Liebes Tagebuch 

Ich habe meine ganze Jugend über akribisch Tagebuch geführt. So kommt es, dass in etwa jedes wichtige Ereignis zwischen der 5. und 13. Klasse gut dokumentiert ist. Heute habe ich nach bestimmt 10 Jahren malwieder in den Büchern gelesen. Einige Male habe ich wirklich laut gelacht:

Meine Ratte Batida war mir ausgebüchst und hatte sich leider unter dem Bett meiner Eltern verschanzt. Es dauerte 1,5 Tage bis sie wieder aus kam. Meine Eltern waren Not amused. 

Am ersten Schultag in der Oberstufe schrieb ich:“Gestern Abend waren wir noch bis 0.30 Uhr im Pub. Viel Bier getrunken, war cool.Heute war mein erster Schultag am AG. Leider 4 Stunden zu spät gekommen. Aber war ok sonst.“ 

Des Nachts schrieb ich etwa 10 Zeilen; am nächsten Tag kommentierte ich:“Shit, kann gar nicht lesen was da von gestern steht. War aber glaub ich gut!“

Meine Mutter war den Streit zwischen mir (15) und meiner Schwester (14) leid und pampte mich an. Ich dokumentierte die Unzulänglichkeiten von Schwester und Mutter und musste dann doch zugestehen, dass ich sie vielleicht eines Tages verstehen würde, wenn ich selber mal ne 14 jährige Tochter hätte. (…7 Jahre noch…)

Ich berichtete über meine neue Schule und fasst zusammen:“Der Englisch-Lehrer hat voll einen an der Waffel! Zum Glück sehe ich den ja eigentlich nie!“ 

Herrlich. Teenie sein ist so cool!!!

Schule stinkt

Ferien zu Ende; mal wieder. Gruselig. 

Und so komme ich, wie so oft, zu dem Schluss, dass es ohne institutionelle Schule auch gut ginge. Vielleicht sogar besser. Vielleicht sogar warscheinlich; oder sicher. 

Das Bisschen, was Kinder in den ersten vier Jahren in der Schule rein sachlich lernen, bekommt man (oder zumindest wir hier) in der  Hälfte der Zeit rein, vor allem dann, wenn man sich nicht mit all dem anderen Schulkram rumschlagen muss, der so anfällt. Dass auch ‚das Soziale‘ wichtig ist, weiß ich auch und finde ich wichtig. Jedoch denke ich, dass auch dieser Aspekt mit Leichtigkeit aufgefangen wäre, mit ein wenig Engagement versteht sich.   

Der Stress, Druck und Zwang der mit dem Modell ‚Ganztagsschule‘ einher geht ist nix für mich. Vielleicht auch nicht für uns alle; zu dumm, dass man sich der Tretmühle nicht entziehen kann. Zumindest ohne Auswanderung. Und das ist es  mir dann auch nicht wert.