Prokrastination

Das angesagte Wort „Prokrastination“ beschreibt das Auf- oder verschieben anstehender Tätigkeiten. Im hippen Volksmund wird es zur Zeit allerorts als eine besonders gesellschaftsfähige Ausprägung des Nicht-tuns benutzt. Studenten prokrastinieren anstatt die Vorlesuzu schwänzen, Mütter prokrastinieren anstatt sich peinlich berührt vor der Hausarbeit zu drücken und alle andern tun es auch. Alle; außer mir.

Denn ich bin leider ausgesprochen schlecht in Nichts-tun. Ich kann es weder heimlich noch gesellschaftlich akzeptiert, keine 7 Minuten bekomme ich hin. Dabei weiß ich sehr wohl, wie wichtig es für Körper und Seele ist sich zu entspannen und alles frei zu lassen. Ja, ich habe davon gehört, dass der Kopf erst wieder so richtig in Schwung kommt, wenn er ab und zu mal Leerlauf erlebt. Mein Kopf kennt das nicht. Sobald ich still irgehdwo sitze oder liege beginnt das rattern im Oberstübchen. Einkaufszettel, aufstehen Treppe saugen, wann hat B-Hörnchen eigentlich zuletzt geduscht und haben wir noch Eier.. Aufsehen, nachgucken, hinsetzen. Die Wunschzettel der Kinder werden bedacht, googeln. Hier noch mal ne Nachricht an irgendwen, E-Mails checken. Noch mal eben das Altpapier raus bringen. Nein, dieses Nichts-tun habe ich nicht erfunden.

Sehr schade eigentlich, und ein wenig bleibt die Frage, ob ich es früher einmal konnte. Früher, bevor die kleine Armee hier begonnen hat mich ständig zu beschäftigen. Und während die Studenten im Nachbargarten auf einem Bein stehend meditieren, beschließe ich zumindest noch mal für sechs Minuten das Telefon weg zu legen und zu prokrastinieren. Ab JETZT!

Nichts und nichts

Da es am Abend etwas später geworden war und ich nicht zur Arbeit musste tat ich nichts. Es war herrlich. Am Mittag traf ich das A-Hörnchen beim Pizza-Laden. Er kam von der Schule und erkundigte sich, was ich gemacht hätte. Ich strahlte ihn an und erklärte, dass ich, nachdem ich das D-Hörnchen in den Kindergarten gebracht hatte, nichts getan hätte. Fernsehen, im Bett liegen, Baden – so meine Agenda.

Wir betraten das Haus und werden von der laufenden Waschmaschine empfangen. A-Hörnchen runzelt die Stirn und gibt zu bedenken, dass Wäsche waschen nicht „nichts“ wäre. Er geht weiter und kommentiert:“Du hast aufgeräumt und Staub gesaugt!“. Kleinlaut gebe ich zu, wenigstens das getan zu haben und beteure abermals, dass ich aber sonst nichts gemacht hatte. Bett, Glotze, Wanne – der Tag war mein Freund.

Drei Minuten später enttarnt A-Hörnchen, dass ich außerdem im Bad geputzt und die Spülmaschine ausgeräumt habe. Er schüttelt den Kopf und sagt:“ Mama! Dein Nichts ist irgendwie anders als anderes Nichts! Wenn man nichts machen will, dann muss man auch Nichts machen!“ Schuldbewusst gelobe ich Besserung und freue mich darüber, dass mein Kleiner so für mich sorgt.