Noch einmal schlafen, und dann beginnt ads, was wir bis März diesen Jahren als „Normalität“ bezeichnet haben. Regelbeschulung. Die Hörnchen sind not amused, schon ein krasser Gedanke dieses Fünf-Tage Woche- Ding“. Und so taten wir in den vergangenen tagen das, was wir jedes Jahr tun: Hefte und Mappen kaufen, Kleber Buntstifte und co natürlich auch. Die Füllungen der Brotdosen diskutieren und most of all: Viel zu spät ins Bett gehen.

Am ersten Schultag nach den Ferien herrscht dann, wie jedes Jahr, Zombie-Alarm – in diesem Jahr allerdings mit Maske. Denn an den weiterführenden Schulen gilt Maskenpflicht. Die Hörnchen sind auch hierüber not amused. Noch ein Fashin-Detail, das bedacht werden muss und überhaupt. Für die Lehrer ein potentieller Vorteil; sie müssen nur knapp 1/3 der leichenblassen, übermüdeten Gesichter bestaunen und auch sonst haben Masken ihre Vorteile. Die Fraktion „Zähneputzen mach ich nicht“ stinkt sich selbst voll, Lehrer mit feuchter Aussprache sind keine Bedrohung mehr und nie aßen sich Knobi und Zwiebel so sorglos. Dennoch, die Hörnchen… nun ja.

Ich starte mit wenig Elan und noch weniger Überzeugung in das neue Schuljahr. Ob es sinnvoll ist 25 halbstarke Hormon-Schlumpies in eine Klasse zu setzen? Zugegeben, das ist es nie, aber unter virologischen Gesichtspunkten betrachtet; nein. Hinzu kommt, dass ab Oktober eh immer einer schnieft, einer hustet (und die Grundschule Läuse hat). Die Situation droht überzeugend, meinem Arbeitszeitkonto, meinen Nerven und dann irgendwie ja auch der Gesundheit eines jeden. Ich mag das nicht mehr.

Lösungen? Keine, ganz klar. Ich persönlich hätte die Welt gern auf Pause gesetzt. Ein Jahr mit alles nix. Keine Schule, keine Arbeit, keine Minusstunden. Keine verpassten Unterrichtsstunden, kein vermasselter Stoff. Jeder macht was er kann, alle geben das, was eben geht. Der Rest ist eben Zauberei. Mene mene, hex hex und alles ist gut. Ich Weißbuches, dass das so einfach nicht ist, dennoch… ach man!

Und so warten wir es mal ab, wer wie lange zur Schule darf. Wer wann den ersten positiven Fall hat, welches meiner Kinder zuerst Husten hat und wie viele Wochen uns das kosten wird. Warten wir es ab, ob Kind-krank Tage, Überstunden und Urlaub am Ende reichen um Corona gerecht zu werden und ob meine Nerven stark genug sind um den ganzen Scheiß noch einmal ein paar Monate standzuhalten. Muss ja, … muss ja. Corona fick dich!

FAS, Ausgrenzung und Integration – ein Drahtseilakt

Seit einigen Monaten ist Janine in der Schulklasse meines C-Hörnchens. In den ersten Wochen war sie Thema Nummer eins unter den Drittklässler. Janine kann alles, die traut sich alles! Janine traut sich sogar gegen die Jungs und Janine macht richtig viel Quatsch. Nach einigen Wochen ebbte die Schwärmerei ab. Janine war nach wie vor allgegenwärtig, forderte viel Aufmerksamkeit. Janine verlangte von Pausenbrot, Janine haut wenn sie nicht mitspielen darf, Janine stinkt. C-Hörnchen war zunehmend überfordert und ich beriet sie in Sachen Abgrenzung. Vor wenigen Tagen ging ich zu einer Schulveranstaltung in die Klasse meines Hörnchens.

Als ich die Klasse betrat herrschte regen treiben. Mein Kind war zurückhaltend und führte mich zaghaft an den für mich vorgesehenen Platz. Nach gut drei Schritten umfasste mich ein mir fremdes Mädchen. Das auffällig zarte und kleine Kind hatte keine Zähne im Oberkiefer. Ihr Kopf erschien mir als sehr klein und schnell ploppte in meinem Kopf der Begriff FAS auf; Fetales Alkoholsyndrom.

Ich setzte mich um mir vom C-Hörnchen verschiedene Dinge zeigen zu lassen. Noch bevor mein Kind mir etwas zeigen konnte hatte ich das fremde Kind auf dem Schoß. Sie roch erbärmlich nach kaltem Zigarettenqualm und ich musste mich bemühen nicht abweisend zu reagieren. Ich schob sie vorsichtig aber bestimmt von meinem Bein und fragte nun mal, wer sie denn sei. „Janine“, lautete die Antwort. „Meine Mama macht sowas hier nicht, das ist albern!“ erklärte sie noch und machte sich daran, zurück auf meinem Schoß zu klettern. Ich lehnte dies ab und zeitgleich kam mein C-Hörnchen um mir nun endlich Dinge zu zeigen. Auf jedes Wort vom Hörnchen folgten drei von Janine. Sie dominierte die Situation, zog alle Aufmerksamkeit und schaffte es mich fortwährend zu überfordern. Ich wollte nicht abweisend sein aber mein Hörnchen litt unter der Übergriffigkeit und zog sich immer mehr zurück.

Ich verließ die Schule an diesem Tag mit gemischten Gefühlen. Janines Lebenssituation erschloss sich mir schnell. Ihr Verhalten als auch ihre körperliche Erscheinung lassen vermuten, dass ihre Mama während der Schwangerschaft Alkohol getrunken hat. Die Folge ist das genannte FAS, das Fetale Alkoholsyndrom. Neben den körperlichen Symptomen wie zarter Statur, einem kleinen Kopf, geringer Körpergröße und verschiedenen Veränderungen im Gesicht, haben die Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Auffälligkeiten im Sozialverhalten, teilweise Intelligenzminderungen und Lernbehinderungen zu kämpfen. Die Kinder ecken an. Soziale Regeln und Absprachen erschließen sich oftmals nicht, hinzu kommt die Frustration. Schulische Leistungen sind ehr schlecht, mit den anderen Kindern läuft es nicht und in der Klasse klappt auch nie was. Es ist zum verzweifeln.

Was den Kindern in dieser Situation hilft ist ein warmes, liebevolles Elternhaus und eine optimale Kooperation zwischen Schule und Familie. Klare Regeln, feste Struktur und liebevolle Arme, die einen halten, wenn es doch wieder nicht geklappt hat. Die Kinder benötigen Unterstützung auf allen Ebenen. Der Schulstoff muss verfestigt werden, sie müssen mehr üben. Soziale Interaktion braucht oftmals Anleitung und Begleitung und gleichzeitig muss in allen Lebensbereichen konsequent und nachvollziehbar erzogen werden. Weiter profitieren die Kinder, wie alle andern Menschen auch, enorm von einer sicheren Bindung an ihre primären Bezugspersonen. Mama und Papa (oder wer auch immer die Rolle der Bindungsperson übernommen hat) müssen als sicherer Hafen zur Verfügung stehen. Verlässlichkeit, Sicherheit und absolute Liebe sind die Faktoren, die der geschundenen Seele immer wieder versichern: „Du bist gut. Ich bin da!“.

Und genau an dieser Stelle hinkt das System erneut. Denn leider sind es ja insbesondere die Kinder, die von FAS betroffen sind, die all das eher nicht erhalten. Zu Hause ist keiner der Sicherheit vermittelt, keiner der tröstet, wenn wieder keiner mit einem spielen will. Zu Hause ist niemand, der ein geplatztes Spiel-Date beweint und ebenso niemand, der die blöden 1×1 Zahlen zum 100. Mal übt. Kontakte und die Schule laufen eher schleppend, die Dringlichkeit kommt hier nicht an. Um das Kind in die Klasse zu integrieren werden Sozialpädagogen hinzugezogen. Das Pädagogen-Team ist am Limit, somal oftmals nicht nur ein Kind mit besonderem Bedarf in der Klasse ist.

Um es ganz deutlich zu sagen, ich mahne nicht die betroffenen Kinder, Eltern oder Pädagogen an. Jeder im System tut was er kann. Die Eltern sind so groß geworden, wie sie es eben sind. Sie geben weiter was sie können, agieren mit dem, was sie selber zur Verfügung haben. Auch die Pädagogen versuchen lediglich irgendwie der Situation Herr zu werden; zu wenig Menschen, die den Auftrag haben zu viele Probleme zu sortieren und zu lösen.

Um Familien zu erreichen braucht es aber Personal. Gutes, geschultes Personal. Prävention beginnt nicht nach der Geburt oder während der Schwangerschaft; viel früher und mit viel Power muss man da ran. Fingerspitzengefühl braucht es und Zeit um Vertrauen aufzubauen. Und vor allem braucht es eine Veränderung in der Sicht, die man auf diese besonderen Familien hat. So lange man von „den Assis“ spricht und versucht die „Schuldfrage“ zu klären, kann man nicht gut und empathisch miteinander umgehen. Die Grundannahme sollte sein, dass jeder es versucht so gut zu machen, wie er es eben kann.

Was bleibt, ist die Schwierigkeit sich selbst abzugrenzen und seie eigenen Möglichkeiten realistisch zu sehen. Für Janine, C-Hörnchen und mich bedeutet das, dass ich in aller erster Linie mein C-Hörnchen darin stärke sich gegen Janine abzugrenzen wenn notwendig und sie dennoch nicht unnötig wegzustoßen. Janine kann, sofern C-Hörnchen das möchte, Zeit hier verbringen. Da ich die Mama noch nie gesehen habe, fehlt mir jede Idee davon, wie es mit weitern Kontakten zwischen den Welten aussehen kann. An dieser Stelle muss möglicherweise ein professionelles System greifen – und das bin ich in diesem Fall nicht!!

Am Ende macht es sogar Spaß

Viele Jahre lang waren die morgende hier im Hause Ausgeburten der Hölle. Geprägt von Zeitdruck, beherrscht von der naturgegebenen Langsamkeit der Hörnchen und zum Glück meistens durchzogen von meiner Ruhe und Geduld. Ja, die brauchte ich.

Zu gut erinnere ich mich an den ersten Sommer mit vier Kindern. Das A-Hörnchen war sechs, frisch eingeschult. Er musste um acht in der Schule sein, komme was wolle. Ich stellte mir den Wecker früh, wirklich früh. Machte die Brotdosen für die Großen fertig, stillte zwischendrin. An guten Tagen ging ich ins Bad an den meisten nicht. Irgendwie diskutierte ich jeden Morgen alle in ihre Klamotten; das A-Hörnchen konnte es allein und war so langsam. Das B-Hörnchen, damals vier, vertüddelte sich noch und das zweijährige C-Hörnchen brauchte viel Mama.

Nun, viel Mama brauchten sie alle. Hier ein tröstendes Wort, da ein bisschen good will. Und immer wieder tat ich alles durcheinander. Ein umgefallenes Glas, ein ausgekipptes Müsli, dazu immer wieder Wutanfälle aus der Hölle. Im Prinzip trotzten sie alle. Selbst das frisch geborene D-Hörnchen nahm sich alles was er brauchte, er ließ sich schlicht rund um die Uhr tragen.

Waren endlich alle angezogen und satt, endlich alle Brotdosen verpackt und alle Zähne geputzt, folgte der nächste Akt. Schule, Kita, Tagesmutter. Alles mit dem Rad und dem Anhänger, 4 km hin und 4 km zurück; das Tempo bestimmt von B-Hörnchen auf dem 12 Zoll Rad. Endlos lang war die Strecke und meine Nerven oftmals zum zerreißen gespannt. Es war entsetzlich!!

Heute, sechs Jahre später, habe ich vier Schulkinder. Alle vier gehen allein zur Schule. Seit zwei Wochen muss ich das Haus am Morgen nicht verlassen. Und heute dann der nächste große Schritt: Alle vier stehen selbstständig mit ihrem Wecker auf, ziehen sich an und kommen runter; die drei großen waschen sich allein. Alles was ich noch machen muss ich Brot und Müsli. Ich delegiere, mache hier und da einen Zopf, unterschreibe schnell die Mathearbeit und suche vier Euro für den Kunstunterricht raus. Ich frage noch schnell die Vokabeln ab und bespreche die Termine des Tages. Ich küsse und kuschel, ich lache und ich erinnere – und das war’s.

Ihr Mütter da draußen, die ihr glaubt das alles nicht überstehen zu können: Es wird! Es wird leichter, besser, fluffiger und am Ende macht es sogar Spaß.

Finally four

Zack, sind sie alle groß, sagte man mir immer und vielleicht ist da was wahres dran. Heute habe ich meinen Kleinsten, mein Baby, eingeschult. Vier Schulkinder, alle groß.

Ab jetzt also wird mein Leben sich enorm wandeln. Vier Schulkinder, das bedeutet auch vier selbstständige Kinder zu haben. Bald schon wird auch das D-Hörnchen allein zur Schule gehen und selbstständig nach Hause kommen. Er wird zunehmend Verabredungen selbst treffen und kann immer mehr Freunde allein besuchen. Ich muss zu keinen Bastelnachmittagen mehr in die Kita, nicht mehr zum Laternelaufen und nicht mehr zum Weinhnachtsfest. All diese Verpflichtungen fallen weg und werden schlussendlich eingetauscht gegen neue.

Schulfeste; na gut. Elternsprechtag x 4, Klassenfahrten, Hausaufgaben, Materialkauf und alles was da so kommt. Bald schon werde ich nicht mehr mit einem Kind über Handy-Zeiten diskutieren, sondern mit zwei, drei oder vieren. Ich werde über hippe Turnschuhe und angesagte Hoodies streiten und um Zeiten. Aufstehen, nach Hause kommen, Ausschlafen; alles Mist. Ich werde die Wutausbrüche vierer Pubertiere ertragen, die Tränen endlosen Liebeskummers trocknen und viele Schlachten schlagen. Doch in den kommenden Wochen kann ich nun erst einmal genießen.

Vier Schulkinder zu haben, bedeutet auch schon ein bisschen was geschafft zu haben. Sie sind groß, und so toll!! Die viele Arbeit, die ich in die Bande gesteckt habe, zahlt sich langsam aus. Ich hab die besten Hörnchen der Welt; sorry, so ist es eben!!

Back to school

Der erste Schultag ist geschafft. Und während die Nerven heute morgen vor allem beim B-Hörnchen gewaltig blank lagen, rekapituliere ich nun einen entspannten Tag.

Ja, das B-Hörnchen hatte es nicht leicht. Eine neue Schulklasse, eine neue Schule und keinen den sie kennt. Eine Situation, die für keinen angenehm ist, für mein sehr introvertiertes, stilles Kind jedoch kaum zu bewältigen. Ein paar Tränen flossen und dann packte sie es dennoch. Sogar unterhalten hat sie sich, mit dem einen Mädchen da. Puuu, geschafft. Schlimmer wird es ab heute nicht mehr!

Auch für den Rest der Bande ging alles glimpflich aus. Der übliche Übermüdungs-Koller blieb aus. Alle sind gut aufgestanden, keine Beschimpfungen, kein fieses Gemotze. Alle benötigten Utensilien waren an Ort und Stelle, keine Käsebrote an verborgenen Orten. Es lief.

Allgemein steht das kommende Schuljahr unter dem Stern der Neuorganisation. Mehr Verantwortung an die Hörnchen, mehr Überblick und wieder ein wenig mehr Struktur. So albern es immer klingt, ein paar klare Regeln, ein paar Dinge an denen man sich orientiern kann und darin den Raum sich zu bewegen. Abends wird klar-schiff im Kinderzimmer gemacht, Instrumente werden zu festen Tagen geübt und jeder packt seinen Ranzen jeden Tag ein – und aus. Immer. Es hilft allen Beteiligten ungemein wenn ein paar Regeln fest stehen und man sie nicht täglich dirkutieren muss. Zudem erhoffe ich mir Entlastung für mich. Die Zeiten, in denen ich als alleiniges Gehirn funktioniert habe, sind vorbei. Die Hörnchen sind groß. Großartig!

Over and done

Ganz bald sind die Sommerferien zu Ende. Zum einen sagt dies der Kalender, zum anderen gibt es klare Vorzeichen.

-alle Kinder sind saftig braun, wir benötigen kaum noch Sonnencreme

– ich habe just noch mal Sonnencreme gekauft

– die Träger der Badeanzüge sind klar an Schultern und Rücken zu erkennen

– wir sind abends länger wach, schlafen morgens lang und sind glücklich und entspannt

– auf dem Küchentisch liegen wieder diese Zettel…

Genauer gesagt sind es Kolonnen von Listen mit zu besorgenden Schreibwaren. 15 Schnellhefter, 20 Schreibhefte, 4x Buntstifte, 10 Bleier, Radiergunmies, Spitzer, Goedreieck, 2 30cm Lineale, 6 College-Blöcke und ein Notenheft. 12 Klebestifte, 1 Schere, einen Füller und ein Dutzend Patronen außerdem 2 Pakete Fineliner und 9 Textmarker, einen Aktenordner und Klarsichtfolien. Natürlich sind die Hallenturnschuhe aller Hörnchen zu klein geworden in 6 Wochen Ferien, ebenso die Hausschuhe. Die eine oder andere Turnhose ist weg; einfach weg und die Turnbeutel sind dubios zweckentfremdet. Auch die Schulranzen sind nicht alle da wir sie sein sollen, schon gar nicht leer.

Alles auf Anfang also. Zunächst suchen wir Sachen und dann gehen wir shoppen; zwischendrin nehme ich einen Kleinkredit auf. Wessen dumme Idee war das noch mal, vier Kinder zu haben? Und wie genau soll das die kommenden… Jahre so weiter gehen. Oohhhh wei!! Ich ahne Fürchterliches.

#Völkerball

Die Kanadier haben herausgefunden, dass Völkerball legalisiertes Mobbing ist und das Internet explodiert. Ich bin wenig überrascht von der Erkenntnis, hatte ich doch meine Schulzeit über schwer unter diesem Spiel zu leiden.

Ich hatte furchtbare Angst vor dem Ball. Dies lag nicht daran, dass ich dachte der Ball wäre ein autonomes, gefährliches Wesen, sondern daran, dass er in aller Regel mit großer Wucht auf mich geworfen wurde und Schmerzen hinterließ. Manuel und Christoph waren großartige Werfer und hatten ein ausgeklügeltes Händchen dafür, wer als Opfer infrage kam. Für die ersten 5-6 Jahre meiner Schulzeit war ich ein gefundenes Fressen. Völkerball und ähnliche Spiele bedeuteten für mich, mich irgendwie geschickt hinter anderen zu verstecken und bloß nicht aufzufallen. Bekam die Sportlehrerin wiederum mit, dass ich versuchte mich zu drücken, gab es zusätzlich Ärger. In den entsprechenden Unterricht Stunden hatte ich Angst!

Was ich erstaunlich finde ist, dass es offenbar eine Option sein soll das Spiel an sich zu verbieten. Was einmal ganz klar gesagt werden sollte ist: Völkerball an sich ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass ein Spiel wie Völkerball dazu genutzt werden kann und darf, andere zu mobben und, dass niemand eingreift. Das Problem ist, dass ausgeprägte gruppendynamische und soziale Probleme nicht thematisiert und nicht behandelt werden, und das schon seit sehr vielen Jahren. Das Problem ist, dass Machtspiele und Dominanz in nahezu jeder sozialen Gruppe eine wesentliche Rolle spielen und kaum jemand sinnvoll damit umgehen kann. Unsere Eltern sind in einem Gefüge von Macht groß geworden, wir haben nicht mehr gelernt was es heißt auf Augenhöhe zu agieren und fair miteinander umzugehen. Unsere Kinder wachsen unter Erwachsenen auf, deren Gefüge von Macht, Ohnamcht und Fairness und Miteinander vollkommen gestört ist. Wie sollen diese Menschen miteinander Völkerball spielen?

Außerdem geht es ganz bestimmt nicht nur um Völkerball. Wettbewerb, Macht, Mobbing, Ausgrenzung und Reibung gehören in jede soziale Gruppe. Es kann niemals der richtige Weg sein diese Konfliktpunkte auszuschalten und sie nichtig zu machen. Viel mehr müssen unsere Kinder und wir lernen, mit Reibung und Wettbewerb gut umzugehen. Diejenigen, die etwas gut können sind dazu verpflichtet, die anderen mitzunehmen. Stolpert einer, soll man ihn an die Hand nehmen und ihm aufhelfen – nicht nachtreten. Versteht einer die Mathe-Aufgabe nicht, soll er nicht ausgelacht werden sondern ihm geholfen werden. Und Sportunterricht, der sollte dazu dienen, jungen Menschen Spaß an der Bewegung zu geben, Lust auf Gruppe und Team zu machen und das Miteinander zu schulen. Wettbewerb und Ausgrenzung sollten überhaupt keine Rolle spielen denn sie bewirken lediglich das exakte Gegenteil.

Meiner Einschätzung nach sind wir von einer guten Lösung weit entfernt. Personalmangel, volle Schulklassen, z. T. schlecht geschulte Pädagogen, auffällige Kinder, eine vollkommen disfunktionale Inklusion und viele viele Jahre verschlepptes Verhalten machen es nicht leicht das Ruder rum zu reißen. Ganz sicher sollte jeder von uns im Kleinen anfangen sich selbst und seine Kinder zu sensibilisieren. Aufmerksam mit sich selbst zu sein, sich zu hinterfragen und seinen Mitmenschen zu zeigen, was es heißt für einander da zu sein – damit fängt es an und damit ist schon eine ganze Menge getan.

Alles wird gut Mutti

Heute morgen stieg eine junge Mutter mit drei kleinen Kindern in den Bus. Ein Baby und ein etwa zweijähriges Kind saßen in einem Kinderwagen, ein etwa vierjähriges lief neben her. „Genau wie bei mir.“ , dachte ich und stellte fest, dass die Frau ausgesprochen gerädert aussah. „Wie bei mir.“ , dachte ich noch einmal und schwelgte ein wenig in Erinnerungen. Wie anstrengend diese Zeiten waren, wie unglaublich erschöpft und müde ich oftmals war. Rückblickend habe ich über Jahre nur funktioniert und nur allzu gut weiß ich es noch. Eine eigenständige Person war ich zu der ganzen Zeit nicht, ich war eine Art Roboter – ich funktionierte.

Das etwa vierjährige Mädchen, das auf einem Sitz im Bus saß, blickte friedlich vor sich hin. Sie schwiegen. Meine Gedanken gingen weiter zu meinen eigenen Kindern, ob auch die unter der Situation zu leiden hatten? Die jeweils größeren Kinder mussten immer zurückstecken. Früh musste jeder von Ihnen selbstständig werden, früh habe ich viel von ihnen erwartet. Dennoch habe ich uns immer als ein gutes Gespann, als ein liebevolles Team wahrgenommen, in dem jeder seinen Platz hat und jeder das bekommt, was er braucht. (Außer mir natürlich, ich hätte Schlaf gebraucht und habe keinen bekommen). Die geschaffte Mutter der drei kleinen Kinder lehnte sich erschöpft an den Bus. Ihr Blick ging ins Leere, vielleicht genoss sie die Ruhe. Vielleicht rekapitulierte sie denn Morgen, dachte darüber nach was sie schon alles geschafft hat. Vielleicht plante sie auch die kommenden Stunden, versuchte all das, was noch zu erledigen ist, unter einen Hut zu bekommen. Spontan überkam mich der Impuls ihr auf die Schulter zu klopfen und ihr mitzuteilen, dass es eines Tages besser wird. Ein paar Jahre müsste sie noch aushalten, dann würde alles von selbst laufen…

… da klingelte mein Handy. Die Grundschule rief mich an. Ich hätte den Läusezettel nicht ausgefüllt. Ein Läusezettel muss man ausfüllen, wenn in der Schulklasse des Kindes Läuse sind. Man untersucht sein Kind auf Läuse, und unterzeichnet auf dem Zettel, dass es keine hat. Hat man das nicht gemacht, darf das Kind nicht in die Klasse und muss abgeholt werden. Was soll ich sagen? Ich hatte versagt! Im alltäglichen Chaos ist mir der scheiß Läusezettel durchgerutscht. Mein armes Kind saß nun also im Lehrerzimmer und wartete auf meine Rettung. Ich selber war furchtbar im Stress, musste einen Vortrag im Amt halten. Mit Engelszungen und ganz viel Spucke schaffte ich es die Situation zu retten, Kind durfte in die Klasse, ich war pünktlich bei meinem Vortrag.

Und plötzlich war ich ganz froh, dass ich der armen geschafft Mutter nicht versprochen hatte, dass alles irgendwann besser werden würde. Es wird Nicht besser, genau genommen ist es zu jederzeit o. k. Es wird anders, ständig und dauernd wird alles anders und das ist auch schon alles!

Jeder vor seiner Haustür

Das A-Hörnchen hat Unfug getrieben. In der Schule hat er das Buch eines Mitschülers versteckt, leider kam es dabei zu Schaden. Als er zu der Sache befragt wurde, verleugnete er. Hässlich, zugegeben; aber kein Drama. Am Geschehen beteiligt war ein anders Kind, seine Rolle unklar. Gestern Abend rief mich dann die Mutter an.

Es gäbe Probleme, A-Hörnchen hat… Schlagartig hatte ich das Gefühl mit D-Hörnchen zu diskutieren, hörte aber dennoch weiter zu. Meiner hat, aber deiner auch, und deiner mehr und meiner eigentlich unfreiwillig; soweit so gut. Dann holte sie aus. Meiner sei recht gestört, das sagen auch andere. Meiner sei nicht normal, auch das wissen andere. Meiner sei ein Problem, das der anderen und ihrs und sein eigenes. Meiner ist falsch und isoliert und überhaupt müsse ich dringend handeln. Und sie müsse das auch, denn Ihrer würde durch meinen schon schaden nehmen. Das müsse ich auch mal sehen.

Es kostete mich alle Nerven, warscheinlich drei Lebensjahren und einige Telefonate um klarzustellen, dass ich das Handeln meines Sohnes deutlich nicht befürworten. Viel weniger aber kann ich die massive Grenzüberschreitung der anderen Mutter akzeptieren. Wir alle sehen unsere Kinder und die der anderen. Wir alle erziehen, mehr oder weniger bewusst, nach bestimmten Parametern, Werten und Prioritäten. Meine Aufgabe als Mutte ist es nicht, die Parameter, Werte und Prioritäten der anderen zu bewerten und zu überprüfen. Die Aufgabe jedes Elternteils ist es schlicht, das eigene Kind so zu erziehen, dass es zu den eigenen Wünschen und Werten und all dem und am Ende auch in diese Welt passt, also in der Lage ist, irgendwann ein selbstbestimmtes, glückliches Leben zu führen.

Unfug gehört dazu. Jetzt, mit 11 ist es ein. Verstecktes Buch oder eine geklaute Mütze, später werden es heimliche Zigaretten, Zündeleien oder andere Missetaten sein, die uns stets daran erinnern, unsere Wertesysteme zu überprüfen. Niemals aber sollte man beginnen die Systeme anderer zu überprüfen oder gar schlecht zu reden. Jeder in seinem Ramen, jeder vor seiner Haustür. Ernsthaft Kritik zu äußern ist mit Sicherheit den Pädagogen in Kita und Schule gestattet, ebenso sicher einigen engen Freunden. Nicht jedoch denen, die im Vorbeigehen meinen mein Kind oder unsere Erziehung beurteilen zu können. Fegt gern euer eigenes Laub. Meins gefällt mir gut.