Neues Jahr, neues Glück

Früher sah ich mir gern die Jahresrückblicke von RTL oder so an. Heute bin ich da skeptisch, zu gefärbt ist mir das ganze. Und so ziehe ich lieber selbst Bilanz. 2018, wie warst du denn?

Privat war es ein turbulentes Jahr. Ein Jobwechsel, ein Todesfall; beides emotional sehr markant. Auch sonst hat sich einiges bewegt, es wackelte hier, es zappelte da. Viele meiner Freunde erlebten kleine und große Dramen, andere erlebten aber auch wundervolles. So bekamen einige Freundinnen Babys, kauften Häuser oder heirateten. Ich persönlich fand 2018 schwergängig und anstrengend; einfach so.

Politisch betrachtet sieht die Sache ähnlich aus. Mehr als ich es jeh erlebt habe rückte rechter Terror in unseren Lebensalltag. Chemnitz ist nur ein Ort, dessen Name nicht mehr genannt werden kann ohne an Angst und Verfolgung zu denken. In den USA war es Charston, und auch Paris war unruhig. Die Essener Tafel lehnte Neuaufnahmen von Nicht-deutschen ab, da der Anteil dieser Gruppe bei über 75% läge; wieso so viele Menschen jedoch in Not geraten bedachte kaum einer. Es gab Terroranschläge und Amokläufe, viele Fragen blieben offen – die nach dem warum und wieder einmal die nach den Waffengesetzen der USA. Polizeigewalt war ein Thema 2018 und ebenso die Ignoranz von rechten Übergriffen von Seiten der Politik. Flucht blieb ein Thema und damit verbunden sorgten geschlossene Grenzen und die Kriminalisierung der Helfer auf dem Meer für Debatten. Kann es wirklich angehen, dass Menschen belangt werden, die Menschen retten? Ja, 2018 ging das. Es war das Jahr der paradoxen Sensationen. Cola-Hersteller und Helene Fischer stellten sich geschlossen gegen Rechts, der Bundesregierung gelang dies nicht.

Ja, es waren dezente Highlights 2018, kleine Mutmacher. Alles in einem aber war es schwermütig, immer wieder grausam und teilweise Angst einflößend. 2019 muss da besser werde, sagt mein Herz. Geht gar nicht anders, sagt die Seele und der Verstabd flüstert leise: Aber wie denn?