Von Brüdern und Schwestern

Das D-Hörnchen liegt krank im Bett, bebt vor Kälte und Schüttelfrost. Ich muss schnell runter, seinen Tee und das Fieberthermometer holen. Als ich wieder komme ist das C-Hörnchen unter seine Decke geschlüpft, wärmt ihn mit ihrer Körperwärme und liest ihm vor, so wie Zweitklässler lesen. Er genießt und genest. 39,8 Fieber und die beste Medizin ist seine Schwester.

B-Hörnchen schläft allein bei Oma. Als sie los will, schon mit Hut und Mantel da steht, geht sie zu ihrer Schwester, breitet sie Arme aus und halt sie ganz lange ganz fest. „Tschüss C-Hörnchen!“ presst sie heraus, als würden sie sich wochenlang nicht sehen. Danach geht sie zum D-Hörnchen, verwuschelt ihm liebevoll das Haar und hält auch ihn ganz fest. „Tschüss mein Baby-Vogel“ flüstert sie ihm ins Ohr und geht dann; für ganze 23 Stunden.

Als das A-Hörnchen sich vor der Klassenfahrt von seinen Geschwistern verabschiedet, liegen sich alle vier weinend in den Armen und beteuern ihre Liebe.

Beim Einkaufen mit A- und B-Hörnchen will ich den beiden und mir je einen Kinderriegel kaufen. Für beide ist klar, dass wir den Kleinen dann aber welche mitbringen müssen.

Auf dem Spielplatz sitzt das A-Hörnchen inzwischen bei mir auf der Bank. Plötzlich steht er auf und erklärt ohne Umschweife:“Ich muss mich mal eben um die Mädels kümmern!“ Seine Schwestern wurden auf dem Kletterturm von zwei Jungs genervt. Binnen Sekunden war Big Brother auf dem Turm und wies die Jungs galant verbal in ihre Schranken.

Im Schwimmbad gab es eine Schwimmmatte und eine Gruppe von vier älteren Jungs, die diese über Stunden nicht rausrücken wollten. Dann schloss sich meine Gang zusammen. „B- und C-Hörnchen, ihr taucht ran, das könnt ihr richtig gut. Zieht denen die Beine weg. Ich greiff dann die Matte wenn die überrascht sind und kletter schnell rauf. Ihr kommt dann hoch und wir paddeln schnell weg. Und D-Hörnchen, du schwimmst und die rum und kreischt. Das nervt die dann so, dass die abhauen!“ plante A-Hörnchen und eine Minute später spielten meine Kinder zu viert mit der Matte.

Ich kann es nicht anders sagen, die sind einfach toll. Jeder für sich und alle zusammen!

Telefonitis

Der Tag musste kommen und er kam. Wenn man bedenkt, dass das B-Hörnchen sich noch vor einigen Monaten gar nicht traute zu telefonieren, sollte ich die Ereignisse feiern. Tatsächlich war ich, trotz dessen, dass ich früher nichts besser war, ein kleines bisschen genervt; aber vielleicht gehört das auch dazu. 

B-Hörnchen hat das Telefonieren für sich entdeckt. Lange, oft und viel. Bis 18:00 war Paola bei uns, um 18:30 hingen die beiden wieder am Telefon. Wichtige Dinge waren zu besprechen, zum Beispiel das Treffen für den kommenden Tag. Außerdem flöten sie sich vor. Block gegen Quer. Piep, tröt; klasse! Und dann kam das was kommen musste: Ich musste telefonieren! Ich!! Und dann stand ich da, am Treppenaufgang und quäkte nach oben: „B-Hörnchen! Ich brauche das Telefon!“ Zwei mal, drei mal, fünf mal. Irgendwann dann kam sie angelaufen, ungemein genervt. 

Und dabei leben wir doch heute im totalen Luxus. Telefon-Flat, Handys und theoretisch diverse autonome Telefonnummern. Früher, bei uns zu Hause, da war das anders. Ein Telefon mit Kabel dran im Büro meiner Eltern. Abrechnung pro Minute und nie nie nie war man allein beim Telefonieren. Ein Elend war das! Trotzdem war ich bisher war ich der Überzeugung, dass das alles Humbug ist und die Kinder garantiert keine eigene Telefonnummer oder gar Telefone brauchen. Heute beginne ich zu zweifeln. Wäre das nützlich? Trägt das zum allgemeinen Frieden bei? Und wäre es vielleicht einfach auch nett? Fragen über Fragen..

Anatomie 

Ich liebe den menschlichen Körper und all seine Funktionen. So ist es nicht verwunderlich, dass auch meine Hörnchen recht früh beginnen sich mit dem Wunder der Anatomie auseinanderzusetzen. So entstehen regelmäßig Gesprächskreise, in denen die Organe, ihre Funktionen oder die Knochen besprochen werden. Zuletzt hatte auch das D-Hörnchen ein Buch in der Hand, in dem der Körper erklärt wurde. Wie gebannt ließ der kleine Kerl sich erklären, wie das Essen seinen Weg durch den Körper nimmt und wie es wieder rauskommen. Er war begeistert. Auch die Tatsache, dass im Kopf eine Matsche ist, die denken kann, fand er ganz großartig! 

Heute dann hörte ich Rufe von Klo. Das D-Hörnchen saß dort und sinnierte:“ Mama, in welches Gehirn geht nochmal das Pipi?“ Ich war entzückt! Wie viel er schon verstanden hat! Und wievieles dann eben doch noch nicht. Süß! Später am Abend erfolgte dann noch einen Geschlechtsteil-Untersuchung mit C-Hörnchen. Die quetschte an ihrer Hühnerbrust herum und erklärte, dass da auch schon bald ein Busen wachsen würde. Ihr Bruder griff sich entschlossen an den Bauch und fügte hinzu:“ Wenn ich später ein Mädchen bin, wächst mit da sich ein Busen!“ 

Logik mit drei

D-Hörnchen folgt grad seiner ganz eigenen Logik. Ich bin entzückt! Gestern schauten wir uns ein Pferde-Buch an. Auf einem Bild äppelte das Pferd grad und das Hörnchen auf meinem Schoß fragte, was das Pferd da mache. Ich erklärte, das Pferd macht Aa und das Hörnchen war entsetzt, dass es dafür nicht aufs Klo geht. Also erklärte ich weiter, dass das Aa im Pferdestall immer von den Menschen weg gemacht würde. D-Hörnchen nickte verständig und erkundigte sich ob ich schon einmal Aa von Pferden weg gemacht hätte. Ich verneinte. D-Hörnchen dachte tief und lange nach, schaute immer wieder auf das Buch und fragte dann:“Wann sind wir denn dran mit dem Aa wegmachen?“ 


Für den kleinen Kerl war es offenbar vollkommen logisch, dass es jawohl an der Fürsorge aller Menschen wäre, sich diesem Problem anzunehmen. Logisch! Also, eines Tages kommt die Einberufung vom Equuoalen Verwaltungsamt und da seht dann drin: „Mai 2020; drei Wochen Amerikanische Prärie zum Abäppeln. Die Materialien werden gestellt!“ Ich bin gespannt. 

Weiter im Buch ging es um das Essen der Pferde.


Nachdem D-Hörnchen gesehen hat, dass Pferde Äpen, Karotten und Müsli essen, wurde er abermals sehr nachdenklich. Dann sah er mich an und erklärte mir: „Wenn ich weiter immer das esse, dann werd ich auch bald ein Pferd!“ Denn so muss es sein! Die gewöhnliche Genese der Menschenkinder: Baby, Kleinkind, Pferd, Schulkind,…. Erstaunlich nur, dass ich bei dem zu erwartenden Aufkommen an Pferden in diesem Haus noch nie dran war mit Pferde-Aa wegmachen!

Where the wild Rosés grow 

Auf der Bürgerweide in Bremen wird nun langsam der Freimarkt aufgebaut; das Bremer Equivalent zum Oktoberfest. Gesten war das C-Hörnchen mit ihrer Kindergartengruppen am Aufbauort und hatte mächtig was zu berichten als sie nach Hause kam! 

So erzählte sie freudig, dass sie eine halbe Stunde mit dem Bus gefahren wären. Dann seien sie an den Ort gekommen, an dem der Freimaak wächst. Er sei aber noch sehr klein gewesen; wurde warscheinlich grad erst gepflanzt. C-Hörnchen fand das so sehr logisch. So berichtete sie weiter, dass der Freimarkt dann irgendwann fertig gewachsen sein wird und dann könne man da Karussell fahren. Tja, und am Ende würde  er dann abgeerntet und alles wäre wieder weg. 

Ich liebe diese Magische Phase. Alles hat seine Logik. Und da das Hörnchen im Moment im Garten viel erntet, ist es ihr das sinnvollste der Welt, dass dieses Volksfest ebenso gedeiht. 

Ein Bopfs

D-Hörnchen hat eine neuen Leidenschaft. Er macht Mama einen Bopfs. Das geht wie folgt:

Mama (also ich) sitzt auf einem Küchenstuhl, in aller Regel versuche ich zu essen oder zu trinken. D-Hörnchen schiebt hoch ambitioniert einen Hocker direkt neben meinen Stuhl, klettert umständlich drauf und fragt mich mit strahlenden Augen:“Soll ich dir einen Bopfs machen?“ Nach meiner Einwilligung klettert er mit auf meinen Stuhl, so dass er dann in meinem Rücken steht und ich noch mit Ca. 1/4 Ars** auf dem Stuhl hocke. Dann beginnt das Bopfsen. 

Bopfsen, das bedeutet so viel wie „einen Zopf machen“. Und in Kleinkind’isch übersetzt heißt es: Hinter Mama stehen und wie wild in den Haaren zubbeln. Und dann, nach etwa 38 Sekunden vorsichtig sein, geht es alles mit ihm durch und es tut weh. Sehr. 

Das beste ist, dass wenn ich an der Stelle, wenn er noch auf dem Hocker seht, ’nein‘ sage, passiert eigentlich genau das Gleiche. Er bopfst halt. 

Sisyphus 2.0

Unser Haus hat viele Treppen. 48 Stufen auf drei Treppen um genau zu sein. Und wie das dann so ist, steht meistens an jeder Treppe etwas, das in irgend eine Andere Etage transportiert werden soll. Was runter soll, steht am oberen Treppenabsatz, was rauf soll am unteren. 

Der Menne und ich verstehen dieses komplexe System und nehmen halt mit was mit will. A- und B-Hörnchen ignorieren alles was an den Treppen steht, und steigen zur Not auch drüber. D-Hörnchen muss nix mitnehmen, der braucht seine zwei Hände um selbst heil anzukommen. Und C-Hörnenchen, die hilft wie sie kann!

C-Hörnchen nimmt alles mit, wan an irgendeiner Treppe steht; zur Not sogar das D-Hörnchen. Nur leider ist ihr unser richtungsweisendes Sytem nicht im Geringsten vertraut. So kann man sich im Moment fast sicher sein, dass alles was man irgendwo hin transportiert haben wollte, auf einer der anderen Etagen angekommen wurde, und dort nach Kräften weggeräumt worden ist. Somit erreicht sie durch pures Mithelfen, dass wir nicht nur jeden Gang mehrfach machen, sondern auch noch alles suchen dürfen. Tolles Kind! Und so schön wenn sie freiwillig im Haushalt helfen. 

Peinlich; malwieder

Eben habe ich mich so gefreut! Ein Paket für mich ist angekommen, genau genommen sogar zwei. In einem waren meine höchst-eigenen Ballettschuhe, in dem anderen Klamotten für mich. 

Ich zog die Schuhe an und ging ein paar Schritte durch die Küche. A-Hörnchen schlug die Hände vor’s Gesicht:“Alter Mama! Du bist so peinlich!“ Blauäugig wie ich bin, versuchte ich noch ihm klar zu machen, dass ich sie halt wenigstens anprobieren müsste; das Argument aber fand er albern. Dann kam es noch schlimmer. Ich wollte ein T-Shirt aus Paket 2 anprobieren und wagte es in meinem eigenen Haus, unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit meinen Pulli UND mein T-Shirt auszuziehen. 
„Mama! Geht’s noch?! Man sieht deinen Wabbelbauch und den BH!!!! Allltteer!!“ Ich kam mir vor, als hätte ich mich grad auf dem Marktplatz ausgezogen. Nun ja, nachdem ich ihn rausgeschmissen habe, habe ich in Ruhe noch den Rest der Teile anprobiert. Und danach eine Ansprache über Scham, Respekt, Ethik und Empathie gehalten. Mal sehen, ob es was gebracht hat. Ich hoffe sehr. Aaaalter!!

Haare am Bauch

Eine weitere, großartige Theorie vom C-Hörnchen:

Nach dem Duschen stellt das Hörnchen fest, dass Mama Haare wo hat, wo Hörnchen keine hat. Folgerichtig kombiniert das Hörnchen, dass das so ist, weil Mama erwachsen ist. Weiter stellt sie fest, dass Papa auch erwachsen ist, weil er Haare hat. Außerdem, so erläuterte das Hörnchen, hätte Papa auch die Babys alle im Bauch gehabt, weil er Haare am Bauch hat. Und, das aller wichtigste:

Wenn sie groß ist, würde auch C-Hörnchen Haare am Bauch bekommen, weil sie dann Babys bekommt. Ich denke ja eher, unter Umständen würde das mit den Babys erschwert durch die Haare. Aber wer weiß…