Kurze Zündschnur 

Wer Ostereier anmalt, der muss auch Ostereier aufhängen. Das ist vollkommen logisch und zu keinem Zeitpunkt zu bezweifeln. Großspurig hatte ich meinen Kindern angepriesen, ich wäre die größte, die beste und überhaupt die hervorragendste Person für solche Aufgaben. Alle waren glücklich zufrieden und ungemein beruhigt. Heute Nachmittag war es dann soweit: die Eier sollten ins Fenster! Kein Problem, das war allen klar. Und so machte ich mich ans Werk…
Zahnstocher in viele Teile zerbrochen, Faden dazu und der Auftrag war klar. Fusseligen Faden mit spitzen Fingern an winzige Stückchen Zahnstocher binden und diese dann in die ausgefransten Löcher der Eier verschwinden lassen. Das ganze zu Ketten von etwa 3-4 Eiern verbinden und dabei immer freundlich lächeln. Soweit die Theorie. 
Die Realität sagt etwas anderes, etwas vollkommen anderes! Bei all den tollen Dingen, die ich kann, eins habe ich überhaupt nicht: Geduld! Ich habe überhaupt gar keine Geduld, nicht ein einziges bisschen. Wenn mir etwas nicht sofort gelingt, dann werde ich zur rasenden Wildsau, zum Derwisch. Ich werde dann ungehalten, gemein und vor allem meistens auch sehr laut. Ich neige dazu die Dinge, die mir eben nicht gelingen, kaputt zu machen, zu entsorgen oder einfach an die Wand zu werfen. Eins war völlig klar, all das sollte ich mit den Eiern meiner Kinder besser nicht machen. Und so versuchte ich tatsächlich zwei Eier lang die Geduld zu behalten, und den Schein aufrecht zu erhalten, ich wäre die Geduld in Person. Dann gelang es mir nicht mehr. Die Blockflöte des C-Hörnchens in Verbindung mit der Trommel des D-Hörnchens und den lauten Stimmen von A- und B- Hörnchen brachten mich fast um den Verstand. Dazu diese Eier! Diese widerlichen, brüchigen, anspruchsvollen, nervtötenden, dämlichen Eier! Vorlaut und herausfordernd glotzten Sie mich aus ihren Eier Augen an und sprachen aus jeder Pore:“Du schaffst es ja eh nicht!“ 

Ich habe es geschafft! Es hat lange gedauert, es hat mich alle Nerven gekostet, und ich habe ein bisschen geschrien. Ich habe nicht viel geschrien, wirklich nur ein bisschen. Und ich habe nichts, überhaupt gar nichts kaputt gemacht! Ich bin ein Genie. Ich bin die Geduld in Person und habe kein bisschen übertrieben als ich gesagt habe, dass ich solche Sachen wirklich richtig gut kann.

Eggy day 

Es Ostert und was liegt da näher als Eier auszublasen? Und bevor es hier an meine grüne Seele geht, die Eier wurden und werden natürlich alle weiterverarbeitet. Rührei, Kuchen,… Hier verkommt kein unbefruchtetes Baby-Huhn. Die ganze Aktion jedenfalls ein voller Erfolg und in diesem Jahr mit erstaunlich wenig Verlusten. 19 von 20 konnten bemalt und konsumiert werden. Nur ein einziges fiel den kleinen Patschen des D-Hörnchens zum Opfer. 

Ich mag es inzwischen sehr meinem kleinen Trupp bei diesen Aktionen einfach nur zuzusehen. Die Großen assistieren den Kleinen. Keine Rangkämpfe, kein Geschrei. Es ist wirklich toll zu beobachten, wie die Bande einfach so gut miteinander läuft und sich lieb hat. Und so bohrte B-Hörnchen Löcher in D-Hörnchens Eier, A-Hörnchen in die des C-Hörnchens am Ende, nach 19,67 Eiern, waren alle zufrieden. Ich saß am Tisch, gab den Einweiser und trank Kaffee. Noch vor wenigen Monaten wäre das so undenkbar gewesen. Zu klein die Kleinen, zu ungestüm die Großen.