Die Büchse der Pandora

Das Ende der Geschichte ist, dass alle vier wieder da sind, spielen und streiten. Na ja, und das mir ein wenig die Beine schmerzen, zum Glück nicht der Kopf. Gestern war Tanznacht in der kleinen Keller-Disco meines Vertrauens und so habe ich getanzt. Die ganze Nacht, bis in den Morgen, glücklich und zufrieden. Eigentlich braucht’s nicht viel mehr um mich sehr glücklich zu machen. Ein paar Menschen die ich mag, gute gute Musik und ein wenig Platz zum bewegen. So in etwa lautet das Rezept, mit dem ich es verlässlich schaffe meinen wirren Kopf und allerlei Problemchen einfach mal auszuschalten. Die Büchse der Pandora, ein paar Studnen lang leben ich mein anderes Leben.

Und eben kamen sie dann alle wieder. Von Oma und Opa und Opa und Oma, voll mit Erlebnissen und tollen Geschichten begrüßten sie sich, als hätten sie sich Monate lang nicht gesehen und begannen sofort zu spielen – als wäre kein Wimpernschlag vergangen. Und wieder bin ich glücklich; sie alle zu haben, das alles zu erleben und irgendwie beides Leben zu dürfen. Mein Leben, ihr Leben und unser Leben.

Mein Dank gilt den Omas und Opas, die uns immer wieder diesen Freiraum schenken, dem lieben Musikmann von gestern Abend, der mich Lied für Lied durch den Abend getragen hat, der lieben Freundin, die Stunde um Stunde mit mir getanzt hat und dem Menne, des mir so lange dabei zugesehen hat.

One night out

Tanzen bis zum Morgengrauen, nette Menschen, gute Musik und der simple Konsens einfach eine gute Zeit haben zu wollen. Das ist in etwas das Erfolgsrezept für eine gelungene Nacht. Gestern war eine dieser Nächte, die es mir erlauben meinen Hörnchen-Trott weitestgehend hinter mir zu lassen und einfach ich zu sein. Himmlisch, und viel zu selten.

Denn was immer mal vergessen wird ist, dass in diesen leicht staubigen Mutti-Hüllen auch immer noch echte Menschen stecken. Menschen, die früher mal Interessen hatten, ein abwechslungsreiches Leben und all sowas. Klingt frustriert? Ist es manchmal auch. Wenn aus einem jungen Menschen ein Mutti wird, gehen viele Dinge verloren. Schlafmangel, ständiges Gebraucht-werden und so manches falsch verstandenes Pflichtbewusstsein schalten häufig das „Ich“ aus und ersetztes es durch ein „Mutti“. Schrecklich, und für niemanden ein Vorteil.

Immer wieder rate ich Müttern im Beratungsgespräch auch an sich zu denken, zufrieden zu sein und sich nicht vollständig dem Kind zu unterwerfen. Um eine gute Mutter sein zu können, muss man zunächst glücklich sein, zufrieden und mit sich selbst sauber. Dann erst stimmt die Grundlage für alle möglichen pädagogischen Ausschweifungen, faires Handeln und gelebte Liebe. Was es braucht um glücklich zu sein, muss jedes Mutti selbst wissen. Manche gehen zum Friseur, andere gehen Shoppen. Ich muss einfach aus dem Haus. Kluge Gespräche und ein schönes Bier, Musik, Menschen und ab und zu eine durchtanzte Nacht. Das ist mein Ausgleichssport; der Stoff aus dem ich meine Energie gewinne, aus dem ich all meine Geduld und meine Ruhe schöpfe.

Hochzeitstag 

Gestern feierten der Menne und ich unseren 14. Hochzeitstag. Vor einigen Tagen schon bekam ich Wind davon, dass der Menne was plant. Kinderfrei, vielleicht essen. Etwa zeitgleich stellte ich fest, dass in einer von mir sehr gemochten Kellerspilunke an diesem Abend eine Wave-Elektroparty stattfinden würde. Innerlich jammerte ich ein wenig, diesem Spektakel nicht beiwohnen zu können. Den Menne aber, der dieser Art Veranstaltung leider gar nicht mag, zu belatschen, den freien Abend in der Spilunke zu verbringen, war keine Option. So schwieg ich. 

Gestern dann erfuhr ich einmal mehr, dass mein Mann wirklich ein Guter ist. Die Kinder wurden abgeholt, wir gingen sehr fein essen. Anschließend trafen wir uns mit meiner Lieblings-Biertrinker-Begleitung um dann, viel später, in die Spilunke zu ziehen. Der Menne ließ einen lauten, vollverqualmten Abend über sich ergehen, ich tanze und lache und trank und freute mich über meinen lieben Gemahl, der einmal mehr so sehr wusste, was ich mag. Danke! 

Wunschbeitrag II

Der zweite Wunschbeitrag gehört ballettlovers. Sie bat mich darum, etwas über Ballett zu schreiben. Was liegt da näher, als etwas über meine eigenen Erfahrungen zu schreiben. 

Ich mache nun seit etwa drei Monaten Ballett und bin überaus erstaunt über meine eigene Inkompetenz. Dieser Sport, den ich persönlich mit Anmut und Grazie verbinde, bringt mich regelmäßig an den Rand der Verzweiflung. Zu einer ausgeprägten Link-Rechts-Schwäche, kommt die totale Unfähigkeit die gesehenen Bewegungen auf meine eigenen Gliedmaßen zu übertragen. 

Einen ganz besonderen Knoten macht immer wieder das ‚ganz einfache!!‘ Pa de bourree‘. Es ist wirklich zum kreischen einfach:  

Und meine Ballettlehrerin verseht es auf ganz und gar einzigartige Weise, mir diese paar Schritte so beizubringen, dass ich danach garantiert gar nichts mehr verstehe. 

Ansonsten bin ich gradezu prädestiniert für diesen grazilen Sport. Bei jeder Aufführung würde ich unweigerlich die Hauptrolle spielen: Drehe ich mich doch konsequent nach links wenn alle anderen nach rechts drehen. Außerdem kann niemand sonst so duchgängig beide Arme in die falsche Richtung halten. 

Nun, ihr seht, Anmut und Grazie sind noch nicht ganz bei mir eingezogen. Nichtsdestotrotz macht es mir einen Riesen Spaß! Und das ist die Hauptsache. 

Stopf-Tanz

Durch die Küche tanzt das C-Hörnchen. Ich habe laute Musik an und sie macht eine Vorführung für mich. Als ein Lied zu Ende ist hällt sie abrupt inne, strahlt mich an und sagt:“Mama! Ich mach StopfTanz!“

Und wenn ich so an diese albernen Discos in Schule und Hort zurück denke- StopfTanz passte da meist ganz gut. Wie sonst sollte man in zwei Stunden Disko Tanz, Cola und 2 kg Chips unter bekommen?

Gut, dass man es heut zu Tage so viel leichter hat. Entweder gehe ich gar nicht erst weg, und wenn, dann spare ich mir Tanz und Essen und trinke einfach so mein Bier. 

Ich konnte das nicht anders

Grad bin ich fast rückwärts in die Badewanne gefallen. Wie das kam? Ganz einfach:

Ich saß gelangweilt auf dem Wannenand und C-Hörnchen duschte sich. Plötzlich flogen die Türen der Dusche auf und das kleine Mädchen brach hinaus. Ich erschrak zu Tode. 

Auf den Fliesen lag nun mein C-Hörnchen. Ich las sie auf und stellte das glitschige Etwas wieder unter das warme Wasser. Dann fragte ich sie, wie denn DAS passieren konnte. C-Hörnchen sagte:“Ich konnte das nicht anders!“,  dachte nicht lang nach und zeigte es mir:

Auf einem Bein stehend hampelte sie freudig in der rutschigen Duschwanne herum und erklärte, sie würde tanzen. Und plötzlich war mir vollkommen klar, wie das passieren konnte.