Gewalt erzeugt Gegengewalt 

Grad fand ich im Imbiss eine Bild. Auf sieben Seiten zermalmt das Blatt den Terror der vergangenen Tage. München, Würzburg, Ansbach. Und überall waren es die Ausländer. Episch wird über die Unkalkulierbarkeit der Zuwanderung geschrieben; der Held, der einen der Täter überfuhr, wird heroisch gefeiert.

Ich bin entsetzt. Nicht dass die BILD jemand besonders sachlich oder fair berichtete hatte; nicht dass ich ernsthafte und informative Berichte erwartet hätte. Aber das was dort auf sieben Seiten steht, ist einfach nur menschenverachtend und gefährlich. Menschen werden brachial sortiert, Hass wird geschührt. Und ich frage mich, wie soll denn die Welt besser werden, wenn die einzigen Mittel gegen Hass und Gewalt Hass und Gewalt sind?  Wie soll das gehen? „Gewalt erzeugt Gegengewalt..“ sangen die Ärzte in den 90ern. Und dagegen hilft nur eins: Aufhören! 

Ich denke an einen Raucher der Angst vor Krebs hat weil alle sagen:“Rauchen erzeugt Krebs!“ Was hilft ihm also? Aufhören! Immer mehr rauchen hingegen beschleunigt den Vorgang und facht den Krebs an. Würden nun alle mitrauchen und gegenan rauche, würde das die Ängst des betroffenen sogar noch steigern, warscheinlich sogar eine Erkrankung begünstigen. Es wäre lediglich so, dass dann ja alle rauchen würden und es somit legitimiert wäre. 

Wenn ihr also Angst habt, dann kippt doch kein Öl ins Feuer und hasst mit. Seit nicht schlimmer als die, vor denen Ihr Angst habt. Schürt nicht Gewalt und Misstrauen! Die einzigen die ihr ändern könnt seit ihr selbst. Also hört auf!  

Münchens Masse

München stand still, und mit ihm die ganze Welt. Denn die saß am Fernseher und am Internet und suchte fieberhaft nach drei Tätern mit Sturmhaube und Langwaffen. Ich für meinen Teil wohnte entsetzt dem unglaublichen Schaustück der Massenpsychologie bei und verstand nicht, warum dieses viele gefährliche Halbwissen auch noch breitgetreten werden muss. Denn alles was die vielen Reporter uns gestern Abend zwischen 18 Uhr und Mitternacht bieten konnen waren die wenigen, wiederaufgewärmten Zeugenaussagen und einige Videos. Im Grunde wusste man nichts und stützte alle Berichterstattung auf das, was Menschen in Panik berichteten. 

Menschen in Panik werden von Adrenalin überschüttet. Sie geraten in eine schlimme Situation, bekommen großen Stress und dann geht es los. Hormone überfluten das Gehirn und man bringt sich in Sicherheit. Menschen in Panik regieren wie ferngesteuert, nicht rational oder überlegt. Ihre Hirne schalten auf „Überleben!“. Haben sie es geschafft zu überleben, setzt automatisch der Massenprozess ein. Dank diesem werden alle Menschen, die in den Prozess verwickelt waren, zu einer Masse. In Minuten werden Informationen ausgetauscht, nach dem Prinzip des Stärkeren bildet sich ein Konsens der Masse. Dieser Prozess findet nicht etwa an einem Ort statt, er findet im Netz statt; die Masse sind nicht die 30 Menschen am Ausgang, sondern sie besteht aus all denen, die fleißig im Netz mit posten. 

Über die Qualität des Massenkonsens lässt sich wenig gutes sagen. Die Masse urteilte in Panik. Aufgrund der Kürze der Zeit und der Hormone, die das Hirn fast lahmlegen, ist das was die Polizei  eine Zeugenaussage nennt, nicht mehr als eine wilde Mischung panischer Vermutungen. Und so kam es gestern Abend zu „drei Tätern mit Langwaffen“, gegen die zwar alle Fakten sprachen, die aber von der Masse als real beschlossen wurden. Die Quintessenz aus dem Lehrstück: Traue nie der Masse, auch wenn sie es nicht böse meint. Sie versucht nur sich zu retten, was sie nicht versucht ist rational ein Problem zu lösen. Wenn auch man das Massenverhalten nicht aufhalten kann, wäre es ein Traum gewesen die Medien hätten die Professionalität aufgebracht einfach aktiv nichts zu wissen. Denn der Panik und dem allgemeinen Frieden hätte das weit mehr genutzt  als  diese irre Panikmache. 

Kleiner Buchtipp am Rande:

Gustave Le Bon; Psychologie der Massen