Warten

Wisst ihr was auf der ganzen weiten Welt das ist, was ich am schlechtesten kann? WARTEN! Und trotzdem habe ich immer wieder den strengen Eindruck, dass ich den Großteil meines Lebens nichts anderes tue. Ich warte auf Hörnchen, Freunde, Entscheidungen und alles nur erdenklich andere, auf das man so warten kann.

Warten. Warten macht mich madig, misslaunig und lässt mich stellenweise an meiner blanken Existenz zweifeln. Warten heißt keine Zeit zu haben was sinnvolles anzufangen. Warten heißt ausgeliefert zu sein und darauf zu warten, dass der andere Zeil des Konstruktes den Startschuss gibt endlich loszulegen. Warten ist ätzend!

Als kluger Mensch würde ich jetzt anderen raten, sich etwas kurzweiliges, nettes zu tun zu suchen um die Zeit angenehm zu überbrücken. Das klünge für mich nach einem guten Plan; außer wenn ich schon warte. Denn wenn ich erst mal am warten bin, dann blockiert klug und wird sofort und postwendend durch bockig ersetzt. Und so bleibt am Ende wieder nur das blanke, hässliche, unattraktive warten.

Manche Tage

Manche Tage sind morgens um halb sieben schon so scheisse, dass man denkt sie kaum überleben zu können. Und wenn diese Tage dann um 15.00 Uhr immer noch unerträglich sind, dann kann es passieren, dass meine Laune wirklich am Abgrund ist. Das sind dann zum Beispiel so Tage, an denen große A-Hörnchen ab sechs Uhr geheime Botschaften im Haus verteilen um mich in den April zu schicken. So Samstage eben, an denen vor lauter Heimlichkeit alle wach werde und keiner mehr Ruhe bekommt. 

So Samstage, die sich um acht schon anfühlen wie abends um neun und solche, die trotz zu vieler Termine einfach kein Ende nehmen. Manche Tage sind nicht mein Freund. Nachher, wenn dann endlich wirklich Abend ist, werde ich sehr genau hingucken, damit dieser Samstag auch wirklich geht. Weit weg! Und dann werde ich mich gegen heimtückische, blöde Samstage wappnen. Leider gar nicht so einfach, habe ich doch nicht mal im Ansatz verstanden, was mich so miefig macht. Denn Morgende, an denen alle wach sind und ich noch müde bin, die gibt es eigentlich oft. 

Heute bin ich scheiße 

Heute bin ich scheiße. Ich motze alle an. Den Mann, die Kinder, die Nachbarin, die Katzen und das Flugzeug das eben über unseren Garten geflogen ist. Ich bin gereizt und unzufrieden. Alle sind doof zu mir. Der Mann, die Kinder, die Nachbarin und die Katzen. Und bestimmt auch der blöde Pilot des blöden Fliegers. Alles ist schlecht. 

Bestimmt habe ich schlecht geschlafen, zu viel geträumt, bekomme meine Tage oder habe mich an einem Hustenbonbon verschluckt. Bestimmt ist eine höhere Macht schuld, ein Phänomen, eine Naturgewalt. Bestimmt kann ich nichts dafür. Und auch sonst keiner. 

Und wenn es doch ich bin die scheiße ist? Wenn der Fehler doch bei mir liegt, und nicht bei allen anderen, der großen weiten Welt und dem Universum? Dann ist es plötzlich besser auszuhalten. Dann sind wenigstens die Menschen in meinem Umfeld gut, dann muss ich die wenigstens nicht mehr anmotzen. Dann kann ich einfach mal, ganz frei und ungeniert, scheiße sein. Nicht schön, nicht heldenhaft. Aber manchmal nicht zu ändern. 

Kopf hoch, Rabe

Vorhin sprachen wir Großen mit dem A-Hörnchen über den Werkunterricht und die tollen Dinge, die man da so gemacht hat. Ich berichtete von einem Hocker und einem CD-Ständer, der Menne unter anderem von einem Stimmungs-Raben. Da wir nicht wussten, was ein Stimmungs-Rabe ist, erläuterte der Menne wie folgt:

Der Rabe hat einen bewegliche Kopf. Je nachdem, was man für Laune hat, kann man den Kopf des Raben hoch (super Laune) oder runter (Mist Laune) machen. Die Mitmenschen können dann gut erkennen, was man grade für Laune hat. 

Auf unsere Nachfrage, wo denn der Rabe jetzt wäre, erklärte der Menne, er wäre wohl noch immer bei seinen Eltern auf der Fensterbank. Und da fiel es wie Schuppen von den Augen!! Der Menne, der zu chronisch schlechter Laune neigt, hat wohl einfach damals, als er ausgezogen ist, vergessen den Kopf des ollen Raben hoch zu machen. Und nun hat der arme Kerl seit 15 Jahren schlechte Laune. Also Rabe: Kopf hoch!!

‚Ne Macke

Heute ist mein Leben Scheisse. Echt. Ich habe alles falsch gemacht im Leben. Ich habe schlechte Kinder, einen schlechten Mann, ein schlechtes Haus und einen schlechten Job. Alles schlecht. Nichtsnutzig, sinnlos und muss ja zum Unglück führen. Heute bin ich sicher, irgendwann irgendwo im Leben alles falsch gemacht zu haben. Warum weiß man eigentlich nicht vorher ob was gut ist. Wie dumm. 

Morgen ist dann wieder alles gut. Morgen laufe ich wieder rund. Morgen sind meine Kinder wieder die besten und mein Mann auch. Und mit dem Rest werde ich mich morgen auch aussöhnen. Und spätestens übermorgen habe ich dann das beste Leben der Welt. 

Und heute habe ich ne Macke. Was soll’s?!