Been there, done that

Wenn ich morgens nicht direkt zur Arbeit muss, springe ich aus dem Bett nur in einen alten Kapuzenpulli und irgendeine Hose. Das Schlafzeug lasse ich drunter. In diesem angesagten Outfit gehe ich zum Kindergarten, das D-Hörnchen wegbringen, gelegentlich auch einkaufen. Heute kam irgendwie alles anders. Also, eigentlich gar nicht, denn mein Elf-Uhr Termin stand schon länger fest. Wie auch immer, das Ende der Geschichte ist, dass ich im Schlafanzug meinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben habe. Wahrscheinlich hat es keiner bemerkt, und wenn schon.

Neuer Job also! Für mich geht es zurück dorthin, wo ich mein Herz vor eineinhalb Jahren liegen ließ, eine alte Liebe quasi. Während meines Studiums machte ich zunächst ein Praktikum in einer Drogenhilfeeinrichtung. Anschließend arbeitete ich dort als studentische Aushilfe weiter und schrieb auch meine Bachelorarbeit in der Einrichtung. Ich verlor mein Herz an die Drogenhilfe. Das oftmals nicht leichte Thema fesselte mich sofort, der herzliche aber auch tabulose Umgang mit deftigster Kost war schnell meins. Vor allem aber war schnell klar, dieser Arbeitsbereich bietet unendlich viele Möglichkeiten. So vieles läuft schlecht, die Lobby der Betroffenen ist klein und leise und die wenigen Hilfsangebote oftmals kurz gedacht und unterfinanziert.

Ich will ran. Was bewegen, was aufbauen. Sinnvolles tun, wo sinnvolles gebraucht wird und vor allem mit Betroffenen erarbeiten was sinnvoll ist. Und so starte ich im Juni sowas von startklar in einen neuen Abschnitt meines Lebens. Mit viel Herz, Idealismus und ein bisschen Hirn. Auf geht’s!

Familienrat

Das A-Hörnchen schlug vor, in Zukunft einen Familienrat zu halten. Immer Freitags!  Heute war es dann soweit, der erste Familienrat tagte, ausnahmsweise an einem Dienstag; letzten Freitag hatten wir es vergessen. 

Ich eröffnete also feierlich den Rat und fragte das A-Hörnchen, was es zu beratschlagen hätte. Er wusste nichts. Auch B- und C- Hörnchen hatten keine Themen für den Familienrat. Und dann kam das D-Hörnchen an die Reihe. Er meldete sich angestrengt und tat dann folgendes kund:“ Heute sollen alle fernsehen bei der Mittagsruhe!“ Das wichtige Thema wurde demokratisch abgestimmt und der Familienrat wurde geschlossen. Ende. 

Fernsehen. 

 

Praktische Partizipation

Im Kindergarten meiner Hörnchen hat sich eine neue Erzieherin vorgestellt. Die Leitung der Kita hat zur Entscheidungshilfe drei Kinder aus der betreffenden Gruppe mit ins Gespräch genommen. Gut vorbereitet und mit 14 wichtigen Fragen im Gepäck stapften die drei Zwerge, bewaffnet mit einem Klemmbrett, ins Büro und legten los. 

Kinder, die ein Vorstellungsgespräch führen, nehmen es sehr genau. Sie fragten nach, ob die Dame Radschlag oder Handstand könne und wie schnell sie in Rennen sei. Als die Befragte ihre wiederkehrenden Rückenschmerzen erwähnte, konterten die Kinder direkt:“Wir wollen keine Erzieher die immer krank sind!“ und auch sonst nahmen sie kein Blatt vor den Mund. Zum Schluss bestellten die Kurzen die Dame zum „Ausprobieren“. Sie soll zeigen, ob sie auch wirklich einen Morgenkreis machen kann. 

Ich finde das großartig! Die ganze pädagogische Welt spricht von Partizipation und ganz genau genommen  ist das der erste Akt der Mitbestimmung den ich in 6 Jahren als Kita-Mama erlebt habe. Wunsch-Essen, ein selbst geplanter Ausflug, der Inhalt der Adventstüten; das ist alles schön und gut. Jedoch sollte jedem klar sein, die Kinder können viel mehr. Und am aller meinten können sie ernstgenommen werden, ja sie müssen es! Das ist Werschätzung und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Gegenüber. 

Ganz wichtig aber ist es mir außerdem, die Kinder mit der ganzen Partizipation nicht zu überfordern. Entscheidungen treffen, Großes bewegen und Teilhaben sind super, jedoch nur genau so lange bis es zu viel wird. Denn der große, gemeine Bruder der Verantwortung ist die Angst. Und vor der müssen wir Großen unsere Kleinen bewahren. Das ist unsere Verantwortung!