Plötzlich groß

Mein Kleinster kann schwimmen, ist das zu glauben? Eigentlich schon, denn auch die drei Großen haben in den Monaten vor ihrer Einschulung schwimmen gelernt. Auch auf die Tellerschaukel im Garten kommt er seit heute problemlos und beim Abendessen stellte er selbst fest: „Grad ist die Zeit, wo ich ganz viel lerne!“ Da hat er recht, grad geht es schnell und fast jeden Tag lassen wir ein Stück hinter uns und betreten neue Welten.

Schon lange macht keiner mehr Mittagsschlaf, seit zwei Jahren können alle radfahren. Ewig schon muss ich keinen mehr füttern und inzwischen putzen alle allein ihre Zähne. Meine Kinder werden groß, und ich bekomme Woche für Woche ein kleines Stück Freiheit zurück. Dennoch ist es schmerzlich sich von so manchem zu verabschieden; mit flauem Gefühl im Magen denke ich an den Sommer und die letzten Tage mit Kita-Kind. Ab August habe ich vier Schulkinder! Schritt für Schritt gehen sie da raus, in diese große Welt und Schritt für Schritt brauchen sie mich immer ein bisschen weniger.

Und ganz so drastisch ist es dann doch nicht. Bevor sie mich weniger brauchen, brachen sie mich erst mal anders. Aus der „Versorgerin“ wird eine „Beraterin“. Hausaufgaben, Referate, Liebeskummer. Das erste Deo, Pickel auf der Nase und Stress mit dem Kumpel; klar, die Probleme änderen sich und doch bleibt man noch ganz schön lange die Ansprechpartnerin Nr.1. Hoffentlich! Denn wenn meine zukünftigen Teenies mit all ihren Sorgen zu mir kommen können, ohne sich albern, dumm oder sonst was zu fühlen, dann ist alles ok. Und bis das so weit ist, freue ich mich wie eh und jeh über jeden Fortschritt, jedes Schwimmabzeichen und alles andere was sie so großartig schaffen, an dem ich nie Zweifel hatte.

first love

„Mama, hast du noch alte Sachen von früher?“, Fragte mich das A – Hörnchen vor ein paar Tagen. Und ja! Ich habe noch alte Sachen von früher. Unendliche Massen alter Sachen von früher, vornehmlich aus den Jahren 1995 bis 1997. Und so stiegen wir heute auf den Dachboden um in der alten Zeit herum zu forsten und mal zu gucken, was die Mama so getrieben hat als sie 12 oder 13 Jahre alt war.

Die Suche ging schnell und so standen wir ruckzuck vor drei wirklich großen Kisten, voll gestopft mit Kram. Zugegeben ein klein wenig hatte ich vergessen was dort alles drin ist. Uns erwartete eine wahre Flut aus Take That- Fan Artikeln. Neben einiger Kilo Videocassetten, Audio Kassetten, Postern und Zeitungsartikeln fanden wir natürlich auch die obligatorischen Bravo- Autogrammkarten, Briefmarken, Klebe- Tattoos, Bügelbilder und Song-Books. All das Zeug war fein säuberlich sortiert, die einzelnen Blätter ein geklebt, in den Ordnern hatte ich Inhaltsverzeichnisse angelegt. Auch diverse Panini Alben, Sticker Alben und sündhaft teure Fanzeitschriften fanden sich, so dass ich mich schnell fragte, wie ich das überhaupt finanziert habe? Nun ja, Prioritäten muss der Mensch setzen und so habe ich das eben finanziert – weil es das allerwichtigste auf der Welt war. Einige Minuten später schmunzelte ich sehr; hätte ich in meinem späteren Leben die Schule mit einer solchen Sorgfalt behandelt, mein Abi hätte sicherlich nicht die Note 3,6 gehabt! Nun gut, man kann nicht alles haben. Prioritäten muss man setzen, und auch später hatte ich diese deutlich formuliert. Wie dem auch sei, wir gruben weiter und fanden neben einem Take That Kopfkissen, 25 T-Shirts, dieversen Mützen und Caps, einen Rucksack, einer Reisetasche, einem Duschgel, Schmuck, dutzender Schlüsselanhänger und zwei Jacken auch die damals unglaublich begehrten Take That- Barbie Puppen. Leidenschaft und Hingabe, ja das konnte ich schon immer gut. Was ich in dieser Zeit an Zeit, Geld, Gehirnsschmalz und Emotionen ausgegeben habe und diesen Kult gerecht zu werden… Es ist unglaublich!

Wie alles im Leben endete diese Phase recht abrupt im Sommer 1997. An die Stelle von Mark, Robbie, Gary, Jason und Howard trat der erste echte Freund. Für alberne Schwärmerei, Poster und Zeitungsartikel war nun keine Zeit mehr. Ein neuer Lebensabschnitt begann und auch dieser endete, sowie viele andere es bereits taten und noch tun werden. Ich bin wahnsinnig gespannt, was mich in den kommenden Jahren erwartet. Welche Teenie- Idole gehuldigt werden, welche Poster aufgehängt und welche Konzerte wir gemeinsam besuchen werden. Wenn meine Kinder ähnlich begeisterungsfähig sein, wie ich es war oder wird sie all das völlig kalt lassen? Ich werde es erleben, und wenn ich mir überlege, dass der Wahnsinn bei mir mit zwölf Jahren begann, dann ist es gar nicht. Mehr lange hin. Überhaupt gar nicht mehr!

Ich hasse Pubertäten

Leider komme ich zu der Erkenntnis, dass ich keine vier Pubertäten überleben werde. Genau genommen schaffe ich vermutlich keine einzige, denn das was allein die aller ersten Ausläufer machen, treibt mich an den Rand des Wahnsinns.

Ich selber war eine pubertierende Pest. Heute ziehe ich den Hut vor jedem, der es zwischen dem 13. und dem 17. Lebensjahr mit mir ausgehalten hat. Ja, ich war ein störrischer, nerviger Kotzbrocken, habe meine Eltern durchgängig an den Rand des Wahnsinns getrieben, und nicht nur die. Ich war dagegen, egal worum es ging. Ich musste alles testen, ging an jede Grenze und überschritt so einige. Nun ja, es ging vorbei, alle haben überlebt.

Heute ist es mein A-Hörnchen, dass mich neue Grenzen erreichen lässt. Mit einem unfassbaren Diskussionstalent, Treffgenauigkeit und beachtlicher Penetranz dominiert er derzeit jede Sekunde meines Alltags und zeigt mir immer wieder aufs neue, dass ich das Leben noch lange nicht zu Ende Gedacht habe. Wir streiten mit Leidenschaft, laut und intensiv. Wir argumentieren uns schon heute in Grund und Boden und müssen immer wieder das Gefüge von Autorität und Augenhöhe ausloten. Das Freiheitsbestreben meines Sohnes ist beachtlich, er erobert sich jeden Tag ein paar Quadratmeter mehr und arbeitet hart daran sich vom mir dominanter Ober-Mama abzugrenzen. Eine harte Aufgabe. Dennoch habe ich keinen Zweifel daran, dass er am Ende ein großartiger, persönlichkeitsstarker und selbstständiger Junger Erwachsener sein wird. Meine Währung sind Nerven, mein Lohn das Ergebnis – starke Kinder.

Und jetzt bitte einen Portion Mitleid; oder Kekse. Oder Schnaps. Oder beides.

Greena

Gestern Abend um 22.00 klingelte mein Telefon. Meine Mama rief aus dem Urlaub an. Sie waren am Seewasseraquarium in Greena/ Dänemark vorbei gekommen und da musste sie mich anrufen.

Vor ungefähr 25 Jahren waren wir schon einmal in Greena. Ich war damals ein angehender Teenager, bereit die Welt zu beherrschen nur leider noch etwas unbeholfen. Nach dem Eitritt in das Aquarium kam es zum Streit. Ich wollte A, meine Familie wollte B. Natürlich weiß ich nicht mehr im entferntesten, worum es ging. Jedoch war es wichtig, elementar wichtig. So wichtig, dass ich völlig außer mir geriet und furchtbar kämpfen musste. Ich verließ die Familie und zog einige Zeit allein durch’s Aquarium; unendlich wütend. Die Familie hatte sich inzwischen ins Bistro gesetzt und etwas zu trinken bestellt. Immer noch kochend vor Wut kam ich dazu. Meine Mama schob mir ein Glas Fanta rüber, bot Frieden an. Ich groß das Getränk wie von Sinnen auf den Tisch und rastete aus. Wegen A oder B oder dem Ende der Welt.

Heute, 25 Jahre später, können wir über diesen Tag lachen. Damals muss es für meine Eltern entsetzlich gewesen sein. Den Inhalt eines Teenie-Kopfes zu verstehen ist schier unmöglich und die Masse an Emotionen zu lenken für alle Beteiligten eine riesen Herausforderung. Ich war eine Bestie, damals. Ich habe meine Eltern traktiert, in den Wahnsinn getrieben und um jeden Millimeter Freiheit gekämpft. Und bei all dem Theater, dem Streit und dem Stress war es jeder Millimeter wert, hat mich jeder Disput zu dem gemacht, was ich heute bin.

Ich hoffe, dass auch meine Kinder kämpfen werden, dass sie sich sicher genug fühlen um das zu tun. Und ich hoffe, dass ich die Kraft meiner Eltern haben werde diese Rebellionen zu ertragen und eines Tages über sie lachen zu können.

Versteh mich doch

„Kabel an den Wänden, so dass man sie sieht. Und alte Sicherungen und andere Elektobauteile und alles irgehdwie verbunden miteinander!“

Mit diesen Worten erklärte A-Hörnchen die neusten Umgestaltungspläne für sein Zimmer. Er strahlte und hätte am liebsten sofort losgelegt. „Geht das, Papa?“, fragte er aufgeregt beim Frühstück. Der Menne schaute verknautscht drein und antwortete knapp: „Nee, das würde so nicht gehen. Sicherungen kann man nicht ohne Sicherungskasten verbauen und ich leg dir da doch keine Kabel mit 230V. Die Wände wären danach ja auch vollkommen durchlöchert..“ Traurig sah das A-Hörnchen mich an.

Als ich in der 6. Klasse war, hatte auch ich Wünsche und Pläne. Ich wollte mein Zimmer mit Postern und Postkarten tapezieren, eine kleine Festung sollte es werden. Kein Millimeter Tapete solle mehr zu sehen sein, und die Zwischenräume wollte ich mit Edding ausmalen. Mein Vater verneinte, schlug Bilderrahmen vor und ich kotze innerlich. Er verstand kein Wort. Was ich wollte waren nicht Poster sondern Abgrenzung. Ich wollte einen Ausdruck meiner Individualität schaffen, mich von der Masse meiner Klassenkammeraden abgrenzen, anders sein und da ich nunmal 11 war, war mein kleines Zimmer der zunächst einzige Ort, an dem dies geschehen konnte.

Es geschah trotzdem, nach und nach. Erst in meinem Zimmer später über Kleidung, Haare und alles andere. Ich baute mich selbst auf, erschuf meine Person, so wie sie in ihren Grundzügen noch heute erhalten ist. All das, das vollgepflasterte Zimmer, die ollen Klamotten, die bunten und abrasierten Haare, waren wichtige Schritte in meiner Selbstwerdung, in dem Prozess, der mich von der Masse abgrenzte, bis heute und für immer.

Und so erklärte ich dem Menne, im Beisein des A-Hörnchens, dass es vielleicht nicht um funktionierende 230V Leitungen geht, sondern um „anders sein“. Dass es vielleicht darum geht, ein Zimmer zu haben, dass so anders ist, dass alle anderen immer denken, dass das aber sehr anders ist. Dass es um die tolle Persönlichkeit des A-Hörnchens geht, und eben nicht um Strom. Als ich das so erzählte, kullerten dem Hörnchen Tränen der Erleichterung über die Wangen. Und auch der Menne verstand; zumindest rudimentär. Und ich begriff einmal mehr, dass mein Sohn schon echt mein Sohn ist. Apfel und Stamm und so.

Kinder….

Wenn man so ein Kind bekommt, ist alles plüschig und schön, zumindest wird das so erwartet. Irgendwann aber kommt jeder an den Punkt, an dem dieses Eltern-sein einfach nur noch anstrengend und doof ist. Der eine erlebt diesen Schlüsselmoment nach wenigen Stunden, bei anderen dauert es Monate. Fakt ist, irgendwann erwischt es jeden. Von da an redet man sich Kriesen schön. Kinder leben in Phasen, und in der Natur der Phase liegt, dass die eines Tages zu Ende geht. Im Rückblick kann man dann rekapitulieren – und das fällt manchmal wenig schmeichelhaft aus:

Am Anfang, da sind die Kinder klein und hilflos. Mit Null, da brüllen, kacken und kotzen sie. Eltern bekommen wenig Schlaf und es ist ja so anstrengend.

Mit Eins sind sie unstet und tollpatschig. Man kann nicht genug Augen und Hände haben. Alles räumen Sie einem aus. Ja, einjährige sind ja so anstrengend!

Mit zwei, da werden sie störrisch. Zweijährige wollen alles allein machen, bekommen es selten hin. Alles dauert lange mit einem Zweijährigen im Schlepptau. Mit zwei sind sie so anstrengend!

Ab dem dritten Geburtstag werden sie trotzig. Dreijährige motzen und trotzen und werfen sich auf den Boden und schreien. Mit drei ist nichts vor ihnen sicher, ja! Mit drei sind sie so anstrengend!

Vierjährige sind trotzig und frech. Sie wollen bestimmen und die Weltherrschaft an sich reißen und sich um alles in der Welt nichts sagen lassen. Vierjährige sind anstrengend!

Mit fünf fangen sie dann auch noch an zu diskutieren. Mit fünf sind sie trotzig mit frech und diskutieren von Pontius zu Pilatus. Mit fünf sind sie anstrengend.

Sechsjährige sind auch anstrengend. Sie wollen alles besser wissen, wissen es aber nicht und das Trotzige haben sie immer noch.

Mit sieben und acht wird aus trotzig plötzlich bockig. Sieben- oder Achtjährige verstehen ne ganze Menge, haben aber keine Lust zu tun was sie wollen. Mit sieben und acht sind sie so anstrengend!

Neunjährige sind, ebenso wie Zehnjährige, störrisch und bockig. Sie debattieren und machen was sie wollen. Wenn man was von Ihnen will wird es wieder anstrengend.

Mit elf bessert sich nichts, auch nicht mit zwölf. Und danach ist es Pubertät. Ein Elend, und so anstrengend.

Und in Wirklichkeit? Alles scheiss. Babys sind zauberhaft, Kleinkinder einfach putzig und alles danach eben so gut, wie man es findet. Ich konnte bisher jedem Jahr und jeder Phase viel positives abgewinnen. Und wenn es ganz anstrengend war, war es oft ich selbst die nicht ganz rund lief. Kinder sind in aller erster Linie einfach mal genial; zumindest meine.

Immer motzt du

Ich möchte ins Bad und starte die Aktion mit den Worten: „Ich gehe jetzt ins Bad und möchte dort mal eben meine Ruhe haben.“ So gehe ich durch die Tür, schließe sie und tue was man so tut. Nach 5 Minuten geht die Tür auf. C-Hörnchen kommt rein, setzt sich zufrieden auf den Klodeckel und legt los.

Einige Minuten lang hält sie einen Vortrag über die Vor-und Nachteile verschiedener Reiterhosen; ich hatte gar nicht danach gefragt. Nach zwei Minuten bitte ich sie höflich zu gehen und Verweise auf meinen Wunsch nach Privatsphäre. C-Hörnchen schüttelt den Kopf und plappert weiter. Ich bitte sie etwas energischer zu gehen. Abermals schüttelt sie den Kopf. Ich sehe dem Hörnchen in die Augen und sage ein letztes mal freundlich:“Geh raus!“. Nichts passiert. Nun schreie ich. „RAUS!!“ fetzt es durch den Raum. C-Hörnchen springt auf, geht zur Tür und heult im Rausgehen: „Immer musst du motzen!!!“. Fassungslos bleibe ich zurück. Woher dieser Protest, was macht das? Was ist so attraktiv daran, einen anderen zur Weißglut zutreiben und dann selbst daran zu verzweifeln?

Die Antwort ist leicht: Es ist die Abgrenzung. Kinder im Grundschulalter beginnen sich als autonome Persönlichkeiten wahrzunehmen. Während Kleinkinder eins mit der primären Bezugsperson sind, und auch Kindergartenkinder immer noch Teile ihrer Person über die Bezugsperson definieren, stellen Grundschüler fest: Ich bin ein Ich! Diese junge Konstrukt muss nun erprobt werden. Wie stabil ist mein Wille, wie viel kann ich durch mich erreichen und was passiert, wenn ich mein Wollen gegen das der Bezugsperson stelle? All diese spannenden Fragen klären Kinder im Alter von sechs bis etwa Zahn Jahren. Sie tun dies nicht um Eltern in den Wahnsinn zu treiben oder sich selbst als besonders oppositionell herauszustellen. Der Grund für diese Abgrenzungen ist, dass die Kinder sich zu selbständigen Wesen formieren, die dann schlussendlich stark genug sind, die eigene Pubertät und die damit verbundenen Veränderungen zu überstehen. Sich von Bezugspersonen abzugrenzen heißt letztlich nur, sich zu sich selbst zu bekennen, die eigenen Bedürfnisse zu erfassen und ihren Wert zu sehen. Wer als junger Mensch lernt sich abzugrenzen, hat es auch als erwachsener in aller Regel leichter sich selbst nicht zu verlieren. Und wer es schafft im Alltag bei sich zu bleiben, der hat für sein Leben und vor allem für seine psychische Gesundheit viel gewonnen.

Postnatale Abtreibung

Beim Abendessen hat das A-Hörnchen gestern massiv genervt. Er meckerte alle an, kritisierte jede Bewegung und benahm sich im allgemeinen wie ein Idiot. Irgendwann, gegen Ende der Mahlzeit, jagte ich ihn dann weg. Er solle in sein Zimmer gehen, wenn wir so schlechte Gesellschaft wären. Laut und vernehmbar meckerte er sich also davon.

C-Hörnchen betrachtete die Szene kopfschüttelnd und dachte gut nach. Kurze Zeit später stemmte die entschlossen die Hände in die Taille und sagte:“ Können wir A-Hörnchen nicht einfach einschläfern lassen?“. Wir mussten schmunzeln, vermuteten schon, dass C-Hörnchen nicht wusste, was einschläfern ist, und gaben unsere Bedenken kund. Wir glaubten nicht, dass das erlaubt wäre und überhaupt würden wir keinen kennen, der sowas macht. Da holt C-Hörnchen nich einmal aus und fügt hinzu:“Ist aber auch schwierig. Wo soll man den danach ablegen?!“

Dieses gut durchdachte Kind! Wir haben uns gegen dieEinschläferung entschieden. Die Frage nach einer Babyklappe für Teenies kam auf und in letzter Instanz schlug C-Hörnchen dann vor, ihn doch zu Oma und Opa zu geben. „Die mögen ihn doch!“ erklärte sie noch schnell. Und ich freue mich jeden Tag mehr auf die Zeit wenn die Hörnchen alle zwischen 10 und 16 sind. Dann gehe ich nämlich zu Oma und Opa. Hoffe die mögen mich dann noch.

Das Wunder des Körpers 

In der Straßenbahn erzählt mir das A-Hörnchen, dass der Sexualkunde-Unterricht jetzt in zwei Gruppen stattfände. Ich zeige mich interessiert und erkundige mich, was man denn so als Junge in Sexualkunde lernt. Ganz sicher war ich mir, dass die Antwort allenfalls ein: „Mama! Peinlich!“ sein würde, so wie bisher wenn dieses Thema aufkam. Etwas verwundert war ich hingegen, dass er es überhaupt angesprochen hatte. Und dann legte er los. 

Schwellkörper und deren Funktion, weshalb es wichtig sei, dass Penisse steif würden und wo genau die dann hingehörten. Ohne Scham und Gekicher erklärte er mir den gesamten Akt in akkuraten Fachbegriffen. Kein roter Kopf, kein Stammeln. Selbst Erektionen und Ejakulat konnten ihn nicht aus der Fassung bringen und so erklärte er mir weiter wie dann Eier zu Samen finden und Frauen zu Mamas werden. Selbst eine Abhandlung über Gifte in der Schwangerschaft inklusive Contagan bekam ich. 

Ich staunte nicht schlecht und fragte, ob das ganze gar nicht mehr peinlich und doof wäre. Da holte das A-Hörnchen tief Luft uns sagte im Brustton der Überzeugung: „Mama weißt du, ich finde den Körper und wie das alles funktioniert und so, so interessant! Da ist gar nichts peinlich, das ist ja alles so gedacht!“ Ich war baff! Ich meine, genau so sehe ich das auch. Körper und all ihre Funktionen sind toll und können gar nicht ausgiebig genug bestaunt und benutzt werden. Aus dem Munde meines kleinen Jungen jedoch war das neu und ungewohnt. Nun bin ich stolz; mein Sohn!!!