Tam Tam

Am 5. März habe ich keine Zeit, stand plötzlich in meinem Kalender. Rätseln sollte ich nicht. Gestern dann plapperte das A-Hörnchen beinahe irgendwas von Frühstücken und dann doch nicht. Parallel war das beherrschende Thema der letzten Tage meine Enttäuschung darüber, dass so ein Uni-Studium plötzlich zu Ende ist, und ein echter Schlusspunkt ausbleibt. Keine Feierlichkeiten, keine Zeugnisübergabe. Einfach irgendwann ein Brief; lange vorher der Job. Traurig irgendwie, mag ich doch Tam Tam. 

Heute morgen dann zogen wir wirklich los um Frühstücken zu gehen. Ich freute mich auf leckeres Essen und Zeit mit meinen Hörnchen. Alles ging seinen Gang. Im Restaurant angekommen traf mich dann fast der Schlag; äh das Tam Tam. Die komplette Familie erwartete mich. Ich bekam Geschenke und Glückwünsche. Mein Papa hielt eine kleine Ansprache und würdigte die Strapazen der vergangenen Jahre. Und so war er also endlich da, mein Schlusspunkt. Ende. Fertig. 

Danke meinem lieben Mann, der mir so viel Tam Tam gemacht hat. Und Danke meiner lieben Familie, dass ihr alle da wart. Es tat gut einen Punk setzten zu können und sich ein mal sicher zu sein, dass es jetzt alle wissen. 

VPN

Im Oktober 2010 erklärte mir ein Professor an der Uni ausführlich, wozu ich ein VPN brauchte und wie ich es mir einrichten könnte. VPN, das seht für ??? und bewirkt, dass man wegen irgendwas ganz einfach auf Daten von der Unibibliothek zugreifen kann, oder so. All die Jahre fand ich immer wieder Wege mit Mittel dieses Dings zu umgehen. Meistens fanden sich Kommilitonen die das Benötigte schon auf dem Rechner hatten und alles war gut. 

Nun steht meine aller aller letzte Uni-Klausur an. Um mich auf diese vorzubereiten brauche ich viel Literatur. Ganz viel! Wieder fehlte das der dieses VPN, wieder sprangen Kommilitonen ein. Am Ende fehlte ein einzelner Artikel von vier Seiten Länge. In der Bibliothek verwies man mich an VPN, der Verlag verwies mich auf die Möglichkeit 58€ zu zahlen. Verdammt! 

Ich versuchte es ernsthaft. Vom Mac, vom Handy, vom IPad. Nichts zu machen, ich weiß nicht was klemmte, aber es klemmte enorm. Kein VPN, kein Artikel. Kann denn das sein? Am Abend setzte sich der Menne an seinen Rechner. Binnen 15 Minuten hatte ich meinen Artikel. Klasse! Und dafur habe ich jetzt 6,5 Jahre studiert. Damit mein Mann nun endlich kapiert, dass ER das machen muss. 

Stopp, schwere Not!

Das Prüfungsamt hat heute einen Anschlag auf mein Leben verübt. Ich lag gerade auf der Liege der Betriebsärztin meines neuen Arbeitgebers und bekam den einen oder andern Liter Blut abgenommen. Da ich bis spätestens heute die Nachricht vom Amt erwartete, zu wann meine Abschlussarbeit nun genehmigt werden würde, und bisher nicht gehört hatte, hatte ich heute morgen eine E-Mail an meinen Sachbearbeiter geschrieben um Klarheit zu bekommen. Die Antwort kam und war erschütternd! 

Ich wäre noch gar nicht zulassungsfähig. Mit würden noch vier Module, das seien zwei Semester, fehlen! Ich wiedersprach deutlich aber es half nichts. Keine Prüfungen aus den betreffenden Semestern im System; ich war geliefert. 

Nachdem die Nadel mich verlassen hatte, verließ ich die Praxis. Schwankend und mit rasendem Herz. Schnell nach Hause, schnell an den Rechner und schnell nachsehen was da los ist. Ich starb innerlich langsam und qualvoll! Zu Hause angekommen bestätigte sich, was ich eigentlich eh sicher wusste: Ich habe alle Prüfungen abgelegt und bestanden. Leider sah der Mann vom Amt das nach wie vor anders. Mein Hirn lief auf Hochtouren. Wie soll das mit dem Job gehen, was heißt das jetzt. Muss ich das wirklich alles nochmal machen? Kann das wirklich passiert sein? 

Dann das große Hopsalla: Der Mann vom Amt schreibt mir die nüchternen Worte: „Wir hatten ihre Leistungen im Sysem falsch abgelegt. Ihr Antrag wird nun bearbeitet.“ Ich glaube dem Menschen dort im Amt war nicht bewusst, dass er mich um ein Haar getötet hätte. Auch nicht, dass ich um ein Haar meinen brandneuen Job abgesagt hätte und nach Kurdistan ausgewandert wäre. Nix weiß der. Nichtmal entschuldigt hat er sich. Hässlich!

Übernommen?

Plötzlich weiß ich nicht ob ich mich vielleicht dieses Mal doch übernommen habe. Das letzte Semester hat es in sich. Ich hatte es unterschätzt, in etwa 100% seiner Inhalte. Und da ich dachte es wäre alles so locker hatte ich mir locker lustig die Bachelorarbeit gleich mit in dieses Semester gelegt. Und dann ist da noch dieser Nebenjob. Alles allein gut zu schaffen, aber im Quartett mit dem Quartett hier zu Hause…

Nach gründlicher Analyse meiner Situation habe ich beschlossen in den kommenden Monaten ein wenig die Arschbacken zusammenzukneifen. Jedes einzelne Element lässt sich nicht wirklich entschärfen und so bleibt mir nur eins: Augen zu und durch. Und sollte dieser Trip im psychischen  Waldbrand enden, kenne ich ja eine ganze Kohorte von fast-Psychologen, die mich wieder auf die Beine stellen kann. 

Ich bin nicht gut in langsam, und noch viel weniger darin einfach ein bisschen weniger zu machen. Und so passiert es, während ich  meinem Umfeld predige es langsam angehen zu lassen und an aller erster Stelle auf sich selbst zu achten, dass ich mich doch etwas in meinem Wust verzettel. Und trotzdem freue ich mich schon heute auf den Tag im März oder April 2017, an dem all das hinter mir liegen wird und ich diesen blöden Zettel bekomme, auf dem steht, dass ich es geschafft habe. 

Endspurt 

Morgen beginnt mein letztes Semester an der Uni. Und was eigentlich Grund zur Freude biete sollte, weckt in mir nur Unmut. Ich mag nicht mehr zur Uni. Ich habe keine Lust mehr auf Studenten und Vorlesungen und Gruppenarbeit. Ich will meine Ruhe… Die Luft ist raus, ich habe fertig!

Zu Anfang machte mir das alles Spaß. Ich traf junge Studenten und knüpfte Kontakte. Dann kam die erste Elternzeit, meine Kommilitonen studierten weiter und ich bekam das C-Hörnchen. Nach einem Jahr ging ich wieder an die Uni; ich knüpfte neue Kontakte und es kostete mich erneut einige Mühe mich in die bestehende Gruppe zu integrieren. Es folgte die nächste Elternzeit. Auch diese Kommilitonen sind inzwischen längst fertig mit ihrem Studium und ich muss wieder an die Uni. 

Ich weiß genau was vor mir liegt. 180 Studenten, grosse Sääle, Gruppenarbeiten, Hausarbeiten,… Um das gemeinsame KlimBim werde ich nicht drunrum kommen. Also heißt es ab heute wieder: Kontakte knüpfen, das Gefüge verstehen und loslegen. Ein letztes Mal, um diesen Abschnitt dann in drei Monaten endlich hinter mir zulassen. Uff…

Zum letzten Mal

Zeit für ein wenig Sentimantalität. Ich habe eben mein letztes Semesterticket geklebt. Semestertickets sind Fahrkarten der Uni, mit denen man unglaublich billig unglaublich viel Bus, Bahn und Zug fahren kann. Seit Oktober 2010 habe ich dieses Prachtstück besessen und es mal mehr und mal weniger benutzt. Vollkommen konsequent hingegen habe ich vergessen es jeweils am Stichtag 1.10. und 1.4. zu erneuern. Hierdurch wurde es an genannten Stichtag jedesmal ungültig, was mir konsequent und regelmäßig erst bei der ersten Kontrolle nach dem Stichtag auffiel. 

In diesem Monat habe ich es zum 1. Mal rechtzeitig geschafft. Zum letzten Mal. Und außerdem habe ich endlich das nicht ganz unkomplizierte Prozedere des umklebens verstanden, das aus meinen einfachen Semesterunterlagen jedes Mal einSemesterticket  zaubert. Eine Art Origami für angehende Akademiker. Wer das nicht schafft, der hat es nicht verdient. Es erleichtert mich also durchaus, dass ich es dieses Mal, im 12. Durchgang endlich hinbekommen habe. Ganz genau rechtzeitig eben. 

Blan P. 

Das wäre geschafft. 34 Seiten ist meine Abschlussarbeit nun lang und wesentlich mehr wird es nicht mehr werden. Heute habe ich das primäre Schreiben für beendet erklärt und komme zu einer positiven Bilanz. Ich habe, heute eingeschlossen, genau 15 Tage an der Arbeit gearbeitet, Erhebungen im Feld eingeschlossen. Das ging fix. Viel fixer als erwartet. Erstaunlich. Entweder ist Bachelorarbeit wirklich erschreckend einfach oder ich bin, und das ist wahrscheinlicher, einfach erstaunlich gut. 

Um es gesagt zu haben, ich weiß, dass nach diesem Tag noch viel Arbeit wartet, und dass ich noch lange nicht fertig bin. Aber es fühlt sich gut an sozusagen einen Plan B zu haben. Wenn ab heute bis März 2017 immer alle krank sind und ich nichts mehr schaffe zu schreiben, dann kann ich sie so abgeben. Klasse Plan B. In diesem Falle aber eher ein Blan P, den for lauder rechtsschreipveler ist si kaum leesba. Aba gut ist si trozdem. 

In großen Schritten voran

Bachelor of Sciences ist zwar ein dämlicher und liebloser Abschluss, jedoch macht es wenigstens Spaß eine Bachelorarbeit zu schreiben. Nachdem meine Interviews zum Thema Drogenkonsumräume binnen 14 Tagen erfolgreich abgeschlossen waren, hat es mich nun etwa 2,34 Tage gekostet die Daten auszuwerten. Ich bin vollkommen aus dem Häuschen-diese blöde Sisyphusarbeit macht sogar Spaß! 

Eben dann das nächste Highlight! Eine Mail vom Professor. Und wo so mancher voller Erfurcht schaudert, weil der hohe Herr sich bemüht, freue ich mich einfach über den bodenständigen Herren, der mir frische Urlaubsgrüsse aus dem Big Apple sendet. „Leider sei er vollauf mit seiner Erholung beschäftigt, würde sich aber Ende September gern melden.“ Wunderbar. Und so erkläre ich dem A-Hörnchen nun warum es ein außerordentlicher Grund zur Freude ist, wenn der Professor nett ist und aale mich in meinem Erfolg. 20 Seiten ist sie jetzt lang, und am Freitag macht sie einen Ausflug nach New York. 

Aller Anfang ist …

Mein erster Tag als Praktikantin liegt hinter mir. Heute morgen bin ich vor Aufregung fast gestorben, tausend Fragen wären in meinem Kopf und nun 

pfffffff….

ist mein Kopf voll mit Input und ich bin alle. 

Ich hasse erste Tage. Jedes Mal wieder bin ich unfassbar nervös und kann nicht aufhören, mir jedes erdenkliche Drama gründlich auszumalen. Ganz enorm kreativ kann ich in diesem Prozess werden, und wenn ich dann endlich ankomme und der erste Tag beginnt, kann mich zwar nichts mehr ernsthaft schocken, jedoch bin ich auch allein durch die Anspannung vollkommen in Eimer. 

Na ja, Mittwoch wird alles besser. Denn das wichtigste an ersten Tagen ist, dass es sie nur einmal gibt.