Neue Liebe

Wenn was aufhört, tut das weh. Was man aber oft vergisst ist, dass nach Ende auf wieder Anfang kommt. Und da ich eine extrem Bindungs-und Begeisterungsfähige Person bin, habe ich heute zum schnellen Neuanfang getutet. Genauer genommen wurde ich angetutet. Sie stand in einem Schrauberlädchen, völlig unscheinbar und verdeckt von lauter Größeren. Dennoch stach sie mir gleich ins Auge, ihre Schönheit, aber auch ihr ungewöhnliches Antlitz ließen mir keine Ruhe. Sie ist zierlich, gradezu klein. Trotzdem wirkt sie keineswegs gedrungen; viel mehr ist sie wendig und agil. Sie ist schon alt, ein Kind der 80er, dafür aber noch top in Schuss.

Ihr Rahmen ist aus Columbus SL Rohr, bis auf kleinere Laternenpfahl-Stellen in Lee ist er tadellos. Das Shimano 105er Set ist grad letzte Woche um einen Schaltkranz und eine Kette erneuert worden. Nicht mehr original aber dafür butterweich. Vorbau, Bremsen, Felgen und sogar die Reifen sind original. Mit einer Rahmenhöhe von 52 ist sie kleiner als es die Lorelai war. Und ich muss gestehen, es ist ein Hinmelreich einen passenden Rahmen zu fahren.

Ganz zauberhaft zauberhaft ist sie also, und mein Herz schlägt schon fast wieder im Takt. Was uns nun noch fehlt ist ein Name für das schöne Kind, aber der wird kommen.

Keines ist wie sie

Nach der großen Trauer um ein geklautes Fahrrad, tun sich eine bohrende Frage auf: Was nun? Wenn einem der Hund stirbt, soll man sich nicht gleich nen neuen holen, nach der zerbrochenen Liebe nicht gleich die nächste und mein Mann sagt ich soll endlich aufhören mein Herz an Gegenstände zu hängen. Darf ich mir also gleich wieder ein neues Fahrrad kaufen? Und ist es überhaupt möglich ein vergleichbares, gutes Rad zu finden, mit dem ich glücklich werden kann?

Ihr Lenker war abgesägt, das klingt erstmal grausam, war aber für uns beide eine gute Lösung, da ich den klassischen Rennradvorbau schlecht fahren kann. Lorelai wirkte dadurch zierlich und grazil. Allgemein war sie eher schmal bei ihrer Rahmenhöhe von 52cm. Lenkerband und Endstücke hatte ich grad erneuert, sie sah zauberhaft aus. Ich habe ihre Pedalen sehr geliebt, die nur von einer Seite komfortabel zu fahren waren. Es hat mich viel Übung gekostet, elegant und zügig an den Ampeln loszukommen ohne mich zu verletzten. Ihre Ritzel, und ins besondere die kleine 8er Kassette, waren stark abgenutzt. Es wimmelte von Haifischzähnen. Nur ich wusste wie sie zu schalten war; mit Gefühl udn im richtigen Moment. Den könnte man im Tritt spüren. Lorelai’s Kette war ein wenig zu lang geworden. 108 Kettenglieder; mit der Zeit in die Jahre gekommen. Die Erneuerung war für das kommende Wochenende geplant. Ihr Rahmen hatte einiges mitgemacht. Der eine oder andere Sturz und vor allem aber Laternenpfähle haben ihr zugesetzt. Ich hatte zuletzt ein Schloss mit Stoffüberzug und habe darauf geachtet, ihr nicht zu schaden. Einen Ständer hatte sie nie; das Gewicht… 9,5 kg hat sie gewogen, keine 10.

Und nun, Schluss mit dem Gejammer. Schließlich habe ich mich schon öfters von geliebten Dingen verabschieden müssen. Habe ich mal von Bob erzählt… ?

Mein Herz

In den 90ern erwarb mein Papa bei einem Fahrradhändler im Dorf ein gebrauches Rennrad. Es war in akzeptablem Zustand, vielleicht ein wenig zu klein; und pink. Er fuhr es einige Zeit, irgendwann zog es in den Schuppen. Dort blieb es lange. Ich hatte es nie ganz vergessen und übernahm den Schatz vor einigen Jahren. Als ich es bekam waren die Reifen platt. Es sah ein wenig jämmerlich aus, dreckig und alt. Ich war sofort verliebt. Ich brachte sie zu einem Rennrad-Opa und bat ihn sie gesund zu machen. Wie durch ein Wunder war sie vollkommen intakt. Bremsen, Mantel, Tretlager, Kette; alles war noch top. Ich taufte sie Lorelai und liebte sie sehr.

Ich fuhr viel und voller Leidenschaft. 9,5 kg Stahlrahmen und ich wurden zu einer Einheit. Meine Rennhexe und ich, so war das. Schon lange haben Fahrräder für mich viel mit Hingabe udn Freiheit zu tun, auf dem Rad bin ich glücklich.

Heute entriss man mir das Herz. Die Lorelai wurde geklaut. Als ich aus der Arbeit kam war sie einfach weg, spurlos verschwunden. Mich zerreißt es, wie kann sowas sein? Wie soll ich jemals wieder ein Rad finden, das ich so lieben kann?

Der kleine Unterschied

Ob ich in diesem Jahr sportlich ambitioniert bin, wurde ich gefragt. Ich habe eine Weile nachdenken müssen um das zu beantworten und bin zu folgendem Schluss gekommen: Meine größte sportliche Herausforderung liegt in diesem Jahr darin, den Unterschied zwischen „Lust auf Sport“ und „Lust auf dünn-sein“ herauszufinden. Für mich persönlich eine harte Nuss!

Tatsächlich nämlich habe ich in den letzten Jahren viel daran gesetzt die Spuren von 34 Jahren Leben und vier Schwangerschaften zu verwischen. Ich habe meinem Körper den coolen Deal vorgeschlagen: Ich bewege dich viel und gebe dir wenig zu essen, dafür machst du, dass wir aussehen wie 16! Mit großen Ideen wie ‚vor dem Frühstück 10km laufen‘ habe ich versucht meinem Teil der Abmachung einzuhalten und muss euch nun mitteilen: Klappt nicht! Und viel schlimmer noch, es macht nicht mal Spaß! Und so stelle ich mich neuen Herausforderungen!

Mit 34 sieht man aus wie mit 34. nach vier Kindern sind manche Stellen an so nem Körper anders als andere. Essen macht Freude und tut gar nicht weh und niemand auf der Welt mag mich mehr nur weil mein Bauch weniger wabbelt. (Sollte das anders sein kann der jemand mich mal!!) Und wenn ich wirklich Lust habe mich zu bewegen, dann tu‘ ich das, und zwar mit Freude. In den letzen Tagen bin ich viel Rennrad gefahren. Es war herrlich und Balsam für die Seele. Ich quäle mich nicht in diesem Jahr, ich versuche es mal mit glücklich sein.

Me and my shadow

Bei prächtigem Wetter wollten A-Hörnchen und ich eine Runde mit den Rennrädern drehen. Vor dem Start am Nachmittag bat ich ihn seine Lampen einzupacken. Er zeterte und war sicher, dass wir vor Einbruch der Dunkelheit wiederkommen würden. Schlussendlich setzte ich mich durch und wir fuhren los.

Auf halbem Weg sellten wir fest, im Omas Nähe zu sein. Wir machen einen Abstecher, ich bekam einen Kaffee und A-Hörnchen Oma. Wir klönten entspannt eine ganze Weile und es wurde dunkel. Erst als es schon stockfinster war, brachen wir zur Heimreise auf. A-Hörnchen machte seine Lampen an und ich… griff ins Leere. Keine Lampen, Scheiss. So fuhren wir los, einer pflichtbewusst beleuchtet, eine irgendwie nicht.

Den ganzen Weg über zeterte ich über meine eigene Dummheit. A-Hörnchen verhöhnte mich kräftig; er fand es herrlich, dass ich so ein bescheidenes Vorbild bin. Am dem letzten Stück Weg standen am Straßenrand diverse kleine Granitplatten als Wegbegrenzung. A-Hörnchen wies auf die Platten und fragte: „Weißte‘ was das sind?“ Ich erklärte, dass es eben Straßenbegrenzungen seien und konzentrierte mich weiter darauf nicht auf die Nase zu fallen. Da entgegnet mein Sohn: „Das sind alles Grabsteine von von Radfahrern, die ohne Licht gefahren sind!“

Ist er nicht zauberhaft, witzig und wortgewandt? Ich liebe diesen Kerl!!

Das gibt es nicht. 

So langsam braucht das A-Hörnchen mal ein neues Fahrrad. Für ihn stand fest: Ein Rennrad, und zwar ein Altes. A-Hörnchen mag Dinge mit Geschichte, die schon ein Leben hatten und ihm was erzählen können. Für mich stand fest: Wenigstens Schutzbleche und Beleuchtung sollen sein. So zogen wir los. 

Im ersten Geschäft, einem kleinen Schrauberlädchen mit vielen alten Rennrädern, erklärte uns ein alter Rennradnarr, dass so kleine Rahmen, um die 47 cm, sehr sehr selten wären. Es könne Jahre dauern etwas passendes zu finden – und in der Zeit würde das Hörnchen ja wachsen. Warten wäre die Lösung. 

Im zweiten Geschäft, einem gigantischen Fahrradstore einer bekannten Kette, liefen wir lange und ohne Ziel zwischen hunderten Rädern umher. Es gab alles, wirklich alles was man sich wünschen könnte. Die besten Federungen, Bremsen und Schaltungen. Die billigsten Hausmarken und hässlichsten Räder der Welt. Es gab alles; aber kein einziges Rad, das meinen Sohn ansprach. Als er einem unmotiviertem Verkäufer erklärte, was gebau er suche, lachte dieser auf und sagte: „In deiner Größe gibt es nur Mountainbikes!“ So für das A-Hörnchen dutzende Mountainbikes Probe. Keins überzeugte ihn. 

Der dritte Laden war wieder ein ansässiger Einzelhändler. Desillusioniert fragten wir direkt nach einem 26“ Mountainbike und er zeigte uns ein paar. Wenig begeistert testete das A-Hörnchen wieder einige und stimmte schlussendlich einem 450€ eurem Kompromiss zu. Da sah ich aus dem Augenwinkel etwas blaues; und da stand es. Ein altes Rennrad, 47er Rahmen. Leicht, wendig ohne Schnickschnack. A-Hörnchen schluckte, testete und sah mich flehend an. 15 Minuten und eine Probefahrt später wechselte das Schätzchen für 300€ seinen Besitzer. Es hatte lange auf einen neuen Meister gewatete; genau lange genug! 

Nicht von der Stange und gerade richtig speziell, so ist mein A-Hörnchen. Er hat die Ausdauer und die Courage, auf genau das zu warten, was er eigentlich will. Hoffentlich erhält er sich diese Fähigkeit für immer! 

Ups, vergessen! 

Eben fällt es mir wie Schuppen von den Augen, ich habe etwas vergessen! Vollkommen aus dem Hirn geflutscht war es mir, Mist! Ich bin eigentlich nicht sehr vergesslich und dass mir etwas so ganz und gar entflohen ist, das ist länger her. Nun gut, ich werde mit den Konsequenzen leben müssen. 

Heute ist City-Triathlon in Bremen und da wollte ich eigentlich hin. Ja, schade nur, dass ich vergesse habe zu trainieren. Vor einem Jahr war ich ambitioniert und ganz optimistisch. Ich lief spielend die 10 km und das Radfahrern hätte mich nicht viel Mühe gekostet; na ja, nach dem laufen vielleicht schon. Einzigst das Schwimmen bereitete mir etwas Sorge, dennoch war ich sogar ein Mal in einem Schwimmbad. Tja, und irgendwann danach habe ich es leider verkackt. Bestimmt nicht vorsätzlich, nein! Ich habe es eben vergessen. 

Die Konsequenzen? Ich nehme nicht Teil! Und ganz nebenbei habe ich auch keinen BMI von 20, trage nicht Kleidergröße 34 und lag nicht den ganzen Sommer im Bikini am Strand. Aber was soll das denn auch. Für den Bikini war es viel zu kalt, BMI ist relativ und Kleidergrößen sind Beschiss. Zeit hatte ich eh zu wenig und glücklich bin ich ja ganz offenbar auch ohne Triathlon. Und vielleicht schaffe ich es ja nächstes Jahr. 
… vielleicht. 

Der Radkurier

Ich fahre auf einem Deich. Langsam und wenig motiviert. Plötzlich brettert mit hoher Geschwindigkeit ein Radkurier an mir vorbei. „Den krieg‘ ich!“ schießt es mir durch den Kopf und ich gebe Gas. Nach einigen hundert Metern habe ich ihn fast eingeholt, da hört er auf zu treten. „Na toll!“ denke ich noch, da holt der Kurier sein Handy bei immer noch rasanter Fahrt raus und beginnt die Landschaft zu filmen. Ich säufze innerlich auf und ziehe mit ihm gleich. 

Voller Euphorie juble ich ihm entgegen:“Radkurier überholt!!!“ Dieser lacht sehr, hält mir das Handy entgegen und spricht:“Ich hab ein Handycap!“ dann gibt er Gas. Einige hundert Meter fahren wir zusammen; locker, ich durchaus angestrengt. Dann biege ich ab. Wir wünschen uns einen guten Weg und das war’s. 

Sportlerin des Monats

Meine Sportlerkarriere ist arg angeschlagen. Das erklärte Ziel zum Sommer 2017 lautet: Triathlon. Das Training allerdings krankt etwas. Nun, genaugenommen bin ich es, die nicht ganz fit ist. 

Vor etwa sechs Wochen habe ich mir den kleinen Zeh gebrochen. Klingt albern, ist aber zum Laufen echt hinderlich. Da war nix zu machen. Über vier Wochen war alles was an meinen Füßen funktioniert hat olle, ausgelatschte, offene Turnschuhe; an Laufschuhe war nicht zu denken. 

Auch auf meinem geliebtem Rad lief nur das nötigste. Selbst das Radfahren tat weh. Als mich dann vor drei Wochen auch noch ein fiebriger Infekt niederstreckte war es ganz aus. Inzwischen bin ich schon wieder einige km gefahren; sportlich geht aber anders. Die Lunge pfeift und irgendwie bin ich ganz schön am prusten. Fieber ist nichts für erwachsene! 

Bleibt das Schwimmen. Schnell abgehakt; dank frischer Tätowierungen ist das Schwimmbad noch für mindestens zwei Wochen tabu. Darauf kommt es nun aber auch nicht mehr an.