Digital Gremlin

Mit der Technik ist das so eine Sache. Ich bin da anspruchsvoll, oder zumindest eigen. Von Apple soll es sein und neu und hipp und sowas eben. In meinem kleinen Apfel-Kosmos bin ich sozusagen minimal-bewandert. Ich kann das Gerät anschalten, lieb haben, ich kann Nachrichten schreiben, Inhalte in was kopieren, wo vorher keine waren und ich kann mit Fotos. Nicht schlecht, denkt da die Generation 65+, nicht schlecht. Und ja, was soll man sagen, ich bin quasi mit der Technik großgeworden. Schon meine Oma hatte eine Mikrowelle, in der konnte man Schokoschaumküsse explodieren lassen. Meine Mutter besaß eine elektrische Brotschneidemaschine, die konnte auch Schinken, und weil es mit der gut lief, haben meine Eltern früh auch sowas ähnliches wie Online-Banking und Internet angeschafft. Schon 1997 hatte mein Papa ein (wirklich sperriges) Mobiltelefon, mit den man in den italienischen Weinbergen sitzen und die erste Liebe anrufen konnte weil Urlaub mit den Alten so schlimm war. Ja, wir waren fortschrittlich.

Mein erstes eigenes Handy hatte ich mir 17. Das Nokia 5210 und ich war so stolz. Wie einen Schatz beherbergte ich es in meiner Manteltasche und noch heute weiß ich wie unglaublich erwachsen und fertig ich mich fühlte, als ich mit diesem Knochen in der Tasche aus dem Debitel-Shop stiefelte. Mein Papa musste den Vertrag unterschreiben und er schüttelte den Kopf dabei. Von da an nahm die Geschichte seinen Lauf. Die Geräte wurden kleiner und eines Tages dann tauschten sie Knöpfe gegen eine Scheibe ein, die ständig brach. Als Quasi- Urheberin der Spider – App weiß ich das. Mein erstes iPhone war das 3G und ich dachte damals, ich braüchte kein Internet um es zu benutzen; lustig.

Irgendwann in der Zeit wurde ich abgehängt. Aus dem, was in den 90ern eine junges ambitioniertes und gewandtes Ding war, wurde zusehends eine überforderte Mutti, die in Angesicht der Technik von einem jammernden Nervenzusammenbruch zum nächsten hinkt. Es ist schlimm. Und um mal zum Kern des Kummers zu kommen, die Tragik des Augenblicks in Bilder und Worte zu fassen und auch dem letzten Leser klarzumachen, dass das hier alles nicht Lustig ist:

Ich muss am kommenden Dienstag an einer Online – home office – Team Sitzung teilnehmen und alle sagen das ist voll leicht. Alle!!

Ist es nicht.

Unsere kluge und junge Kollegin hat alles klar gemacht. Online-Meeting Plattform , eine bebilderte Anleitung, einen Link für alle. Ach, es ist so einfach. Es plüppert so vor sich hin und am Dienstag werden wir dann alle wahnsinnig hip, fesch und modern beisammen hocken ohne beisammen zu sein, wir werden IngwerTee saufen und unsere extraordinäre urbanity feiern, digital. Alle..

…alle außer mir. Ich habe den Kack eben mal probiert. Geht nicht. Geht gar nix. Die Kopfhörer sind mit AUX und mein IPad hat das nicht Adapter und so. Die verkackte App, mit der ich konferieren soll, kann nicht auf meine mega ultra 5K Hammer-Cam zugreifen und die Einstellungen stellen nix ein sondern mich bloß. Nach der ersten Panik weil ich das jetzt machen will, folgte die zweite weil es nicht ging, direkt gefolgt von der “die verdammte Pimmelkacke will mich verarschen-Wut”. Ich hasse Computer. Und ich hasse Internet, iPads und all das andere lächerliche Zeug. Ich brauch das nicht man, ich spreche Mensch. Echter Mensch, mit Aerosol, Spucke und all dem. Out. Schade.

Und so saß ich da, bemitleidete mich selbst, jammerte schrie und fluchte während der echte Digital Native neben mir saß und pickelig ein Toast aß. “Zeig mal her” sagte er und fügte hinzu “und hör auf so zu motzen, so kann dir keiner helfen!”. Laufen tut es noch immer nicht, wird es mit Sicherheit auch niemals. Ich bin ein Gremlin. Technik mag mich nicht. Ich möchte mein 5210 zurück. Keiner brauch Meetings, ich scheiß auf das alles, PAH!

WhatsApp

Heute bekam ich zum ersten Mal ein GIf geschickt, eines dieser Mini – kurz – Filmchen, die über Facebook, Twitter und WhatsApp im Moment unterwegs sind. Ich war ganz begeistert über mein erstes eigenes Dingens und schickt es stolz meinem Sohn. Das A– Hörnchen antwortete kurz und bündig mit einem Fragezeichen. Ich teilte ihm freudig mit, dass ich das bekommen hätte und es ihm zeigen wollte. Er antwortet mir mit 20 Stickern und weiteren GIFS. Über alle Maße erstaunt fragte ich ihn, wo er die denn alle her hätte.

„Du musst dein WhatsApp updaten.“ Lautete die wiederrum kurz und knappe Antwort. „Wie geht denn das?“ erwiderte ich seine Nachricht worauf hin er sich auf den langen, beschwerlichen Weg nach unten machte. 15 Stufen später hatte er mein Handy in der Hand und weitere 15 Sekunden später war meine WhatsApp ge-updated. Liebevoll und fürsorglich erklärte er mir nun, wo ich die unterschiedlichen Sticker finden und dann weitere runterladen könnte, wo die ganzen GIFS zu finden wären und, dass der inflationäre Gebrauch beider gesellschaftlich nicht akzeptabel ist. Nach etwas mehr als 1 Minute war ich voll im Bilde und mein Söhnchen wieder weg.

Ist es nun also soweit? Bin ich so alt, ist er so groß, oder ist die Zeit einfach soweit fortgeschritten, dass mein Sohn mir zeigt wie meine Technik funktioniert? Die Gerätschaften, mit denen er vor zwei Jahren noch nicht einmal hantieren durfte. Ist das wirklich passiert? Ganz offensichtlich ja! Denn auch in Sachen Computer mache ich dem Wurm nichts mehr vor. Brauche ich eine PowerPoint, bezahle ich ihn dafür sie mir zu machen. Und durch diese erstaunlichen Spielen die er spielt, blicke ich sowieso nicht durch. So ist es nun also, ich bin alt und er ist groß. Herzlich willkommen!

Cyborg

„Was genau macht denn ein Psychologe?“ fragte das A-Hörnchen nicht zum ersten Mal und ich erklärte. Sogenannte Störungen im Gehirn, der Stoffwechsel gerate durcheinander. Die Störungen sehen ganz unterschiedlich aus, manche machen ein bisschen verrückt, andere traurig, wieder andere laut. Ich helfe den Menschen die Störungen zu finden und vor allem helfe ich ihnen es wieder heile zu machen oder damit zu leben.

Das A-Hörnchen nickt verständig, sinniert einen Moment und ergänzt dann: „Dann machst du eigentlich das selbe wie A. (ein befreundeter Informatiker). Störung suchen, Störungen finden, reparieren.“ Ja, die Parallelen konnte ich erkennen, wenn auch ein wenig hinkend, da führte er fort:“Du bist ein Menschentherapeut und A. ist ein Robotertherapeut.“ und wieder stimmte ich bedingt zu und fragte mich, ob Informatiker eigentlich auch von ihren Patienten angeschrien werden, da erklärte das A-Hörnchen freudig, er würde später so eine Mischung daraus machen wollen. Kurz knotete mein Hirn und beinahe hätte ich gesagt, dass das wohl eher schwierig sein könnte, da schoss es mir durch den Kopf: Mein Sohn wird Cyborg-Therapeut! Irgehdwie gar nicht so unrealistisch! Gescheiterte künstliche Intelligenzen wieder zu rentablen Mitgliedern der Konsumgesellschaft machen; ein Träumchen! Ab morgen darf er an Siri üben.

Mein Freund der Computer

Mein neuer Job teilt sich in vier Viertel:

1/4 Mit Klienten Sprechen

2/4 Telefonieren

3/4 Mit Kollegen sprechen

4/4 Sachen am Computer machen

Mit den ersten 3 Vierteln habe ich überhaupt gar kein Problem. Ich rede gern und viel, bin hoch-kommunikativ und tausche mich gern aus. Probleme bereitet mir das vierte Viertel.

Schon in meiner ersten Arbeitswoche hackte ich irgehdwie den Schreibschutz der Arbeitszeiterfassung und killte sie. Keine Ahnung wie mir das passierte. Klug angelegte Ordner, auf die wie von Zauberhand alle zugreifen können, umschiffe ich galant, in dem ich versehentlich eine Kopie des Ordners anlege, diese fleißig bearbeite und nicht verstehe, dass das Ergebnis keiner sieht. Wenn ich etwas drucke, ist es immer ein bisschen wie Lotto, in wessen Büro das Dokument so raus kommt (der Kollege hat mir die drei identischen Stundenzettel dann aber gebracht…) und erst gestern verwustelte ich verschiedene digitale Klientenakten zu einem spannenden Knoten. Und die letzte Teamsitzung eröffnete ich mit den Worten:

„Eigentlich würden wir nun zunächst das Protokoll genehmigen, leider habe ich das an einen mir völlig unbekannten Ort gespeichert. Praktischerweise habe ich meinen Stundenzettel versehentlich in den Protokoll-Orner geschoben, somit könntet ihr den genehmigen.“

Der Lacher war auf meiner Seite und eine Kollegin gab zu, vor über 10 Jahren ein Dokument auf der Festplatte verloren zu haben, und es bis heute zu suchen.

VPN

Im Oktober 2010 erklärte mir ein Professor an der Uni ausführlich, wozu ich ein VPN brauchte und wie ich es mir einrichten könnte. VPN, das seht für ??? und bewirkt, dass man wegen irgendwas ganz einfach auf Daten von der Unibibliothek zugreifen kann, oder so. All die Jahre fand ich immer wieder Wege mit Mittel dieses Dings zu umgehen. Meistens fanden sich Kommilitonen die das Benötigte schon auf dem Rechner hatten und alles war gut. 

Nun steht meine aller aller letzte Uni-Klausur an. Um mich auf diese vorzubereiten brauche ich viel Literatur. Ganz viel! Wieder fehlte das der dieses VPN, wieder sprangen Kommilitonen ein. Am Ende fehlte ein einzelner Artikel von vier Seiten Länge. In der Bibliothek verwies man mich an VPN, der Verlag verwies mich auf die Möglichkeit 58€ zu zahlen. Verdammt! 

Ich versuchte es ernsthaft. Vom Mac, vom Handy, vom IPad. Nichts zu machen, ich weiß nicht was klemmte, aber es klemmte enorm. Kein VPN, kein Artikel. Kann denn das sein? Am Abend setzte sich der Menne an seinen Rechner. Binnen 15 Minuten hatte ich meinen Artikel. Klasse! Und dafur habe ich jetzt 6,5 Jahre studiert. Damit mein Mann nun endlich kapiert, dass ER das machen muss. 

Linkswurst 

D-Hörnchen scheint ein hohes intuitives Vermögen für Political Correctness zu haben. So kann er zum Beispiel verschiedene Wurstsorten klug benennen: 

 Salami-Wurst; Mutadella-Wurst; Links-Wurst

Was Links-Wurst ist? Ganz einfach! Der Tofu-Aufschnitt am rechten Bildrand. Aus irgendeinem Grund von D-Hörnchen liebevoll „Linkswurst“ genannt. Halt Politisch Korrekte Wurst, die keine Tiere ausbeutet oder unterdrückt. PC; eben Linkswurst. Ich finde das sehr gut geschlussfolgert vom Hörnchen. Muss ich ihm nur noch erklären, dass Wurstwaren aus nicht biologischer Haltung Rechtswurst sind. Und selbstgeschlachtete Wurst ist dann Links-autonome Wurst. Cool. Und das anzünden von Wiesenhof ein Anarcho-syndikalistischer Akt der Autonomen Wurstproduktion. Er ist so klug. 

Sch(w)uli

Der Irrsinn nimmt seinen Lauf. Nachdem sich C-Hörnchen ja eine Wassermelone im Spielzeuggeschäft ausgesucht hatte, waren noch ein paar Euronen übrig. Das Hörnchen entschied sich für eine wunderschöne, Pinke Schildkröte. 

Vorhin fragte der große Bruder dann, wie die Kröte heißt. Ihre Antwort: Schwuli! Nachdem wir aufgehört hatten zu lachen, rieten wir ihr dann dazu, den Namen noch etwas abzuwandeln. Nun heißt die Schildkröte ‚Schuli‘, was nicht ganz so lustig aber viel besser ist. 

Schön mal daddeln

Haha! Der große Sohn wollt‘ heut Abend sein blödes Spiel mal schön im Garten daddeln. Das Ergebnis hat ihn höchst massiv total genervt! 

Die drei Kleinen scharrten sich um ihn und quatschten ihn ununterbrochen voll. Das Highlight bildete D-Hörnchen, der immer wieder seine kleinen, klebrigen Finger Richtung Computer schob und ambitioniert „druck“ sagte.  

Spawn

Mit (Re-)Spawnen (vom englischen to spawn: hervorbringen) wird der (Wieder-)Einstieg einer Spielfigur oder eines Nicht-Spieler-Charakters und, wenn auch seltener, das (Wieder-)Erscheinen von Gegenständen an bestimmten oder zufälligen Punkten in einem Level eines Computerspiels bezeichnet. Es findet häufig in multiplayerfähigen Online-Spielen Anwendung. Im Zusammenhang mit dem Surfen im Internet bedeutet „Re-Spawnen“, dass ein Flash-Cookie sich eines vom Anwender gelöschten klassischen HTTP-Cookies bemächtigt und es ungefragt wiederherstellt.

Wie bereits erwähnt, spielt Sohn ja nun Computer. Und die Kumpels von Sohn  auch. Und ich lache mich tot über den exzellenten Sprachgebrauch. 
So kommen bei uns vermehrt Zitate vor wie:

„Ich spawn mal was ins Klo!“

„Mama! Du benimmst dich als hätte einer Fledermäuse gespawnt“ (Dann kommen Hexen)

Und auf Papas Hinweis, dass im Meer (im Spiel) Fische schwimmen, sprach das Hörnchen:“Man Papa, wenn ich Fische will, spawn ich mir welche!“