Hin und wieder zurück

Der Urlaub führte uns zum Herkules in Kassel. Eine beeindruckende Anlage mit vielen vielen Stufen und jeder Menge Regen. Voller Motivation begannen wir das Monument zu begutachten, bestaunten jeden Winkel und glaubten nicht was wir sahen. Ich war aufrichtig und ehrlich beeindruckt, und die Hörnchen waren es auch. Wir starteten oben und wollten es zumindest bis zur Teufelsbrücke, unten in der Parkanlage schaffen. Nach 45 Minuten waren wir noch nicht unten und das D-Hörnchen fragte zum ersten Mal, wann wir wieder undrehen würden. „Bald“ sagte ich und er war zufrieden.

Viel später hatten wir alles wesentliche bestaunt und die wunderschöne Brücke gefunden. Es regnete immer noch, ein kalter Wind wehte. Als wir aufbrachten war der kleiner Kerl eigentlich schon im Eimer. Der Aufstieg begann. Stufe für Stufe schleppte er seinen kleinen Körper die 150 Höhenmeter hinauf. Ich trug ihn mit warmen Worten, auch das C-Hörnchen feuerte ihn mächtig an. Nach 2/3 wurde der Regel beißend kalt und immer stärker. Die pure Verzweiflung stand dem kleinen Jungen nach 539 Stufen ins Gesicht geschrieben. Er kämpfte, ich kämpfe mit ihm. Am Ende waren es 781 Stufen runter und 781 Stufen rauf, die er mit seinen 60 vom Stummelbeinchen erklommen hatte – in einer klatschnassen, vollgesogenen Schneehose, wie wir am Auto feststellten.

Hier ein paar Eindrücke vom Herkules:

Off-line

Unser Urlaubsort liegt dieses Jahr im niergendwo. Im Umkreis von 3 km nur Wald, Felder und Schafe, es ist wirklich beschaulich. In der Beschreibung der Ferienwohnung stand: W-LAN und warscheinlich hätten wir es auch ohne genommen. Wie dem auch sei, das mobile Netz ist nicht zu gebrauchen, und das was man hier draußen W-LAN nennt, ist allenfalls ein gelegentlicher Anflug einer Spur Netz. Wir sind offline.

Und wie das so ist, bemerkt man erst wenn etwas mal weg ist, wie sehr man es mag. Ob die Bergbahn morgen geöffnet ist kann ich nicht herausfinden. Auch nicht wie man dahin käme. Google Maps; haha. Die Öffnungszeiten des Supermarktes an Silvester hätte man vor Ort herausfinden müssen, aber wer denkt denn an sowas. Auch das Fernsehprogramm bleibt ein Mysterium, ebenso wie das Wetter. Dass auch WhatsApp, Twitter und Facebook schweigen, muss ich nicht erwähnen. Na ja, gestern bekam ich eine E-Mail – Spam.

Trotzdem wissen wir uns zu helfen. Anstatt fernzusehen, spielen wir Spiele. Wir lesen Straßenkarten und sind eben spontan – alles easy. Und im herauszufinden wie das Wetter so ist, gucken wir die Schafe gegenüber an. Heute waren sie nass und gerade und standen nah beieinander. Es regnet, ist windstill und offenbar kalt. Nur ob es geschneit hat, ließ sich schlecht ermitteln; weiße Schafe und so.

…Gepostet vom Starbucks…

Noch 69 Tage

Wieder einmal flogen zwei Wochen Ferien schnelller dahin als wir gucken konnten, wieder mal war es viel zu kurz und wie immer könnten wir alle noch viel viel mehr. Ganze Tage im Schlafanzug, ganz viel Zeit zum Spielen, essen wenn man Hunger hat und schlafen wenn man müde ist. Immer wieder stelle ich fest, wie gut wir waren, wenn wir uns nicht in dieses eigenartige System aus Zeiten, Pflichten und Anforderungen pressen müssten. So entspannt wie in den Ferien ist es sonst nicht.

Nun sind sie alle in den Betten, (na ja, A-und C- Hörnchen liegen bei B-Hörnchen auf dem Fußboden..) und können nicht schlafen. Morgen früh wird der Wecker um 6.33 das A-Hörnchen an den Rand der Verzweiflung treiben, mich noch weit davor. Um Punkt sieben werden wir alle entnervt, übermüdet und mieslaunig am Frühstückstisch sitzen und uns gegenseitig anpampen. Und morgen Abend geht es dann früh ins Bett; mitten am Tag, nur damit man am kommenden Morgen wieder viel zu früh aufstehen kann. Und in 69 Tagen sind dann wieder Ferien…

Vielleicht wäre Aussteigen doch eine Lösung. Leben auf Bali am Strand, nach dem eigenen Rhythmus, nach unseren Bedürfnissen und ohne Dogma.

Ehrliche Worte

Gesten schüttete ich an dieser Stelle mein Innenleben aus, machte meiner Überforderung Luft. Einige von euch schnekten mir Mitgefühl, andere boten Hilfe an. Dafür bin ich dankbar. Der Grund mich derart offen darzulegen ist jedoch nicht der, dass ich Mitleid oder so möchte. Viel mehr fände ich es schwer sinnvoll wenn viel mehr von uns gelegentlich zugeben würden, dass sie an ihre Grenzen gestoßen sind.

Wir leben in einer schnellen, perfektionieren und effizienten Gesellschaft. Erfolg, Prestige und all das gehörten dazu, und selbst die Bescheidensten unter uns schwimmen irgendwie mit dem Strom und tragen das System. Denn eines ist in unserem Leben nicht erlaubt: Kaputt sein! 40 Stunden die Woche zu arbeiten ist nix und im Zeitalter von Waschmaschine und Trockner ist es jawohl keine Zumutung ein bisschen zu arbeiten – auch als Frau. Die Anzahl der Stunden, die man im Büro zugebracht hat, gelten vielerorts als Ausdruck von Erfolg und wahre Härte zeigt sich im Auslassen der Mittagspause. So ein Blödsinn, sage ich heute, nachdem ich erst gestern wieder einmal eingeklappt bin.

Immer mal wieder sollte man darauf hinweisen, dass das Leben kein Wettbewerb ist. Das Erreichen von möglichen Zielen sollte sich dringend auf persönliche Ziele und Wünsche beschränken und nicht darauf möglichst oft Mitarbeiter des Monats zu werden. Wir haben ein einziges Leben von vielleicht 80 Jahren. In diesem einen Leben haben wir abermillionen Möglichkeiten glücklich oder unglücklich zu werden. Ist das nicht eine Chance, die man nutzen sollte? Ich kann mir vorstellen, dass es wesentlich einfacher wäre schwach zu sein, wenn auch andere mal schwächeln. Anstatt Durchhalteparolen zu heucheln, könnten wir uns zum Break motivieren. Liegen lassen was nicht geht, ausruhen wenn nötig und Überforderung unbedingt benennen. Wenn alle um einen herum Superhelden sind, ist es so verdammt schwer zuzugeben, dass man nicht fliegen kann. Also bitte, Capes wegwerfen, Panzer ablegen und alle zusammen verkacken. Danach geht es einem gleich viel besser.

Der Aufstieg und Fall…

„Vier Kinder, Haushalt und dann noch arbeiten, toll wie du das alles schaffst!“

Ich weiß nicht wie oft ich dieses Satz schon gehört habe, hunderte Male bestimmt, vielleicht mehr. Der Grund ist banal: Offenbar bin ich enorm gut darin, es aussehen zu lassen als würde ich alles gut schaffen. In Wahrheit gibt es verschiedenste Phasen und ich durchlaufe sie zyklisch.

Phase eins: Alles ist gut.

Ich arbeite ein wenig nebenher, so 20h die Woche schaffe ich gut. Im Haushalt hilft mir eine Putzhilfe, die Kinder machen wenig Ärger, wenn aber doch etwas anfällt, habe ich Zeit um aufkommende Probleme aufzufangen und alles zu lösen. Ich bin zufrieden und habe alles unter Kontrolle.

Phase zwei: Ein bisschen geht noch

Ich entlasse die Putzhilfe weil ich mir komisch dabei vorkomme gelegentlich nichts zu tun zu haben. Selber putzen ist cool, ich mache das gern. Ich hab ja schließlich alles unter Kontrolle und was macht schon ein bisschen Haushalt. Easy

Phase drei: Noch ein bisschen

Ich bin nach wie vor nicht überlastet und komme so auf die gute Idee auf der Arbeit Stunden aufzustocken. Ein paar mehr, vielleicht 5 oder sieben. Ich gelobe wie sehr ich meinen Job liebe und wie gut es mir tut etwas eigenes zu haben.

Phase vier: Auslastung

Ich bin bis zum Ärgsten ausgelastet. Das System läuft. Wie ein Uhrwerk balanciere ich 28,5 Wochenstunden, Überstunden, Haushalt und all das große drumherum. Ich verfalle in den Zombie-Modus, funktioniere unter Hochdruck und lächle diverse Probleme geschickt weg. Nach außen habe ich alles unter Kontrolle, innen beginne ich schlecht zu schlafen, höre auf zu essen und bekomme Magenschmerzen.

Phase fünf: Ende

Der Heldenmodus ist nicht mehr aufrechtzuerhalten, ich knicke ein. Diese Phase dauert zwischen drei Stunden und mehreren Wochen. Ich verliere den Überblick, habe allen Fraktionen gegenuber ein schlechtes Gewissen. Die Kinder kommen zu kurz, der Job auch. Das Haus verdreckt und ich kacke körperlich ab. Geht es dann aufs Finale zu, bin ich ein weineneder Haufen Fleisch, der gerettet werden muss.

Heute ist Ende 5. Ich habe in den vergangenen Monaten einige Stunden für eine Kollegin in Elternzeit übernommen, nebenher geht es in der A-Hörnchen Schule heiss her. Energie leer, bitte um Rettung. Und nein, ich schaffe das nicht alles; zumindest nicht lange.

Der Himmel klärt sich

Am zweiten Morgen ohne meiner Kinder ist es nach wie vor eigenartig. Per WhatsApp bin ich gut darüber informiert, dass es allen vier Knipsen hervorragend geht. Auch die Omas und Opas haben viel Spaß; hier liegt das Problem also nicht begraben. Nein, es sind viel mehr andere Kleinigkeiten die mich nach und nach verwirren. Mein Waschbecken ist eigenartig sauber. Da ich immer nach den Kindern ins Bad gehe, benutze ich konsequent ein eingespucktes, gesprenkelt das Waschbecken. Heute ist es sauber! Auch die Toiletten sehen, ohne tägliche Reinigung, erstaunlich gut in Takt aus. Mir wird bewusst was ich sonst so alles mache. Mein Küchenfußboden knirscht, obwohl er seit Sonntag Mittag nicht gesaugt wurde, kein kleines bisschen. Man kann einfach so, barfuß über ihn hinweg laufen und es ist nicht ekelhaft! Ich weiß nicht, ob irgend jemand versteht wie erstaunt ich das für mich ist.

Eine weitere spannende Erkenntnis ist, dass ich endlich verstanden habe in welchen Momenten Menschen Zeitungen lesen. Morgens, beim Frühstück. Der Kaffee noch zu warm, das Müsli noch nicht weit genug eingeweicht und so sitze ich da, und habe eigentlich überhaupt gar keine Lust schon wieder bei Facebook zu gucken, ob irgend jemand etwas gepostet hat, dass mich in Wirklichkeit gar nicht interessiert. Eine Zeitung! Das wäre der Moment. Ich könnte hier sitzen, auf das Abkühlen und Einweichen meines Frühstückswarten, und ganz genüsslich Artikel für Artikel eine Zeitung lesen. Es würde herrlich rascheln und meine Hände hätten danach dieses ganz besondere Zeitung-Gefühl. Ach, eine Zeitung! Das wäre jetzt ganz zauberhaft.

Ansonsten stelle ich mit Erschrecken fest, dass es immer noch drei Tage sind, bevor meine Hörnchen zu mir zurückkommen. Und ein ganz kleines bisschen zugegeben stelle ich auch fest, dass ich es durch aus genießen kann. Auf also in einen neuen Tag, an dem ich nicht viel zu erledigen habe und vollkommen selbstbestimmt nach der Arbeit direkt wieder ins Bett gehen kann; mit Schokolade und Chips! Und Red Bull, das habe ich mir nämlich gestern extra gekauft.

Allein allein

In diesem Jahr ist alles neu: Alle vier Kinder werden eine Woche mit Omas und Opas wegfahren; und wir nicht. Wir werden arbeiten und danach sehr viel allein sein. Nun freut es offenbar jeden Hans und Franz. Jeder hat eine gute Idee und verweist auf all die Dinge, die wird doch ganz sicher in den vergangenen Jahren immer mal gern gemacht hätten.

Die dramatische Wahrheit ist, es gibt keine Sachen die ich in den vergangenen elf Jahren gern mal gemacht hätte. Naja, schlafen! Das wäre schon wirklich super. Ich könnte ohne Probleme sehr lange und sehr viel schlafen – nur leider werde ich ja trotz alledem arbeiten müssen, und somit keine Stunde mehr schlafen als sonst. Ansonsten will mir, und das ist durchaus von zwei Blickwinkeln zu betrachten, einfach nichts einfallen was wir unbedingt mal wieder machen müssten. Essen gehen mit Freunden, ja gut das werden wir tun. Kino? Nein danke, ist mir viel zu teuer und viel zu selten gut. Auch jeden Abend in die Kneipe gehen fällt definitiv aus – arbeiten gehen! Lustige Events wie Sauna, Massagen oder Wellness reizen mich ungefähr so sehr wie eine Darmspiegelung. Nein, ich bin wirklich durchaus zufrieden mit dem was ich habe und habe überhaupt keinen Bedarf an irgendetwas.

Tatsächlich ist das ja nicht nur schlecht. Natürlich ist es etwas schade, dass der Menne und ich eine offene Wunschliste von in etwa null haben, jedoch spricht es auch dafür, dass unsere Bedürfnisse im Alltag offenbar durchaus gestillt werden. Möchte ich ausgehen, gehe ich aus. Möchte ich mich verabreden, verabrede ich mich und möchten wir gemeinsam etwas unternehmen, dann rufen wir uns eine Oma ins Haus und Unternehmen gemeinsam etwas. Hinzukommt, dass ich einfach gern Zeit mit meiner Meute verbringen und ich viele Dinge, die mir Spaß machen, auch mit meinen Kindern gemeinsam machen kann. Nichts desto trotz wünsche ich meinen Mäusen einen wunderschönen Urlaub und eine tolle Zeit mit Oma und Opa. Ich gönne allen diese Woche und bin ganz sicher, dass es großartig werden wird. Außer vielleicht für mich, denn ich werde fürchterliche Entzugserscheinungen haben und mich vielleicht am Ende dann doch jeden Abend betrinken müssen…

Urlaub…!

Der Jobwechsel bringt es mit sich, dass ich Urlaub habe. Ich, nur ich allein. Der Menne arbeitet, die Kinder haben Schule und ich eben Urlaub. Seit einer Woche jetzt, und noch für weitere 15 Tage. Ich, Urlaub, allein. Es ist herrlich, ein Traum! Morgens um kurz nach sechs stehe ich auf, mit dem Kindern. Um acht ist alles geschafft; vier weg. Ja, und dann beginnt mein Tag. Jeder Tag ist jetzt mein Tag!

Nun ja, was soll ich sagen?! Die Küche ist dann sauber. Der Kühlschrank ausgewischt, die Schrankfronten poliert. Alle Regale drei mal bei sortiert und ausgewischt. Das Bad erstrahlt und auch die Wäsche ist gemacht; was heißt gemacht. Gestern ertappte ich mich dabei, wie ich rastlos durch’s Haus lief und einzelne Kleindungsstücke aus Legokisten sammelte. Irgendwie muss doch eine weitere Waschmaschine voll zu bekommen sein. Elend.

Mein Fahrrad war bei der Reparatur, ich kaufe täglich ein und allgemein ist alles erledigt. Alle Bücher gelesen, Facebook leer geguckt und auch Twitter hat man irgendwann durch. Ein Traum(a). Und zu meinem großen Glück habe ich noch 15 weitere Tage Urlaub. Urlaub, nur ich allein. Was habe ich es doch gut!

Urlaubsplanung

Nach drei Jahren „Wangerooge“ haben wir Fernweh. Fliegen! das wäre was. Und ich persönlich wünsche mir Urlaub im Warmen. Und so ist die ganze Familie am planen. Möglichkeiten, Finanzieller Rahmen und Zeitfenster werden gegeneinander abgewogen und wild korreliert und gestern haben dann die Hörnchen eins ihrer konspirativen Treffen abgehalten. Streng geheim versteht sich; Eltern unerwünscht. Und so klingt das dann, wenn vier kluge Kinder den nächsten Urlaub planen:

C-Hörnchen: „Wir wollen nach Römerland! Da ist es warm, man kann fliegen und es gibt ganz viele alte Häuser zum angucken, die noch nicht ganz kaputt sind.“ A-Hörnchen ergänzte weiter: „Rom meint sie. Rom wäre gut, besser aber irgendwo auf halbem Weg nach Pompeii.  Da wäre dann auch gleich der Vesuv und man kann die phlegräischen Felder sehen.“ Der Rest war schnell gegoogelt. Neapel wird für schlankes Geld aus unserer Heimatstadt angeflogen. Mit Mietwagen ist sowohl Rom als auch Pompeii gut zu erreichen und auch das Meer wäre in realistischer Entfernung. So einfach kann Urlaubsplanung sein. Wieso habe ich eigentlich geh angefangen zu denken? Können doch die Kinder für mich machen!