Proud to be your mum!

Das A-Hörnchen erzählte eben, sie hätten in der Schule über „Obdachlose und so“ gesprochen. Dank meines Jobs ist das Thema bei uns häufig diskutiert, wir sprechen offen und viel über Wohnungslosigkeit, die Gründe und die Folgen. Ich erkundigte mich beim Hörnchen, worum es gegangen sei und er sagte es ginge um „deine Leute“ am Hauptbahnhof. Viele hätten Angst vor „denen“ und fänden sie ekelig. Andere sagten es sei schlimm, dass da keiner helfe, wieder andere seine der Meinung, jeder von „denen“ sei selbst schuld und solle halt aufhören. Ich hörte gespannt zu und fragte ihn ganz am Ende, ob er auch was gesagt hätte.

„Oh ja! Ich hab ganz viel gesagt“, antwortete er zu meiner großen Überraschung, und dann legte er los. Zunächst hat er den anderen erklärt, dass Wohnungslosigkeit jeden treffen kann, und dass es nicht so einfach ist wieder eine Wohnung zu finden. Er erklärte seinen Mitschülern, dass es zu wenig Wohnungen gibt und, dass viele von den Menschen, die auf der Straße wohnen, auch ein bisschen verrückt sind und das deshalb noch weniger gut können. Er erklärte, dass viele auch Alkohol trinken und Drogen nehmen und dass das eine Krankheit ist. Er erklärte die Mechanismen von Sucht und Entzug um deutlich zu machen, dass die Betroffenen nicht „einfach aufhören“ können. Am Ende hat er noch deutlich gemacht, dass es sehr wohl Hilfen für Bettoffene gibt, und dass viele Menschen am Bahnhof arbeiten um den Leuten da zu helfen; auch seine Mama.

Ja, er hat ein wahres Plädoyer hat er da gehalten, für die Menschlichkeit, für das Miteinander und dafür, die Menschen zu akzeptieren. Der Kerl ist 12 Jahre alt und steckt auf dem Gebiet der Menschlichkeit so manchen in die Tasche – und in jedem Fall fast alle Politiker.

Zwölf

Heute gratuliere ich meinem wunderbarem, klugem, lustigem, wortgewandtem, hübschem, hilfsbereitem, fairem und einzigartigem A-Hörnchen zu seinem 12. Geburtstag.

12!

Das ist schon ganz schön groß. In einem Jahr ist er ein Teenie und in ein paar Monaten vielleicht so groß wie ich. In den letzten Monaten kann man zusehen wie er selbstständiger wird, immer mehr in seinem eigenen Leben ankommt. Verabredungen, AG, nochmal in die Bücherei. Inzwischen braucht er mich für so vieles nicht mehr. Und dennoch sind da so viele Themen, für die es einfach eine Mama braucht.

Die Schule war nicht nur gut in den vergangenen Monaten. Enormer Stress, Leistungsdruck und zum Schluss die Erkenntnis, dass ein 12-jahres Abitur offenbar nicht für jeden eine Lösung ist. Gemeinsam schafften wir es dennoch zu einem neuen „gut“ zu finden.

Gemeinsam, das ist das tragende Thema. Wir sind ein enorm starkes Team, das A-Hörnchen und ich. Und genauso, wie wir gemeinsam so klug, witzig und stark sein können, können wir auch streiten wie die Berserker. Wenn’s knallt, dann knallt’s – und zwar richtig. Da knallen die Türen und es wird mächtig getönt. nach jedem Kanll folgt dann die Ruhe; denn um Glück können wir uns auch vertragen.

Mein Kleiner, ich bin Stolz auf dich, deinen wirren Ideen, deinen klugen Kopf und deinen Witz. Du bist genial großartig und ich könnte mir keinen besseren vorstellen. Happy Birthday!

Läuft bei uns

Als ich das D-Hörnchen vom Kindergarten abhole, regnet es stark.

„Mama, können meine Schuhe einlaufen von dem Regen?“, fragt das Hörnchen als er sich Regenjacke und Turnschuhe anzieht.

„Nee, das kann nur in der Waschmaschine passieren, wenn man was zu heiss wäscht.“ erkläre ich.

„Und wenn ich auf der Straße laufe und die voller Wasser ist, kann das dann passieren?“ fragte er weiter.

Ich erklärte, dass Regen ja nie so doll warm wäre wie eine heiße Waschmaschiene und, dass im allgemeinen nur Kleidung einlaufen würde. D-Hörnchen grübelte angestrengt.

„Aber wenn die Schuhe in der Waschmaschine sind, kann man sie auskippen, dann sind sie vorher vollgelaufen…“ dachte er laut nach und ich griff den Faden auf.

„Volllaufen ist, wenn etwas voll mit Wasser ist, dass da rein gelaufen ist. Einlaufen ist, wenn etwas von zu heißem Wasser kleiner wird.“, erklärte ich den Unterschied und fügte hinzu, dass der Regen jedoch nicht so stark sei, dass die Schuhe volllaufen könnten.

Wir verließen den Kindergarten und standen im Regen. Das D – Hörnchen sah an sich herab und erkundigte sich, ob seine Hose jetzt voll laufen würde. Ich erläuterte, dass die Hose nicht voll laufen könnte, da sie unten offen wäre und das Wasser immer gleich wieder rauskommen würde. Die Hose könnte also nur nass werden, nicht volllaufen. Das D –Hörnchen nickte verständig und führte den Gedanken fort, dass die Hose nicht nur nicht- volllaufen können, sondern auch nicht leerlaufen können, da sie ja unten offen ist und nicht volllaufen kann. Er war begeistert!

Vor dem Tor des Kindergartens stand ein Erzieher. Er trug eine kurze Hose und stand ebenfalls im Regen. „Michael’s Hose kann auch nicht voll laufen, weil sie unten offen ist. Sie kann auch nicht leerlaufen, weil sie ja nicht voll laufen kann. Aber eingelaufen ist sie schon, deswegen ist sie kurz!“ erläuterte das Hörnchen die Situation. Auf dem Weg nach Hause besprachen wir weiter die Fähigkeiten des Helms leer-, voll- oder einzulaufen, analysierten die Möglichkeiten verschiedenster Kleidungsstücke, Gegenstände und Verkehrsteilnehmer. Man glaubt gar nicht was alles in der Lage ist voll-, leer- oder einzulaufen! Und morgen, dann sprechen wir darüber, wie man Schuhe einläuft, einen Einlauf bekommt, wie Schiffe aus dem Hafen ausläuft, wie man sich verlaufen kann, wie ein Motor im Leerlauf läuft, wie man sich auf eingelaufenen Pfaden bewegt, wie Tiere Auslauf brauchen und und und …

Ich würde sagen: „Läuft bei uns!“

Hotelsachen

Eine Nacht in Amsterdam mit dem A-Hörnchen. Ich buchte ein Hotel, es sollte die erste Nacht des Hörnchens im Hotel werden. Ich las Bewertungen und suchte sorgsam aus. Schließlich sollte es etwas besonderes werden. Das wurde es ..

Die Gegend, in der das Hotel lag war .. interessant. Plattenbau und vielfältige Gastronomie; genau betrachtet hätte ich dort im Dunkeln nicht umhergehen wollen, es war echt spooky! Vor dem Eingang des Hotels eine riesen Baustelle, die Straße wird erneut; na gut! In der Lobby angekommen dominiert zunächst Staub das Bild. Erst auf den zweiten Blick realisiere ich, dass auch das Hotel offenbar eine Baustelle ist.

Wir checken ein und beziehen das Zimmer. Ein Vierbettzimmer wartet auf uns, gebucht war das nicht. Es riecht penetrant nach Mensch. Schwitzender Mann mit Rasierwasser liegt in der Luft, durchzogen von kaltem Zigarettenrauch. Die weiß bezogenen Betten sind dreckig, auch der Rest des Zimmers ist nicht sauber. Die Strassenbaustelle hämmert gnadenlos.

Ich reklamiere. Wir bekommen ein Zweibettzimmer zur anderen Seite. Die Baustelle ist hier leiser, lediglich die internen Renovierungsarbeiten sind zu hören. Das Zimmer riecht nicht so extrem und ist.. etwas sauberer. Die Betten haben Flecken, in der Gardine kleben undefinierbare Essensreste. Alles ist eben etwas schlecht gepflegt. Das A-Hörnchen ist dennoch begeistert und so beschließe ich, es gut sein zu lassen; um ihm das Erlebnis nicht zu nehmen. Am Morgen, als wir um 7.00 Uhr von intern ratternden Bohrmaschinen geweckt werden, ist alles überzogen von feinem Baustaub. Die Atemwege brennen, nach einer Dusche ist es etwas besser.

Beim Frühstück angekommen traf micht fast der Schlag. Der miefige Kellerraum offenbarte uns das liebloseste Buffet aller Zeiten und ich lasse an dieser Stelle Bilder sprechen…

Nein, es hat nicht geschmeckt und nein, es war nicht ganz ok. Es war wirklich furchtbar. Ich bin nicht kleinlich, brauche keinen Luxus. Ich brauche nicht viel und habe geringe Ansprüche. Wenig Auswahl am Buffet, egal. Einfache Einrichtung, ist mir Wurscht. Auch mit Camping oder einer Nacht im Auto kann ich leben. Aber derart verdreckt und ungepflegt, wie es da war..

Mir tut es in der Seele weh, dass dieser Reinfall die erste Hotel-Erfahrung meines Hörnchens sein musste. Denn spätestens beim Frühstück hatte auch er bemerkt, dass das alles nicht ganz ok ist. Natürlich haben ich den Preis gedrückt, 10% waren drin. Die doofe Erfahrung und die wenig erholsamen Stunden machen die ersparten 9,50€ nicht wieder gut.

Amsterdam

Vor etwa drei Monaten bat das A-Hörnchen darum, das Anne Frank Haus in Amsterdam besuchen zu dürfen. Ich gab ihm zu verstehen, dass er zunächst das Buch lesen solle. Wir würden uns gemeinsam in die Thematik einarbeiten und dann sei das kein Problem. Da mein Sohn nicht liest, niemals nicht, datierte ich die Reise in etwa auf Sommer 2026.

Drei Tage später hatte er das Hörnchen das Hörbuch durch; der Fuchs.

Heute war der große Tag. Wir brauchen in aller Frühe mit dem Zug nach Amsterdam auf; mit den Zügen um genau zu sein, denn wir stiegen fünf mal um. Keine Probleme, alles rollt. In Amsterdam beschlossen wir die traditionelle Form der Fortbewegung zu wählen und mieteten Fahrräder.

Fahrrad in Amsterdam hat es in sich. Eine wahre Freude sind die gut ausgebauten Radwege. Überall gibt es Fahrrad-Autobahnen, fast überall haben Radfahrer Vorrang, so dass man fix voran kommt. Weniger leicht hatten wir es mit dem enormen Verkehrsaufkommen. Massen an Radfahrern, Motorroller auf den Radwegen und eine Geschwindigkeit, die wir auf den Mieträdern kaum halten konnten. Die ins Gesamt 15 zurückgelegten Kilometer waren in Auszügen extrem stressig, in andern aber auch sehr schön.

Durchgängig stressig war die Orientierung. Ich bin eh schlecht orientiert. In einer fremden Grossstadt, dominiert von Radrennen und durchzogen von Grachten, war ich nahezu aufgeschmissen. Es kostete mich alle Konzentration und endete dennoch immer wieder im Chaos. Am Ende rettete es, wie so oft, das A-Hörnchen. Er fand uns den Weg.

Natürlich besuchten wir auch das Anne-Frank- Haus. Das A-Hörnchen war gut vorbereitet, dennoch war der Besuch beeindruckend. Das Museum ist gradezu überlaufen. Glücklicherweise werden nie zu viele Menschen auf ein Mal hineingelassen, so dass man an allen Stationen gut sehen und in Ruhe dem Audio-Guide lauschen kann. Der Weg durch das Versteck ist beklemmend und unwirklich zugleich. Man bekommt einen Eindruck von dem, was Anne und die anderen dort erlebt haben müssen. Mehr als eine wage Vorstellung hingegen kann man sich kaum machen. Jahrelang in Angst zu leben, tagsüber keinen Muks zu machen und auf engstem Raum mit acht Menschen zu leben, abhängig von der Hilfe anderer. Unvorstellbar, zum Glück.

Die Nacht verbringen wir im Hotel; gradezu dekadent selbstbestimmt. Was führen wir ein gutes, freies Leben, so die Essenz des Tages.

WhatsApp

Heute bekam ich zum ersten Mal ein GIf geschickt, eines dieser Mini – kurz – Filmchen, die über Facebook, Twitter und WhatsApp im Moment unterwegs sind. Ich war ganz begeistert über mein erstes eigenes Dingens und schickt es stolz meinem Sohn. Das A– Hörnchen antwortete kurz und bündig mit einem Fragezeichen. Ich teilte ihm freudig mit, dass ich das bekommen hätte und es ihm zeigen wollte. Er antwortet mir mit 20 Stickern und weiteren GIFS. Über alle Maße erstaunt fragte ich ihn, wo er die denn alle her hätte.

„Du musst dein WhatsApp updaten.“ Lautete die wiederrum kurz und knappe Antwort. „Wie geht denn das?“ erwiderte ich seine Nachricht worauf hin er sich auf den langen, beschwerlichen Weg nach unten machte. 15 Stufen später hatte er mein Handy in der Hand und weitere 15 Sekunden später war meine WhatsApp ge-updated. Liebevoll und fürsorglich erklärte er mir nun, wo ich die unterschiedlichen Sticker finden und dann weitere runterladen könnte, wo die ganzen GIFS zu finden wären und, dass der inflationäre Gebrauch beider gesellschaftlich nicht akzeptabel ist. Nach etwas mehr als 1 Minute war ich voll im Bilde und mein Söhnchen wieder weg.

Ist es nun also soweit? Bin ich so alt, ist er so groß, oder ist die Zeit einfach soweit fortgeschritten, dass mein Sohn mir zeigt wie meine Technik funktioniert? Die Gerätschaften, mit denen er vor zwei Jahren noch nicht einmal hantieren durfte. Ist das wirklich passiert? Ganz offensichtlich ja! Denn auch in Sachen Computer mache ich dem Wurm nichts mehr vor. Brauche ich eine PowerPoint, bezahle ich ihn dafür sie mir zu machen. Und durch diese erstaunlichen Spielen die er spielt, blicke ich sowieso nicht durch. So ist es nun also, ich bin alt und er ist groß. Herzlich willkommen!

Morgen kommt der Weihnachtsmann

Morgen ist es endlich so weit, es ist Weihnachten. Wie in jedem Jahr rate ich den Hörnchen, die Zimmer noch mal gründlich aufzuräumen, damit morgen auch kräftig losgespielt werden kann. Jeder versteht was ich sagen und die vier ziehen los.

D-Hörnchen räumt fleißig die Autos in die Autokiste, die Flugzeuge in die Flugzeuge- Kiste und das Lego und die Legokiste. Er stellt schnell 3-4 Bücher ins Bücherregal und bringt dann noch seinen Schreibtisch in Ordnung, falls er etwas zu malen bekommt. Nach etwa einer halben Stunde ist er fertig, sein Zimmer sieht super aus. Der Menne kann staubsaugen, alles ist toll!C – Hörnchen räumt die Puppen zu den Puppen-Sachen, sortiert Bücher ins Bücherregal, vergisst einiges an Playmobil und ist dann aber nach kürzester Zeit auch soweit, dass Staub gesaugt werden kann. Der Schreibtisch sieht so aus, dass drauf geschrieben werden kann, das Bastelregal ist eingeräumt und alles ist bereit. Sie ist begeistert, ich bin begeistert und somit ist alles bestens! B-Hörnchen motzt zwar jedes Mal vor dem aufräumen kräftig, ist dann aber schnell soweit, dass die abschließenden Arbeiten beginnen können. Alles in einem kein Problem.

Am schnellsten geht das aufräumen bei A-Hörnchen. Nach nur 10 Minuten kam er freudestrahlend aus seinem Zimmer und verkündete, dass er fertig sei. Als ich in sein Zimmer kam stellte ich fest, dass unsere Ansichten von „aufgeräumt“ wieder einmal stark voneinander abweichen. Er hatte nicht aufgeräumt, er hatte alles irgendwie zusammen gestellt. Etwa 1 m² des Flures vor dem Zommer war zusätzlich mit Dingen voll gestellt, weil sie einfach nicht mehr ins Zimmer passen. Jedes einzelne Regalfach sowie der Schreibtisch waren mit Bergen und Türmen von „alles mögliche“ voll. So nicht! Ich wies ihn zurecht, dass zumindest der Flur wieder frei sein müsste. A-Hörnchen argumentierte jedoch, dass dies nicht ginge weil seine Regale ja so voll wären. So begann ich ein Regal Fach, dass für mich nicht allzu voll gestopft aus sah, zu leeren. Ich fand zwei verknickte Schnellhefter, 7 Löffel Konfetti, zwei Flummis, drei Würfel, 87 Büroklammern, 35 Zahnstocher, 17 Q-Tipps (acht davon mit Tusche gefärbt), zwei Medizini-Zeitschriften, ein Buch und diverses undefinierbares Zeug. Jedes einzelne Teil war 1. überflüssig und 2. obdachlos. Im zweiten Regalfach fanden wir einen leeren, zerschnittenen Karton, etliche knitterige Notenblätter, ein weiteres Buch, drei weitere zerpflückt der Schnellhefter (auf einem stand das Wort „Noten“), einige Stifte, 9 Radiergummis, Legosteine, Elektrobauteile und einen halb auf- gelutschten Lolli.

Das A- Hörnchen hat über 20 kleine Regalfächer, IKEA sei Dank. In jedem einzelnen fand ich erstaunliche Schätze, erschreckende Kreationen und einige Dinge, die schon lange gesucht hatte. Nur eines fand ich abermals nicht: die Erkenntnis, wieso um alles in der Welt das immer wieder so sein muss. Um das Zimmer von „vollkommen aufgeräumt“ zu „vollkommen desaströs“ zu verwandeln, braucht er genau zwei Wochen. Immer und immer wieder, jedes Mal! Wieder einmal habe ich heute verfügt, dass wir keine alten Zahnstocher sammeln, das Kronkorken, Gips-Stückchen, Steine, kleine Stöcker, leere Überraschungseier, Anspitzderdreck, leere Tintenpatronen und all die anderen Dinger zwar irgendwie faszinierend sind, aber nicht einfach so in Haufen gesammelt werden können. Das erklären habe ich aufgegeben. Ich verfüge jetzt, bestimme einfach über seinen Kopf hinweg und ignoriere, dass er wegen jedem einzelnen Teil leidet wie ein Tier.

Ganz in Wirklichkeit leider auch ich. Wenn ich das Zimmer sehe, wenn ich es aufräumen muss und wenn ich sehe, wie sehr er leidet. Den Schlüssel zum Glück habe ich noch lange nicht gefunden – werde ich vielleicht auch niemals finden. Aufräumen ist scheiße, war es früher, war es ganz früher, war es damals, war es neulich und ist es heute.

Frohes Fest. 🎄

Abarbeiten

Vor wenigen Tagen war es soweit. Das A – Hörnchen trat in meine dramatischen Fußstapfen und zertrümmerte sein Handy (Eigentlich bin ich ja in der Familie die, dass ständig und viel zu häufig passiert). Das Display war Schrott und nur noch durch eine Reparatur zu retten. Ich liest das Handy für 70 € reparieren und zusätzlich eine Panzerfolie springen. Das ganze war binnen zwei Tagen erledigt, Mutter glücklich, Hörnchen glücklich, Handy glücklich. Was bleibt wsr die Frage um’sGeld. 70 € sind 70 € und zumindest dieses Mal war es nicht ich, der das Telefon runtergefallen ist.

Mein erster Gedanke war, er soll etwas dazu geben. Ziemlich folgerichtig argumentierte er jedoch, dass von den 15 € Taschengeld im Monat nicht viel übrig bleiben würde, wenn er noch an einer so hohen Sommer abzahle. Da hatte er Recht! „Das Sparbuch“, Schlug das Hörnchen vor und ich argumentierte, dass die dort angesammelten Rücklagen für wichtige Dinge auszugeben wären, nicht für kaputte Handy Displays. Nein, das Sparbuch sollte auch nicht die Lösung sein. Dann überlegte ich weiter, was ich denn mit dieser Sanktion eigentlich bezwecken wollte.

Im Grunde war es Strafe genug, dass das Display kaputt war. Ein angehenden Teenager, der zwei Tage auf sein geliebtes Handy verzichten muss, das ist Drama genug! Außerdem stand es für mich keine Sekunde zur Debatte das Display reparieren zu lassen. Ich möchte das mein Sohn kommunizieren kann, ich halte den Luxus „Handy“ für wichtig und somit war es auch mein eigener Wunsch, dass es als bald wieder ganz ist. Im Grunde ging es mir nur darum, dass er auf irgendeine Art und Weise spürt, dass das ganze natürlich nicht ganz umsonst war. Ich war mit Aufwand, Ärger und Geld verbunden. Und plötzlich lag die Lösung auf der Hand!

Mein Sohn arbeitet ab. Wir einigten uns darauf, dass er zehn nützliche Tätigkeiten im Haushalt übernehmen wird. Müll raus tragen, Katzentoiletten sauber machen, Sonntags morgens Brötchen holen, im Notfall etwas einkaufen,… Die zehn Aktion waren leicht gefunden und wir verhandelten auf einem guten Niveau um nützlich und unnützlich. Es war ganz klar, ich habe etwas für ihn getan, nun ist er daran etwas für mich zu tun. Jeder gibt das was er kann, jeder in seinen Möglichkeiten. Natürlich kann mir ein elfjähriger keine 70 € geben, aber er kann viel mehr als das! Ich bin wirklich glücklich über diese Lösung. Auch wenn sie sicherlich nur dadurch gut funktioniert, dass kein Vorsatz vorlag und der Unfall an sich die „Strafe“ war. Trotzdem haben wir wieder einmal gut zueinander gefunden und gehen beide zufrieden aus der Sache heraus.

Jeder vor seiner Haustür

Das A-Hörnchen hat Unfug getrieben. In der Schule hat er das Buch eines Mitschülers versteckt, leider kam es dabei zu Schaden. Als er zu der Sache befragt wurde, verleugnete er. Hässlich, zugegeben; aber kein Drama. Am Geschehen beteiligt war ein anders Kind, seine Rolle unklar. Gestern Abend rief mich dann die Mutter an.

Es gäbe Probleme, A-Hörnchen hat… Schlagartig hatte ich das Gefühl mit D-Hörnchen zu diskutieren, hörte aber dennoch weiter zu. Meiner hat, aber deiner auch, und deiner mehr und meiner eigentlich unfreiwillig; soweit so gut. Dann holte sie aus. Meiner sei recht gestört, das sagen auch andere. Meiner sei nicht normal, auch das wissen andere. Meiner sei ein Problem, das der anderen und ihrs und sein eigenes. Meiner ist falsch und isoliert und überhaupt müsse ich dringend handeln. Und sie müsse das auch, denn Ihrer würde durch meinen schon schaden nehmen. Das müsse ich auch mal sehen.

Es kostete mich alle Nerven, warscheinlich drei Lebensjahren und einige Telefonate um klarzustellen, dass ich das Handeln meines Sohnes deutlich nicht befürworten. Viel weniger aber kann ich die massive Grenzüberschreitung der anderen Mutter akzeptieren. Wir alle sehen unsere Kinder und die der anderen. Wir alle erziehen, mehr oder weniger bewusst, nach bestimmten Parametern, Werten und Prioritäten. Meine Aufgabe als Mutte ist es nicht, die Parameter, Werte und Prioritäten der anderen zu bewerten und zu überprüfen. Die Aufgabe jedes Elternteils ist es schlicht, das eigene Kind so zu erziehen, dass es zu den eigenen Wünschen und Werten und all dem und am Ende auch in diese Welt passt, also in der Lage ist, irgendwann ein selbstbestimmtes, glückliches Leben zu führen.

Unfug gehört dazu. Jetzt, mit 11 ist es ein. Verstecktes Buch oder eine geklaute Mütze, später werden es heimliche Zigaretten, Zündeleien oder andere Missetaten sein, die uns stets daran erinnern, unsere Wertesysteme zu überprüfen. Niemals aber sollte man beginnen die Systeme anderer zu überprüfen oder gar schlecht zu reden. Jeder in seinem Ramen, jeder vor seiner Haustür. Ernsthaft Kritik zu äußern ist mit Sicherheit den Pädagogen in Kita und Schule gestattet, ebenso sicher einigen engen Freunden. Nicht jedoch denen, die im Vorbeigehen meinen mein Kind oder unsere Erziehung beurteilen zu können. Fegt gern euer eigenes Laub. Meins gefällt mir gut.