede Sekunde sterben Menschen, werden gefoltert, unterdrückt, hungern oder werden Misshandelt weil sie falsch aussehen. Das passiert in fernen Ländern und hier. Vielleicht in Deinen Straße, in deiner Firma oder dort drüben, bei deinem Supermarkt. Und vielleicht könntest du der sein, der was sagt.

Traue niemandem!

„Herzlich Willkommen im Faschismus des 21. Jahrhunderts“, so oder so ähnlich scheint der Soundtrack unserer Zeit zu klingen. Beinahe täglich schmettern grausame Tatsachen durch die Timeline, gnadenlos und brutal. Polizeigesetz geSödert, der Bäckerskandal vom Lindner um nur die dicksten Fliegen meiner letzten Tage zu nennen. Jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft, nationale und internationale Katastrophen reihen sich fein aufgefädelt aneinander um dann, am Abend eines jeden Tages, fast unbemerkt wieder in der Versenkung zu verschwinden, runter gescrollt. Nur weniges hält sich länger als ein paar Tage.

Was dem menschlichen Geist nach so einem Tag bleibt ist eine Art emotionaler Nachgeschmack. Die sachbezogenen Inhalte sind weg, die emotionalen bleiben. Und die verkaufen sich wie warme Semmeln: Menschen sind böse, fast alle. Manche sogar sehr böse! Man hat stets Grund zu großer Angst, vertraue niemandem. Missachte das Fremde, verurteilt das Unbekannte. Setze dich nicht unvorsichtig mit dem Gedankengut des anderen auseinander; viel zu gefährlich. Menschen sind gefährlich, eigentlich fast alle, am meisten die, die du nicht kennst. Jeder kann der nächste Killer sein, eigentlich bist du fast tot. Traue keinem, traue nur deiner Angst. Deine Angst ist sicher, ist die Konstante in deinem Leben. Pflege deine Angst, lecke deine Wunden.

Menschen zu manipulieren ist so leicht. Dankbare Opfer, die sich nach einer einleuchtenden Lösung sehnen. Wenn man ihnen halt sagt, dass alle böse sind – dann sind alle böse. Guter Trick, denkt man da. Und so unfair und so dumm zugleich. Menschen sind nicht böse. Der Mensch ist ein hochsoziales Wesen, dass sich nach anderen seiner Art sehnt. Von Urzeit an lebte der Mensch in Gruppen, profitierte von einander und teilte seine Güter. Die Gruppe, unverdorben und frei von faschistischer Propaganda, ist in der Lage die Kleinen im Verband zu erziehen und die Schwachen zu tragen. Der Mensch ist ein Wesen das akzeptiert, neugierig ist und die Welt erfahren will. Unsere Vorfahren überlebten dank einer Mischung aus Vorsicht, sozialen Dasein und Neugier.

Boshaftigkeit, Skepsis und Hass machen einsam und verbittert. Sich im eigenen Saft zu wenden und keine neuen Einflüsse zuzulassen, ja sie zu verteufeln, führt zu gar nichts – außer zu verbitterten, ängstlichen Menschen, die nichts mehr erschaffen können außer Angst, Hass und Verbitterung. Und die sind dann das, was als kulturelles Erbe an die nächsten weitergegeben wird. Ein Lebensgefühl als Weisheit: Traue niemandem, du bist allein!

Pferderennen

Bei Twitter begegnete mir ein virtuelles Pferderennen.

Mit fast 50% liegt das 3. Pferd vorn und die Gemeinschaft wundert sich nun, wieso das so ist. Psychologisch betrachtet gibt es zwei Modelle, sozusagen zwei Verhaltenstypen die beide erklären, warum Antwort C am wahrscheinlichsten ist.

Zunächst ist für beide Modelle zu postulieren, dass die Pferde in einer Reihenfolge stehen und keinerlei weitere Merkmale aufweisen. Alle vier Möglichkeiten a,b,c und d sind identisch. Das Gehirn konzentriert sich von hier an auf das einzige Unterscheidungsmerkmal, den Stellenwert in der Reihenfolge. Nun gibt es die genannten zwei Verhaltenstypen:

1. Der Helfer

Der prinzipiell unterstützende Typ sieht die Positionen der Pferde wie folgt:

a) wahrscheinlicher Gewinner

b) hat eine faire Chance

c) >sinnvolle Investition

d) wahrscheinlicher Verlierer

Die Investition wird also sehr wahrscheinlich für Pferd c getätigt, einfach weil es es brauchen kann.

Der zweite Typ ist der

2. Gewinner-Typ

Er sieht die Pferde wie folgt:

a) den nehmen alle

b) den nehmen auch noch welche

c) >nimmt kaum einer

d) nimmt keiner

Da dieser Typ gewinnen möchte, und es dafür notwendig ist auf ein Pferd zu setzen, dass sonst kaum einer nimmt, trickst er seine Mitwetter aus und nimmt Pferd c. An dieser Stelle muss noch einmal auf das Fehlen weiterer Parameter verwiesen werden. Mit Hilfe vorhandener Laufstatistiken etc. wäre die Sache natürlich eine andere. So aber ist es logisch. Bei Variante a) ist der mögliche Ertrag minimal, bei Vatiante b) kaum besser. Variante d) ist zu riskant und so bleibt c).

Diese Einfache Herleitung funktioniert nur aufgrund der wenigen Parameter. Die Hinzunahme von zB. Farben oder eine vertikale Verschiebung der Pferde im Balken, würden das Ergebnis potentiell verändern, denn dann kommen andere Wahrscheinlichkeiten ins Spiel. Dennoch bleibt es berechenbar. Denn auch Lieblingsfarben oder favorisierte Laufrichtungen sind statistisch zu erfassen und damit einzuberechnen. Gehirne sind so durchschaubar.