Die Apothekerin

In der Apotheke löse ich ein Rezept über Hustensaft für das C-Hörnchen ein. Die nette Apothekerin stellt mir das Medikament hin und fragt ob ich wisse wie es anzuwenden ist. Ich antworte „ja“ und möchte schon gehen, da ergänzt sie: „zur Nacht oder zum Stillen!“

Etwas verwirrt antworte ich: „Das ist für ein Kind.“ und die Apothekerin gibt verständigt zurück, dass sie das wisse. Nach wie vor verwirrt füge ich hinzu, dass ich nicht mehr stille. „Das sollten Sie aber!“

Deutlich verwirrt weise ich mit der Hand auf das Geburtsdatum auf dem Rezept: 2011. „Der Zug ist abgefahren!“ , gebe ich zu verstehen und denke das Gespräch damit beendet. „Stillen ist wichtig!“ erklärt mir die Apothekerin ungefragt und ich weiß mir fast nicht mehr zu helfen. „Auch damit das Kind zur Ruhe kommt! Das ist ja sonst kaum möglich.“

In meinem Gesicht müssen sich 1000 Fragezeichen aufgetan haben, ich verstand die Welt nicht mehr. Dachte ich doch bis eben gerade ich sei wirklich ein toleranter Mensch und würde potentiell alles für möglich halten… Ja, ich weiß! Langzeitstillen ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und von mir aus völlig in Ordnung. Aber werde ich gerade wirklich in der Apotheke bedrängt, dass ich meinen sieben Jahre altes Kind stillen soll?

„Stillen? Sprechen Sie etwas davon, den Husten zu stellen?“. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Die Apothekerin wollte mich nicht höflich darauf hinweisen, dass ich meinem Schulkind die Brust geben soll, sie hat es einfach nur für wichtig, den Husten zu stillen, damit mein armes Kind zur Ruhe kommen könnte. Ja, damit könnte ich gut leben und irgendwie war ich plötzlich auch ganz einsichtig.

Nachdem wir es verstanden haben dachten wir beide herzlich, ich noch den gesamten Weg nach Hause und die gute Frau hoffentlich bis weit in den Feierabend hinein.

Stillen

Angesichts des gestrigen „Weltfrauentages“ bin ich über einige Artikel zum Thema Stillen gestolpert – was mich dazu inspiriert hat, auch was dazu zu sagen. Stillen also, oder sollte ich säugen sagen? Dieser Prozess also, der seit tausenden von Jahren Menschenjunge ernährt, in dem sie an der Brust der Mutter nach Muttermilch saugen. Ein evolutionärer Grundstein des Fortbestandes der menschlichen Art, denn bis vor wenigen Jahren hat man es ohne einfach nicht geschafft. Ein Reflex, etwas das von Mutter und Kind instinktiv gewünscht ist und keinerlei Denken oder Anleitung bedarf. Stillen, die Natürlichste Sache der Welt.

Und Stillen, ja. Dieser Prozess, den auch ich vier mal durchlaufen habe, bei dem einem über Wochen die Nippel blutig in Fetzen hängen. Beim Duschen die Milch sifft und man tagelang glaubt elendig zu platzen. Der zauberhaft-natürliche Prozess, der es einem erlaubt, zu jeder Zeit an jedem Ort die Kleidung zu lichten und die schmerzenden Brüste auszupacken, der es möglich macht, überall dämlich angeglotzt zu werden und den eigenen Körper zu einer Art Ausstellfläche für menschliche Absurditäten macht. Aber eben auch stillen, das kostenlose Vergnügen, das Abwehrstoffe liefert, die Bindung zwischen Mutter und Kind stärkt und keinerlei Logistik in Sachen Fläschchen und Pulver erfordert.

Es ist kompliziert und doch eigentlich ganz einfach. Rein logisch betrachtet kann fast jede Frau stillen; ist so. Tatsächlich aber leben wir modernen Tanten in einer still-unfreundlichen Welt. Keiner will es sehen, jeder weiß am besten wie es geht – vor allem die, die es noch nie gemacht haben. Stillen ist heute nichts normales sondern etwas heiliges, dass non-plus-ultra der Mutterschaft, das alle super finden und das keiner sehen will. Auf Mütter wird enormer Druck aufgebaut, jede muss immer können; und das in rauen Mengen. Nur drüber sprechen soll man bitte nicht, das ist ja peinlich.

Um das Stillen wieder zu dem zu machen, was es mal war, braucht es einzig und allein Akzeptanz. Erst wenn es wieder stinklangweilig und normal ist, seinem Kind den Nippel in den Mund zu halten, wird der Stress, die Glorifizierung und die Scham soweit verbannt sein, dass es eben einfach jeder macht.

In diesem Sinne: Stillen ist das beste für ihr Kind. Und wenn es mal nicht klappt, wird daran heute keiner mehr sterben. Keep on mopsing!

Zu niedrig 

Die Hörnchen waren schwanger und steckten sich Kissen und rundliches Allerlei unter die Pullover. A-Hörnchen benutzte als Brust-Ersatz eine Rolle Klebeband und eine kleine Schüssel. Um den Lacher auf meiner Seite zu haben, drappierte ich die Utensilien dort, wo Stilljahre und Schwangerschaften nur noch wenig vom einstigen C-Körbchen hinterlassen haben. stolz geschwellter Müsli-Schüssel präsentierte ich mich meinen Hörnchen. 

Das aller aller einzige was man mir entgegenbrachte war der grausame Kommentar des A-Hörnchens: „Zu niedrig!“ Mir fiel alles aus dem Gesicht und der Menne brach in Gelächter aus. Etwas hilflos stammelte ich sowas wie: „Aber da sind die echten!“. A-Hörnchen beeindruckte das wenig. Zu niedrig ist zu niedrig, Peng. So sind sie, die lieben kleinen. Erst saugen sie einen aus und dann muss man sich sowas anhören. Wahnwitzig 

Papas und Babys

Das Thema „Babys bekommen und Babys machen“ ist seit Wochen hoch im Kurs und so kommt es, dass auch das C-Hörnchen nun halbwegs über die Vorgänge aufgeklärt ist. Was sie rudimentär verstanden hat, ist dass der Papa sich auf die Mama legt und dann kommen Eier zu Samen und dann kommen Babys in die Mama. Was genau da passiert, das weiß sie nicht und ich bin mir außerdem sicher, dass es Ohren Horizont bei weitem übersteigen würde. 

Eben beim Essen kam das Thema Babys im Bauch mal wieder auf den Tisch. C-Hörnchen erklärte uns dann, dass das Baby nämlich bei der Mama im Bauch ist, weil der Papa beim machen auf der Mama war. Wenn aber die Mama auf den Papa ginge, dass würde der Papa das Baby im Bauch haben. Großartige Theorie!! Unseren Einwand, dass die Papas keinen Platz im Bauch für Babys hätten, fand sie zunächst unlogisch; seinen doch die Papas in der Regel viel größer. Nach kurzer Überlegung kam sie dann aber zu dem logischen Schluss, dass bei den Papas wahrscheinlich im Bauch alles voller essen sei. 

Ich finde Papas sollten Babys austragen können! Und wenn das schon nicht, dann sollen sie zumindest stillen können. Das wäre himmlisch gewesen. Aber gut, das Thema ist durch, der Drops ist gelutscht und somit ist es jetzt auch egal. 

WarzenBrust

Beim Anziehen steht das D-Hörnchen mit nackigem Oberkörper vor mir. Er blickt an sich runter und nimmt die 99 cm kritisch in Augenschein. Nach einigen Sekunden des Innehaltens sieht er mich an und fragt mit kritischer Miene: „Warum haben Jungs Warzen Brust?“ 

Ich fand das eine ungemein kluge Frage, wenn auch irgendwie putzig formuliert. Wir hatten in letzter Zeit viel über Babys und Stillen und Milch und Brüste gesprochen. Auch das D-Hörnchen weiß jetzt bestens Bescheid. Nur dieses eine kleine Bisschen hatte er noch nicht verstanden; sehr berechtigt wie ich finde! Um eine sinnvolle Antwort geben zu können musste ich googeln, was ich dem Hörnchen das erklärte war in etwa: „Eigentlich sehen Mädchen und Jungen halt fast gleich aus; am Anfang im Bauch kann man noch keinen Unterscheid erkennen. Und da Brustwarzen keinem schaden, habe eben beide welche bekommen.“ D-Hörnchen fand das zum Glück ausreichend, denn mit Evolution möchte ich bei nem Dreijährigen dann doch noch nicht loslegen. 

Wenn ein Baby kommt

Meine Freundin ist schwanger. Eine weitere hat eben ein Baby bekommen, eine dritte vor zwei Wochen. Mit meinen fast 34 Jahren befinde ich mich im Kern der Baby-years. Mein ganzes Umfeld baut Nester und zeugt Babys.  Ich bin fertig damit, ich schaue zu! 

Ohne jeden Zweiel freue ich mich über jedes Baby, über jeden Bauch und jede gute Nachricht. Ich fiebere mit jeder Freundin mit, die mir mitteilt sie wurden nun „üben“ und ich beweine jede eintretende Periode. Ich bin quasi konstant co-schwanger und genieße den Zauber um all die Kugeln. Früher oder später kommt dann immer die Nachricht über die Ankunft des neuen Erdenbürgers. 

Wow! Und dann hat es mich doch noch ein wenig um. Ich habe jede Geburt genossen, das Wochenbett und das Kennenlernen mit dem Zwerg. Nichts auf dieser Welt bietet einen solchen Zauber, so viel Gefühl, Rausch und Hingabe. Nicht kann solche Emotionen erzeugen und nichts ist so intim. Neue Babys sind toll, das ganze Drumherum ebenso. Ich gönne es jedem, ja ich wünsche es jedem. Und ein kleines Bisschen würde ich es mir auch noch mal gönnen. Und dann wieder, wenn ich die übermüdeten Freundinnen treffe, mit ihren Milchflecken im Shirt und den Augenringen, dann denke ich mir, dass es doch alles ganz gut ist. 

Hebammen und Hausgeburt II

Als ich zum ersten Mal schwanger wurde war schnell klar, dass es eine Hausgeburt werden sollte. Krankenhaus; das kam nicht in frage. Ich war nicht krank, ich sah mich auch nicht in Gefahr. Ich sollte nur ein Baby bekommen, so unkompliziert wie schon Millionen und Milliarden vor mir. Über Krankenhäuser hatte ich nicht viel gutes gehört. Komplettrasur, Zugänge, Dammschnitt. Dazu schlechte Betreuung und Stress. Nicht auszudenken ich hätte in den Stunden vor der Geburt andere Frauen in den Wehen gehört. 

Eine Hausgeburt also; vollkommen klar. Ich nahm schon in der 8. Woche Kontakt zu einem Geburthaus auf und kam von da an in den Genuss von Vorsorge und Vorbereitung durch drei freiberufliche Hebammen. Bei regelmäßigen Terminen lernte ich „meine“ Hebammen kennen und fühlte mich rundum gut aufgehoben. Die Rahmenbedingungen der Geburt waren geklärt, alles Equipement zu Hause und bei einem Hausbesuch hatte sich eine Hebamme mit dem häuslichen Gegebenheiten vertraut gemacht. Wir waren bestens versorgt. 

Drei Wochen vor dem Entbindubgstermin begann die Rufbereitschaft der Hebammen. Rund um die Uhr war nun eine meiner Hebammen per Handy zu erreichen. Immer, überall. Eine enorme Leistung bedenkt man, dass die Hebammen im Team nicht nur eine Frau betreuen und Babys auch durchaus mal 10 Tage länger im Bauch bleiben als geplant. 

Mein erstes Baby kündigte sich prompt am errechneten Geburtstermin an. Morgens um 5 zwickte es zum ersten Mal. Um sieben beschloss ich, dass das wohl Wehen sind. Ich rief meine Hebamme an und verabredete mich um 10 mit ihr. Bis dahin hieß es duschen, frühstücken und ruhen. Um 10 Uhr dann bestätigte sich die inzwischen recht sichere Annahme: Heute gibt’s ein Baby! 3 cm Muttermund; erfahrene Eltern wissen: Das ist nichts. Ein Baby braucht 10 cm. Nicht weniger. Bis dahin galt es gleichermaßen in Bewegung und zur Ruhe zu kommen. Gegen Mittag gingen wir noch einmal spazieren, kamen aber nicht weit. Das „Aua“ wollte langsam ernst genommen werden. So landete ich am frühen Nachmittag in meiner geliebten Badewanne. Mit Fernseher und Telefon. Ein stundenlanges Telefongespräch mit meiner besten Freundin lenkte mich von vielen Wehen ab, so dass es irgendwann 17.00 Uhr war und meine Freundin den denkwürdigen Satz sprach:“Irgendwie ist es jetzt ganzschön häufig!“ Tatsächlich hatte ich inzwischen keine 5 Minuten mehr zwischen den Wehen und plötzlich ging es rund. Mein Menne rief die Hebamme, die war nach 20 Minuten da, und ich war inzwischen schwer am arbeiten. 

Diagnose um etwa 17.30 Uhr: Alle Tore offen; Zwergie kann kommen! Tat Zwergie dann auch; noch weitere zwei Stunden lang. Ein Baby zur Welt zu bringen brachte mich an den Rand des Wahnsinns. Zwischen Wanne, Flur  und Bett zog ich meine Bahnen und versuche irgendwie Herrin der Lage zu werden; zwecklos. Irgendwann gelang es mir, mich dem Schmerz hinzugeben und dem Zwerg und meinem Körper die Regie zu überlassen. Und dann kam er. Um 19.35 Uhr kam mein A-Hörnchen zur Welt. In meinem Bett, einfach so. 

Die Geburt war problemlos und verhältnismäßig schnell. Ich war entspannt und konnte mich fallen lassen. Hierfür gibt es zwei einfache Gründe: Ich war in meinen eigenen vier Wänden und konnte mich so hervorragend viele Stunden lang ablenken, und ich hatte eine ruhige, gelassene Hebamme an meiner Seite, die viel Zeit und Empathie hatte und sich nur um mich und mein Baby gekümmert hat. Es war perfekt.

Auch in den Tagen und Stunden nach der Geburt war die Rolle meiner Hebammen von großer Bedeutung. Mehr dazu wann anders. 

Hebammen und Hausgeburt I

Die Lage der Hebammen in Deutschland ist prekär! Immer mehr freiberufliche Hebammen können sich den Luxus von Geburtshaus und Hausgeburt nicht mehr leisten. Enorm hohe Versicherungsbeiträge brechen den Hebammen das finanzielle Genick. So wechseln die Hebammen zusehends in die Krankenhäuser oder beschränken ihre Tätigkeit aufdie Betreuung und Beratung von Schwangeren. Hinzu kommt, dass die hochkomplexe Ausbildung der Hebammen nicht nur teuer sondern auch selten ist. Der Nachwuchs bleibt aus und neben den Geburtshäusern schließen auch immer mehr Kreissääle in den Kliniken. Die Lage verschlechtert sich schon seit Jahren stetig und es gibt bereits Orte in Deutschland, an denen sollte man nicht schwanger sein. 

Ich war vier mal schwanger, und ich wurde vier mal von wundervollen Hebammen begleitet. Ich habe vier Kinder in meinem Haus zur Welt gebracht. Vier mal war es perfekt und hätte nicht perfekter sein können. Niemand kann und sollte auf eine Hebamme verzichten. Ich werde in den kommenden Tagen von meinen Geburten und der Rolle der jeweiligen Hebamme berichten. Weile wichtig ist, und mir am Herzen liegt. 

Fahrbarer Frischmilchbehälter II

Einigen von euch werden vor einigen Tagen einen eigenartigen Post bemerkt haben, der zwar keinen Inhalt hatte aber die überaus wunderbare Überschrift trug: Fahrbarer Frischmilchbehälter. Nachdem ich die vergangenen Tage irgendwie desolat war, möchte ich euch nun endlich aufklären, was der Quatsch sollte. 

In eine Runde von erwachsenen hatte sich ein Wimmelbuch eingeschlichen. Auf vielen Bildern waren allerlei nützliche Dinge aus der Landwirtschaft abgebildet. Mähdrescher, Traktor, Pflug und unter anderem halt auch der ‚fahrbare Frischmilchbehälter‘. Wärend die Allgemeinheit sich über das tolle Wort freute, freute ich mich ins besondere darüber, dass ich ja schließlich auch mal einer war. Eine transportable Milchkuh, ein fahrbarer Frischmilchbehälter eben. 

Dieses tolle Wort wollte ich unbedingt aufschreiben um dann später etwas darüber zu posten. Tja… Und anstatt als Entwurf zu speichern, veröffentlichte ich das kluge Wort. Warum denn auch nicht. Stillen, Milchpreisverfall, Mutterschaft. Alles aktuelle Themen. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll.