Ewig Mama

Am Telefon erzählte ich meiner Mutter, dass die Kinder aufräumen müssten und mal wieder rebellieren würden. Die Geschichte ist so alt wie die der Erde, viel dazu zu sagen gibt es nicht. Meine Mutter jedoch verblüffte mich mit ihrer Reaktion: „Dann räum du aber auch mal deine Rumpelkammer auf“, sprach sie mit einem Lachen in der Stimme. Ich erwiderte ebenfalls lachend, dass das ja gewiss was anderes sei und wir kamen zum nächsten Thema. Am kommenden Tag hatte ich 30 Minuten Freizeit und musste schon sehr über mich selbst lachen als ich feststellte, dass ich die Rumpelkammer aufräumte. Mama hat’s gesagt, los geht’s. Was ist das? Wieso mache ich das?

Wie so oft spielt hier der Begriff der Bindung eine erhebliche Rolle. Eltern und Kinder sind, so dann alles gut verlaufen ist, eine feste Einheit. Selbst im Konfliktsfall oder bei längerer Trennung bleibt das Band der frühkindlichen Bindung bestehen; und mit ihm gewisse Verhaltensweisen. Kaum etwas auf der Welt prägt Kinder so sehr, wie ihre ersten 10-15 Lebensjahre und das was ihnen in dieser Zeit vermittelt wird. Die elterlichen Werte sitzen fest, ebenso wie das Verständnis für Familie und Zusammenhalt. Natürlich ist all das später noch veränderbar, natürlich entwickeln wir eigene Werte, jedoch bleiben die alten, die ersten Pfade immer deutlich im Hirn.

Gerade in den ersten Jahren nach der Pubertät, in den Jahren, in denen wir ein selbstständiges Leben aufbauen, messen viele alles an dem was wir gelernt haben. Keiner kocht so gut wie Mutti und einkaufen kann man am besten da, wo Mama es stets tut. Nach den Sturm und Drang Jahren der Pubertät suchen junge Erwachsene abermals nach Orientierung im neuen Erwachsenen-Dasein. Und die finden sie eben dort, wo sie sie zuletzt erlebt haben – in den alten, Vertrauten Strukturen des Elternhauses.

Mit den Jahren entwickeln sich eigene Muster. Gerade wenn mehrer Menschen zusammen leben, bauen sich neue Wertesysteme zusammen, eine Mischung aus allem eben. Meine Mama, deine Mama, keine Mama. Und dann eben gibt es diese Momente, in denen man ganz deutlich merkt wo man hergekommen ist. Wenn man die Rumpelkammer aufräumt, sich beim Rauchen in der Straße der Eltern schlecht fühlt oder man Sätze sagt, die 1:1 von Mama oder Papa sein könnten. Wir bleiben auf ewig Kinder unserer Eltern – und Eltern unserer Kinder.

Papas Arbeit 

C- udn D-Hörnchen sprachen im Kindergarten über den Beruf des Papas. Ihre Schilderungen sorgten für einige Verwirrungen. 

„Papa arbeitet im Krankenhaus.“ erklärten die Hörnchen.  Auf die Frage:“Ist euer Papa Arzt?“ Antwortet das D-Hörnchen entsetzt:“Nein! Der repariert Flugzeuge!!“ Es herrsche allgemeine Verwirrung darüber, was denn die Flugzeuge im Krankenhaus machen und man kam zu dem Schluss, dass der Papa vielleicht den Hubschrauber reparieren würde, da mischte sich das C-Hörnchen ein und stellte richtig:“Nein D-Hörnchen. Die heißen ‚Katzen‘, nicht Flugzeuge!  Papa repariert Katzen!“ Die Debatte ging in die nächste Runde; Tierarzt wird er sein! Der Papa repariert Katzen im Krankenhaus für Tiere. Plötzlich machte alles Sinn. 

So lange, bis man mich fragte, was denn mein Mann beruflich mache. „Der ist Elektriker.“ antwortete ich kurz und blickte in vollkommen verstörte Gesichter. Das klären der Verwirrung war ein leichtes: Er ist Elektriker in einem Krankenhaus. Und das was die Kinder als Flugzeuge bezeichnen, sind die sog. Laufkatzen der Beförderungsanlage. 

Vom Einschlafen und Aufwachen

Obwohl unsere Hörnchen prinzipiell gute Schläfer sind und bisher überall irgendwie geschlafen haben, ist dies immer der spannendste Teil am Urlaub. Wer mit wem, wann und wie überhaupt? Zuhause haben wir den großen Luxus, dass jedes Hörnchen sein eigenes Zimmer hat. Im Urlaub gibt es das nicht. Die Konstellationen sind jedes Jahr andere; die kleinen Tücken bleiben die selben! Wenn nachts einer brüllt, werden alle wach, wenn morgens einer früh aufsteht, tuen es alle usw. 

Dieses Jahr ist alles plötzlich einfach. Die Abende sind friedlich, offenbar hat endlich jeder verstanden, dass es keinen Sinn macht Theater zu machen. Die nörgelnde sind harmonisch, wer wach ist verhält sich ruhig und die anderen schlafen weiter. Es ist ganz wunderbar!! Und heute morgen wurde der Menne um 5.30 Uhr kurz geweckt, vom Geschrei eines Babys, das von einem warscheinlich übermüdeten Vater umher geschoben wurde; damit es nicht das ganze Haus weckt. Und der Menne hat es sehr genossen es zu hören und sich noch einmal unzudrehen und zu wissen, dass es dieses Mal nicht sein Problem ist.  

Battariert

Heute schenke ich euch eine wunderbare Wortschöpfung des D-Hörnchens:

Wenn etwas kaputt geht, macht Papa es heile; er repariert es. Und ganz oft, wenn die Hörnchen etwas für kaputt befinden, muss Papa eigentlich nur die Batterie wechseln. 

Gestern war ein Druckknopf am Kindersitz los. D-Hörnchen versuche emsig ihn wieder zu befestigen. Als dies nicht klappte bat er seinen Papa darum, doch bitte den Kindersitz zu batterieren. 

Papa hat das hinbekommen. Ganz ohne Batterie sogar, einfach batteriert. 

Prioritäten

Ein kluger Mensch hat mal zu mir gesagt:“In deiner Familie sollte es wie folgt aufgestellt sein: An erster Stelle kommst du selbst, an zweiter dein Partner (falls vorhanden) und erst dann die Kinder.“ Und je mehr ich darüber nachdenke, desto sinniger finde ich es. Immer mehr Eltern, mit denen ich zu tun habe, vergessen sich, ihre Bedürfnisse und ihre Partnerschaft. Das immer gleiche Resultat sind gestresste, unglückliche Eltern, die ihren Kindern alles geben, kaufen und erfüllen und dabei alles vermitteln außer dem Zustand <Glücklich mit Familie>

Dabei ist es eigentlich so einfach! Um Kinder halbwegs stressfrei und ausgeglichen zu erziehen muss man halbwegs stressfrei und ausgeglichen sein. Um zu vermitteln, dass es sich lohnt in eine zwischenmenschliche Beziehung zu investieren (egal ob Freundschaft, Ehe oder sonstige) sollte man in der Lage sein eine zu führen. Und um Glück zu leben, hilft es enorm glücklich zu sein. 

Natürlich gibt es hierfür kein Patentrezept. Natürlich ist das auch alles nicht so einfach in einer Welt aus Job, Geld, Kommerz und Konsum, jedoch täten viele in meinen Auen gut daran den Fokus ein wenig von ihrer Brut zu nehmen und auf sich selbst zu lenken. Die eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken ist enorm stressig, macht traurig und unzufrieden. Das eigene ‚früher‘ im eigenen ‚Eltern‘ wiederzufinden ist eine riesen Quelle der Zufriedenheit. Und wenn man selbst zufrieden ist, dann ist es am Ende auch für die Kids ein echter Gewinn. Kinder brauchen zufriedene Eltern, Liebe und Grundversorgung. Alles weitere ist Luxus; und zu viel davon ist sogar eher hemmend als fördern. 

Ich möchte nicht dazu aufrufen, Kinder zu vernachlässigen oder zu missachten. Ich denke aber schon, dass wenn es hakt und klemmt, es manchmal klug ist, das System einfach mal zu überdenken anstatt es immer weiter aufzublasen. 

…außer D-Hörnchen 

Eben unterhielten wir uns über Babys und Kinder und wieviele man davon haben kann. Die Mädchen regten an, dass wir ja auch noch ein Baby haben könnten und ich versuchte nach Kräften zu argumentieren (gar nicht so einfach…) wieso vier Kinder genug wären. Ich argumentierte mit Kinderzimmer und der drohenden Doppelbelegung, sagte dass Babys im Bauch haben sehr, sehr anstrengend sei und irgendwann dann, dass ich ja auch schließlich die vier besten Kinder der Welt hätte und deshalb einfach keines mehr bräuchte. 

Die Mädels guckten etwas zweifelnd und B-Hörnchen sagte:“Fast die besten!“, C-Hörnchen kicherte mit, blickte in Richtung ihres Bruders und sagte sehr bestimmt:“Außer D-Hörnchen!“ Was sich in dem Moment zeigte sehr ihr auf dem Foto: D-Hörnchen in Bestform. Die Hörnchen erklären weiter:“Der macht immer alles kaputt und nervt! Und außerdem sieht der völlig beschert aus!“

 Ich weiß nicht wie man sowas sagen  kann; ich finde ihn sooooo niedlich!! 

Das Floß

Heute haben wir Plätzchen gebacken; Osterplätzchen. Wie immer haben alle Hörnchen ambitioniert mitgemacht. Ins besondere C-Hörnchen hat tolle Dinge kreiert. Gnubbelige Fladen, knubbelige Knäule und flatschige Klumpen. Das Highlight war eine Art Osterkorb oder Döschen im XXS Format. Das liebevoll zusammengezimmerte Teil war am Ende etwa 1 cm groß und enthielt sicher mehr Speichel als Teig, aber sie war so stolz!! Alles wanderte in den Ofen und C-Hörnchen freute sich enorm auf den Verzehr des so getauften Floßes!

Während die Kekse im Ofen waren, sind die Hörnchen spielen gegangen. Auch als sie schon lange zum Abkühlen in der Küche lagen, waren alle Hörnchen noch gut beschäftigt. Da kam der Menne des Weges, griff einen Keks und ging weiter. Etwa eine Stunde später wurde das Ausmaß dieser unbedachten Handlung klar: Der Menne hatte im Vorbeigehen zielsicher das Floß erwischt. Dies stellte C-Hörnchen fest, als sie es später probieren wollte und dieser Wichtigste aller Kekse verschwunden war. Es folgten viele Tränen und noch mehr Entschuldigungen.. Aber so ein versunkenes Floß ist schwer wiederzubeschaffen. Armes C-Hörnchen…

   
    
   

In Sachen Namensgebung 

C-Hörnchen fragte mich, wie das so war, als sie geboren wurde. Also berichtete ich:

Es war Mittags und sie ist aus meinem Bauch raus gekommen, zu Hause in der Badewanne. Und Papa und ich haben uns ganz ganz doll gefreut und sie geküsst und gekuschelt. Und ich erzählte ihr, dass wir sie so schön fanden, dass wir sie immer wieder angucken mussten, und kuscheln und küssen. Und dann, so erzählte ich, sind wir in Mama und Papas Bett gegangen und haben sie weiter festgehalten, und sie hat Milch getrunken. C-Hörnchen hörte mir gebannt zu und klebte an meinen Lippen. 

Ich beendete meine Erzählung mit der Suche nach dem richtigen Namen. So berichtete ich, dass ihr Papa ihren Namen schon am Abend zuvor vorgeschlagen hatte, ich aber unsicher war. Am nächsten Morgen sagte ich dann zum Menne:“Ja! Lass sie uns C-Hörnchen nennen!“

Da brach mein kleines C-Hörnchen in Tränen aus und schluchzte:“Aber ich wollte Minion heißen!!“ 

…und dann spülen!

Nun ist mein D-Hörnchen schon seit einigen Tagen windelfrei und es ist ganz wundervoll!! Er sagt klasse bescheid und schaffe es fast immer aufs Klo. Heute Nachmittag ging dann doch mal was daneben. Beinahe beschämt rief der Zwerg mich ins Bad, wo er vor dem Klo stand. Alles war schon zu spät, sowohl Groß als auch Klein waren in der Hose gelandet. 

Ich machte alles sauber und beschwichtigte das Hörnchen, dass das alles nicht schlimm wäre. Als er dann so dastand, sauber und wieder angezogen strahlte er mich an und sagte:“Und jetzt muss ich nur noch spülen!“