Streik im Lande

Die Kitas im Land Bremen werden mal wieder bestreikt. Im Klartext heißt das, heute alles dicht, Kinder zu Hause. D-Hörnchen fragte mich heute morgen, wieso denn der Kindergarten zu hätte. Da ihm der Begriff „Streik“ nichts sagte, erklärte ich also den komplexen Zusammenhang: Deine Erzieher wollen mehr Geld verdienen, weil sie viel anstrengende Arbeit machen. Der Chef von deinen Erziehern möchte ihnen aber nicht mehr Geld geben. Deshalb arbeiten die Erzieher jetzt nicht mehr; um den Chef zu ärgern.

Ich fand das recht simpel und neutral erklärt und das D-Hörnchen nickte verständig. „Mama, bist du der Chef von meinen Erzieherinnen?“ Ich schüttelte den Kopf. „Ist dein Chef der Chef von den Erzieherinnen?“. Wieder verneinte ich. „Aber wer ärgert sich denn dann?“, fragte das D-Hörnchen und traf den Nagel damit auf den Kopf.

Streik ist ein Mittel um Druck aufzubauen. Dieser Druck muss bei denen ankommen, die handlungsfähig sind – in diesem Falle die Arbeitgeber. Und hier harkt der Kita-Streik. Der Haupt-Druck landet bei den Eltern. Auch die Arbeitgeben der Eltern haben, so dann sie sozial eingestellt sind, und den Druck nicht einfach bei den Eltern lassen, etwas auszuhalten. Der Arbeitgeber der Kita-MitarbeiterInnen hingegen bekommt von all dem wenig ab. Denn weder Eltern noch Eltern-Arbeitgeber geben die Last weiter. So erwarte ich mit Bauchschmerzen das, was mir schon vor zwei Jahren beinahe das Genick gebrochen hätte: Ein laaaaaanger Kita-Streik. Denn die Gewerkschaft kann es sich leisten; und der Arbeitgeber erst recht.

Danke Verdi

Eine schnelle Einigung ist getroffen; dieses Mal. Als 2015 die Erzieher streikten, ließ man die Eltern und ihre Kinder 5 Wochen ausharren, ohne Ergebnis. 

Diesesmal haben alle gestreikt, Flughafen und all so wichtige Punkte. Da ging es fix. Logisch. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: 2,4% in diesem Jahr, und nich einmal 2,35% im kommenden. Da mein Mann auch in der Peripherie des TVÖD angestellt ist, betrifft dieses satte Plus sogar uns ganz persönlich! 

Wir sagen  Danke Verdi! Für +38,40€ in diesem und + 37,60€ im kommenden; pro Monat verseht sich. Das macht was aus, das hat sich gelohnt; vor allem weil es ja so enorm schnell ging. 

Bedenke ich, dass im vergangenen Jahr etliche Erzieherinnen für ein Plus von 10€ im Monat wochenlang streiken mussten.. Das hätte man doch in Sekunden abhandeln müssen können. 

Um die Wette leiden 

Seit gut vier Wochen streiken nun die Kitas.  Seit vier Wochen nun werden Kinder verschoben, herumgereicht und durcheinander betreut. 

Ich habe das große Glück, dass meine zwei fast durchgängig in einem der Notdiensthäuser untergekommen sind.  Glück, na ja. Sagen wir, ich habe beim ‚um die Wette leiden‘ gewonnen. 

Es ist halt so. Jedes 10. Kind bekommt einen Platz. Und so langsam wird es eng. So spielen sich jeden Tag aufs neue grässliche Szenen in den Fluren der Kita an. Jeder versucht deutlich zu machen, warum gerade er so dringend einen der wenigen Plätze braucht. Und so tritt jeder sein persönliches Leid breit. Ganz breit. 

Dabei geht es doch immer wieder nur um Gerechtigkeit. Gerechte Bezahlung, nicht nur für Erzieher. Gerechte Betreuung,  für alle. Es ist kein Probelm von Sozialberufen, es ist ein grundsätzliches Problem. Und es kotz mich an. 

Liebe Gewerkschaft, liebe Arbeitgeber!

Liebe Gewerkschaft,

liebe Arbeitgeber!

Ich wende mich an Sie als Mutter, als Arbeitnehmerin im sozialen Bereich (unterbezahlt) und als angehende Psychologin.

Und ich wende mich an Sie als verzweifelte Frau.

In den vergangenen Tagen begegneten mir viele weinende Menschen. Eltern und Kinder. Alle haben eins gemeinsam: Sie sind tief verzweifelt, weil sie in großer Unsicherheit und Überforderung dahin schwimmen und vollkommen ausgeliefert sind.

Dieser Streik, der ab morgen ausgetragen wird, macht uns zu hilflosen Massen. Wir sind unserer Freiheit beraubt, zu entscheiden. Wir sind in zum Teil existentieller Not. Wir erfahren großen Stress und können uns diesem nicht entziehen. Wir schlafen schlecht, sind in Sorge. Zwar versuchen alle einander zu trösten, und zu helfen, jedoch ist das Ausmaß von Chaos und Hilflosigkeit so bedrückend groß, dass keiner mehr Raum hat sinnvoll zu agieren.

Wir, die Eltern und Kinder, können und müssen diesen Streik nicht aushalten. Das was gerade passiert wäre aus psychologischer Sicht mit Folter gleichzusetzen. Der Druck geht in die falsche Richtung! Tun Sie uns das nicht an; helfen Sie uns, unsere Kinder zu schützen und beenden sie diese Qual!

Anna T. 

Elternsprecherin in Bremen

Wer plant denn sowas????

Diese Woche will mich niederstrecken. Am Samstag wird mein A-Hörnchen acht. Genau betrachtet sollte ich um so einen Kindergeburtstag immer ordentlich Raum lassen, da diese recht viel von Selbigem fordern. 

Tja…. Da sollte man meinen, dass ich das nach nun acht Jahren weiß. Sollte man. 

Statt dessen bastle ich diese Woche allein drei Arzttermine in den Kalender. Die gesellen sich dann noch zu dem notwendigen Großeinkauf, dem Backen. Süßes Abfüllen für die Schule, genauso wie die blöde Schnitzeljagt vorzubereiten, die bestimmt der Kracher werden wird. Als Topping bekam ich von der Uni noch diesen tollen Test heute dazu, der den gestrigen Tag quasi ausfüllte. Ach ja, und die Kirsche auf der Scheisse ist natürlich der Streik, der zwar erst morgen beginnt, mich aber logistisch schon seit drei Tagen am Telefon fesselt. Oh jeh! Aber Sonntag Abend ist der Spaß ja geschafft. Und beim nächsten Mal plane ich besser. 

Der alte Straßenkehrer Beppo

Mein Kopf ist voll. Vor lauter Überforderung weiß ich kaum ein oder aus. Gerade erinnere ich mich an eine Geschichte, die meine Hebamme mir vor der Geburt meines ersten Kindes vorgelesen hat. In Zeiten von Kita-Streik,Prüfungen,Job und einem nahenden Kindergeburtstag passt es aber auch sehr gut: 


Der alte Straßenkehrer Beppo verrät seiner Freundin Momo sein Geheimnis. Das ist so:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.

Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.

Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

Michael Ende

Kita Streik 

Die Kitas Streiken. Bald. Überhaupt streiken alle. Nur genau genommen…. 

Also, ich gönne jedem Menschen viel, gerechtes und gutes Geld. Auch bin ich mir im Klaren darüber, dass man manchmal ein Opfer bringen muss. Aber das was da grad mit den Kitas passiert, kotzt mich massiv an!!

Um die 8500 Kinder im Land Bremen werden in den nächsten Wochen, und vielleicht sogar Monaten ohne geregelte Betreuung sein. Weil die Gewerkschaften fast 10% mehr Geld für ihre Mitarbeiter fordern. 

8500 Kinder, die ja auch Eltern haben. Viele von denen Arbeiten. Alle von denen sollen ihre Gebühren weiterzahlen. Keiner von denen kann einfach nicht zur Arbeit gehen. Alle von denen sind auf ihr Einkommen angewiesen. Auf ihren Job. Was also der  Plan? Eine 2. Betreuung suchen und zahlen, um den Job nicht zu gefährden und den Rubel rollen zu lassen? Oder den Job aufs Spiel setzen und trotzdem Kitagebühren zahlen, und wovon. 

Echt… Ich wäre demonstrieren gegangen, ich hätte mit meinen Kindern irgendwelche Sitzungen gestört! Ich hätte 1.000.000.000 Unterschriften gesammelt, und 20.000 Postkarten geschrieben. Alles!!! Aber ich bin nicht bereit jetzt meinen Arsch dafür hinzuhalten, dass 280.000 Menschen 10% mehr bekommen, und ich meinen Job aufs Spiel setzte!!