Klima und Greta und all das

„Wenn wir nachmittags oder am Samstag demonstrieren, interessiert es ja wieder keinen!“

Mit diesen Worten erklärte ein 15-jähriger Schüler den Sinn und Zweck der provokanten Schulausfälle und fasste damit so gut zusammen was Phase ist. Ein Widerstand, der keinen ernsthaft tangiert, ist kein Widerstand. Um Menschen zu bewegen und vielleicht zum Nachdenkem anzuregen, muss man sie aus ihrer Komfortzone zerren und das eigentliche Problem zu ihrem machen.

Absurd, wenn man bedenkt, dass das ursprüngliche Problem, auf das die Schüler aufmerksam machen wollen, die Zerstörung der Erde, also unseres Lebensraumes ist. Mangel an Lebensmitteln durch ausbleibende Ernten, Überschwemmungen, Dürren; ganz genau betrachtet, ist das alles schon eher unkomfortabel und sollte Grund genug sein, das persönliche Verhalten zu verändern und sich dafür einzusetzen, dass auch die Industrie und letztlich die Regierung mitzieht.

Ist es aber nicht. Klima ist Klima und so richtig schlimm ist es ja noch nicht. Eigentlich war der milde Winter schön, man müsste kaum kratzen und der Jahrtausend-Sommer war nett. Ja, das mit dem Klima ist doch alles halb so schlimm. Wehe aber, wenn die jenigen, die das mit dem Klima am Ende ausbaden müssen, nicht zur Schule gehen, und ihre Zukunft gefährden. Schlimmer geht es nämlich kaum. Wer Freitags schwänzt, der kann nie Abitur machen und der bekommt nie einen Job der ordentlichen Kohle abwirft.

Absurd, ja! Das ist es. Denn wenn der Planet weiter in dem Tempo geschunden wird, dann werden unsere Kinder keine fetten Autos, teure Fernreisen und große Häuser mehr brauchen. Dann investieren sie ihr Geld in Wasseraufbereitung und Lebensmittelgewinnung; um bei all dem Dürren, Hochwassern und Jahrtausend-Sommern zu überleben. Und die Freitage, die sie gelegentlich mal gefehlt haben, werden ihr kleinstes Problem sein.

Nazi-Karussell

Ein Mann stirbt auf einem Spielplatz an einem Herzinfarkt, es gab Streit, andere Männer und eine Frau waren außerdem anwesend, so sagt man. Das ist tragisch, es ist ein Mensch gestorben. Es lässt die Frage nach Vorerkrankungen des Verstorbenen offen, viel mehr eigentlich nich. Färbt man die Geschichte aber mit ausreichend Side-Poltt ein, so zum Beispiel den Begriffen „Deutscher“ oder „Afghane“, nimmt das ganze eine akute Wendung und treibt abermals einen tobenden Mob auf die Straße. Gestern Chemnitz, heute Köthen. Nazis gibt es überall.

Köthen in Sachen-Anhalt ist dieses mal der Ort des Geschehens. „Trauende“ Nazis laufend Parolen schreiend durch die Straßen, begutachtet von der Polizei – und bestimmt den führenden Politikern, denn die werden ja ab morgen wieder sagen, dass da gar nix war. Was ist denn nur los? Grad dreht es so schnell, das Nazi-Karussell. Und trotz der großartigen Proteste gehen den Hass, für das friedliche Miteinander und die Tolleranz, bleibt nach dem heutigen Abend wieder ein Gefühl der Angst, der Ohnmacht und zu wenig eins der Hoffnung.

Man! Menschen sind Menschen, Grenzen sind künstlich und ändern nichts an der Tatsache, dass wir am Ende alle total gleich sind. Mensch. Manche netter manche weniger, manche schlau manche weniger. Manche kleiner, manche großer, dicke dünne helle dunkle haarige glatte lustige grummelige .. Mensch eben. Fuck off, scheiss egal. Hört doch bitte auf so dumm zu sein und habt euch lieb. Wir könnten es so gut miteinander haben.

Dagegen

Vor etwa 10-15 Jahren hat die Stadt Bremen in Sachen Bildung vieles versäumt. Zum Beispiel die Geburten von rund 600 Kindern pro Jahr. 600 Kinder, für die es seit Jahren an Kita-Plätzen und nun zunehmend auch an Schulplätzen fehlt. 600 Kinder, die zwar in Bremen geboren und gemeldet sind, die aber irgendwie nie eingeplant wurden und nun das System „Bildung“ vor unlösbare Probleme stellen. Kein Platz, keine Lehrer, keine Erzieher. Das Drama ist den Eltern im Land lange bekannt, nur die Behörde begreift die volle Spannweite erst nach und nach. In unserem Stadtteil ist die Not an Grundschulen in diesem Jahr so groß, dass 24 Kinder in Containern beschult werden müssen, viele hundert Meter entfernt von der eigentlichen Schule. Erst in den letzten Monaten kamen die hässlichen Details bis zu den Eltern durch. 

Binnen weniger Tage gründeten sich diverse Elterninitiativen und machten ordentlich Randale. „Skandal!“ Und „unzumutbar!“ klang es da und alle waren dagegen. Auch ich war dagegen, ganz klar. An einigen Treffen wütender Eltern beteiligte ich mich und bezog klar Stellung. Dann würde es kompliziert. Die Lager spalteten sich und während Lager A immer noch gegen Container wetterte, bildete sich ein Lager B, dass gegen den Gegenentwurf von Lager B wetterte. In einem wilden Abschlag wurden alle Vorschläge zur Verbesserung der Lage und der Lösung des Problems mit Füßen getreten und zu Nichte gemacht. Plötzlich war man gegen alles. Ein gigantischer E-Mailverteiler brachte täglich zehn neue Meinungen zu Tage und nie eine Lösung. 

Ich habe nun mein eigenes Lager gegründet. Meine Meinung: An der Scheiße kann man eh nichts mehr ändern. Machen wir das beste draus! Mal im Ernst, was verändert sich denn, wenn alle immer nur dagegen sind? Wen interessiert es denn, dass garantiert jede Lösung einen Gegner hat? Und wie soll man ein Problem lösen wenn keiner Bock auf Lösung, aber alle Bock auf Probleme haben? Manchmal ist es klug die Situation als gegeben zu akzeptieren und daran zu arbeiten, die eigene Position im Gefüge zu verbessern. Wenn schon alles schieße ist, möchte ich wenigstens auf nem Höckerchen stehen. 

Heute ist Weltfrauentag

Eigentlich mache ich mir nichts aus Weltfrauentag, Muttertag etc. Hübsch wäre es doch, wenn man einfach jeden Tag respektvoll behandelt würde, jeder gerecht entlohnt würde und man jeden Tag gut und gesichert leben könnte; überall. Einen Tag oder einen Grund sollte es dafür nicht brauchen. 

Der Weltfrauentag bietet mir trotzdem die Möglichkeit nach Hinten zu schauen. Damals, in der Weimarer Republik, da habe die Frauen tatsächlich hart für ihre Rechte gekämpft. Für banale Rechte, wie das Recht wählen zu gehen (heute tut es trotzdem keine mehr…) oder das Recht nicht geschlagen zu werden. Nutze ich also den Tag dazu, mir vor Augen zu führen, dass es nicht immer so gut war wie heute (auch wenn heute es alles schlecht scheint). 

Im Dritten Reich war der 8. März als Weltfrauentag verboten, weil er von den Sozialisten kam. Die Nazis feierten ihren eigenen Muttertag, an dem sie andere Werte ehrten als Freiheit und Kampfgeist. Der Weltfrauentag wurde trotzdem begangen. Im Verborgenen, unter der Androhung von Strafe. Er galt fortan als Symbol des Wiederstandes und des Protestes. Nutze ich den Tag also um an die Mutigen und Klugen zu denken, die in den schlimmen Zeiten den Mut nicht verloren haben. 

Heute Weltfrauentag. Und auch wenn das eigentlich egal ist, war es das nicht immer.