Wenn der Tag gekommen ist

Eben witzelte ich mit meiner Schwester über meine eigene Beerdigung. Lustige Musikauswahl, kluge letzte Worte; allerlei Unfug um eine bedrückende Situation erträglicher zu machen. Eben noch lachte ich sehr und versprach was lustiges dazu zu schreiben. Jetzt, wo ich so darüber nachdenke, gelingt das nicht.

Eine Beerdigung zu planen ist nicht leicht. Sie so zu gestalten, dass sie den Anwesenden gefällt, ist das eine. Sie so zu gestalten, dass sie dem Verstorbenen gefallen hätte, ist das ganz andere. Ich mag den Gedanken, die Sache aufzulockern. Ich mag dem Gedanken, über Lustiges zu lachen; ganz wichtig finde ich es aber auch an gemeinsames zu erinnern, Schönes zu ehren und Schlimmes zu würdigen. Für alle Anwesenden ist dieser letzte Moment das, was im Kopfe haften bleiben wird. Ein bescheidener Redner, welke Blumen oder schlechte Musik, alles bleibt dann für immer.

Ich, als grenzenloser Perfektionist, habe zwei Welten in mir. Zum einen sollte ich wahrscheinlich rechtzeitig alles selber planen, damit es auch gut wird, zum anderen hoffe ich sehr, dass es am Ende Menschen auf der Welt geben wird, die in der Lage sein werden meine wesentlichen Züge und das wofür ich gelebt habe in diesen letzen Akt zu geben.

In einigen Tagen werden wir unseren Opa beerdigen. Hoffentlich gefällt es ihm.

Vom Tod

„Was ist wenn Oma stirbt?“ fragt das D-Hörnchen. „Dann sind wir alle bestimmt sehr traurig!“ antwortete ich und füge hinzu, dass Oma aber sicher noch sehr lange nicht sterben wird. D-Hörnchen will wissen, wieso ein Mensch sterben kann und ich versuche zu erklären. „Zu Ende gelebt“ und „der Körper ist dann alt und angestrengt“ stammle ich hilflos.

Prinzipiell macht es mir keine Mühe üben den Tod zu sprechen. Ich möchte mich als recht reflektiert udn gleichzeitig einfühlsam bezeichnen. Der Tod ist ein Teil des Lebens, traurig aber unumgänglich. Er ist nicht nur furchtbar, manches mal ist er logisch oder sogar erlösend. Das alles aber gehört nicht in den Kopf eines vierjährigen. Das letzte was ich will ist ihm Angst zu machen und so versuche ich weiter zu erklären, dass der Tod eben dazu gehört, dass man die Menschen, die gestorben sind niemals vergisst und sie im Herzen bei sich trägt, da holt der Zwerg zu seiner Erklärung aus:

Die Sache sei also so: Wenn der Körper alt ist, hört der Darm auf Kaka zu kneten und Pipi zu machen und dann kann man nicht mehr essen weil schon alles voll ist. Und da das Leben ohne essen auch doof ist, kann man dann auch gleich aufhören zu leben! Ich finde diese Herangehensweise der pragmatisch und hochgradig logisch. Denn mal im Ernst, beim Essen hört der Spaß auf.