Ohne Auto II

Seit einigen Wochen ist das Thema „Auto“ in den Fokus geraten. Abschaffen oder nicht, das ist hier die Frage. Neben der Recherche was Car-Sharing so hergibt, versuche ich so oft es geht im Alltag auf’s Auzo zu verzichten. Mädels zum Ballett; easy. B-Hörnchen zum Schwimmen, Check. Alle am Fasching samt Kuchen und Kostüm pünktlich in Zwei Schulen und Kita schaffen; erbärmlich aber – Check! Auch viele andere Erledingungen konnte ich vollkommen problemlos ohne Auto deichseln, so dass das gehasste Vehikel schon länger rumsteht.

Heute war dann der Kühlschrank recht leer. Also, sehr leer. Da ich aber eh los musste und mein Bio-Markt auf dem Weg lag, beschloss ich den Einkauf mit dem Rad zu machen. Easy, Denkt man. Für gewöhnlich kaufe ich für eine Woche ein, klar, dass das nicht funktioniert. Also strich ich den Einkaufszettel auf das nötigste zusammen und beschloss einen Einkauf für etwa zwei Tage zu machen.

Drei Liter Milch, in Glasflaschen (Plastik vermeiden), zwei 500ml Gläser Joghurt (…), ein Glas Pflaumenmus sowie ein Glas Bockwurst. Dann kamen Obst und Gemüse; ein paar Äpfel eben und Birnen. Suppengrün, eine Gurke, ein Salat und die Feststellung, dass der Wagen schon ganz schön voll ist. Ein Brot, 10 Brötchen, Linsen und Haferflocken später war der Einkauf erledigt, der Wagen halb voll und ich optimistisch.

Tatsächlich passte alles in die monströse Satteltasche, die ich dabei hatte und einen Umgängebeutel. Ich war begeistert und hatte fast leichtfüßig den Laden verlassen, als ich versuchte die 10 Zentner schwere Satteltasche anzuheben. Das kann ja lustig werden, dachte ich noch, und schleppte sie raus.

Es hatte angefangen mächtig zu regnen. Die Tasche am Gepäckträger zu befestigen war nicht leicht; es war ein Staatsakt. Ich war unsicher ob Tasche oder Gepäckträger als erster nachgeben würden und dennoch half es ja alles nix. Los! Die Fahrt im strömenden Regen gestaltete sich wackelig.

Katzenfutter vergessen. Zweiter Laden, halber weg. Katzenfutter in Beutel, los. Schnell war klar, etwa 15 kg einseitig an das Fahrrad zu hängen war nicht übermäßig schlau. An einer holprigen Stelle riss es mit das Rad unter dem Arsch weg, bei dem Versuch es enorm elegant zu fangen, zerrte ich mit den Rücken, wie durch ein Wunder ging kein Glas zu Bruch.

Lastenrad. Was habe ich für ein Lastenrad. Hat wer ein Lastenrad? Bitte.

Ohne Auto

Seit gut 6 Jahren nennen wir einen großen, blauen Bulli unser eigen. Mit sieben Plätzen und allerlei Chichi ist er wirklich komfortabel. Ohne Probleme transportiert er uns sechs sowei auch große Lasten und alles mögliche andere. Manchmal steht er 5 Tage rum, in anderen Wochen nutzen wir ihn mehr. Urlaub haben wir bisher immer mit dem Auto gemacht, es war ja da.

Neben all dem großen Komfort ist unser Auto, das wir liebevoll das Mammut nennen, leider auch sehr teuer. Der große Dieselmotor kostete einiges an Steuern im Jahr, außerdem ist er mit rund 10l/100km sehr durstig. Auch die Versicherung ist nicht ohne. Zudem ist das Mammut leider von Anfang an recht wartungsintensiv. Um es zu sagen wie es ist: Es hat ständig was. Die irrsten Defekte findet dieses Auto und die Reparaturkosten belaufen sich immer im vierstelligen Bereich. Ohne Übertreibungen, das Mammut frisst uns die Haare vom Kopf.

Wir leben in einer Grossstadt. Alle täglichen Wege funktionieren problemlos ohne Auto. Für den Einkauf konnte ich mir ein Lastenrad vorstellen, ebenso für allerlei Ausflüge innerhalb der Stadt. Der Badesee liegt vor der Tür, unser Kleingarten ist gut zu erreichen usw. Auch andere Verpflichtungen oder Gimmiks wie Ärzte, Schwimmbad, Theater etc. sind per Rad oder wenigstens mit Öffis zu erreichen. Car Sharing gibt es hier natürlich, jedoch gibt es bei den umliegenden Stationen keinen 7- oder 9 Sitzer, was die Sachen etwas humpeln lässt.

Was für mich unkalkulierbar bleibt sind spontane Ausreißer. Ein Besuch bei meiner Schwester, 100km entfernt, gerät plötzlich zum mittleren Staatsakt. Klar geht das mit Zug, jedoch nicht so mal eben. Unser Urlaubsmuster müsste sich massiv verändern und einige Freizeitaktivitäten neu durchdacht werden. Was ich sehr am eigenen Auto liebe, ist die große Unabhängigkeit. Man kann machen was man will.

Ganz genau überlegt, kann ich das ohne Auto auch. Es wäre anders, manches müssten wir anders planen und manches wäre ein wenig unständlicher. Anderes würde sich deutlich entspannen; erst heute stand ich in größter Zeitnot viel zu lange in einem völlig unnötigen Stau.

Und dann bleibt da noch die grüne Seele. Wir verzichten auf Plastik wo es geht, essen fleischreduziet und haben selbstverständlich grünen Strom. Täglich liegen wir den Kindern in den Ohren sich über das Ausmaß ihres Handelns bewusst zu sein und ökologisch zu denken. Und dann, fahren wir mit dem Auto Oma und Opa besuchen; 5 km entfernt und perfekt via Straßenbahn zu erreichen. Schon dumm.

Die Leiden der jungen Mama

Heute war Kopfschmerzen. Nachmittags musste noch der Großeinkauf erledigt werden und so schleppte ich mich in den Bioladen meines Vertrauens. Ich lud meinen Einkauf in den Wagen und ignorierte die diversen antiautoritär erzogenen Kinder (zugegeben, böses Paradoxon). Am Ende packte ich einen Schokoriegel in den Wagen, schließlich muss ich mich belohnen.

An der Kasse piepte es 96 mal bevor die nette Kassiererin als letztes das kleine Stück Glück nahm. Glucksend und kichernd sagte sie:“Na, gönnst du dir mal was?“, und zog verschwörerisch guckend den Riegel über den Piepser. Ich gluckste kichernd zurück:“Hihi jaa, hihi und den esse ich gleich heimlich im Auto..!“ und dachte dabei halblaut sowas wie „man, halt die Fresse, viel lieber würd ich mir’n Bier aufmachen oder was rauchen und jetzt laber mich nicht wegen dem verkackten Schokoriegel voll“. Nach dem Bezahlen schleppte ich meinen Einkauf zum Auto, lud ihn in den Kofferraum und ließ mich murrend auf den Fahrersitz fallen. Im Abgang aus dem Geschäft trällerte sie mir noch ein „lllaaaaaas es dir schneeeeckeeeeennnn!“ hinterher, es hallte noch in meinem schmerzzerfressenem Kopf.

Mein Riegel sag gut aus. Knusprig und weiß und süß. Mein Hirn machte einen kurzen Freudensprung, aua. Dann biss ich rein. Meine Zähne glitten durch Butter bei 10 Grad. Binnen einer Sekunde waren meine Zähne belegt, kein Schmelzen, kein Genuss. Der Geschmack war eine Mischung aus purer Kakaobutter und einem Hauch Kaffeefilter. Kein Süß. Obwohl objektiv nichts dafür sprach, biss ich wieder rein. Gleiches Resultat. Abartig. Wie ein Schokoladen-Zombie aß ich den Rest des Dinges, schwer enttäuscht und in der steten Hoffnung es würde besser werden. „lllaaaaaas es dir schneeeeckeeeeennnn!“, hallte es in meinem Kopf. Probiert die denn ihre eigenen Produkte nicht? Zu den Kopfschmerzen habe ich jetzt zumindest auch noch Magenschmerzen; und schlechte Laune. Elende Ökos.

*Dieser Aktikel ist sarkastisch gemeint und soll keine Bevölkerungsgruppen oder Lebensmittel diskriminieren.

Selfmade Shampoo 

In meinem Müllvermeidungswahn habe ich probiert Schampoo selber zu machen. Das Rezept denkbar einfach: Kastanien, Lavendel, Öl, Apfel und am Ende Speisestärke zum andicken. Die Herstellung: Easy! Kochen, sieben, andicken, fertig. 

Die Anwendung. Nun ja. Leider ist der Geruch des Zeugs nicht unbedingt mein Fall. Somit war es mir alles andere als ein Vergnügen mir die schmierig, stinkige Pampe auf meine Haare zu schmieren. Auch das Verteilen der nicht aufschäumenden Masse war nicht gerade ein Vergnügen. Ausspülen hingegen ging gut und im ersten Moment fühlte sich mein Haar auch weich und gewaschen an. Beim Trocken dann die Ernüchterung. Meine Haare sahen aus wie drei Wochen nicht gewaschen. Sie waren mindestens doppelt so schwer wie vorher und auch wenn ich durchaus wenig Ansprüche an mein Äußeres stelle, so wäre ich nicht auf die Straße gegangen. So bedurfte es eine doppelte Ladung konventionellen Shampoos um den Mist wieder raus zu bekommen. Auch das Handtuch schreit förmlich nach Ariel; es stinkt erbärmlich. 

Offenbar bin ich schon zu versaut für zero waste und Ökowahn. Mein Anspruch lautet: Alles wie immer, nur besser. Das Ergibnis lautet hingegen immer wieder: Alles Mist. Schade, ich hätte es der Umwelt gegönnt.