Auf nen Kaffee…

Mit Kindern, anderen Müttern und Verabredungen ist das so eine Sache. Das erste Jahr nach der Geburt fand ich jedes Mal eine Truppe, mit der ich alles teilte. Bei einem Kind war es nur eine Frau, bei eine anderen eine ganze Gruppe (hallo geliebte Muddis, ihr seid die besten!). Wichtig war, in den ersten 12-18 Monate nach der Entbindung nicht allein zu sein, jemanden zu haben, mit dem man spazieren gehen kann. Die sozialen Kontakte der Kinder wurden in dieser Zeit bestimmt durch die Wünsche der Mütter. Wir Frauen konnten uns gut leiden, den Kindern hatte er es egal zu sein.

Irgendwann geht es dann in Richtung Krippe oder Tagesmutter, neue Kontakte werden geknüpft und ein ganz neues Regelwerk wird aufgesetzt. Plötzlich richten sich die Sozialkontakte des Kindes nach den Wünschen des Kindes. Der Hugo möchte gerne einmal mit dem Hannes spielen, und Sophia möchte gerne einmal mit Lisa spielen,… Spieldates werden zur Tagesordnung. Diese laufen nach einem festen Protokoll ab. Für die Kinder werden Obsttellerchen vorbereitet, oftmals liegen auch Hirsekringel oder einfache Kekse mit darauf. Da die Kinder zu klein sind um alleine zu Freunden zu gehen, wird für die jeweilige Mutter Kaffee oder Tee bereitet. Natürlich hat man vorher die Wohnung so in Ordnung zu bringen, dass die zumeist fremde Mutter nicht denkt dass man ein Schwein ist. Die Kinder spielen dann 2-3 Stunden, sind in aller Regel glücklich und laut, und die Mütter sitzen beisammen und halten Kaffeekranz. Das kann mehr oder weniger amüsant sein, manchmal hat man sich was zu sagen – manchmal aber eben auch nicht.

Irgendwann, mit dem vierten Geburtstag, werden die Kinder dann so selbstständig, dass diese Form der Verabredung nicht mehr notwendig ist. Die Kinder verabreden sich nach der Kita, werden einfach von einer Mutter mitgenommen und später von ihrer eigenen wieder abgeholt. Ich selbst befinde mich seit etwa 2,5 Jahren ausschließlich in dieser wunderbar unkomplizierten Phase und habe mich noch keine Sekunde zurück gesehnt. Genau genommen habe ich keine Sekunde mehr an das gedacht, was ich da alles durch habe – mit all den Kindern und all den Muttis. Bis letzte Woche Leon sich verabreden wollte. Leon möchte gerne zu uns kommen, mit Mama. Und so werde ich heute Rückschritte machen, werde Obsttellerchen bereiten und Kaffee kochen. Werde vorher mein Haus aufräumen und irgendwie dafür sorgen, dass diese völlig fremde Frau nicht denkt…

Was mache ich hier eigentlich? Im Grunde genommen sollte es mir Scheiß egal sein, was diese Person denkt. Hier ist es super, vielleicht ein bisschen schmuddelig und chaotisch aber vor allem ist es völlig in Ordnung! Wieder einmal werde ich mir heute vornehmen, nichts zu verändern, mich nicht zu verstellen und nichts vorher aufzuräumen. Wir sind keine Schweine – wir sind großartig! Und lustig und quirlig und vielleicht ein kleines bisschen durcheinander…

Worauf es ankommt

Meine Haushaltsführung, die damit verbundene Überforderung und vor allem die Unzufriedenheit waren hier immer mal Thema. War es zu Hause schick und schön, litten Kinder und Job, ließ ich den Haushalt schleifen, war ich auf kurz oder lang schlimm unzufrieden, weil es nicht mehr schick und schön war. In dieser Schleife befand ich mich die letzten Jahre. Um einen Ausweg zu finden, habe ich verschiedene Modelle versucht: Mehr Tolaneranz meinerseits (es ist ja gar nicht so schlimm hier…), mehr Mithilfe der Kinder (was oftmals in noch mehr Arbeit endete), gemeinsames Putzen am Wochenende (und, wie war dein Wochenende so?) und immer wieder auch die Suche nach einer Haushaltshilfe. Letztere könnte ich jetzt gefunden haben.

Vergangenen Freitag war sie da und ich muss gar nicht viel sagen; wenn das alles so weiter geht, wie es begonnen hat, habe ich endlich ein Problem weniger. Nach einer kurzen Einweisung ging ich zur Arbeit und als ich nach Hause kam, war endlich alles gut. Anstatt schon beim Reinkommen genervt zu sein, startete ich mit einem wohligen Räkeln ins Wochenende. Anstatt mich über den dreckigen Fußboden aufzuregen, tobten wir zunächst ausgelassen in der Küche um dann entspannt zu essen. In die Wochenendplanung musste kein Kloputzen und Durchsaugen aufgenommen werden, so dass wir am Samstag Vormittag zwei Stunden lang gemeinsam malten und puzzelten und später eine Torte backten. Wir hatten Zeit!

Und spätestens hier wird mehr als deutlich, worum es im Leben zu gehen hat. Entspannt miteinander, zufrieden und ohne Stress. „Krass, du leistest Dir eine Putzfrau?!“, sagte eine Nachbarin am Freitag und heute kann ich sagen: Nein! Ich leiste mir wertvolle Stunden mit meiner Bande, in denen ich mich um nichts kümmern muss als um uns. Diese paar Euro sind das best-angelegteste Geld, das ich jemals ausgegeben habe!!

Wenn einer eine Reise tut

Morgen fahre ich weg; ich wohlgemerkt, nicht wir. Ich fahre über vier Tage mit meiner besten Freundin nach Prag; zwei Tage Prag genau genommen und zwei Tage Reise. Zu der allgemeinen Vorfreude mischt sich die Spannung über die Unterkunft und all das. Prag ist wunderschön, das weiß ich aus zwei Aufenthalten 2002 und 2004. Kaum erwarten kann ich es, sitze auf heißen Kohlen und würde am liebsten sofort losfahren.

Allein was unternehmen, so ganz ohne Bande, ist erstaunlich. Mein inneres Schema F ist hoch-alarmiert. Bloß nichts vergessen, alles gut verstauen und nicht zu viel mitschleppen. Vor großen Aktionen fahre ich innerlich hoch und bin zwar nie ängstlich aber dennoch angespannt. Sechs Personen zu verpacken, an alles zu denken, den Zeitplan in Auge halten und dabei die Bedürfnisse aller im Blick zu halten kann ich – leicht ist es jedoch nicht. Ins besondere wenn es wuselig ist, am Bahnhof, in Innenstädten oder so, ist es nur mit höchster Aufmerksamkeit möglich alles geschmeidig zu halten.

Morgen aber fahre ich nur mit Freundin, auf die muss ich nicht aufpassen. Mein Trecking Rucksack wird und wird nicht voll, obwohl ich so viel einpacke. Viel vergessen kann ich kaum; höchste Priorität haben Schlüpper und das Ladekabel fürs Handy. Und dann geht es morgen los, nur ich und die Beste, ohne viel zu planen und ohne Stress. Ich kann es kaum erwarten!!!

…weil du zu lange fernsiehst

Ja! Ich bin wirklich oft müde, und ja! Ich lege mich regelmäßig mal ne Stunde hin. Am Wochenende schlafe ich nach Möglichkeit lang, da ich sonst in der Woche darauf noch mehr durchhänge. Zugegeben, es ist ein Jammer. Auch die Hörnchen nehmen diesen Zustand wahr und lassen ihn nicht unkommentiert. „Du bist immer so müde, weil du viel zu lange fernsiehst!“ erklärte mir das C-Hörnchen jüngst und ich war etwas Sprachlos. Meine zwei Stunden vor der Glotze sind es nicht, nein. Aber was soll man einer siebenjährigen sagen,…

…dass man chronisch müde ist, weil man sich ununterbrochen zwischen Arbeit und Familie aufreibt, im Prinzip immer gegen ein schlechtes Gewissen arbeitet und nie an einer Stelle genug ist?

…dass einen der Haushalt überfordert und das ständig wiederkehrende Putzen der Böden, Toiletten und allen Andersens einfach traurig und ermüdend ist?

… dass mein persönlicher Lebensrythmus und der, der mir durch Kita und Schule vorgegeben ist, einfach nicht zusammen passen, und ich mich somit dauerhaft zwingen muss zu funktionieren?

Natürlich nicht, somit gebe ich ihr kurzum recht und gestehe ein, warscheinlich einfach früher schlafen gehen zu müssen…

…um damit auch das letzte Bisschen Freiraum und selbstbestimmte Zeit zu verlieren.

Klingt dramatisch? Ist es. In manchen dieser Phasen ist es nicht lustig in der Tretmühle „leben“ gefangen zu sein, in der jeder Ausbruch direkte Konsequenzen für alle die hat, die mit einem zusammen leben. Wenn ich verschlafe, kommen alle zu spät, wenn ich aufhöre zu putzen, kochen, versorgen, sind alle unversorgt. Arbeite ich, bis alles abgearbeitet ist, sind die Kinder allein, mache ich früh Feierabend, drückt der Schuh auf der andern Seite. Eine elende Klemme.

Klingt besorgniserregend? Ist es nicht. Ich durchlaufe diese Tiefs immer mal wieder; ich denke die meisten in meiner Situation tun das. Es geht vorbei; vorübergehend in den kommenden Tagen und dauerhaft in ca. 15 Jahren. Schön!

Ballett

Ein mal in der Woche werden meine Nerven auf eine harte Probe gestellt. Die Ballettstunde der Mädchen bedeutet für mich: 60 quälende Minuten in der Hölle. Im Bereich vor den Tanzräumen stehen Sofas und Sessel. Wenn wir um 17.00 kommen, ist der dunkle Teppich bereits von einigen Kilo Kekskrümeln überzogen. Die Luft ist verbraucht von etlichen Chargen an Müttern und kleinen Brüdern und Schwestern, die in den Stunden seit 13.00 hier saßen, warteten und litten. Das who is who des Stadtteils trifft sich hier, berät die Lage auf den Spielplätzen der Umgebung, die Preise im Bioladen und ob der nette Erzieher nicht vielleicht doch schwul ist.

Auch das Verhalten der Kinder wird bis zum Erbrechen diskutiert und kein Schritt bleibt unkommentiert. „Oooohhh, die Madame kam wieder mal so gar nicht in die Puschen heute!“ stöhnt Mama affektiert als sie durch die Tür kommt. „Aaaach! Wieder das gleiche Spiel bei euch?!“ kommentiert die Mutter auf dem Sessel wissendes Blickes und lacht. Das benannte Kind geht in die Umkleide und man möchte ihm sagen:“Du bist ok!“

Nach der Stunde lockt die Parade der Müden und Verzweifelten. Kinder, fern ab von Gut und Böse, drehen noch mal richtig auf, rennen kreischend im Kreis, während Mamas mit Stiefeln und Leggins hinter ihnen herlaufen. „Biiiiittteee Aammeliii! Komm jetzt bitte! Der Gustav muss nach Hause biittteee!“ jammert Mama dem 4-jährigen Nachwuchsdiktator hinterher und schleppt dabei einen knapp anderthalbjährigen kleinen Bruder. Der Chef im Ring ist schnell klar; Mama ist es nicht.

Auch 45 Minuten später spielen sich Dramen zwischen den Sesseln des Aufenthaltsraumes und den Bänken der Umkleide ab. Verzweifelt appellieren Mütter an die Vernunft der Kinder um sich dann erneut mit der Sitznachbarin in einem Gespräch zu verlieren. Vielleicht also ist es die vierjährige, die in Sachen Vernunft die Nase vorn hat, denn nach etwa 50 Minuten Vollgas sinkt sie erschöpft im Sessel zusammen und jammert: „Huuunger!!“. Endlich gibt Mama nach, trinkt nur noch schnell den Tee aus und beginnt ihr Picknick einzupacken. „Aaaach! Das ist auch immer lang hier!“ stöhnt sie pathetisch beim Rausgehen „Aber mit meiner Madame ist das so…!“

Hier möchte man auch nicht Kind sein, denke ich. Und Mutter irgehdwie auch nicht.

Nee, das stresst mich nicht

Morgen kommt der Kindergarten zu Besuch, zu uns nach Hause! Diese jährliche Aktion ist bei den Kindern äußerst beliebt, und dafür gedacht, den Kindern zu zeigen wie unterschiedlich Menschen leben. Schon die kleinsten lernen, dass Lebensverhältnisse unterschiedlich sind und es überall etwas schönes zu finden gibt. Kind A teilt sich das Zimmer mit seinen Geschwistern, Kind B hat ein eigenes Zimmer, Kind C hat gar kein Zimmer und Kinder hat zwei. Jeder anders, jeder gut und jeder zufrieden. Oft hörte ich in den letzten Tagen den Satz: „Stresst dich das nicht?“ in aller Regel gab ich zur Antwort, dass ich da ganz entspannt mit umgehen würde. Ist doch klar.

Heute, einen Tag vor dem Besuch, bin ich das nicht. Wenn ich ganz genau in mich horche, bin ich tatsächlich angespannt und versuche irgendwie alles in Ordnung zu bringen. Selbstverständlich muss das Kinderzimmer aufgeräumt sein, 20 Kinder werden darin spielen. Die Schränke sollten abgestaubt sein, am besten auch die einzelnen Spielsachen – immerhin werden sie durch viele Hände gehen und die Erzieher werden sie sehen. Auch Lichtschalter und Türrahmen sollten sauber sein, ebenso wie die Toiletten, dann ganz bestimmt werden viele Menschen sie Benutzen. Beim staubsaugen der Treppen dachte ich darüber nach, die einzelnen Stufen vorsichtshalber auch zu wischen; schließlich werden die Erzieher auf Augenhöhe der Kinder die Treppe benutzen und sie sicherlich genauer ansehen als sie es sonst tun werden… Ich begann Spinnen weben aus den Ecken weg zu saugen, Badezimmervorleger extra zu waschen und die Zahnputzbecher von innen auszuwaschen. Ja, ich muss es zugeben – ich machte mich fürchterlich verrückt. Der Antrieb der Aktion? Natürlich der, dass es besonders perfekt, wenigstens aber ausreichend gut aussehen sollte.

Und da sind wir mitten im Desaster. Anstatt Kindern beizubringen, wie unterschiedlich Menschen leben, bringt man Müttern bei, dass sie sich verrückt machen sollen. Jedes Mal wird aufgefahren, die Mütter backen, schneiden Obst und schmieren Brötchen. In jedem, oder sagen wir fast jedem Haushalt, wird ausgiebig geputzt und vorbereitet, so dass das Bild für die Besucher immer das gleiche ist: hier ist es ausgesprochen perfekt! Der Druck der dadurch auf alle erzeugt wird ist völlig idiotisch. Wieder einmal versuchen alle irgendeinem Ideal Stand zu halten und nach außen etwas darzustellen, was sie nivht sind. Bei uns zumindest ist es eigentlich nicht schmutzig; nur ganz manchmal schon. Meistens gibt es in irgendeiner Ecke Spinnenweben, irgendeiner der Türrahmen hat immer Fingerabdrücke. Unsere Toiletten sind nie klinisch rein aber immer sauber. Die Kinderzimmer sind selten wirklich aufgeräumt, dafür werden sie regelmäßig ausgiebig bespielt. Auf unserem Sofa liegen Katzenhaare, unsere Teppiche haben oftmals Krümel. Hier ist überhaupt gar nichts perfekt, aber eigentlich ist es genau das, was unser Leben so gut macht. Wir sind ganz einfach normal, langweilig und normal! Wir sind nicht klinisch rein, nicht pedantisch sauber sondern einfach ziemlich menschlich und leben unser Leben. Und ganz genau jetzt höre ich auf wie eine irre zu putzen; und wenn ich Lust habe verteile ich noch ein paar Brötchenkrümel!

Man Leben!

Man Leben, so warst du doch nicht gedacht. Oder checke ich einfach nicht wie der Hase läuft? Eigentlich müsste ich doch froh sein. Ich habe ein Job, den ich abgöttisch liebe. Ich habe die vier wunderbarsten Kinder der Welt und ein tolles Haus in dem ich lebe. Alles stimmt! Mein Leben ist ein Paradies, besser als man es sich irgendwie vorstellen kann, es ist geradezu perfekt! Und ja, irgendwie ist es das auch. Manchmal. Aber manchmal eben auch nicht, da geraten diese wunderbaren Faktoren zu einer Spirale aus Stress und Anspannung.

Ich liebe meinen Job, wirklich! Ohne mit der Wimper zu zucken würde ich jederzeit auf 30 oder sogar 40 Stunden erhöhen. Ich genieße jede Stunde in dem verrückten Laden und mag unsagbar gern, was ich da tue. Das Problem bei der Sache? Meine vier wunderbare Kinder. Ab mittags arbeite ich gegen die Uhr. Ich muss pünktlich Feierabend machen damit ich pünktlich zu Hause bin. Oftmals schaffe ich es nicht ganz so gut, dann hasse ich mich selbst. Dabei ist das alles halb so Wild. Ich bin eine wunderbare Mutter, und eine noch viel wunderbarer wenn ich Zeit habe und mich nicht stressen muss. Wie großartig wäre ich, wenn ich nicht ständig den Haushalt und die Arbeit im Nacken hätte. Ich würde mit meinen Kindern backen, wir würden häkeln, basteln, Fahrradtouren machen und die Welt erkunden. Ich bin so unsagbar gerne mit ihnen zusammen und genieße jeden freien Moment. Nur leider kommen auch diese Momente viel zu kurz – Job und Haushalt…

Denn auch der, dass dieser dämliche und unsagbare Haushalt, fordert seine Zeit und meine Nerven. Alles halbwegs in Schuss zu halten, die Wäsche gewaschen, das Geschirr gespült, das Essen gekocht und den Kühlschrank gefüllt, erfordert doch schon einige Zeit. Zeit die ich nicht habe, weil ich ja eigentlich jede freie Sekunde mit meinen Kindern verbringen würde und so gern arbeiten gehe. Der Haushalt kotzt mich wirklich an! Schon morgens beginnt die Tretmühle mich zu quälen. Und nach der Arbeit beginnt dann der richtige Wettlauf gegen die Zeit. Kinder wieder einsammeln, Mittagessen für den großen kochen, Hausaufgaben, für Vokabeltests üben, Verabredung organisieren, Termine in der Schule wahrnehmen und all das prasselt auf mich ein und entzieht mir jede freie Sekunde. Ich renne und renne und renne und renne.

Einzeln betrachtet, bin ich in allem was ich so tue ganz gut. Ich mache meinen Job ganz gut, bin eine hervorragende Mutter und kannst voller Leidenschaft und Hingabe ein Haushalt führen. Ich mag es sauber und aufgeräumt und freue mich auch darüber wenn ich ganz in Ruhe putzen kann. Nur gestaltet sich die Sache eben ganz genau so, dass immer zwei Dinge auf der Strecke bleiben wenn ich eine vernünftig mache. Also mache ich alles nur halb, naja vielleicht auch nur ein Drittel. Das einzige was ich mit voller Hingabe mache ist unzufrieden sein. Ja, ich bin vollkommen angekotzt von dem Dreck hier zu Hause, der Unordnung, den Wäschebergen, den Fertiggerichten und der mangelnden Zeit, die ich mit meinen Kindern verbringe. Ebenso Genervt bin ich davon, dass ich viel zu wenig im Job schaffe und noch so viel vor hätte. Ich bin einfach nicht genug!

Lösung gibt es einige aber dennoch keine die mir wirklich gefällt. Ein Au-Pair wäre großartig, aber ohne Zimmer auch nicht so richtig gut. Auch eine Putzfrau kann ich mir nicht leisten und umsonst macht es mir dann doch keiner. Wenn ich im Job reduziere, bin ich noch unzufriedener und unser Geld reicht von vorne bis hinten nicht und die Zeit mit meinen Kindern ein zu knappen – das kommt wirklich nicht infrage! So bleibt mir nur eins: weiter zu rennen, bis einer der Faktoren sich von selbst erledigt. Traurigerweise werden das meine Kinder sein, die mich mit der Zeit immer weniger brauchen. Und dann beruhigt sich alles, dann glätten sich die Wogen. Na herrlich

Jeder vor seiner Haustür

Das A-Hörnchen hat Unfug getrieben. In der Schule hat er das Buch eines Mitschülers versteckt, leider kam es dabei zu Schaden. Als er zu der Sache befragt wurde, verleugnete er. Hässlich, zugegeben; aber kein Drama. Am Geschehen beteiligt war ein anders Kind, seine Rolle unklar. Gestern Abend rief mich dann die Mutter an.

Es gäbe Probleme, A-Hörnchen hat… Schlagartig hatte ich das Gefühl mit D-Hörnchen zu diskutieren, hörte aber dennoch weiter zu. Meiner hat, aber deiner auch, und deiner mehr und meiner eigentlich unfreiwillig; soweit so gut. Dann holte sie aus. Meiner sei recht gestört, das sagen auch andere. Meiner sei nicht normal, auch das wissen andere. Meiner sei ein Problem, das der anderen und ihrs und sein eigenes. Meiner ist falsch und isoliert und überhaupt müsse ich dringend handeln. Und sie müsse das auch, denn Ihrer würde durch meinen schon schaden nehmen. Das müsse ich auch mal sehen.

Es kostete mich alle Nerven, warscheinlich drei Lebensjahren und einige Telefonate um klarzustellen, dass ich das Handeln meines Sohnes deutlich nicht befürworten. Viel weniger aber kann ich die massive Grenzüberschreitung der anderen Mutter akzeptieren. Wir alle sehen unsere Kinder und die der anderen. Wir alle erziehen, mehr oder weniger bewusst, nach bestimmten Parametern, Werten und Prioritäten. Meine Aufgabe als Mutte ist es nicht, die Parameter, Werte und Prioritäten der anderen zu bewerten und zu überprüfen. Die Aufgabe jedes Elternteils ist es schlicht, das eigene Kind so zu erziehen, dass es zu den eigenen Wünschen und Werten und all dem und am Ende auch in diese Welt passt, also in der Lage ist, irgendwann ein selbstbestimmtes, glückliches Leben zu führen.

Unfug gehört dazu. Jetzt, mit 11 ist es ein. Verstecktes Buch oder eine geklaute Mütze, später werden es heimliche Zigaretten, Zündeleien oder andere Missetaten sein, die uns stets daran erinnern, unsere Wertesysteme zu überprüfen. Niemals aber sollte man beginnen die Systeme anderer zu überprüfen oder gar schlecht zu reden. Jeder in seinem Ramen, jeder vor seiner Haustür. Ernsthaft Kritik zu äußern ist mit Sicherheit den Pädagogen in Kita und Schule gestattet, ebenso sicher einigen engen Freunden. Nicht jedoch denen, die im Vorbeigehen meinen mein Kind oder unsere Erziehung beurteilen zu können. Fegt gern euer eigenes Laub. Meins gefällt mir gut.

Morgenstund

6.00. Udo singt mich brutal aus den tiefsten Träumen. Ich bin müde. So unglaublich müde. Schmerz im ganzen Körper, so müde! Mit Tränen in den Augen verlassen meine Füße das Bett. Fast tödlich, ich kann nicht. Langsam ziehe ich die Gliedmaßen wieder unter die warme Decke, da beginnt sich die Vernunft zuzuschalten. Die Kinder müssen zur Schule. Ihre Wecker klingeln gleich, Frühstück,…. Auch die Freundin wird pünktlich zum Abholen kommen. Es gibt keinen Ausweg.

Während ich unter Qualen ins Bad wanke, bebend vor Kälte, Schnerz und Müdigkeit geht mein Hirn immer und immer wieder alle Optionen durch. Kein Ausweg. Kein Ausweg, für die nächsten vielen Jahre. Acht, vielleicht neun oder auch nur sieben. Ewig. „Eines Tages hat man sich dran gewöhnt!“ sagen die alten. Ich nicht. Ich kann nicht mehr. Ich habe das Gefühl, ein so ausgeprägtes Schlafdefizit kultiviert zu haben, dass ich ab sofort Gehirnzellen in Energie umwandeln muss um der Müdigkeit nicht zu erliegen. 8.00 Uhr Schulbeginn ist eine Zumutung. Meine Gesundheit ist ernsthaft in Gefahr – vielleicht gehen wir alle drauf. Wenn aber nicht, sollte jedoch ernsthaft bedacht werden, wie gut wir sein könnten, wären wir nur ein mal ausgeschlafen.

Und trotz alledem knüppelt das Leben mich weiter. Aufstehen, Kinder, Job. Weder meine Kinder noch meinen Job will ich aufgeben, jedoch mag ich beides zwei Stunden später noch viel mehr. Ich funktioniere nicht am Morgen. Ab neun, oder danach. Mittags bin ich gut, nachmittags bombastisch. Aber morgens um sechs … nein.