Tag der Arbeit

Der 1. Mai ist der Kampftag des Proletariats, der Tag, an dem Arbeitnehmer für Ihre Rechte kämpfen und auf ihre Situation aufmerksam machen. Während ich in meiner Jugend regelmäßig und immer laut demonstriert habe, ist mir die Sache in den letzten Jahren abhandenkommen. Die großen Gewerkschaften sind nicht meins, das wofür die Kämpfen, vor allem aber die Wege und Mittel, sind der Sache oft unangemessen. Der Fokus auf den Einzelnen und die Nöte der verschiedensten Menschen sind meiner Meinung nach verloren gegangen.

Dennoch machten wir uns heute auf um das Geschehen zu bestaunen. Die Autonomen liegen mit Trommeln und Musik, die Gewerkschaften ebenso – nur ohne Trommeln. Außerdem besuchten wir das ein links-autonomes Strassenfest. Überall begleiteten und Flyer, Transpis und Infostände; ins Besondere beim A-Hörnchen kamen Fragen auf und so sprachen wir. Zunächst über den 1. Mai, über Arbeit, über Identifikation. Wir sprachen über soziale Gerechtigkeit, über Sinn und vor allem Unsinn der Harz IV Reformen. Wir sprachen über Feminismus- und Genderthemen und natürlich über Faschismus und Rassismus. Wir beguckten die Stände der verschiedenen Parteien und Gruppierungen und fanden für jedes der genannten Probleme etwas oder jemanden. Wie ein Flickenteppich standen sie alle da. Mit all ihren Forderungen und Visionen, Mittal ihrer berechtigten Kritik.

Ja, eigentlich wollen sie alle das gleiche; viele zumindest. Menschenwürdig leben, friedlich miteinander. Akzeptanz der eigenen Lebensweise und möglichst viel Selbstbestimmung. Leider geht dies, nämlich die gemeinsamen Themen, viel zu sehr verloren. Ins besondere im Segment der Parteien und Gewerkschaften ist es ein großes „alle gegen alle“, jeder kann alles, vor allem aber besser. Nur eins bringt uns das nicht – weiter! Die Grundlage des Miteinanders ist die Akzeptanz. Gift hingegen sind Fremdbestimmung, Unterdrückung, Diskriminierung und Konkurrenz. Anstatt sich nach wie vor gegenseitig zu beweisen, wir anders man ist, müssen endlich alle zusammen stehen um etwas zu bewegen.

Denn eins steht fest: Das einzige was unter keinen Umständen toleriert werden kann ist die Intoleranz. Mit der ist es am Ende so, dass man sich an ihr die Zähne ausbeißt. Gegen Intoleranz helfen keine Argumente. Intoleranz ist ein Symptom mangelnder Empathie in Verbindung mit Angst. Was neu ist, was man nicht versteht und nicht einschätzen kann, das macht Angst. Also ist die einzige Lösung es schlecht zu finden, böse und gruselig. Das einzige was hier helfen kann ist jeden Tag Vielfältigkeit vorzuleben, überall zu demonstrieren wie divers der Begriff „gut“ ist und dass „anders“ noch lange kein Ausschlußkriterium ist. Ob das dann hilft? Warscheinlich nicht, aber ich stelle es mir angenehmer vor als weiter „alle gegen alle“ zu spielen.

Das Wort zum Sonntag

Im Jahr 313 n. Chr. erließ Kaiser Konstantin die freie Religionsausübung für alle Menschen. Jeder solle die Religion ausüben, die er für sich selbst als richtig oder zutreffend hält. Und obwohl ich mir im allgemeinen nicht viel aus Religion mache, finde ich den uralten Grundegedanken voll gut. Soll doch bitte jeder machen was er will, jeder glauben was er glauben muss und die in Ruhe lassen, die es eben nicht wollen. Heute, läppische 1700 Jahre später, sind wir von diesem Gedanken meilenweit entfernt; trotz im Grundgesetz verankerter Religionsfreiheit.

Kopftuchverbot und Kreuze im Amt, mit Freiheit hat das recht wenig zu tun. Noch immer ist es vielerorts zu kompliziert in den Schulkantinen ein Mittagessen ohne Schweinefleisch anzubieten und wer in Deutschland einen nicht- christlichen aber dennoch religiösen Feiertag celebrieren möchte, muss dies bitte am Wochenende tun; leise. Nein, Religionsfreiheit leben wir hier ganz sicher nicht. Was wir jedoch gern tun ist, so zu tun als ob wir voll von Toleranz wären. So ist der klassisches Kantinendeutsche überhaupt nicht gegen die Ausübung der muslimischen Religion. Wenn es aber in der Kantine eben nur Schweineschnitzel gibt, ist das aber ok weil wir ja auch einfach mal in Deutschland sind. Auch das Gebet ist schon in Ordnung, wenn man es dann nicht sehen muss.

Toleranz und wirklich gelebte Religionsfreiheit ist so einfach und doch unerreichbar. Es bedeutet tatsächlich von Herzen und mit Respekt zu akzeptieren, was der andere glaubt. Auch heimliches lachen oder peinlich berührtes Wegsehen sind ein Element der Nicht-Toleranz. Erst wenn die Konfrontationen mit einer Religion keinerlei paradoxe Reaktion mehr auslösen sind wir bei Toleranz.

Wenn die Rechten immer rechter werden

In Ungarn wurde gewählt, und wieder ist ein rassistischer Idion mehr am Drücker. Die deutschen Medien sprechen nüchtern: „Die AFD jubelt, die SPD zeigt sich entrüstete. Die CDU ist gespalten und rät zur Vorsicht.“ Und im Prinzip ist damit wieder einmal alles gesagt. Die Nazis bejubeln die Nazis, soweit so gut. Die Linke, was also in diesem Fall die SPD darstellten muss, ist entrüstet und tut zunächst mal nichts und die Mitte, hier also die CDU, mahnt zaghaft.

Das Verhältnis von links und rechts, von politisch aktiv oppositionell zu politisch träge, hat sich massiv verschoben. Während die CDU vor wenigen Jahren noch der rechte Innenlappen war, ist sie heute deutlich mittig angesiedelt. Dies liegt jedoch nicht an einer Veränderung der Programme der CDU sondern an dem allgemeinen Rechtsruck. Alles schiebt sich, bei Beibehaltung der alten Phrasen, eine Spur nach links. So erschafft man schleichend Toleranz und sorgt dafür, dass die ursprüngliche Linke am linken Außenrand dümpelt; nicht salonfähig und mit der neuen Rolle scheinbar überfordert.

Die Masse fährt mit, freut sich über die kleinsten Schritte. Wie sehr ein großer Teil schon abgestumpft ist, fällt kaum auf. Rassismus wird geduldet, Wettern gegen Fremde ist inzwischen voll normal. Mehrfach täglich ist man mit Platten und vollkommen unreflektiertem rassistischem Inhalt konfrontiert und das schlimmste: Keinen stört’s! Ein bisschen Jammern, ein bisschen Fürchten, das gehört zum guten Ton. Es ist grauenhaft.

Ich will das nicht mehr. Wo bleibt denn der Linksruck? Wann werden die Reste des Linken Außenlappens wieder wach und beginnen sich der soganennten neuen Mitte entgegenzustellen? Ich für meinen Teil höre nicht auf zu reden. An jeder Supermarktkasse, in der Kita und auch sonst überall. Ich dulde keine Rassismen, und hoffe weiter. Denn wenn auch die letzten Linken anfangen zu schweigen anstatt laut zu sein, dann …

ist bald die CDU links.

Jugendfeindlichkeit

In den letzten Tagen haben wir, dank Ostern viel über Religion gesprochen. Wir versuchen den Kindern ein umfassendes und wertfreies Bild aller Religionen zu vermitteln. So klärten wir hunderttausend Fragen zum Christentum, zu Ostern, zu Weihnachten, zu Karfreitag, zu Allah, zu der Thora und der Bibel und des Korans. Wir sprachen über den Buddhismus über Atheismus und über Schweinefleisch. Über die Kippa und das Kopftuch, über Jesus und Judentum und kamen von Pontius zu Pilatus.

Im laufe des Gespräches erwähnte A-Hörnchen, dass es ja auch Leute gibt, die schlecht über Juden sprechen. Ich schluckte und bejahte. Im Folgenden erklärte ich, dass es sehr dumm wäre schlecht über andere zu sprechen, und das alle Religionen gut und richtig wären und der schlaue Mensch respektiere was andere Menschen glauben usw. Zum Schluß fragte ich ihn, wer denn sowas sagen würde. A-Hörnchen antwortete prompt:“ Viele sagen sowas. Auch Oma. Weil die so viel Schnaps trinken und Müll auf den Boden werfen und laut sind in der Nacht.“

Da hatte mein lieber, kluger Sohn einen mächtigen Knoten im Kopf. Was er meinte waren zweifellos Jugendliche, die in der Tat manchmal doof und nervig sind. Zum Glück meinte er das! Andererseits haben wir somit eine spannende Unterredung in Sachen Toleranz und Fremdenfeindlichkeit gehabt.