Prag IV

Die Rückreise meiner kleinen Auszeit gestaltete sich beschaulich. Dank eines entsetzlich überfüllten tschechischen Zuges landeten wir nach 30 Minuten auf dem Gang, auf dem es kein Vor- und Zurück gab, in der ersten Klasse. Der Schaffner hatte Mitleid und so reisten wir sehr vornehm. Sieben Stunden in Ledersesseln sind zwar immer noch sieben Stunden, jedoch bieten die geräumigen Ledersessel einigen Comfort. Fast wäre die Fahrt vollkommen ereignislos von statten gegangen, wäre nicht in Dresden dieser Vater mit seinen Kindern eingestiegen.

Der Typ hatte offenbar Kohle, er strotzte vor Stress und Männlichkeit, war enorm beschäftigt und bekam bei jeder Ansprache seiner wirklich friedlichen Töchter roten Ausschlag im Gesicht. Als die Schaffnerin ihn darauf hinwies, dass sein Ticket ungültig sei, wurde er so wiederlich unterschwellig aggressiv, dass ich schon dachte deeskalativ tätig werden zu müssen. Beim aussteigen nötigte er seien Töchter, eine enorme Menge Müll auf den vornehmen Sitzen liegen zu lassen; wozu hat man Bodenpersonal. Dem kleineren Mädchen fiel es sichtlich schwer, ihren Saft und die Kekse zurückzulassen…

Wenige Minuten nach dem traurigen Trio stieg ein Pärchen ein und setzte sich auf die freigewordenen Plätze vor uns. Was zunächst unspektakulär aussah, entpuppte sich als Attrakion für wenigstens 15 Minuten. Denn während Partner A schlief, sah Partner B sich amüsiert Pornos an. Wir hatten gute Sicht und brauchten etwas um zu verstehen, dass die eigenartigen Atemgeräusche von dem Schläfer kamen und nicht von dem anderen.

1,5 h vor dem Ziel waren die Gleise kaputt oder blockiert oder schmutzig. Wir standen abermals 25 Minuten und erreichten unseren finalen Anschlusszug in letzter Minute. Der Rest war Business as usual; wir saßen auf dem Gang.

Prag III

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich auf eine Reise vorzubereiten. Man kann Reiseführer lesen, Routen vorbereiten, Preise und Öffnungszeiten recherchieren oder sich mit örtlichen Gegebenheiten vertraut machen. Eine andere Möglichkeit ist es jedoch, das alles nicht zu tun.

So kommt es vor, dass man an Reisetag drei sehr davon überrascht ist, dass genau vor der Haustür der Prag Marathon stattfindet und es in der ganzen Innenstadt von Sportlern und Pressevertretern wimmelt.

Auch die Feststellung, dass genau die Dinge, die man begucken möchte, geschlossen haben, weil sie das Samstags immer haben, ist … denkbar. Ich glaube fest daran, dass der judische Friedhof sehenswert ist, jedoch nicht am Samstag!

Um den Tag nicht zu verschenken, beschlossen wir Metro zu fahren, irgendwo rein, irgendwo raus. Das Viertel, das wir fanden, war toll! Eine Mischung aus Moderne und Plattenbau, echte Tschechen und keine Touristen. Erst viel später, als wir schon lange wieder im Trubel der Innenstadt waren, googelten wir aus Interesse die No-Go Areas von Prag – einen der einschlägigen Stadtteile hatten wir am Morgen ausgiebig bestaunt.

Vorbereitung ist alles, ganz klar. Aber ohne geht es auch – das haben wir bewiesen. Am Nachmittag haben wir noch den Petrin-Hügel besucht, Prag von oben war imposant.

Auf dem Rückweg ließen wir uns treiben, bestaunten allerlei und verfuhren uns am Ende unglaublich mit der Straßenbahn. Für effektiv drei Haltestellen brauchten wir 1,5h und die nette Tschechin, die wir 50m vor dem Ziel nach dem „right train to the Charlsbridge“ fragten konnte bis zuletzt nicht verstehen, wieso wir nicht einfach eben um die Ecke laufen.

Prag II

Wer mit mir reist, der bekommt neben den üblichen Sehenswürdigkeiten immer auch die eine oder andere Toilette zu sehen; wenigstens aber darf er vor selbigen auf mich warten.

Heute besuchten wir die Karlsbrücke, die nur 50m von unserem Hotel entfernt liegt. Anschließend wanderten wir weiter rauf, zur Prager Burg. Unterwegs huldigte ich dem WC von Starbucks sowie einige hundert Meter weiter dem eines kleinen Kaffees.

Die Prager Burg ist beeindruckend; vor allem aber war sie voll. Dennoch schoben wir uns ambitioniert durch die Massen – und ich stand 10 Minuten an der Toilette vor dem Goldenen Gässchen an. Eine echte Attraktion. Zurück gönnten wir uns eine Haltestelle mit der bezaubernden Prager Straßenbahn um uns anschließen zusammen mit etwa 20.000 Menschen zurück über die Karlsbrücke zu quälen.

Den Nachmittag verbrachten wir in der Altstadt. Beeindruckende Fassaden, wunderschöne Bauwerke und die astronomische Uhr bildeten, neben dem sich im Aufbau befindlichen Weihnachts- ääähhh Ostermarkt, die Höhepunkte. Ein absolutes Highlight bildeten eine signierte Setcard von Metallica sowie ein von Depeche Mode signiertes Keyboard im Hard Rock Cafe. Hier gibt es ebenfalls eine empfehlenswert Toilette; Schüssel, Tür, Waschbecken, alles da!

Zum Abschluss des Tages gab es Hot Dog. Nicht lecker aber extrem attraktiv; so fasst es sich am besten zusammen.

Stay tuned!

Prag I

Der erste Tag der großen Reise begann planmäßig. Enorm pünktlich trafen wir uns um 7.15 am Bahnhof um unseren Zug zu erreichen. Die vorgesehene Reiseroute war: Bremen – Hamburg, Hamburg – Prag. Geplante Ankunft: 15.00. Wir waren optimistisch – und müde!

Nach einer knappen Stunde war klar, dass wir den Anschlusszug nicht bekommen werden. Ein Oberleitungsschaden vor Hamburg legte alles lahm. Wir verpassten Zug zwei. Nach einem Besuch am DB Infoschalter stand die neue Route fest: Hamburg – Berlin; Berlin – Prag. Ankunft: 17.30.

Die Etappe von Hamburg nach Berlin reisten wir vornehm im ICE, ganz ohne Aufpreis und auf dem Gang. Nach 1,5 Stunden waren alle unteren Extremitäten eingeschlafen und dennoch freute zumindest ich mich unbändig Berlin zu sehen. Die 49 Minuten Aufenthalt in „meiner“ Stadt waren mir ein Fest!

Knapp erreichten wir das angegebene Gleis in Berlin um feststellen, dass der Zug heute wo anders fährt. Nach einem ordentlichen Sprint kamen wir in letzter Minute am finalen Zug an, wo uns eine entspannte Zugbegleiterin empfing: „Machen se janz in Ruhe!“, sagte sie und drei Minuten später wussten wir warum. „Personen im Tunnel“. Wir hingen abermals fest und hatten so alle Zeit der Welt uns im Fahrradabteil einzurichten; alles andere war voll.

Kurz vor 18.00 betraten wir endlich Prager Boden. Schuld an der Misere wird übrigens meine Unterhose sein. Ich zog sie am Morgen versehentlich auf links an, wusste im selben Moment ist das schlimme Auswirkungen haben sollte und ignorierte es dennoch. Selbst schuld.

Prag ist wunderschön! Unser Hotel ist hochgradig zentral gelegen, die Stadt ist eine Perle und der Aufwand hat sich jetzt schon mehr als gelohnt. Stay tuned!

Wenn einer eine Reise tut

Morgen fahre ich weg; ich wohlgemerkt, nicht wir. Ich fahre über vier Tage mit meiner besten Freundin nach Prag; zwei Tage Prag genau genommen und zwei Tage Reise. Zu der allgemeinen Vorfreude mischt sich die Spannung über die Unterkunft und all das. Prag ist wunderschön, das weiß ich aus zwei Aufenthalten 2002 und 2004. Kaum erwarten kann ich es, sitze auf heißen Kohlen und würde am liebsten sofort losfahren.

Allein was unternehmen, so ganz ohne Bande, ist erstaunlich. Mein inneres Schema F ist hoch-alarmiert. Bloß nichts vergessen, alles gut verstauen und nicht zu viel mitschleppen. Vor großen Aktionen fahre ich innerlich hoch und bin zwar nie ängstlich aber dennoch angespannt. Sechs Personen zu verpacken, an alles zu denken, den Zeitplan in Auge halten und dabei die Bedürfnisse aller im Blick zu halten kann ich – leicht ist es jedoch nicht. Ins besondere wenn es wuselig ist, am Bahnhof, in Innenstädten oder so, ist es nur mit höchster Aufmerksamkeit möglich alles geschmeidig zu halten.

Morgen aber fahre ich nur mit Freundin, auf die muss ich nicht aufpassen. Mein Trecking Rucksack wird und wird nicht voll, obwohl ich so viel einpacke. Viel vergessen kann ich kaum; höchste Priorität haben Schlüpper und das Ladekabel fürs Handy. Und dann geht es morgen los, nur ich und die Beste, ohne viel zu planen und ohne Stress. Ich kann es kaum erwarten!!!