Die Freundin 

C-Hörnchen hat mal wieder eine neue Freundin. Vorhin, im Kindergarten, fragten die zwei mich, ob sie und besuchen kommen könne. Ich stimmte zu, sagte aber, dass ich zunächst mit der Mama sprechen müsse. 

Was dann kam machte mich enorm traurig. Das kleine Mädchen sah mich stolz an und sagte:“Ich weiß sogar schon, dass meine Pflegemutter grad Ella heißt?“ 

Die Kleine ist höchstens 5 Jahre alt. Ein lieben, friedliches, umsichtiges Kind, das voller Hingabe morgens mit dem kleinen D-Hörnchen tüddelt. Wie kann so ein Kind keine eigene Mama haben???

Am liebsten hätte ich das Kind an Ort und Stelle eingepackt und sie gerettet; vor der Ella, der Welt, dem System und der großen Ungerechtigkeit auf dieser Welt!!

Geht es mir eigentlich zu gut?

Ich habe mütterliche Pflichten, denen ich gern und gewissenhaft nachkomme. Auch habe ich berufliche oder persönliche (wie Verträge,…) die stets gut bedient werden. In letzter Zeit denke ich immer öfter an meine menschlichen Pflichten. Um es anders zu sagen: Geht es mir eigentlich zu gut? 

Wir leben hier mit sechs Personen mehr als gut. Jedes Kind hat ein eigenes Zimmer und mehr Spielzeug als es brauch. Obwohl ich es versuche zu vermeiden, werfen wir Lebensmittel weg. Genaugenommen haben wir von allem zuviel – wo ich ja prinzipiell kein Problem mit habe sollte. Trotzdem geht es mir aber mächtig gegen den Strich. In meinem Leben ist noch Raum. Ohne größere Einschränkungen, würden wir noch wen mit durchbekommen. Ich wette, finanziell betrachtet würden wir es nicht mal merken. 

Was also ist das Richtige? Spenden? Patenschaften? Pflegekind? Oder sollte man Flüchtlinge aufnehmen? Was tun um ein kleines Bisschen zur Gerechtigkeit beizutragen? Und wo steht geschrieben, was man selbst, also jeder Einzelne leisten kann?

In einem bin ich mir sicher: Fast jeder kann weit mehr zum „globalen Wohl“ beitragen, als er es aktuell tut.  Doch wo fange ich an..