VNV Nation/ Heimspiel

Tanzbare, elektrische Musik mit mächtig Bums und Texten die relevant sind, einem Sänger, der mit seiner Bühnenpräsenz und Ausstrahlung so mitreißt , dass man über Stunden wie abgeschossen ist; das ist mein Fazit nach meinem ersten Konzert von VNV Nation. Alter, war das gut! Mit mächtig Druck gingen die Bässe vom ersten Ton an direkt rein; Herzaussetzer gratis. Alles hat vibriert, alles in Bewegung. Das Publikum wir ein waberndes Gebräu im Hexenkessel, Ronan Harris der Hexer, der die Masse zum kochen bringt.

Nach dem ersten Lied kam im Übrigen die Bitte der Band, den Blitz am Handy auszumachen beim Fotografieren, und bitte haltet das Handy dabei nur vor eure eigenen Augen. „Es geht hier um Respekt!“ sprach Ronan und traf den Nagel so sehr auf den Kopf! Miteinander feiern, nicht gegeneinander, so die klare Message. Abgeschlossen wurde der Abend mit dem Stück „All our sins“, das sich mit dem Fristern der Menschen auf Erden befasst, mit dem Leid der einen und der Ignoranz der anderen. Ein klarer Apell: Die Uhr tickt, die Massen marschieren wieder. Handelt, bevor es zu spät ist!

Johnny Thunders

Grad schenkte mir die Shuffle-Funktion von Spotify „Das Wort zum Sonntag“ von den Toten Hosen. Lange nicht gehört, ganz lang! „So lange Johnny Thunders lebt, so lange bleib ich ein Punk…“ singt Campino und gibt mir das Gefühl alles sei gut.

Johnny Thunders, denke ich. Wer ist das eigentlich? Und so Google ich mich schlau. Amerikanische Punk-Ikone der 70er und 80er Jahre. Bis 1975 Gitarrist der „New York Dolls“, bis 1978 bei den „Heartbreakers“ und danach solo unterwegs. Großer Einfluss in der Punk-Szene, viel zitiert, Heroinabhängig und dann das! Johnny Thunders ist tot! 1991 verstorben, an den Folgen seines Konsums.

„Ich bin noch keine 60 und ich bin auch nicht nah dran.. und wenn ich wirklich einmal anders bin, ist mir das heute noch scheiss egal.“

Johnny Thunders lebt gar nicht mehr, die Hosen machen keinen Punk und was ist eigentlich mit mir? Immerhin, die Vorstellung alles sei gut, so lange Johnny Thunders lebt, stammt in meinem Fall aus den mittleren 90ern, aus einer Zeit, in der Er schon tot war. Somit war also noch nie alles ok – oder eben doch schon immer. Alles ist gut, ich bin noch keine 60 und eines Tages werde ich es dennoch sein. So oder so.

Gut zu wissen

Wusstet ihr, dass „nothing else matthers“ von Metallica während eines Telfonates entstanden ist?

James Hetfield habe mit dem Telefon in der linken und der Gitarre auf dem Schoß ein Telefonat geführt und sich mit dem Spielen auf der Gitarre die Zeit vertrieben. Hierdurch seien auch die gebrochenen E-Mol Akkorde zustande gekommen; schließlich war die Greifhand beschäftigt.

Ein zauberhaftes Lied ist es eh, aber jetzt mag ich es noch mehr. Es ist quasi eine akustische Telefon-Kritzelei.

Als die Lieder Texte bekamen

By the time I got to New York

I was living like a king

Then I used up all my money

I was looking for your ass

This way or no way

You know, I’ll be free

Just like that bluebird

Now ain’t that just like me?

Oh I’ll be free

Just like that bluebird

Oh I’ll be free

Ain’t that just like me?

(David Bowie/ Lazarus)

Bowie lang für das A-Hörnchen und mich im Auto, wie so oft. Und ich sang mit, wie so oft und mit viel Hingabe. „Will er frei sein wie ein Vogel?“ fagte das A-Hörnchen auf einmal. „Oh ja!“ antwortete ich ihm und erzählte von Bowies letztem Album, seinem bevorstehendem Tod und eben dem Lazarus. Mein Hörnchen lauschte aufmerksam und zum ersten Mal schien sein Englisch auszureichen um Zugang zu der großartigen Welt der textlichen Musik zu bekommen.

Ich habe früh angefangen Musik zu lieben. Die ersten Platten lieh ich bei Mama aus; ABBA, Beatles und Queen. Ohne jede Englisch-Kenntnisse ein hoffnungsloses Unterfangen. Es war.. so lala. Mit der 5. Klasse kam der Englisch-Unterricht und damit die große Offenbarung. Mit Dictionary, Stift und Papier bewaffneten arbeitete ich mich durch die Musikwelt.

Bis heute ist für mich primär der Zugang zum Text wichtig. Kann ich da mitgehen, mich wiederfinden und beziehen ist alles willkommen. Übrigens darf es inzwischen auch gern deutsches Textwerk sein. Aktuell hat es mit Judith Holofernes angetan, die in ihren Texten nur zu gut ihren Nagel auf meinen Kopf trifft. Haben ich mich einmal an einem Stück festgebissen, bleibt es; mit all den Emotionen, Gedanken und Erlebnissen, die ich einst an es gebunden haben. So kann das Abspielen einer willkürlichen Spotify-Playlist sowohl hoch-angenehme als auch deutlich anders aufgeladene Überraschungen mit sich bringen.

Ich danke all den großartigen Künstlern, Dichtern, Literaten und Textern dafür, dass sie mich immer wieder so begeistern können, mich über so viele Stunden so sehr begeistert haben und mich aus so manchen Tief gerettet haben. Ohne euch wäre das Leben irgehdwie dumpf.

One night out

Tanzen bis zum Morgengrauen, nette Menschen, gute Musik und der simple Konsens einfach eine gute Zeit haben zu wollen. Das ist in etwas das Erfolgsrezept für eine gelungene Nacht. Gestern war eine dieser Nächte, die es mir erlauben meinen Hörnchen-Trott weitestgehend hinter mir zu lassen und einfach ich zu sein. Himmlisch, und viel zu selten.

Denn was immer mal vergessen wird ist, dass in diesen leicht staubigen Mutti-Hüllen auch immer noch echte Menschen stecken. Menschen, die früher mal Interessen hatten, ein abwechslungsreiches Leben und all sowas. Klingt frustriert? Ist es manchmal auch. Wenn aus einem jungen Menschen ein Mutti wird, gehen viele Dinge verloren. Schlafmangel, ständiges Gebraucht-werden und so manches falsch verstandenes Pflichtbewusstsein schalten häufig das „Ich“ aus und ersetztes es durch ein „Mutti“. Schrecklich, und für niemanden ein Vorteil.

Immer wieder rate ich Müttern im Beratungsgespräch auch an sich zu denken, zufrieden zu sein und sich nicht vollständig dem Kind zu unterwerfen. Um eine gute Mutter sein zu können, muss man zunächst glücklich sein, zufrieden und mit sich selbst sauber. Dann erst stimmt die Grundlage für alle möglichen pädagogischen Ausschweifungen, faires Handeln und gelebte Liebe. Was es braucht um glücklich zu sein, muss jedes Mutti selbst wissen. Manche gehen zum Friseur, andere gehen Shoppen. Ich muss einfach aus dem Haus. Kluge Gespräche und ein schönes Bier, Musik, Menschen und ab und zu eine durchtanzte Nacht. Das ist mein Ausgleichssport; der Stoff aus dem ich meine Energie gewinne, aus dem ich all meine Geduld und meine Ruhe schöpfe.

Alter! 

Im Rahmen der musikalischen Früherziehung habe ich heute mit dem A-Hörnchen gute Musik auf You Tube geguckt. Wir haben Metallica gehört und Nirvana und The Offspring und Guns’n Roses. Das Hörnchen war begeistert und ließ sich gern in meine Helden einweisen. Das sind James und Kirk, Das ist Kurt Cobain, der ist leider tot. Und dann kamen Axel und Slash. Ich erzähle alle möglichen Dinge von früher und irgendwann begann das Video zu „November Rain“. 9.07 Minuten ganz großes Kino lagen vor uns und ich war ganz aus dem Häuschen. 

Nach den ersten Minuten des Epos war die Trauung vollzogen und dann passierte es: Die Braut und der Bräutigam küssten sich. A-Hörnchen bekam große, ja sehr große Augen. Er lief ungemein rosa an und wertete sich dann angeekelt vom Computer ab. Alles was noch kam war ein gepresstes: „Alter!“ Das war er, der wohl peinlichste Moment in seinem bisherigen Leben. Alles meine Schuld, ich gebe es ja zu. Dabei wollte ich ihm nur Gutes tun. Nach diesem pikanten Zwischenfall war seine Lust auf Mamas alte Musik gegessen und ich sah von meinem ursprünglichen Plan, ihm die Aerosmith-Trilogie von Amazing, Crying und Crazy vorzuspielen ab. Alicia Silverstone und Liv Tylor im Liebestaumel hätten ihn wahrscheinlich getötet. 

Glück im Unglück

A-Hörnchen ist im Krankenhaus. Und Krankenhaus, das weiß ja jedes Kind, ist doof. Langweilig, laut, durcheinander und einfach kein Ort um gesund zu werden. Als wir gestern in dem verwaisten Dreibettzimmer ankamen und A-Hörnchen das mittlerer Bett bezog, war uns flau im Magen. Ein weiterer Gast würde dazu kommen; bald. Weder A-Hörnchen noch ich sprachen es aus, jedoch hatten wir beide echte Bedenken was den Zimmergenossen anging. Schreiende Kleinkinder, Babys, doofe Kinder. Die imaginäre Palette der ungemütlichen Nachbarn war groß und dann ging die Tür auf…

Durch die Tür trat ein Teenie, zurückhaltend und freundlich. Er bezog das Bett am Fenster und stellte sich als Faris vor. Schnell kamen die beiden ins Gespräch, Faris eher forsch, A-Hörnchen kaum hörbar. Aber sie klönten und es war gut. Bald zeigten sich ein paar Gemeinsamkeiten. Star Wars ist cool, und beide spielen Gitarre. Zwar liegen Welten zwischen dem Leben eines 9-jährigen und dem eines 16-jährigen, aber dennoch stimmte die Chemie. Und so kam es, dass ich eben zwei Jungs zurück ließ, die auf ihren sterilen Krankenhausbetten sassen, im Schlafanzug mit strubbeligen Haaren, Kanüle im Arm und EKG an der Brust und vollkommen zufrieden auf ihren Gitarren spielten. Es war friedlich und hatte etwas entspannendes. Und trotz aller Widrigkeiten wirkte keiner von beiden ersthaft unzufrieden.

Und so kam es, dass Krankenhaus zwar immer noch ganzschön doof, irgendwie aber doch nicht so doof ist. Und als A-Hörnchen die Nachricht bekam, dass er noch eine weitere Nacht bleiben müsse, grinste er verschmitzt und sagte: „Eigentlich ist es ganz gut hier! Zu Hause nerven ja nur die Kleinen.“ Und wahrscheinlich ist das so. Während er zu Hause immer der Große sein muss und ständig mit Toben und Hottitotti konfrontiert ist, kann er im Krankenhaus einfach mal abhängen, klein sein und die vermeintliche Ruhe genießen. Es kommt doch irgendwie immer alles auf den Blickwinkel an.

And nothing else matthers 

Als ewig gestriger Metallica-Fan gehört das Intro von ‚Nothing else matthers‘ für mich noch immer zu den schönsten Dingen die man meinem Ohr anbieten kann. Schon der erste Ton sorgt für tiefe Entspannung und ich bin weg. Als ich es zum ersten Mal live gehört habe quittierte mein Hirn es mit einem Weinkrampf. 

Als mein A-Hörnchen vor zwei Jahren begonnen hat Gitarre zu lernen, äußerte ich den Wunsch, dieses Lied einmal von ihm gespielt zu bekommen. Bislang war er stundenlang mit einzelnen Noten  und Kinderliedern beschäftigt. Die für ‚Nothing else matthers‘ notwendigen Töne waren jedoch immernoch in weiter weiter Ferne. Gesten Abend kam mein Hörnchen runter und wolllte mit etwas vorspielen. Ich setzte mich und erwartete Pippi Langstrumpf; zum 300. Mal. Dann spielte mein Sohn mir ‚Nothing else matthers‘. Er hat sich die Melodie selber zusammengesucht, viel probiert und am Ende bis auf Kleinigkeiten einen Volltreffer gelandet. So wunderschön habe ich das Lied noch nie gehört; und werde ich es warscheinlich auch nie wieder hören! 

Ein Klavier, ein Klavier 

Nun möchte das B-Hörnchen Klavier spielen. Sprichst nichts gegen soweit. Sie spielt seit etwas über einem Jahr motiviert Blockflöte, kann Noten lesen und übt freiwillig. Bestimmt wäre sie eine gute Pianistin. Eine Blockflöte konnte man auch gut anschaffen. Auch die Gitarre des A-Hörnchen hat uns nicht ruiniert. Aber ein Klavier?? 

Und so sitzen wir hier, und sind zwischen „es ihr gern ermöglichen wollen“ und „es uns einfach nicht leisten können“. Eine blöde Zwickmühle. Könnte sie nicht etwas kompakteres wollen, Klarinette oder von mir aus Cello? Etwas günstiger wäre auch gut, Trompete oder so? Nein, es soll ein Klavier sein. Ein Klavier, ein Klavier. Herrjeh! Was ist das schön, motivierte und ambitionierte Kinder zu haben. Meistens zumindest.