Wenn der Zeuge klingelt

Ich habe Kopfschmerzen, und in 30 Minuten muss ich zur Arbeit. Hilflos versuche ich den Schmerz mit Erdnussbutter-Marmeladenbroten zu besänftigen, meine Laune ist eher mau. Als ich zum wiederholten Mal in das Brot (nicht das erste) beiße und mein Magen gerade beginnt abzuhandeln, ob wir satt sein könnten,  klingelt es. 

Ich stopfe noch einen mieslaunigen Bissen nach und überfliege schnell die Möglichkeiten. Postmann, mein Papa, Nachbarn. Viel mehr fiel mir nicht ein und mit allem könnte ich leben. So schleppte ich meine Erdnussbutter-Plautze an die Tür. An dieser Stelle sei erläutert, dass unsere Kingel im Parterre an der ursprünglichen Haustür ist, ich aber seit Jahren immer im Souterrain öffne, weil dort die Küche ist. Ich öffne also mit miesester Fresse die Kellertür und sehe nur Füße, logisch. Die Person steht oben und ich rufe im Tonfall eines schlecht gelaunten Rottweilers, der durch Erdnussbutter gedämpft wird:“Hier unten!“ Die Füße drehen sich und ich höre ein glockenhelles: “ Huuuuuch! Na sowas!“ Mir fallen dutzende Flugblätter entgegen, gefolgt von einer Dame die zum Glück nur fast fiel. 

Die gute Frau starkste unbeholfen und steif die Kellertreppe hinunter und lächelte so breit, dass ich Angst hatte ihr Gesicht könnte durchreißen. Ihr Antelitz glich einer bizarren Fratze und sie trällerte noch unter Atemnot: „Liebe, Gesundheit, Zuversicht!“ sie holte tief Luft und rückte den Zettel zurecht den sie mir geben wollte. „Das gibt es wirklich ..“ sie japste und sah sich unsicher um. Ich pule eher assig Erdnussbutterreste (war diese Crunchige) aus meinen Zähnen und begann die Tür zu schließen. „Wenn man nur glaubt!“ setzte sie fast hysterisch hinterher und lächselte so unfassbar gruselig, dass ich mir vorkam wie in einem schlechten Horrorfilm. „Ach ja?!“ Sagte ich. „Ich glaube.. ich ess jetzt weiter!“ Und dann schloss ich die Tür. 

Wenn ich gleich überfahren werde, dann habe ich es provoziert. Wenn das ganze eine göttliche Prüfung war, dann habe ich sie gewonnen. Was bleibt ist die traurige Feststellung, dass es zu viele Leute gibt, die ihre Seele an so einen Verein verkaufen.