Akzentuierung

Die Art und Weise, wie ein Mensch eine Situation bewertet, nennt man Akzentuierung. Inzwischen ist erwiesen, dass die Art und Wiese zu akzentuieren stark damit verbunden ist, wie psychisch gesund man im Belastungsfall aus einer Situation heraus geht.

Gestern, beim Eislaufen, haben meine Hörnchen ein wahres Exempel statuiert, die unterschiedlichen Akzentuierungstypen darzustellen. Alle drei großen Hörnchen standen zum ersten Mal auf dem Eis. Alle drei machten es erstaunlich gut und bewerteten den Tag doch vollkommen unterschiedlich.

B-Hörnchen lief von Anfang an souverän und sicher. Sie bewegte sich geschmeidig und sah durchaus elegant aus. Viele waren langsamer als sie, einige schneller. B-Hörnchen fuhr ihre Bahnen und beklagte sich in jeder Runde, sie sei schlecht und viel zu langsam. In ihrem negativ akzentuierendem Denkmuster sah sie nur die wenigen, die besser liefen als sie. Mit einzubeziehen, dass die sicher viel mehr Übung hatten als sie und außerdem ausnahmslos älter waren, war ihr unmöglich.

Durch den negativen Akzent steht B-Hörnchen sich leicht selbst im Weg. Sie traut sich wenig zu, obwohl sie in vielem so gut ist. Im Belastungsfall kann sie sich auf ihr eigenes Wohlwollen nicht verlassen. Das macht die Belastung für sie noch arger. Hierdurch ist sie auf Unterstützung von Außen angewiesen. Andererseits neigt sie nicht dazu, sich zu überschätzen. Hierdurch bleiben ihr Enttäuschungen erspart.

C-Hörnchen lief zügig aber wackelig. Ihre Gliedmaßen flogen wirr durch die Luft. Sie fiel einige Male, kam aber gut zurecht. In der Halle liefen einige schlechter, einige besser. C- Hörnchen lief ihre Runden und fand sich gut. Sie feuerte sich selbst an und sah sich ganz an der Spitze. In der Masse der Leute sah sie nur die jenigen, die schlechter liefen als sie selbst.

C-Hörnchen akzentuierte schwer positiv. Alles ist eher gut, vor allem sie selbst. Sie ist fair mit sich, gibt sich immer eine Chance. Im Belastungsfall ist sie selbst ihre beste Ressource. Hierdurch kann es ihr aber auch passieren, dass die abgehoben oder unrealistisch wirkt. Und wenn sie dahinter kommt, dass sie vielleicht doch nicht die Beste ist, kann das sehr weh tun.

A-Hörnchen lief gut. Und genauso sah er das auch. Geht, ist manchmal kompliziert und manchmal auch nicht. Manche machen es besser, andere schlechter. A-Hörnchen akzentuierte realistisch. Er erfasste die Situation nah an der Realität und bewertet sie gut. Hierdurch kann er sich selbst gerecht werden und seine Bewertung passt ins allgemeine Bild. Im Belastungsfall ist er eine realistische Stütze für sich selbst, kann aber wahrscheinlich auch Hilfe annehmen. Er kann sich auf sein Urteil verlassen und muss wenig Angst vor Enttäuschungen haben.

Keine der beschriebenen Arten tritt rein auf, auch ist keine ausnahmslos gut oder schlecht. Sinnvoll ist es jedoch, die eigene Richtung zu kennen und sich selbst gelegentlich zu überprüfen. Denn ein guter Blick auf sich selbst erhöht die Wahrscheinlichkeit im Zweielsfall gut für sich selbst sorgen zu können. Natürlich ist es gut ein soziales Umfeld zu haben, eben Menschen auf die man sich verlassen kann. Am aller wichtigsten ist es aber, mit sich selbst im Guten zu sein. Denn einen schlechten Freund kann man meiden, sich selbst nicht.

Aller Anfang..

Heute hat das A-Hörnchen seinen ersten Tag an der weiterführenden Schule. Er ist aufgeregt, ja wahnsinnig aufgeregt. Schon seit Tagen versucht sein Kopf das, was ihn da erwartet zu einem logischen Ganzen zu formieren- zwecklos. Morgen Mittag ist es geschafft! 

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Tag in der 5. Genau wie das A-Hörnchen kannte ich niemanden an der neuen Schule und genau wie er versuche ich mir irgendwie vorzustellen, was da auf mich zu kommt. Zwecklos, und am Ende auch unwichtig. Ich verfiel damals in heillose Panik, war gnadenlos nervös und voller Selbstzweifel. Ich hasse die Entscheidung auf diese Schule zu gehen und niemanden zu kennen. A-Hörnchen nimmt gerade diesen hässlichen Fakt mit vollster Gelassenheit. Auf die immer wiederkehrende Frage, wie er es denn fände da keinen zu kennen antwortet er knapp:“ Na ja, das ist ne ganze Schule voller netter Kinder. Das wird bestimmt gut!“ Und seinen wir mal ehrlich, Vollpfosten, Fieslinge und Streitmacher gibt es überall. Aber mit dieser Einstellung wird das Abenteuer „neue Schule“ bestimmt einfach mal gut! 

Gerettet

Mein freier Tag wurde gerettet. Ich habe tatsächlich noch etwas zu tun gefunden und musste mich nicht zu Tode langweilen. Es war ganz einfach: Zu erst habe ich drei Etagen gesaugt und gewischt, danach noch eben zwei Bäder geputzt und vorher die Spülmaschiene ausgeräumt. Anschließend habe ich die zwei Holztreppen gereinigt, selbstverständlich auf Knien. Zum Schluss habe ich noch schnell drei Maschinen  Wäsche sortiert und gelegt. Auch das Wohnzimmer ist picobello aufgeräumt. 

Jetzt mache ich mir etwas zum Mittag; nicht lecker aber kalorienarm. Und danach stelle ich mich vor einen Spiegel, spucke mir  ins Gesicht und sage:“Mach weiter du faules Stück! Der Tag ist noch jung!“

Es geht doch nichts über ein gesundes und ausgeglichenes Verhältnis zu sich selbst. Hoffentlich habe ich morgen nicht wieder Langeweile.