Immer motzt du

Ich möchte ins Bad und starte die Aktion mit den Worten: „Ich gehe jetzt ins Bad und möchte dort mal eben meine Ruhe haben.“ So gehe ich durch die Tür, schließe sie und tue was man so tut. Nach 5 Minuten geht die Tür auf. C-Hörnchen kommt rein, setzt sich zufrieden auf den Klodeckel und legt los.

Einige Minuten lang hält sie einen Vortrag über die Vor-und Nachteile verschiedener Reiterhosen; ich hatte gar nicht danach gefragt. Nach zwei Minuten bitte ich sie höflich zu gehen und Verweise auf meinen Wunsch nach Privatsphäre. C-Hörnchen schüttelt den Kopf und plappert weiter. Ich bitte sie etwas energischer zu gehen. Abermals schüttelt sie den Kopf. Ich sehe dem Hörnchen in die Augen und sage ein letztes mal freundlich:“Geh raus!“. Nichts passiert. Nun schreie ich. „RAUS!!“ fetzt es durch den Raum. C-Hörnchen springt auf, geht zur Tür und heult im Rausgehen: „Immer musst du motzen!!!“. Fassungslos bleibe ich zurück. Woher dieser Protest, was macht das? Was ist so attraktiv daran, einen anderen zur Weißglut zutreiben und dann selbst daran zu verzweifeln?

Die Antwort ist leicht: Es ist die Abgrenzung. Kinder im Grundschulalter beginnen sich als autonome Persönlichkeiten wahrzunehmen. Während Kleinkinder eins mit der primären Bezugsperson sind, und auch Kindergartenkinder immer noch Teile ihrer Person über die Bezugsperson definieren, stellen Grundschüler fest: Ich bin ein Ich! Diese junge Konstrukt muss nun erprobt werden. Wie stabil ist mein Wille, wie viel kann ich durch mich erreichen und was passiert, wenn ich mein Wollen gegen das der Bezugsperson stelle? All diese spannenden Fragen klären Kinder im Alter von sechs bis etwa Zahn Jahren. Sie tun dies nicht um Eltern in den Wahnsinn zu treiben oder sich selbst als besonders oppositionell herauszustellen. Der Grund für diese Abgrenzungen ist, dass die Kinder sich zu selbständigen Wesen formieren, die dann schlussendlich stark genug sind, die eigene Pubertät und die damit verbundenen Veränderungen zu überstehen. Sich von Bezugspersonen abzugrenzen heißt letztlich nur, sich zu sich selbst zu bekennen, die eigenen Bedürfnisse zu erfassen und ihren Wert zu sehen. Wer als junger Mensch lernt sich abzugrenzen, hat es auch als erwachsener in aller Regel leichter sich selbst nicht zu verlieren. Und wer es schafft im Alltag bei sich zu bleiben, der hat für sein Leben und vor allem für seine psychische Gesundheit viel gewonnen.

Überall rechts 

Wir waren mit dem Fahrrad unterwegs. Meine Mädels fuhren im Park auf Ca. 98% der gesamten Wegesbreite, was ich angesichts der winterlichen Einsamkeit im Park vollkommen ok fand. Voller Begeisterung ritten sie ihre Räder und feuerten „Amadeus und Sabrina“ nach Kräften an. 

Irgendwann kam uns ein Rentnerehepaar entgegen. Sie waren weit vorher zu sehen und genauso ihre missmutigen Mienen. Als sie näher kamen, bat ich Bibi und Tina darum, den Weg frei zureiten und sie gaben etwa 1,5 Meter frei. Alles war bestens, der Platz reichte selbst für langsame, schwankende Rentner locker aus, und meine Hörnchen stellten sogar das rasante Spiel ein. 

Trotzdem konnte der alte Sack nicht anders und brüllte meine Töchter an:“Rechts!!!! Man fährt rechts!! Man man man!!“ C-Hörnchen staunte nicht schlecht und schrie zurück:“Hier ist wohl überall reeeeeechts, duuuuuu!!“ 

Ich habe das Gesicht des Herren nicht mehr gesehen, nichtsdestotrotz freue ich mich riesig über diese Aussage, die treffender und richtiger nicht hätte sein können. Mein kluges Kind!! 

Kindermund tut komisch kund

Heute im Auto… Ich fuhr gemach in der Stadt herum, die Mädchen im Hinten, als plötzlich der Mensch vor mir einfach abbog. Um ihm nicht hinten rauf zu fahren, bremste ich beherzt. Es hackte kurz, dann ging die Fahrt friedlich und…

„Man du blöder Spasti, hast du keinen Blinker?“, schallte es aus dem Hinten. B-Hörnchen fand es eine ausgemachte Frechheit, das der Andere UNSERE hoch-wichtige Fahrt unterbrochen hatte. 

Ich prustete laut los und frage mich seit dem, von wem sie das hat. Ich dachte tatsächlich und aufrichtig, dass keiner von uns so Auto fährt. 

Mittagessen mit List

Heute gab es bei uns zum Mittag ‚Boa eyy, Mama! Wie ekelhaft‘ mit ‚ich hab dir schon 1000 mal gesagt, dass ich das nicht mag. Dazu gab es Kartoffelstampf und Schinken. Für meinen Mann und mich gab es klassisch Spargel mit Hollandaise; voll ekelhaft eben.

Da ich auf das elende Gemotze eingestellt war, und nicht viel von direkt-plakativem Futterzwang halte, habe ich eine kleine, feine List angewandt. Vorweg: Hat gut geklappt. Hihi

Ich habe zum Schinken auf den Teller noch eine Fleischwurst aufgeschnitten. Für dieses elende Zeug würden meine Kinder töten, wahrscheinlich weil es sie zu selten gibt (oder etwa Immer noch zu oft??). Jedenfalls wollten sie angesichts des ‚Boa eyy, Mama! Wie ekelhaft‘ und der ‚ich hab dir schon 1000 mal gesagt, dass ich das nicht mag‘ alle schnell zu Kartoffelstampf und Fleischwurst greifen. Da habe ich die Herrschaften mal schnell aufgeklärt:

Fleischwurst muss man sich verdienen! Für je eine Stange ‚Boa eyy, Mama! Wie ekelhaft‘ bekommt man eine Scheibe Wurst. Easy. Tatsächlich haben alle zunächst eine halbe Stange  ‚Boa eyy, Mama! Wie ekelhaft‘ probiert und dafür je eine halbe Scheibe Wurst bekommen. Und dann, von ganz allein wurde der ‚Boa eyy, Mama! Wie ekelhaft‘ zu einem ‚ach, kann man essen‘ und die Hörnchen haben tatsächlich ganz gut zugelangt. Und in Zukunft können wir dann vielleicht einfach nur so Spargel essen; natürlich mit Fleischwurst. Aber ohne Gemotze.