Mehr als nur ein Job

Eine Freundin und Leserin stieß vor einigen Tagen auf diesen Beitrag vom Juni 2016:

https://muetterchenfrost.wordpress.com/2016/06/22/letzte-tage/

Ich hatte mein Praktikum in der Drogenhilfe beendet und war beflügelt und inspiziert. Für mich war klar, da soll es hingehen!

Heute, zweieinhalb Jahre später, bin ich angekommen. Auf einigen Umwegen hat es am Ende geklappt. Seit Juni 2018 fahre ich jeden Morgen an den Ort, an den ich fahren möchte – in die Drogenberatungsstelle. Erst kürzlich sprach ich in einem Gespräch mit der Chefin aus wie es ist: Das war ich mache ist weit mehr als nur ein Job. Es ist Leidenschaft, Passion, Hingabe! Das Thema „Sucht“ fasziniert mich, die Menschen mit denen ich arbeite, ihre Geschichten, ihre Schicksale, motivieren und beeindrucken mich immer wieder und mein Antrieb ist nicht stumpf zu helfen, sondern etwas zu verändern.

In den kommenden Tagen werde ich mich der Drogenhilfe widmen, ihren Aufgaben, Klienten und ihren Problemen. Falls ihr Fragen habt, rund um die Themen: Sucht, Droge, Substitution – fragt bitte.

Einfacher Belohnungsmechanismus

Wie schon hier und da mal erwähnt ist mein liebstes Stückchen Welt im Gehirn die Nucleus Accumbens. Er belohnt uns, er macht uns glücklich! Ganz langsam jedoch beginne ich mich gegen dieses Hirnareal zu wenden; irgendwie hat es doch von Tuten und Blasen keine Ahnung! Oder bin es etwa ich die am Ende keine Ahnung hat? Sollte ich womöglich Opfer meiner eigenen Hormonausschüttung geworden sein, maßlos und irgendwie süchtig!? Die Geschichte ist doch irgendwie immer die selbe…

Erste Schüssel Mousse au Chocolat: Bohr ist das geil, ich Dreh durch! Und es spricht zu mir der Accumbens:“ Iss noch mehr! Das macht dich sehr sehr glücklich und du wirst nie wieder traurig sein!“ Und so esse ich die zweite Schüssel Mousse au Chocolat und mein Hirn sagt:“Oh mein Gott ist das geil! Ich bin so glücklich! Nur mir ist ein wenig… Naja, vielleicht der Magen… Oh mein Gott! Das ist so großartig!“ Und es spricht zu mir der Nucleus Accumbens:“ Iss noch mehr! Es macht mich sehr glücklich! Hast du doch eben gesehen!!“ Und ich esse die dritte Schlüssel ich Mousse au Chocolat und ich denke:“Oh mein Gott ist das geil! Das ist so wahnsinnig lecker! Mir ist so schlecht! Mir ist wirklich wahnsinnig schlecht! Und der Accumbens sagt:“ Iss!“ Und ich beginne die Löffel einzeln zu essen und quäle mich ganz fürchterlich. Am Ende ist mir so schlecht das ich tatsächlich aufhören, so wie man immer irgendwann aufhört – viel zu spät eben.

Menschliche Gehirn sind wirklich dämlich! Sie können diesen super Trick mit Bier, mit Zigaretten, mit Zucker, mit allen andern Dingen die Nikotin, Alkohol, Opiate, Kohlenhydrate, Fett oder irgendetwas anderes enthalten, dass uns wahnsinnig schädigt aber eben irgendwie total glücklich macht! Und immer ist es der exakt selbe Mechanismus: mach das noch mal, macht das noch mehr, mach das immer wieder! Das macht dich glücklich, das macht dich glücklich, das macht mich glücklich! Womit sich das Gehirn jedoch wahnsinnig schwer tut ist der andern Seite der Medaille: das macht dich krank, das macht dich krank, das macht dich krank! Diesen Teil der Geschichte betrachte ich nur abends, wenn ich im Bett liege. Dann fällt mir ein, das Bier ungesund ist, dass Zigaretten der Lunge Schaden und das zu viel Zucker irgendwie auch nicht… Naja! Was macht schon Zucker? Und im selben Moment ertappe ich mich selbst dabei, schon wieder zum Mousse au Chocolat Topf zu schleichen…

Akzept Kongress

In den letzten Tagen fand in Hamburg der Akzept Kongress für akzeptierende Drogenarbeit statt. Als Mitarbeiterin einer Drogenhilfeeinrichtung nahm ich Teil und stopfte allerlei Erkenntnisse und Erfahrungen in meinem Kopf. Die Drogenpolitik in Deutschland ist immer noch weitestgehend hinterweltlich, wir leben in einem drogenpolitischem Entwicklingsland. Und doch hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan.

Sucht ist inzwischen als eine lebenslage, chronische Erkrankung anerkannt. Endlich beginnt sich die Sicht auf Sucht dahin zu wandeln, dass der Patient nicht schuldig und eigenverantwortlich für seine Erkrankung ist. Hinter jeder Sucht steht eine Geschichte, häufig keine schöne. Dies zeigt ganz deutlich, dass die Sucht ein Kanal ist eine Erfahrung, ein Trauma oder Emotionen zu verarbeiten. Ebenso wie psychische Erkrankungen ergreift Sucht Besitz und fragt nicht höflich, ob sie gewollt ist. Der Betroffene hat Anspruch auf Behandlung, Therapie und volle Inklusion.

Ebenfalls erfreulich ist, dass die Rollen von Nikotin, Alkohol und Cannabis sich um-formieren. Während Zigaretten und Alkohol lange als legale Rauschmittel vollkommen ok waren, wurde Cannabis bis vor wenigen Monaten als Droge gehandelt, wie Komain oder Heroin. Inzwischen zeigt die Studienlage deutlich, dass Cannabiskonsum, ebenso wie Alkoholübrigens, erst dann Schäden erzeugt, wenn er regelmäßig, intensiv und über einen langen Zeitraum erfolgt. Was Cannabis deutlich vom Alkohol unterscheidet, ist die Reversibilität der Schäden. So weiß man, dass chronischer Alkoholkonsum das Hirn irreversibel schädigt, chronifiziertes Kiffen jedoch zwar die kognitive Leistung einschränkt, dieser Effekt jedoch nach dem Absetzen des Cannabis nicht anhält.

Cannabis ist inzwischen in Deutschland als Arznei zugelassen. Hierbei ist für die reine Verschreibung keine medizinische Indikation vorgegeben; der Gesetzgeber schließt also prinzipiell kein Symptombild aus. Die Verschreibung dürfen außerdem alle Ärzte vornehmen, bis auf Zahnärzte. Lediglich in der Übernahme durch die Krankenkasse liegen einige Probleme: Die Kassen fördern für die Übernahme der Kosten, dass der Patient „austherapiert“ ist. Das bedeutet, dass er alle herkömmlichen Behandlungen und Medikamente schon ausprobiert hat und diese keine Wirkung gezeigt haben. Das Problem hierbei ist, dass ein Patient mit einer manifesten Depression, der vielleicht sogar weiß, dass Cannabis ihm hilft, zunächst eine breite Palette an Psychopharmaka testen muss, von denen einige sogar abhängig machen und andere die Persönlichkeit verändern. Auch Schnerzpatienten werden genötigt, zunächst alle verfügbaren Analgetika zu probieren, inklusive harter Opiate. Keine gute Lösung! Was bleibt ist das teure Privatrezept. Übrigens, Cannabis als Arzneimittel ist nicht automatisch „was zu rauchen“. Viele Produkte sind als unauffällige Tropfen zu bekommen und ein gut mit Cannabis eingestellter Patient darf sogar Auto fahren – was gut eingestellte Alkoholiker nicht dürfen.

Erfreulich ist, dass es in vielen vielen Städten in Deutschland inzwischen Drogenkonsumräume gibt, in denen Konsumenten sich unter hygienischen Bedingungen die selbstmitgebrachten Drogen spritzen können. Auch Rauchräume gibt es übrigens. Die Vorteile dieser Einrichtungen sind, neben den hygienischen Bedingungen und dem sauberen Spritzbesteck, dass geschultes Personal da ist, das im Notfall sofort handeln kann. Hierbei geht es nicht nur um Überdosierung sondern auch um die vielen Beimengungen, die im Stoff so drin sind. Inzwischen weiß man sicher, dass sowohl die Zahl der Drogentoten als auch die Zahl von konsumbedingten Erkrankungen wie Hepatitis oder HIV deutlich durch die Konsumräume zurückgehen. Die Verelendung der Konsumenten kann aufgehalten werden und auch der öffentliche Raum wird entlastet.

Ebenfalls neu ist das Drugchecking, dass in der Schweiz und in Österreich schon seit den 90er Jahren dazu gehört. Dieses ermöglicht dem Konsumenten seinen Stoff überprüfen zu lassen; auf den Wirkstoffgehalt und die Streckstoffe. Die Ergebnisse sind alarmierend! Der Wirkstoffgehalt von Strassenheroin zB. beträgt zwischen 3% und 15%. Hierdurch ist eine Überdosis vorprogrammiert; sieht man die Menge dem Stoff schlicht nicht an. Die übrigen 97% – 85% sind oftmals ein buntes Allerlei aus Paracetamol, ASS, anderen billigeren Opiaten oder nicht allzu selten auch Rattengift oder jeglicher anderen pulvrigen, weiße Substanz. Wichtig beim Drugcheck ist, die Ergebnisse mit dem Konsumenten zu besprechen, nach Möglichkeiten zu suchen; eben als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Es geht um viel mehr als den Dreck zu erkennen.

Meine Essenz aus zwei Tagen Input ist ganz klar, dass noch viel vor mir liegt. Ich genieße es, einen Arbeitsbereich gefunden zu haben, der mir so viel gibt und dem ich so viel zurück geben kann. Ich liebe meinen Job, habe schwer Bock was zu verändern und bin endlich angekommen.

Sucht

Gestern schrieb ich über den „internationalen Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen“, heute möchte ich noch ein paar Sätze mehr über Sucht verlieren. In der Bevölkerung sind Junkies nach wie vor mit der allgemeinen Meinung konfrontiert, sie „würden es ja nicht anders wollen“. Diese Ansicht ist für mich einer der größten Fehler im Umgang mit Sucht. Das, was ein süchtiger Konsument auf sich nimmt, was er an Strapazen, Logistik und Erniedrigung erträgt um seine Sucht zu befriedigen, tut kein Mensch freiwillig. Sucht macht keinen Spaß, hat nichts mit exzessiver Party zu tun. Sie ist purer Schmerz, der ertragen wird um noch schlimmeren zu vermeiden.

Sucht, und hierbei ist es ganz egal, ob es stoffliche oder andere Süchte sind, findet im Suchtzentrum des Hirnes statt, dem Nuceus Accumbens. Hier entsteht das, was man im Volksmund die psychische Abhängigkeit nennt. Erst im zweiten Schritt kommt in einigen Fällen eine körperliche Abhängigkeit dazu. Man unterscheidet in primäre (psychische) und sekundäre (körperliche) Abhängigkeit. Nicht alle Suchtmittel machen sekundär abhängig, jedoch alle greifen auf der psychischen Ebene.

Primäre Abhängigkeit entsteht aus einem einfachen Mechanismus: Man tut etwas, zum Beispiel an einem Spielautomaten spielen, hat Erfolg, findet es gut und es ist geschehen. Nun sagt man immer gern: Ich hab das schon 1000x gemacht und bin ja nicht süchtig! Richtig, nicht jeder Erfolg und nicht jedes Suchtmittel führen in die Sucht. Es muss eine gewisse Vor-Gefährdung geben, einen Verstärker, der den Menschen dafür prädestiniert das Suchtmittel anzunehmen. Im Falle der Spielsucht heißt das, dass der Betroffene bestenfalls spielt, weil er zB. Geldsorgen hat. Er hat einen gewissen Druck. Ist er womöglich zudem noch sozial schlecht integriert und sucht Freundschaft und Anerkennung, sorgt der plötzlich Gewinn von Geld auf drei Ebenen für Abhilfe: Die Geldprobleme werden geringer, andere Menschen interessieren sich und er bekommt Anerkennung. Diese Erfolge schütten im Hirn Glückshormone aus, der Mensch gerät in einen Rausch, alles ist leicht. An dieser Stelle tritt der Nucleus Accumbens auf den Plan. Er merkt sich alles ganz genau, speichert jedes Detail von Leichtigkeit und Glück; vor allem aber merkt er sich den Weg dorthin!

Tritt nun ein ähnlicher Notstand auf, also zum Beispiel Geldnot und Einsamkeit, weiß der Accumbens die Lösung. Ja, er weiß noch ganz genau wie der Weg war und vor allem wie erlösend der Moment war, in dem alles gut wurde. Es sei noch einmal gesagt, ob stoffliches Suchtmittel, also Alkohol, Koks oder Zucker oder nicht-stoffliches wie zum Beispiel Spielen, Sport oder Sex, ist an dieser Stelle egal. Der Rausch wird im Hirn erzeugt, entweder aus eigenen Mitteln oder durch zugesetzte Stoffe. Der Wunsch und die Not, den Rausch und die damit verbundene Leichtigkeit immer wieder zu spüren macht die Sucht.

Erst im zweiten Schritt kommt in einigen Fällen die körperliche Abhängigkeit hinzu. Sie kommt immer dann zu Stande, wenn ein Suchtmittel die Prozesse im Körper beeinflusst und sich in den Stoffwechsel mit einbaut. In vielen Fällen beginnt der Körper, die eigene Produktion von Botenstoffen herunterzufahren. Bleiben die Stoffe dann aus, kommt es zu Entzugserscheinungen. Schüttelfrost, laufende Nase, Durchfall, Krämpfe; das sind meistens die ersten Vorboten des Entzugs. Treten diese auf, ist es wieder der Nucleus Accumbens, der weiß was zu tun ist: Nachlegen, Glück erzeugen.

Was hier ganz deutlich wird, ist das a) niemand vor Sucht geschützt ist; es sind immer innere und äußere Umstände, die Suchtmittel zu dem werden lassen, was sie sind und b) kein Süchtiger durch den puren Entzug des Suchtmittels geheilt werden kann. Therapie muss in mindesten drei Schritten stattfinden: Dem körperlichen Entzug, der psychischen Therapie und einer Adaption, einer Art Langzeittherapie mit Rückführung in ein geregeltes Leben. Für all das wird Zeit, Personal und Geld benötigt, all das fehlt fast überall. Statt dessen setzt man Süchtige aller Art unter Druck, drängt sie zurück in ihr altes Leben und damit immer wieder in ihre persönlichen Muster von Konsum und Kompensation. Menschen machen Dutzende Kurzzeittherapien um dann, nach wenigen Wochen, wieder in ihre alte Wohnung, die alte Umgebung und die alten Probleme zurückkehren – zum Glück weiß ja der Nucleus Accumbens jederzeit was zu tun ist.

Microkosmos

Seit einer Woche bin ich nun Teil von etwas Großem. Es ist 16 Etagen hoch und steht am Bahnhof. 1962 erbaut bietet das 61m hohe Gebäude rund 500 Menschen einen Arbeitsplatz. Was hier zunächst so schnöde klingt, ist in Wirklichkeit viel mehr. Es ist mein neuer Arbeitsplatz, im Herzen von Bremen. Der Ort, an dem ich mich vor zwei Jahren schon einmal pudelwohl gefühlt habe, und an dem ich mit offenen Armen empfangen wurde.

Es ist wie in einem Dorf. Man kennt sich, den einen mehr, den anderen weniger. Vor allem aber ist man für einander da. Es ist ein durchaus hartes Pflaster, diese Drogenhilfe. Menschen mit schlimmen Problemen, krank oder aggressiv oder beides treffen aufeinander, suchen Hilfe oder was auch immer man grad braucht. Manchmal kracht es gewaltig und an anderen Tagen könnte man sich kaputt lachen. Lebensgeschichten, wie man sie sich kaum ausdenken könnte und elende Not und vor allem aber ganz viel zwischenmenschliches Allerlei. Der mit dem und die dafür gar nicht mehr – neue Schuhe oder eine zu eng gewordene Hose und gestern sind Gerda die Nudeln angebrannt.

Man ist für einander da und sieht sich als das was man ist: Mensch! An oberster Stelle steht die Akzeptanz; jeder wie er will und eben so wie er kann. Im Team steht man Schulter an Schulter. Einer für den anderen und eben alle gemeinsam. Bei so harter Kost ist das ‚wir‘ um so wichtiger. Ich bin dankbar Teil dieses Microkosmosses sein zu dürfen udn freue auf alles was noch kommt. Na ja, das meiste.

Der Kampf gegen die Drogen

Aktuell ist es Donald Trump, der sich dem Kampf gegen Drogen verschrieben hat und mit dramatischen Schlagzeilen von sich reden macht. Mehr Härte, sogar die Todesstrafe fordert er. Natürlich soll auch die Mauer nach Mexiko nicht vergessen werden, denn da kommen die Drogen ja schließlich her. Und dann Herr Trump? Was passiert dann?

Was ganz deutlich wird ist, dass weder Trump noch andere Politiker sich jemals ernsthaft mit der Problematik harter Drogen auseinandergesetzt haben. Denn hätten die dies, würde sie selbst erkennen, wie sinnlos all die Härte ist.

Das Hätteste an der Droge ist die Sucht. Nach einer Substanz süchtig zu sein, heißt für den Betroffenen in erster Linie beschaffen zu müssen; immer! Härtere Strafen und mehr Überwachungssysteme triggern nur eins: Das Katz und Maus spiel und dadurch das Leid der Betroffenen. Denn wer süchtig ist, der beschafft und konsumiert – gegen alle Wiederstände. Des Pudels Kern ist also die Sucht und der Träger selbiger. Und hier wird es wichtig! Sucht und alles damit verbundene Elend sind, ähnlich wie Schnupfen oder Husten, lediglich Symptome eines viel größeren Problems. Sucht beginnt nicht mit der lustigen Idee mal Drogen zu nehmen, Sucht liegt viel tiefer. Studien belegen inzwischen gut, dass über 80% der Drogenkonsumenten primare Erkrankungen wie Depressionen, Ängste die soziale Probleme haben. Die Drogen kamen in fast allen Fällen später, als eine Art Selbstmedikation, aus der Verzweiflung heraus. Bedenkt man hierzu, dass die Sucht einer der stärksten Mechanismen ist, den das menschliche Hirn erschaffen kann, liegt es auf der Hand, dass kein Betroffener aus Gründen der Vernunft eben aufhört süchtig zu sein, nur weil er bestraft werden könnte.

Was hilft also gegen Drogen im Land? Eigentlich liegt es auf der Hand. Eine gesunde, zufriedene, sozial aufgestellte Bevölkerung, die in Kriesen für einander steht, Schwache auffängt und die individuellen Stärken jedes einzelnen fördert. Freiheit und die Möglichkeit, sich sorgenfrei ausleben zu können, Wegnahme von Stress und Angst und Repressionen. All diese Faktoren kommen in Frage und sollten, nicht nur in den USA, mit aller Härte verändert werden. Denn dann müssten Drogen mittelfristig nicht mehr als Medikament gegen die Verzweiflung eingesetzt werden. Und die Mauer, Herr Trump, die braucht dann auch keiner mehr. Aber das können Sie mit Sicherheit nicht verstehen.

Popeln

Das A-Hörnchen fragte mich wieso kleine Kinder eigentlich so gern popeln. Das konnte ich ihm erklären. Und da ich die Frage mag, möchte ich euch die Antwort auch nicht vorenthalten. 

Gehirne sind simpel und funktionieren nach dem Lustprinzip. Alles was schnellen Erfolg bringt und gut ist wollen sie nochmal. Je schneller und zuverlässiger das Erfolgserlebnis, desto größer der Drang das Erlebnis zu wiederholen. Diese Mechnaismus findet im sogenannten Nucleus Accumbens, dem Lust- und Belohnungszentrum statt. Dieses Hirnareal möchte zB. gern Schokolade essen, Limo statt Wasser trinken und hat eine Vorliebe für Alkohol und Zigaretten. Letztlich ist es auch der Ort, an dem Drogenkonsum zu Drogensucht wird. Das Prinzip ist immer das selbe: War gut, will ich nochmal! 

Popeln deckt verschiedene wichtige Voraussetzungen ab, der Accumbens fordert: Hohe Erfolgsaussichten, klare Erwartungshaltung und keine Schäden an sich selbst (letzteres ist kein Ausschlusskriterium; siehe Drogen, Alkohol,…). Es ist also einfach so, kleine Kinder popeln ständig weil sie es mögen. Sie erwarten Popel, sie bekommen Popel. Prinzipiell mögen bestimmt auch Erwachsenen- Gehirne Popeln. Gesellschaftliche Konventionen verbieten es Ihnen jedoch diesem Drang in der Öffentlichkeit nachzugehen. 

Alkohol

Mit dem Alkohol ist es komisch. Früher hab ich gut und gern getrunken, am Wochenende versteht sich. Wenn es mir am nächsten Morgen elend ging war das nie cool, aber toleriert habe ich es dennoch. Welchen Gewinn ich vom Alkohol hatte? Keine Ahnung! Genau genommen zeigt die Bilanz hauptsächlich Verluste: Geld, Wohlbefinden und Kontrolle machen sich von dannen während die Seele glaubt sich was gutes zu tun. 

Heute trinke ich fast leinene Alkohol mehr. Gelegentlich ein Bier, wenn ich Appetit drauf habe. Wirklich betrunken war ich seit Jahren nicht mehr. Und je weniger ich trinke, desto weniger verstehen ich warum ich es jeh getan habe. Erst gestern war ich auf einer auf einer Feier, auf der etliche es deutlich krachen ließen. Und dann, wenn man da so nüchtern zwischen sitzt ist es wirklich erschreckend. Während die einen mehr stolpern als gehen und das Klo dekorieren, leisten andere einen seelischen Striptease und kauen mir ein Ohr ab. Früher war alles besser und hoffentlich ist mein Leben gut so, wie es ist. Immer wieder die Geschichten von gesellschaftlichen Zwängen, Unzufriedenheit und Frustration. Ein Elend! 

Ich bin nicht unzufrieden, auch nicht frustriert. Mein Leben läuft in etwa so, wie ich es will. Und wenn es mal Schieglage bekommt, dann korrigiere ich es nach meinen Vorstellungen. Ich Gefälle nur mir, ich genüge mir selbst und verstelle mich nicht. Und vielleicht sind das die Gründe, warum ich es heute nicht vermisse gelegentlich die Kontrolle durch Alkohol abzugeben. Ich lebe in der Wirklichkeit und diese liegt imme an der Oberfläche. Ich verberge nichts und habe somit auch keinen Dang etwas raus zu lassen. 

Letzte Tage

Acht Wochen sind vergangen und die logische Konsequenz von einem erstem Arbeitstag und einen großartigem Praktikum ist nunmal der letzte Tag. Der ist heute. Und wie am ersten Tag bin ich nervös. Letzte Tage sind wie erste Tage. Irgendwie weiß ich nicht was kommt, was ich erwarten soll und am liebsten hätte ich es, er wäre schon vorbei. 

Mein Praktikum war super! Ich habe ganz nebenbei irre viel gelernt und tolle Menschen kennengelernt. Und am aller wichtigsten ist: Ich konnte mich orientieren. Nun weiß ich wo es hingehen soll. Der Drogenhilfebereich hat mich gepackt, ich bin angefixt und kann mir nichts anderes mehr vorstellen. Nun heißt es, das Studium endlich zu beenden und dann meine Fühler auszustrecken, nach einem Job in diesem Bereich. 

Doch nun erstmal auf zum letzten Tag.