In Sachen Kleidung 

Zu Ihrer Einschulung durfte das C-Hörnchen sich ein Kleid aussuchen. Vor zwei Jahren hatte auch das B-Hörnchen sich eine neues Outfit ausgesucht und das A-Hörnchen beschwerte sich nun fürchterlich. 

„Und waaarum musste iiich dann bitte zu meeinnneer Einschulung mit einer J-O-G-G-I-N-H-O-S-E gehen???“ miesepeterte er mich an und setzte dabei sein fragendstes Gesicht auf. Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf. Die Wahrheit nämlich sah wie folgt aus: Damals, im Sommer 2013, als ich höchst-schwanger mit dem D-Hörnchen war, schleppte ich mich mit meinem zukünftigen ersten Schulkind in die City und ermutigte ihn, sich etwas schönes auszusuchen. Er suchte auch und entschied sich für eine blaue Jogginghose. Nicht mehr und nicht weniger sollte es sein. 

Und so kam es, dass mein großer Junge seinen großen Tag in einer königsblauen Jogginghose erlebte, kombiniert mit einem navyblauem T-Shirt auf dem eine Robbe war. Auf dem Kopf trug er stolz einen grünen Anglerhut; ausgewaschen.  Er sah aus wie .. ein Kind dessen Eltern ihm nichts zur Einschulung kaufen wollten. In Wahrheit aber war er ein Kind, das selbst entscheiden durfte was es anziehen will. Und das allein machte ihn zum best-angezogensten Kind der Schule! 

Die Zeit

Regelmäßige Leser kennen den folgenden Post im Grunde; trotzdem! Die Ferien sind zu Ende und es ist mir ein Graus. Wie um alles in der Welt konnten fünfeinhalb Wochen so schnell Zu Ende sein? 

Wir hatten wunderbare Ferien. Wir waren fast ununterbrochen zusammen, haben so gelacht und gestritten und uns wieder vertragen. Wir haben so viel erlebt und ausgestanden und jetzt soll der Trott zwischen Schule, Job und Kindergarten uns einfach so wieder aufnehmen und an uns nagen. Zu viele Pflichten, Stress und Termine. Eine Flut von Kann und Muss und der ständige Spagat zwischen geht und geht nicht – immer das selbe. Und trotzdem gibt es kein Entkommen. 

„Luxus ist der Mangel an Optionen!“, so ähnlich sagte es Robbie Williams kürzlich in einem Interview. Und genau so ist es. In den Ferien gibt es nur uns, unsere Wünsche und ganz viel Zeit. In den vergangenen Wochen haben wir wenig Verpflichtungen angenommen. Wir mussten nicht planen und irgendwelche Dinge in irgendwelche andere Integrieren. An den Meisen Tagen war klar was kommt:Garten. Oder zu Hause. Manchmal einkaufen. Wir haben uns treiben lassen, hatten wir Lust auf Fahrrad sind wir Fahrrad gefahren. Hatten wir Lust auf Eis, gab es eins. Unverplante Zeit zu haben, das ist wahrer Luxus für mich. Zeit nicht optimieren zu müssen und den Moment genießen zu können. 

Mit all dem ist es ab morgen wieder vorbei. Ein Termin jagt den nächsten. Einschulung, Kindergeburtstag, Schulwechsel. Im September dann Elternabende 1,2,3&4. Auch der Job wird an Fahrt aufnehmen. Mein fester Vorsatz ist es, mich weniger durch fixe Termine einengen zu lassen und mehr der Herr über meine Zeit zu sein. 

Praktische Partizipation

Im Kindergarten meiner Hörnchen hat sich eine neue Erzieherin vorgestellt. Die Leitung der Kita hat zur Entscheidungshilfe drei Kinder aus der betreffenden Gruppe mit ins Gespräch genommen. Gut vorbereitet und mit 14 wichtigen Fragen im Gepäck stapften die drei Zwerge, bewaffnet mit einem Klemmbrett, ins Büro und legten los. 

Kinder, die ein Vorstellungsgespräch führen, nehmen es sehr genau. Sie fragten nach, ob die Dame Radschlag oder Handstand könne und wie schnell sie in Rennen sei. Als die Befragte ihre wiederkehrenden Rückenschmerzen erwähnte, konterten die Kinder direkt:“Wir wollen keine Erzieher die immer krank sind!“ und auch sonst nahmen sie kein Blatt vor den Mund. Zum Schluss bestellten die Kurzen die Dame zum „Ausprobieren“. Sie soll zeigen, ob sie auch wirklich einen Morgenkreis machen kann. 

Ich finde das großartig! Die ganze pädagogische Welt spricht von Partizipation und ganz genau genommen  ist das der erste Akt der Mitbestimmung den ich in 6 Jahren als Kita-Mama erlebt habe. Wunsch-Essen, ein selbst geplanter Ausflug, der Inhalt der Adventstüten; das ist alles schön und gut. Jedoch sollte jedem klar sein, die Kinder können viel mehr. Und am aller meinten können sie ernstgenommen werden, ja sie müssen es! Das ist Werschätzung und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Gegenüber. 

Ganz wichtig aber ist es mir außerdem, die Kinder mit der ganzen Partizipation nicht zu überfordern. Entscheidungen treffen, Großes bewegen und Teilhaben sind super, jedoch nur genau so lange bis es zu viel wird. Denn der große, gemeine Bruder der Verantwortung ist die Angst. Und vor der müssen wir Großen unsere Kleinen bewahren. Das ist unsere Verantwortung!

Terror ist ein Arschloch!!

Und so geht er vorbei, der Tag und die Nacht ohne Kinder. Wir waren auf einer Party, wir haben ausgeschlafen und danach stundenlang nTV und Phoenix geguckt. Wir haben über Politik und Angst gesprochen und über das was war und das was kommt.

Das schlimme ist, dass der Terror beginnt auch mich da zu treffen, wo er treffen will. Er macht mit Angst und nimmt mir die Freiheit. Ich sehe mich abwägen, ob ich ein Konzert besuche oder einen Weihnachtsmarkt. Ganz von allein beginnt mein Hirn Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, leider sind mir die Variablen nicht bekannt. Ich rechne gegen die Angst und den Faktor X. Sinnlos. 

Was also tun? Weiter machen wie zuvor? Der Bedrohung trotzen und hoffen, dass HIER schon nichts passiert?  Oder mir meine Freiheit nehmen lassen, mein freies, selbstbestimmtes Leben, auf das ich so stolz war. 

Terror, du bist ein Arschloch! Du bist böse, du bist unnötig und du bist unerwünscht. Lass mich in Ruhe! Mich, mein Leben, meine Familie, meine Stadt, mein Land und meine Welt!!