Mehr als nur ein Job

Eine Freundin und Leserin stieß vor einigen Tagen auf diesen Beitrag vom Juni 2016:

https://muetterchenfrost.wordpress.com/2016/06/22/letzte-tage/

Ich hatte mein Praktikum in der Drogenhilfe beendet und war beflügelt und inspiziert. Für mich war klar, da soll es hingehen!

Heute, zweieinhalb Jahre später, bin ich angekommen. Auf einigen Umwegen hat es am Ende geklappt. Seit Juni 2018 fahre ich jeden Morgen an den Ort, an den ich fahren möchte – in die Drogenberatungsstelle. Erst kürzlich sprach ich in einem Gespräch mit der Chefin aus wie es ist: Das war ich mache ist weit mehr als nur ein Job. Es ist Leidenschaft, Passion, Hingabe! Das Thema „Sucht“ fasziniert mich, die Menschen mit denen ich arbeite, ihre Geschichten, ihre Schicksale, motivieren und beeindrucken mich immer wieder und mein Antrieb ist nicht stumpf zu helfen, sondern etwas zu verändern.

In den kommenden Tagen werde ich mich der Drogenhilfe widmen, ihren Aufgaben, Klienten und ihren Problemen. Falls ihr Fragen habt, rund um die Themen: Sucht, Droge, Substitution – fragt bitte.

Der Kampf gegen die Drogen

Aktuell ist es Donald Trump, der sich dem Kampf gegen Drogen verschrieben hat und mit dramatischen Schlagzeilen von sich reden macht. Mehr Härte, sogar die Todesstrafe fordert er. Natürlich soll auch die Mauer nach Mexiko nicht vergessen werden, denn da kommen die Drogen ja schließlich her. Und dann Herr Trump? Was passiert dann?

Was ganz deutlich wird ist, dass weder Trump noch andere Politiker sich jemals ernsthaft mit der Problematik harter Drogen auseinandergesetzt haben. Denn hätten die dies, würde sie selbst erkennen, wie sinnlos all die Härte ist.

Das Hätteste an der Droge ist die Sucht. Nach einer Substanz süchtig zu sein, heißt für den Betroffenen in erster Linie beschaffen zu müssen; immer! Härtere Strafen und mehr Überwachungssysteme triggern nur eins: Das Katz und Maus spiel und dadurch das Leid der Betroffenen. Denn wer süchtig ist, der beschafft und konsumiert – gegen alle Wiederstände. Des Pudels Kern ist also die Sucht und der Träger selbiger. Und hier wird es wichtig! Sucht und alles damit verbundene Elend sind, ähnlich wie Schnupfen oder Husten, lediglich Symptome eines viel größeren Problems. Sucht beginnt nicht mit der lustigen Idee mal Drogen zu nehmen, Sucht liegt viel tiefer. Studien belegen inzwischen gut, dass über 80% der Drogenkonsumenten primare Erkrankungen wie Depressionen, Ängste die soziale Probleme haben. Die Drogen kamen in fast allen Fällen später, als eine Art Selbstmedikation, aus der Verzweiflung heraus. Bedenkt man hierzu, dass die Sucht einer der stärksten Mechanismen ist, den das menschliche Hirn erschaffen kann, liegt es auf der Hand, dass kein Betroffener aus Gründen der Vernunft eben aufhört süchtig zu sein, nur weil er bestraft werden könnte.

Was hilft also gegen Drogen im Land? Eigentlich liegt es auf der Hand. Eine gesunde, zufriedene, sozial aufgestellte Bevölkerung, die in Kriesen für einander steht, Schwache auffängt und die individuellen Stärken jedes einzelnen fördert. Freiheit und die Möglichkeit, sich sorgenfrei ausleben zu können, Wegnahme von Stress und Angst und Repressionen. All diese Faktoren kommen in Frage und sollten, nicht nur in den USA, mit aller Härte verändert werden. Denn dann müssten Drogen mittelfristig nicht mehr als Medikament gegen die Verzweiflung eingesetzt werden. Und die Mauer, Herr Trump, die braucht dann auch keiner mehr. Aber das können Sie mit Sicherheit nicht verstehen.