Garage inc. In drei Akten

Die Fahrräder lagern in einer Garage, einige Meter vom Haus entfernt. Die Garage wird mit einer Tür und einem Schloss geschlossen, öffnen kann man sie mit einem Schlüssel. Des morgens pilgern fast alle Familienmitglieder nacheinander zur Garage und holen ihre Räder. Die großen Hörnchen gehen faktisch zeitgleich, tatsächlich liegen manchmal ein paar Minuten zwischen ihnen. Heute morgen kam es zum Eklat. 

Erster Akt: B-Hörnchen beschwerte sich, dass sie immer auf und zu schließen müsse und A-Hörnchen nix mache. Er wiederum argumentierte schlüssig, dass das B- Hörnchen den Schlüssel doch schon in der Hand hatte. Sie war empört, weinte, dass sie nicht immer alles machen wollte. B-Hörnchen’s Vorschlag: Der erste macht auf, der zweite macht zu. Ich fand den Plan super, A-Hörnchen kein bisschen. So zickten sie sich ausgibt an und kein Ende war in Sicht. 

Zweiter Akt: Nach einigen Minuten schlägt die Mutter vor, dass in Zukunft einfach beide laufen könnten, das würde viele Probleme beseitigen. Es folgte eine Welle der Empörung, die Hörnchen sind außer sich und plötzlich ganz einig: Laufen kommt nicht in Frage. Sie formieren Protest, gefolgt von dem beidseitigen Entschluss B-Hörnchen’s Vorschlag umzusetzen. So wurde es halb acht und Zeit zu gehen. 

Dritter Akt: Die Hörnchen stehen im Flur und beginnen sich anzuziehen. Langsam. Sehr langsam. Beide überbieten sich darin, bloß nicht als erster fertig zu werden. Für jeden Schuh, jedes einzelne Kleidungsstück benötigen Sie Minuten. Draußen beginnt es langsam hell zu werden, ich glaube die Schulglocke schon gehört zu haben. Wie Aale im Netz winden sie sich um sich selbst und ein Nanda, mit dem festen Ziel das geheime Wettrennen nicht zu gewinnen. Erst da sein, das bedeutet auf schließen zu müssen. Zweiter sein, und da kam plötzlich die Erkenntnis, das bedeutet – abschließen zu müssen! Abschließen, das ist noch viel schlimmer. Von einer Sekunde auf die andere, wendet sich das Blatt und beide Hörnchen geben, wie heimlich abgesprochen, plötzlich Vollgas um bloß nicht letzter zu sein. Nach einer kurzen Schlägerei auf der Treppe und einem hektisch hinterher gerufenen „tschüss“ höre ich sie noch das kurze Stück Straße herunter streiten und dann
Stille. 

Geschwister 

Meine großen Hörnchen spielen gern woanders. Wenn bei einer Verabredung die Frage aufkommt, bei wem gespielt werden soll, antworten sie gern: „Lieber bei dir, bei mir nerven die Kleinen.“ Gestern war B-Hörnchen dann das erste mal bei Elena. Hier zu spielen kam nicht in Frage; die Kleinen…

Als ich das Hörnchen am Abend abholte kam sie schnell zur Sache: „Mama! Elena hat zwei kleine Brüder und die nerven noch viel mehr als alle meine Geschwister zusammen!“ Kurz darauf, beim Abendessen,  gab B-Hörnchen dann die Schandtaten der kleinen Brüder zum besten und es herrschte betretenes Entsetzen bei meiner Bande. Die Kleinen waren dauernd ins Zimmer geplatzt, haben Gebautes zerstört und Kekese geklaut. Ein normales Spiel war kaum möglich. Und plötzlich waren meine Hörnchen sich einig:

„Eigentlich nervt bei uns keiner so richtig!“ Denn so ist es. Wer hinter geschlossenen Türen seine Ruhe möchte, egal ob allein oder mit Besuch, der hat Ruhe. Keiner platzt ins Zimmer, keiner nervt beim bauen. Natürlich trifft man in allen offenen Räumen auf Geschwister und natürlich ist hier viel los. Aber genervt und geärgert wird hier nicht. So kamen auch B-Hörnchen und Elena zu der einfachen Entscheidung, dass sie beim nächsten Mal lieber hier spielen würden. Denn hier hat man wenigstens seine Ruhe!