Regen

Als Bremer ist man den Regen gewohnt. Im Herbst regnet es viel und stürmisch, im Winter regnet es kalt und matschig. Im Frühjahr fällt zauberhaft beflügelnder, süsslicher Regen und im Sommer brechen stattliche Gewitter über uns hinein; gern täglich. Ja, den Regen kennen wir hier. Gerüstet ist man in aller Regel, der stolze Bremer wird halt nass und so wundert es keinen, wenn auch bei starkem Regen jede Menge Radfahrer unterwegs sind. Selbst Tage und manchmal Wochen am Stück können uns nicht beeindrucken. Ja, Regen können wir! Manchmal, einige Male im Jahr jedoch, da haut es uns um. Dann regnet es so doll, dass die Keller und Unterführungen in Bremen volllaufen. Und dann – machen wir sie wieder leer.

Und nun das! Es ist Ende Mai und seit Wochen hat es nicht ernsthaft geregnet. Bremen ist staubig, die Pollen vom April kleben noch auf den Autos, die Fußwege sehen ein bisschen Sahara aus. Die Kleingärtner raufen sich die Haare und alle anderen sehen bei jedem Wölkchen irritiert zum Himmel. Wann kommt er wieder, und wenn es dann los geht, wie lange wird er bleiben; Tage, Wochen, Monate?

Bis es soweit ist gilt es zu genießen; die Sonne, die Wärme und die trockenen Klamotten. Das Trocknen der Wäsche im Garten und die Tage im Freien. Und dann, eines Tages wird er wiederkommen, der vertraue Regen. Er wird sich ankündigen und dann doch etwas später kommen als man ihn erwartet hat. Er wird ein vertrautes, wohliges Gefühl verbreiten, die Luft wird duften wie es nur frischer Regen kann und nach der langen Trockenheit wird endlich alles wieder so sein, wie wir Bremer es kennen. Irgehdwie nass aber gut!

Regenwetter 

Für meine kleinen Hörnchen ist Regen das größte. Eingepackt in Regenhose, Gummistiefel und Regenjacke hüpfen sie leidenschaftlich in Pfützen und stolzieren mit ihren Regenschirmen auf und ab. Regen rockt, ganz klar! Das B-Hörnchen mit ihren acht Jahren, lässt sich zumindest noch ohne Widerwille in Regenzeug verpacken und kommt so trocken in der Schule an. Und dann, irgendwann beginnt es kompliziert zu werden. A-Hörnchen findet nass arg uncool; Regenhose jedoch noch viel mehr. Und was ich heute morgen auf dem Schulhof sah war noch viel unglaublicher als die immerhin wasserdichte Softshell-Jacke des A-Hörnchens. 

Bauchfreies Top, nass. Durchgeregneter Kapuzenpulli und ein Mädel hielt sich hilflos ihre „The North Face“ Jacke mit sagenhafter 8000er Wassersäule über den Kopf – um wenigstens die Frisur zu schützen. Das sündhaft teure Teil anzuziehen, wäre ihr im Traum nicht in den Sinn gekommen. Irre, bedenkt man, dass diese Teenies im Prinzip alles das selbe Problem haben. Würden sich die bekloppten dieser Welt halt darauf einigen, dass trocken sein der letzte Schrei ist, ginge es vermutlich allen besser. 

Ich habe heute morgen pflichtbewusst meine Regenhose angezogen und natürlich auch die dazugehörige Jacke. Meine wasserdichten Stiefel hatte sich das A-Hörnchen geschnappt; na gut! Als ich raus kam hörte der Dauerregen auf. Ich fuhr mit dem Bus um nicht vollkommen durchzuregnen und kein Tropfen fiel mehr. In Jacke und Hose schwitze ich erbärmlich und ein kleines bisschen dumm kam ich mir vor. Aber wo bitte liegt denn die Wahrheit? Irgendwo dazwischen schätze ich. 

Herbst, der Herbst, der Herbst ist da!

Heute habe ich offiziell den Herbst ausgerufen. Es ist windig, kalt und nass. Die ersten Triefnasen haben uns erreicht und alles ruft nach 

ERBSENSUPPE !

Gesagt getan. Ich koche sehr gern dicke, fette Suppen. Eine kräftige Brühe mit mächtig Einlage. Mettenden (oder Tofu) und ein paar Tüften; ich mag es wenn es schon den ganzen Tag im Haus nach den riecht, was es abends gibt. Ich finde es ungeheuer gemütlich wenn abends alle mit verwehten Haaren zusammenkommen und gemeinsam essen. Hallo Herbst; schön dass du da bist. 

Und wie ich grad erfahren habe dann ja auch schon wieder „Tschüss“. Ab morgen erwartet uns ein hohes Hoch mit viel Sonne und hohen Temperaturen. Na ein Glück, dass es die Suppe heute gibt und nicht etwa morgen. Ich hoffe jedenfalls, dass ihr einen schönen ersten Herbst hattet!

Wettervorhersage 

„Mama? Regnet es heute noch?“ Fragt C-Hörnchen. Ich antworte, dass ich es nicht weiß. C-Hörnchen sagt:

„Aber es könnte heute noch regnen!“ „Ja, das kann sein.“ gebe ich zur Antwort. 

„Marianne (die Erzieherin) sagt aber es wird heute bestimmt regnen!“ teilt das Hörnchen weiter mit. Abermals stimme ich zu, dass es tatsächlich sein könne, dass noch Regen käme. 

Unser Gespräch geht weiter:

Hörnchen:“Aber Marianne weiß nich genau ob Regen kommt!“

Mama:“Ich weiß es halt auch nicht genau.“

Hörnchen:“Aber Marianne sagt es könnte Regen kommen. Aber sie weiß es nicht genau.“

Mama:“So ist es ja auch. Vielleicht kommt Regen, vielleicht auch nicht.“ 

Hörnchen:“Aber Marianne weiß es auch nicht genau!“

Mama:“Hörnchen? Was ist denn mit dem Regen? Ist das schlimm wenn der kommt? Oder ist der wichtig?“ 

Hörnchen:“Nein Mama! Wenn der Regen kommt wird es nass!“ 

Also Leute! Heute könnte es regnen, vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber seht euch vor! Wenn es regnen sollte, würde es nass werden.   

Was tut man nicht alles

Mein B-Hörnchen ist ja ein absoluter Kletteraffe. In den Osterferien wird dieses Jahr ein Kletterprojekt für Kinder angeboten und schnell war klar, dass B-Hörnchen da mitmachen MUSS. Tja, und wie so oft im Leben ist Planung alles. Leider hat mein können sich dieses Mal nicht gerade bewiesen. 

Die Woche, in der das Projekt stattfindet, hat der Menne Frühschicht. Das bedeutet Auto und Mann sind weg. Gleichzeitig haben alle Hörnchen Ferien. Die Kletterhalle ist 20 Minuten mit der Bahn entfernt, gefolgt von einem Fußmarsch. Ich allein laufe 10 Minuten durch den Regen, nur mit B-Hörnchen sind es 15 Minuten und mit allen Hörnchen etwa 25. Diesen feucht-fröhlichen Spaß gönnen wir uns jetzt an vier Tagen hintereinander, jeweils morgens und mittags. Ein Höllenvergnügen!! 

Nun, wer wäre ich aber wenn ich das Drama so über mich ergehen lassen würde. Ich habe nach Kräften geschoben und telefoniert und dank Oma und Opa sowie der guten Tante sind etliche Tage gerettet. Was tut man nicht alles für das liebe Kind!! Danke den Helfern!

Eine wahrhaft gute Mutter 

Auf dem Rückweg vom Kindergarten war es arg kalt und ungemütlich. Es begann zu regnen und es stürmte. C-Hörnchen fuhr eisern mit ihrem Roller. Bald klagte sie über kalte Finger. Ihre Handschuhe waren nass und machen die Sachen nur noch schlimmer. 

Einige Meter dachte ich es würde schon gehen. Dann realisierte ich, dass der Weg mit dem D-Hörnchen auf dem Laufrad und den 100 Pfützen ewig dauern würde. Nach kurzem Zögern zog ich meine warmen Socken aus und gab sie dem C-Hörnchen als Handschuhe. 

Soviel sei gesagt: Ihre Hände waren in der folgenden halben Stunde kuschelig warm. Meine Füße weniger. 

Regen

Im strömenden Regen fuhren wir mit dem Rad nach Hause. Unter einer Laterne blieb das C-Hörnern sehen und schaute nach oben. Entzückt von ihrem Entzücken erwähnte ich, dass man den Regen hier besonders dolle sehen könnte. C-Hörnchen sah mich wissend an und wisperte:“Ja! Die Laternen spucken den Regen!“

Immer wieder bin ich erstaunt, dankbar und sprachlos zugleich wenn ich einen kleinen Einblick in die Welt meiner Kinder bekomme. Laternen spucken also Regen; gut. Bestens! Wo soll der sonst auch her kommen.  

Ich geh auf’s Klo

Heute ist ein Feiertag. Der Menne muss arbeiten, fast den ganzen Tag. Ich sitze zu Hause, mit vier mittelmäßig gelaunten Kindern und langweile mich zu Tode. 

Ich mag diese tristen Tage nicht, an denen keiner Lust hat hier zu sein, aber auch keinem was einfällt, was man tun kann. 

Heut Nachmittag, da gehen wir dann raus. Und bis dahin muss ich mich irgendwie unsichtbar machen, damit sie mir nicht den letzten Nerv rauben. Und eben kam mit der Geistesblitz. Ich geh auf’d Klo!! 

In dem Buch „Angelas ashes“ beschreibt Fank McCourt:

The rain drove us into the church – our refuge, our strength, our only dry place. At Mass, Benediction, novenas, we huddled in great damp clumps, dozing though priest drone, while steam rose again from our clothes to mingle with the sweetness of incense, flowers and candles.

Und genauso ist es hier auch. Auf dem Klo habe ich meine Ruhe. Himmlische Einsamkeit, ich werde nicht verfolgt und plötzlich bin ich unsichtbar. Was für ein schöner Ort!!

Urlaubswetter

Langsam wird es spannend. In fünf Tagen geht es in den Urlaub und das bedeutet: so ganz langsam kann man die Wetterprognosen ernst nehmen. 

Es ist schon so ein Phänomen. Seit dem der Menne und ich gemeinsam in den Urlaub fahren, also seit Ca. 16 Jahren, fahren wir in Dreckswetter. In den Ferien bereisen wir immer die Woche, in der es regnet. Die letzten Sommerurlaube an der Nordesee verbrachten wir in Regenhose und Gummistiefeln. Ein Elend, habe sich doch die Kinder vor Jahren Luftmatratzen zum Plantschen gekauft, die sie wohl nie benutzen werden. 

Und wer jetzt denkt: Regen an der Nordsee, das kann doch jeder! Wir hatten auch schon:

  •  Camping im Schnee, mitten in Berlin  oder 
  • Sturm und Kältewelle in Ägypten 

Also, irgendwie haben wir es voll drauf.