Die Wurst und das Schwein

Unser Fleischkonsum ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Das, was wir an Wurstwaren oder Fleisch essen, stammt von Bio-Höfen in der Region. Verarbeitete Wurstwaren sind bis auf wenig Salami, Schinken und gelegentlich eine Leberwurst aus dem Kühlschrank verbannt und genau genommen vermisst sie keiner. Dachte ich. 

Vorgestern tobte das B-Hörnchen zum Süßigkeiten einkaufen. Da wir recht (um nicht zu sagen total) abgebrannt waren was Auflage fürs Brot angeht, bat ich sie etwas Wurst und Käse mitzubringen. Alles kein Problem, das Hörnchen fuhr los. Ich war mir sicher, dass sie ihre Sache gut machen würde, hatte doch das A-Hörnchen einmal eine geschlagene Stunde im Aldi nach fair Trade Schokolade gesucht – weil er es undenkbar fand etwas anderes zu kaufen. B-Hörnchen kehrte schnell und zufrieden zurück; mit zwei Paketen Jagdwurst. Diese weiche, runde zu 69 Cent. Diese, wo man nicht sieht was es ist, die so komisch schmeckt. Diese traurige und … na ja. 

Am Abend saßen wir am Tisch und aßen. Alle Kinder.. äh Verräter (außer dem Vegetarier, A-Hörnchen) liebten die Jagdwurst! C-Hörnchen musterte die Verpackung und entdeckte ein Schwein darauf. Sie kombinierte: „Das ist aus Schwein!“ Dann grübelte sie weiter und ergänzte: „Das Schwein, ganz platt gemacht, ausgetochen, rund, fertig!“ Mir lief es kalt den Rücken herunter. Irgendwie hatte sie ja  recht! C-Hörnchen führte fort: „Zum Glück ham’se die Knochen raus genommen!“ A-Hörnchen mischte sich schnell mit angewidertem Gesichtsausdruck ein und sagte: „Jap! Die brauchen sie ja für die Gummiebärchen!“ 

Stille. Nie wieder Jagdwurst. 

Ein Hühnerleben

D-Hörnchen öffnet seine Brotdose im Kindergarten. „Ich will malwieder was anderes!“, motzt er mich an. Ich hocke mich zu ihm und erkundige mich nach seinen Vorstellungen. 

„Am liebsten will ich malwieder eine Wurst in der Dose. Eine echte, wo ein echtes, totes Tier drin ist!“ 

Die Erzieher zucken zusammen. Ich sichere dem Hörnchen seine Wurst zu und verabschiede mich. Hoffentlich haben möglichst viele Kinder von den echten, toten Tieren gehört. Und hoffentlich fragen sie viel nach. Ich zumindest finde es enorm wichtig, dass die Kinder wissen was sie essen. Meine Hörnchen wurden in Sachen Fleisch, Vieh und Schlachten von Anfang an, den Alter angemessen aufgeklärt. Hier haben wir zB auch über Haltungsbedingungen und Bio-Fleisch gesprochen. Jedes Kind hat die Möglichkeit sich zu entscheiden ob es Fleisch essen will oder nicht. 

A-Hörnchen will keine toten Tiere essen. Wir anderen essen wenig und gutes Fleisch. Ich kann den Kindern quasi versichern, dass die Kuh zwar tot ist, dass sie davor aber ein gutes Kuhleben hatte, auf einer Wiese mit leckerem Gras und anderes Kühen. Und auch die Hühner, die wir essen, haben ein gutes Hühnerleben geführt, im Sand gescharrt und im Schatten der Büsche gedöst.

Fischstäbchen und Panade

A-Hörnchen liebt das Känguru; das hatte ich bereits erwähnt. Eine seiner Lieblingssequenzen ist die, in der das Känguru berichtet, damals im Vietkong habe es immer Fischstäbchen wie diese (die es gerade hochhält) gegessen. Nur ohne Panade; und ohne Füllung.. Ebenfalls liebt er eine Episode, in der das Känguru über Lidl wettert, wegen der Arbeitsbedingungen. 

Gestern versuchte ich mit Oma und Opa zu planen, was sie dem  Vegetarier- A-Hörnchen servieren sollen, wenn sie bald mit ihm eine Woche wegfahren. Das Gespräch zwischen Oma, mir und dem A-Hörnchen (das in einem Kletterbaum etwa 2m entfernt saß) nahm seinen Lauf:

Oma: … mag er diese Vegetarischen Nuggets vom Lidl oder Aldi?

Ich: Ja, isst er …

A-Hörnchen: Kauft nicht bei Lidl; Lidl ist böse!

Oma: ??? Was ist denn mit Lidl?

Ich: Alles ok, er spinnt. Mag er alles , Nuggets von Rewe, Aldi oder Lidl…

A-Hörnchen: Lidl ist der Feind! Denk an die armen Menschen; kauft nicht bei Lidl! 

Oma: Was? Dann kaufe ich diese panierten Teile bei Rewe!“

Ich: Ist echt alles ok! Der mag alles. 

A-Hörnchen: Panade! Sowas haben wir früher im Vietkong immer gegessen; nur ohne Panade..

Oma: Mag er keine Panade? Gibt’s das auch ohne Panade?

A-Hörnchen: Ja! Ohne Panade und ohne Füllung! Aber sonst genau so.

Ich: Hörnchen! Halt doch mal die Klappe!!! An Oma: Er mag Panade! Das ist alles Quatsch was er sagt…

A-Hörnchen: Panade vom Lidl! Ha! Das ist ja die Spitze. Faschistische Panade. 

Ich schüttelte A-Hörnchen aus dem Baum und schicke ihn ins Haus. Dann erkläre ich Oma was das Känguru ist, dass A-Hörnchen nichts gegen Panade hat und das sie ruhig heimlich bei. Lidl kaufen kann. 

Schwere Entscheidung 

C-Hörnchen ist nun auch vegetarisch. Nicht wegen der Tiere, sondern wegen der tollen Sojawurst, die A-Hörnchen immer bekommt. 

Während sie dabei war sich zu entscheiden ob sie es nun wirklich werden sollte, half ich ihr auf die Sprünge indem ich aufzählte, welche Lebensmittel alle aus Tieren sind und welche sie weiter essen würde. 

„Würstchen gibt es dann nicht mehr. Und Salami auch nicht. Und Hamburger mit echtem Tier und Hot Dog mit Bockwurst. Und…“

…C-Hörnchen sinnierte weiter

„… Mensch darf ich dann auch nicht mehr. Das  ist ja auch aus Fleisch.“

Natürlich, das stimmt auffallend, wo wir doch sonst regelmäßig überalterte Großeltern essen. Oder nervige Nachbarn. 

Veggi

Mein A-Hörnchen verkündete gestern Abend am Abendbrottisch:“Ich bin jetzt Vegetarier!“ Auf Nachfrage erklärte er mir, dass er es einfach scheis** fände Tiere zu essen. Ganz neu ist das für mich nicht. Bereits mit vier Jahren beschloss er Vegetarier zu werden und hielt es als einziger in der Familie neun lange Monate durch. Schon damals hat mich seine Entschlossenheit tief beeindruckt. 

Für meine Küche bedeutet es keine  große Umstellung. Ich versuche selten Fleisch zu verwenden. Wenn es Fleisch gibt, beziehe ich es vom Bio-Bauern oder aber von Bio-Metzger. Der Appetit auf billiges Qualfleisch ist mir schon Lage vergangen. Somit wird sich an etwa fünf von sieben Tagen nichts ändern, an den restlichen bin ich gern bereit ihm eine Extrawurst zu kochen. Natürlich eine vegetarische!

Happy Wursttag 

Als ich kürzlich in die Runde fragte, was wir malwieder machen wollen, lautete die Antwort meines B-Hörnchens: Wursttag!

Liebe Vegetarier, die folgenden Inhalte sind für euch ungeeignet und können eure Gefühle verletzen. Für alle anderen, hier die Menüfolge:

Frühstück: Bagels mit Variationen von Wurst; Edelsalamie, Schinken, Blut- und Leberwurst. 

Mittag: Bockwurstwurst mit Gemüsebeilage, dazu Minisalamie verschiedener Aromen

Abendessen: Bratwurstvariationen von Grill, angereichert mit Gemüse und Brot der Saison

Für den kleinen Hunger zwischendurch halten wir Bifi bereit. 

Und nachher geht das B-Hörnchen zum Reiten; da gibt es dann … 

Na, ne Bifi natürlich!