Verlernt zu lesen

In den vergangenen Monaten habe ich einen beachtlichen Uni-Marathon durchlaufen. Ich habe Tonnen von Büchern auswendig gelernt, hunderte Studien gelesen und ausgewertet, eine Bachelorarbeit geschrieben, Referate und Forschungsberichte. Mein Hirn ist im Training, ich bin schnell und effizient. Gestern wollte ich zur Belohnung ein echtes Buch lesen, einen Roman. Einfach so. Was dann geschah hat mich entsetzt.

Ich begann zu lesen: „Mauser fuhr auf seiner kleinen BMW Maschine die nebelige Landstraße hinunter nach Kettenacker…“ . Mein Hirn legt los: Ich brauche die topografischen Daten, die statistischen Verteilungsdaten der Bevölkerung und das BJ der Maschine. Welchen Einfluss üben die Daten „Nebelig“ und „kleine Maschine“ auf den Leser aus. Gut es signifikante Störeffekte,…

Das Buh geht weiter: „Er stellte die Maschine am vorgesehenen Parkplatz ab und schaute sich die Umgebung an.. Berge.. Hügel..Gras.. …“. Mein Hirn überspringt. Ich schalte in „querlesen“, überfliege die kommenden drei Seiten wage und komme da zum Stillstand, als er die Umgebungsbeschreibungen abgeschlossen hat. Nicht relevante Daten ausblenden. Seitenzahlen merken falls Daten doch relevant. Ich ertappe mich beim Auswendiglernen der Daten. 

Von hier an versuche ich konzentriert langsam und normal zu lesen. Fast unmöglich. Immer wieder bemerke ich, wie mein kopf Daten absichert und nach Relevanz sortiert. Orte, Zahlen, Fakten. alles wird sofort abgelegt und sortiert. Und der Clou: Mein Kopf baut es sogleich in den noch zu lernenden Stoff für meine nächste Klausur ein. Großes Kino: Klinische Störungsbilder im Herbstwald von Kettenacker. Nein danke, in den kommenden vier Monaten keine Romane mehr. Und danach werde ich mir das Lesen neu beibringen.

Jamie und der Doktor 

Vor vielen Jahren hat mir eine Freundin die Highland-Saga von Diana Gabdon zu lesen gegeben. Ich begann mich durch 9000 Seiten in neun Bänden zu lesen und war schnell gefangen. Obwohl ich kein Roman-Konsument bin hat diese Liebesgeschichte gefesselt und mich zum hemmungslosen Dahinschmelzen gebracht. Jamie! Dieser Mann aller Männer und diese Liebe und dieses Bedingungslose  über alle Zeit und … ah! Inzwischen, viele Jahre später, ist die Romanreihe verfilmt worden. „Outlander“ ist ok, aber eben nur eine Romanverfilmung. 

Vor einem halben Jahr oder so hat man mir Dr. Who empfohlen. Und auch dieses Mal war ich wie angeschossen, konnte nicht mehr aufhören und war abermals hingerissen von den verschiedenen Hauptdarstellerkonstellationen. Grusel, Drama, Tauer, Liebe, Witz und immer wieder große Überraschung; eine tolle Kombination. 

Und gestern Abend dann sehe ich ein Interview mit der Erfinderin von Jamie und da erzählt die gute Frau Gabaldon, wer bzw. was sie inspiriert hat diese Geschichten von Liebe und Angst zwischen den Welten zu schreiben. 

Mein Doktor! Es war Dr. Who! 

Jetzt wird mir alles klar. Hach! 

Unnützes Wissen VI

Wusstet ihr…

.. was die ’small penis rule‘ ist? 

Wenn ein Autor eine Figur beschreibt, und diese einer realen Person nachempfunden ist, fügen Autoren der Figur gern ein eher unnanenehmes Detail hinzu, so zB. einen kleinen Penis. Dies wird gemacht, um einer eventuellen Verleumdungsklage entgegenzuwirken. Denn wer zieht schon gern vor Gericht weil er ‚die Figur mit dem kleinen Penis‘ ist. 

Zuerst Erwähnung fand die Rule 1998 in der New York Times.