Prag IV

Die Rückreise meiner kleinen Auszeit gestaltete sich beschaulich. Dank eines entsetzlich überfüllten tschechischen Zuges landeten wir nach 30 Minuten auf dem Gang, auf dem es kein Vor- und Zurück gab, in der ersten Klasse. Der Schaffner hatte Mitleid und so reisten wir sehr vornehm. Sieben Stunden in Ledersesseln sind zwar immer noch sieben Stunden, jedoch bieten die geräumigen Ledersessel einigen Comfort. Fast wäre die Fahrt vollkommen ereignislos von statten gegangen, wäre nicht in Dresden dieser Vater mit seinen Kindern eingestiegen.

Der Typ hatte offenbar Kohle, er strotzte vor Stress und Männlichkeit, war enorm beschäftigt und bekam bei jeder Ansprache seiner wirklich friedlichen Töchter roten Ausschlag im Gesicht. Als die Schaffnerin ihn darauf hinwies, dass sein Ticket ungültig sei, wurde er so wiederlich unterschwellig aggressiv, dass ich schon dachte deeskalativ tätig werden zu müssen. Beim aussteigen nötigte er seien Töchter, eine enorme Menge Müll auf den vornehmen Sitzen liegen zu lassen; wozu hat man Bodenpersonal. Dem kleineren Mädchen fiel es sichtlich schwer, ihren Saft und die Kekse zurückzulassen…

Wenige Minuten nach dem traurigen Trio stieg ein Pärchen ein und setzte sich auf die freigewordenen Plätze vor uns. Was zunächst unspektakulär aussah, entpuppte sich als Attrakion für wenigstens 15 Minuten. Denn während Partner A schlief, sah Partner B sich amüsiert Pornos an. Wir hatten gute Sicht und brauchten etwas um zu verstehen, dass die eigenartigen Atemgeräusche von dem Schläfer kamen und nicht von dem anderen.

1,5 h vor dem Ziel waren die Gleise kaputt oder blockiert oder schmutzig. Wir standen abermals 25 Minuten und erreichten unseren finalen Anschlusszug in letzter Minute. Der Rest war Business as usual; wir saßen auf dem Gang.

Sieben

Heute vor sieben Jahren kam das C-Hörnchen zur Welt. Ihr Leben auf Erden begann ungewöhnlich, sie wurde in ihrer intaken Fruchtblase geboren, in unserer Wanne ohne die Hilfe einer Hebamme. Sowohl C-Hörnchen als auch ich wussten offenbar genau was wir da tun – und wir taten es gern!

Und ebenso wie das Leben mit ihr begann, kraftvoll, zauberhaft und bestimmt, ist es auch heute noch. C-Hörnchen weiß wo es lang geht. Sie ist stets organisiert, kümmert sich um alles und behält den Überblick. Sie weiß was zu tun ist. Was ihr manchmal fehlt ist eine Art Schutzhülle. Emotionen lebt sie direkt. Alles geht direkt ins Herz und ebenso kommt es von genau da. Schlimmes trifft sie, löst heftige Tränen aus und große Freude tut meistens das selbe. Vielleicht wusste sie schon damals, vor sieben Jahren, dass sie ein wenig dünnhäutig ist und wollte die schützende Hülle gern behalten. Ich liebe C-Hörnchen für ihre zarte Art. Alles ist offen, nichts bleibt im verborgenen, n diesem Menschlein muss keiner Rätsel raten. Und ebenso wie sie sich so direkt lebt, versteht sie auch die Befindlichkeiten anderer aufzunehmen und damit zu arbeiten. In C-Hörnchen’s Nähe bleibt kein Gefühl unausgesprochen, sie kümmert sich um alles.

Für mich ist C-Hörnchen das dritte Kind gewesen. Und während beim ersten alles neu und kompliziert ist, es einen beim zweiten überfordert, plötzlich zwei zu haben, ist man beim dritten in Flow. C-Hörnchen profitierte von Anfang an von einer Mama, die weiß was sie da tut. Die dritte Trotzphase kann einen nicht mehr schocken, die dritte Eingewöhnung im Kindergarten verläuft easy und auch die dritten Windpocken hauen einen nicht mehr um. Und so passen wir irgendwie gut zusammen; C-Hörnchen mit ihrem guten Gespür und ich, mit meinem ruhigen Gemüt.

Sieben

Und wieder ein Geburtstagskind im Haus. B-Hörnchen ist heute sieben geworden. 

Gestern Abend sagte ich ihr, ich müsse sie noch einmal ganz genau ansehen mit sechs; morgen wäre sie ja schließlich schon sieben. Da antwortet mein Hörnchen fast ein bisschen traurig:“Ich will nicht sieben sein! Sechs sein ist so gut!“ Ich erklärte, dass sieben einfach die Steigerung von sechs wäre und sieben damit noch besser als sechs. Zunächst fiel es ihr schwer das zu glauben. Etwas später fielen ihr die Geschenke ein, die sie ja als Entschädigung für das ’sieben werden‘ bekommen würde. Putzig! Einerseits ist es schön, dass das vergangene Jahr so schön war, andererseits ist es erstaunlich sowas von einem Kind zu hören. 

Ich bin mir sicher, dass das folgende Jahr auch ganz großartig werden wird. Sieben ist super, ganz bestimmt!!!