#blacklivesmatter

„Was machst du da, Mama?“ fragt vorhin ein vergnügtes C-Hörnchen. Ich saß am Küchentisch und zeichnete auf schwarze Pappe große Buchstaben.

BLACK LIVES MATTER

C-Hörnchen half mir auszuschneiden und wie klebten die Worte ins Küchenfenster.

Warum mache ich das? Irgendwie um kindgerechte Aufmachung bemüht, erklärte ich C- und D-Hörnchen das, was da in Amerika passiert ist – und immer wieder passiert.

Ein Mensch ist umgebracht worden, weil er schwarz ist.

Die Wahrheit ist so absurd, wie sie alltäglich ist. Menschen werden erschossen weil sie joggen, weil Fenster geöffnet sind oder weil sie im Auto nach ihren Papieren greifen. Sie werden getötet weil sie anderen helfen, weil sie leben, existieren, atmen. Menschen werden getötet, weil andere Menschen Rassisten sind, weil sie sich selbst privilegieren, sich als was besseres sehen, als weiß eben. Klingt scheiße? Ist aber so!!

„Aber hier gibt’s das nicht!“ protestierte das D-Hörnchen und führte seinen Freund Simon an, der auch schwarz ist und dessen Mama das auch ist und der Papa auch. „Die werden hier nicht geschlachtet!!“ schrie er mich an und traf den Nagel traurig gut auf den Kopf.

Recht hat er wohl. Hier wird keiner ungebracht, zumindest ist das sehr selten. Dennoch ist Alltagsrassismus auch hier bei uns allgegenwärtig. Er beginnt im Kopf eines jeden, führt sich beim einkaufen, spazieren gehen, arbeiten, tanzen, leben und sterben fort. „Ich bin ja kein Rassist, aber…“ ist nur ein banales Beispiel und durch mein privilegiertes weiß-sein kann ich weitere Beispiele nur aus dem Erleben anderer wiedergeben.

Ich werde nie im Supermarkt unbeholfen in leichter Sprache gefragt, ob ich deutsch spreche, ich wurde, obwohl ich täglich am Hauptbahnhof rumrenne, noch nie von der Polizei kontrolliert. Keiner fragt mich verlegen „wo ich denn in Wirklichkeit herkomme“ und wenn ich etwas gebraucht verkaufen will, zweifelt keiner an, ob ich sorgsam im Umgang war. Meine Nachbarn betiteln meinen Garten zwar ggf. als chaotisch, fügen jedoch nicht die „Ungeübtheit mit der Zivilisation“ als absolut abartigen Grund mit an. Ich kann mich frei bewegen, überall. Ich kenne keine Diskriminierung. Und obwohl ich in mitten einer bunten Großstadt aufgewachsen bin, politisch engagiert und all das, bin ich noch heute seltsam überrascht wenn ich sozusagen „in echt“ von Rassismus im Leben meiner Lieben hört. Gibt es das also echt in echt? Ja – überall!

Um Rassismus loszuwerden, muss er zunächst enttarnt werden. Dann angeprangert und dann muss, Zug um Zug, gegen ihn gekämpft werden. Schreit laut, mischt euch ein und most of all: reflektiert euch selbst! Wir sind alle aus dem selben Holz geschnitzt, alle aus dem selben Ei. Und es ist unser aller aller Pflicht, gegen diesen Wahnsinn aufzustehen, laut zu sein und Schulter an Schulter zubkämpfen! Jeden Tag, in Supermarkt, in der Bahn und abends auf dem Sofa.

Der Kampf gegen die Drogen

Aktuell ist es Donald Trump, der sich dem Kampf gegen Drogen verschrieben hat und mit dramatischen Schlagzeilen von sich reden macht. Mehr Härte, sogar die Todesstrafe fordert er. Natürlich soll auch die Mauer nach Mexiko nicht vergessen werden, denn da kommen die Drogen ja schließlich her. Und dann Herr Trump? Was passiert dann?

Was ganz deutlich wird ist, dass weder Trump noch andere Politiker sich jemals ernsthaft mit der Problematik harter Drogen auseinandergesetzt haben. Denn hätten die dies, würde sie selbst erkennen, wie sinnlos all die Härte ist.

Das Hätteste an der Droge ist die Sucht. Nach einer Substanz süchtig zu sein, heißt für den Betroffenen in erster Linie beschaffen zu müssen; immer! Härtere Strafen und mehr Überwachungssysteme triggern nur eins: Das Katz und Maus spiel und dadurch das Leid der Betroffenen. Denn wer süchtig ist, der beschafft und konsumiert – gegen alle Wiederstände. Des Pudels Kern ist also die Sucht und der Träger selbiger. Und hier wird es wichtig! Sucht und alles damit verbundene Elend sind, ähnlich wie Schnupfen oder Husten, lediglich Symptome eines viel größeren Problems. Sucht beginnt nicht mit der lustigen Idee mal Drogen zu nehmen, Sucht liegt viel tiefer. Studien belegen inzwischen gut, dass über 80% der Drogenkonsumenten primare Erkrankungen wie Depressionen, Ängste die soziale Probleme haben. Die Drogen kamen in fast allen Fällen später, als eine Art Selbstmedikation, aus der Verzweiflung heraus. Bedenkt man hierzu, dass die Sucht einer der stärksten Mechanismen ist, den das menschliche Hirn erschaffen kann, liegt es auf der Hand, dass kein Betroffener aus Gründen der Vernunft eben aufhört süchtig zu sein, nur weil er bestraft werden könnte.

Was hilft also gegen Drogen im Land? Eigentlich liegt es auf der Hand. Eine gesunde, zufriedene, sozial aufgestellte Bevölkerung, die in Kriesen für einander steht, Schwache auffängt und die individuellen Stärken jedes einzelnen fördert. Freiheit und die Möglichkeit, sich sorgenfrei ausleben zu können, Wegnahme von Stress und Angst und Repressionen. All diese Faktoren kommen in Frage und sollten, nicht nur in den USA, mit aller Härte verändert werden. Denn dann müssten Drogen mittelfristig nicht mehr als Medikament gegen die Verzweiflung eingesetzt werden. Und die Mauer, Herr Trump, die braucht dann auch keiner mehr. Aber das können Sie mit Sicherheit nicht verstehen.

Trump

Selbst meinem A-Hörnchen ist die Analogie aufgefallen; Trupm – dump; Sticht irgendwie ins Auge. Leider wird heute worüber man nun eine Weile entsetzt sprach zur traurigen Gewissheit. Donald Trump wird Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. In echt, mit allem was dazu gehört. Gestern las ich: „Wenn das Leben ein Computerspiel wäre, würde ich jetzt zwischenspeichern.“

Irgendwie hält man plötzlich alles für möglich. Meine favorisierte Lösung wäre ein Putsch in letzter Sekunde. Alles andere macht mir einfach große Angst, und das obwohl ich die entgültige Tragweite noch lange nicht abschätzen kann. Oder gerade deswegen, und kann es überhaupt wer? Denn das was Trump bisher so getan hat, wirkte dann doch wieder wie ein Computerspiel. Handeln frei nach dem Motto: Mal gucken was passiert, vielleicht ist es ja lustig. 

Früher habe ich mit einer Freundin gern „Die Sims“ gespielt. Einmal haben wir eine Frau in einen Raum ohne Tür gemauert. Die ist, zur großen Überraschung aller, gestorben. Das Spiel hatte keinen „Not-aus“ programmiert. Das was die Welt ab nachher erwartet erscheint mir so ähnlich. Ohne Sinn, Verstand und Menschenwürde, einfach drauf los. Schlimm und brandgefährlich! 

Hallo, 9. November 

Und dann wählte sie einen alten Mann mit einem Flokati auf dem Kopf. Und auch wenn das unverständlich und dumm klingt, so überrascht es nicht. Andere haben zu anderen Zeiten einen einen Giftzwerg mit Bartding gewählt, wieder andere wählen die Afd. 

Erneute Panik legt sich über mich. Passiert das in echt? Jap! Offenbar tut es das. Und ein kurzer Blick auf Trumps Wahlversprechen erklärt dann alles. Weniger Steuern, viel Geld und alle bösen, pseudo-bösen oder die, die böse werden könnten oder die, die einen bösen kennen oder die, die so aussehen, als ob sie mal böse werden könnten , schicken wir weg. Dumm, rassisch, verlogen und leider wirksam. Denn, das haben wir aus der Geschichte gelernt, der Mensch in Panik ist dumm genug alles zu glauben, wenn es nur die Verbesserung seiner eigenen Situation in Aussicht stellt. 

Da ist er also wieder, der 9. November. Mal sehen was er dieses Mal bringt. Nichts gutes, das steht fest. Bleibt die Frage wie schlimm es wird. 

Was mir bleibt ist, dass ich es auf dem Klo erfahren habe. Und wenn in 30 Jahren meine Enkel fragen:“Oma, wie hast du erfahren, dass Trump Präsident ist?“ kann ich sagen:“Auf dem Klo!“ Das machts nicht besser aber irgendwie … doch. 

Auswandererhaus 

Vor etwa 2,5 Jahren war ich mit dem A-Hörnchen im Auswandererhaus in Bremerhaven. Der Tag entpuppte sich als Katastrophe. A-Hörnchen bekam in der sehr realistisch aufgemachten Ausstellung eine Riesen Panik und wir haben das Gebäude nach weniger als 20 Minuten wieder verlassen. 

Für die, die es nicht kennen, das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven ist ein Museum, eine  Ausstellung, die sich sehr modern und anschaulich mit dem Thema Auswanderung beschäftigt. Der Schwerpunkt liegt sehr deutlich auf der großen Auswanderungdwelle um 1850-1900. Anhand von Einzelschicksalen werden Beweggründe, Überfahrt, Lebensumstände etc. dargestellt. 

Damals hat die Realität das A-Hörnchen überrollt. Er war entsetzt von all dem Elend und den Traurigen Geschichten. Viel zu viel nachgedacht hat er, bis heute. Mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik rückte auch das Auswandererhaus wieder in den Fokus des A-Hörnchens. Und heute haben wir es ein zweites mal gewagt. Dieses Mal war es super. Hochinteressiert hat er jedes Detail aufgesogen und inhaliert. Doch beschäftigen wird ihn das gestehende noch lange, denn sein  Kopf wird nicht ruhen bevor er verstanden hat, was Menschen dazu bewegt ihre Heimat für immer zu verlassen; damals wie heute.