Skandal – Pflaster!!

Boulevardpresse ist ein ein Phänomen. Das Sommerloch legänder und auch zu Weihnachten steht nur Mist drin. Dazwischen auch. Eben ist mir der wohl verzweifelte Akt einer Boulevardzeitung begegnet. Die Gala schreibt: Schon wieder ein Pflaster! 

Der unglaubliche Skandal hinter dieser Meldung: Herzogin Kate hat ein Pflaster am Daumen. Es gibt sogar ein Beweisphoto! Und der eigentlich skandalöseste Skandal ist nicht dieses Pflaster sondern das aus dem November. Also, beide zusammen. Damals im November also trug sie nämlich ein Pflaster am Zeigefinger. Unfassbar. Denn eine Frage drängt sich unweigerlich auf: Was um alles In der Welt treibt die Herzogin, wobei sie sich regelmäßig (also jetzt und im November) so verletzt, dass sie ein Pflaster braucht?!? Kann das mit rechten Dingen zugehen? Ist das Royal? 

Mein persönlicher Skandal ist die Tatsache, dass eine Redaktion so verzweifelt sein kann, dass sie über so einen Müll schreibt. Und was für Menschen schreiben über sowas? Für wen sind diese Meldungen verfasst, was sind das für Menschen? Und wem überhaupt fällt sowas irrelevantes überhaupt auf? Ich glaube mir wurde selbst bei meinen Arbeitskollegen kein wiederkehrendes Pflaster auffallen; und das ist auch gut so! Denn den Blick fur’s Wesentliche kann man kaum haben wenn man auf Pflaster an royalen Daumen achtet. 

Münchens Masse

München stand still, und mit ihm die ganze Welt. Denn die saß am Fernseher und am Internet und suchte fieberhaft nach drei Tätern mit Sturmhaube und Langwaffen. Ich für meinen Teil wohnte entsetzt dem unglaublichen Schaustück der Massenpsychologie bei und verstand nicht, warum dieses viele gefährliche Halbwissen auch noch breitgetreten werden muss. Denn alles was die vielen Reporter uns gestern Abend zwischen 18 Uhr und Mitternacht bieten konnen waren die wenigen, wiederaufgewärmten Zeugenaussagen und einige Videos. Im Grunde wusste man nichts und stützte alle Berichterstattung auf das, was Menschen in Panik berichteten. 

Menschen in Panik werden von Adrenalin überschüttet. Sie geraten in eine schlimme Situation, bekommen großen Stress und dann geht es los. Hormone überfluten das Gehirn und man bringt sich in Sicherheit. Menschen in Panik regieren wie ferngesteuert, nicht rational oder überlegt. Ihre Hirne schalten auf „Überleben!“. Haben sie es geschafft zu überleben, setzt automatisch der Massenprozess ein. Dank diesem werden alle Menschen, die in den Prozess verwickelt waren, zu einer Masse. In Minuten werden Informationen ausgetauscht, nach dem Prinzip des Stärkeren bildet sich ein Konsens der Masse. Dieser Prozess findet nicht etwa an einem Ort statt, er findet im Netz statt; die Masse sind nicht die 30 Menschen am Ausgang, sondern sie besteht aus all denen, die fleißig im Netz mit posten. 

Über die Qualität des Massenkonsens lässt sich wenig gutes sagen. Die Masse urteilte in Panik. Aufgrund der Kürze der Zeit und der Hormone, die das Hirn fast lahmlegen, ist das was die Polizei  eine Zeugenaussage nennt, nicht mehr als eine wilde Mischung panischer Vermutungen. Und so kam es gestern Abend zu „drei Tätern mit Langwaffen“, gegen die zwar alle Fakten sprachen, die aber von der Masse als real beschlossen wurden. Die Quintessenz aus dem Lehrstück: Traue nie der Masse, auch wenn sie es nicht böse meint. Sie versucht nur sich zu retten, was sie nicht versucht ist rational ein Problem zu lösen. Wenn auch man das Massenverhalten nicht aufhalten kann, wäre es ein Traum gewesen die Medien hätten die Professionalität aufgebracht einfach aktiv nichts zu wissen. Denn der Panik und dem allgemeinen Frieden hätte das weit mehr genutzt  als  diese irre Panikmache. 

Kleiner Buchtipp am Rande:

Gustave Le Bon; Psychologie der Massen