Home alone

Am vergangenen Wochenende haben wir die zwei großen Hörnchen zum aller ersten Mal nachts allein zu Hause gelassen. Für ganz genau 3 Stunden waren sie allein. A-Hörnchen ist fast zwölf , B– Hörnchen fast zehn. Natürlich geht das, rein logisch war mir das klar. Auch meine Schwester und ich wurden früher gelegentlich für einige Stunden allein zu Hause gelassen, bewaffnet mit Telefon und einer Nummer, unter der wir unsere Eltern erreichen konnten. Passiert ist nie irgendetwas, kein einziges Mal haben wir eine Telefonnummer benutzt. Und dennoch war es ein für mich aufregendes Unterfangen.

Die zwei kleinen Hörnchen haben bei Oma und Opa übernachtet, Was das ganze erst möglich machte. Beim Abendessen teilte ich den Kindern mein Vorhaben mit. Es war mir wichtig, sie in die Entscheidung mit einzubeziehen. Somit erklärte ich wann und wohin ich gehen wollen würde, woran sie in der Nacht erkennen können, ob ich wieder da bin und was zu tun wäre, wenn sich einer etwas bricht, kotzt oder sonst irgendetwas dramatisches passiert.Beide waren wenig beeindruckt und sofort einverstanden.

Auf dem Weg in die etwa 800 m entfernte Kneipe fühlte ich mich wie auf einer großen Reise. Ungefähr alle 100 m hielt ich kurz inne und erwähnte leicht zwanghaft, dass ich jetzt schon ganz schön weit weg von zu Hause weg sei. Dennoch war der Abend kurzweilig und sehr entspannt. Die Kinder fanden wir nachts so vor, wie ich sie zurückgelassen hatte: schlafend! Am nächsten Morgen fragten sie beide gespannt, ob wir noch weg gewesen sein. Keiner hat etwas mitbekommen-was für eine Enttäuschung.

Für uns war dieser Abend ein interessanter Ausblick. In noch einmal vier oder fünf Jahren, können wir sowas öfters mal machen. Vollkommen ohne Stress, ohne uns Sorgen machen zu müssen und in der Gewissheit, dass unsere Kinder, zumindest vorübergehend, auch sehr gut ohne uns auskommen. Coole Kinder!

Plötzlich groß

Mein Kleinster kann schwimmen, ist das zu glauben? Eigentlich schon, denn auch die drei Großen haben in den Monaten vor ihrer Einschulung schwimmen gelernt. Auch auf die Tellerschaukel im Garten kommt er seit heute problemlos und beim Abendessen stellte er selbst fest: „Grad ist die Zeit, wo ich ganz viel lerne!“ Da hat er recht, grad geht es schnell und fast jeden Tag lassen wir ein Stück hinter uns und betreten neue Welten.

Schon lange macht keiner mehr Mittagsschlaf, seit zwei Jahren können alle radfahren. Ewig schon muss ich keinen mehr füttern und inzwischen putzen alle allein ihre Zähne. Meine Kinder werden groß, und ich bekomme Woche für Woche ein kleines Stück Freiheit zurück. Dennoch ist es schmerzlich sich von so manchem zu verabschieden; mit flauem Gefühl im Magen denke ich an den Sommer und die letzten Tage mit Kita-Kind. Ab August habe ich vier Schulkinder! Schritt für Schritt gehen sie da raus, in diese große Welt und Schritt für Schritt brauchen sie mich immer ein bisschen weniger.

Und ganz so drastisch ist es dann doch nicht. Bevor sie mich weniger brauchen, brachen sie mich erst mal anders. Aus der „Versorgerin“ wird eine „Beraterin“. Hausaufgaben, Referate, Liebeskummer. Das erste Deo, Pickel auf der Nase und Stress mit dem Kumpel; klar, die Probleme änderen sich und doch bleibt man noch ganz schön lange die Ansprechpartnerin Nr.1. Hoffentlich! Denn wenn meine zukünftigen Teenies mit all ihren Sorgen zu mir kommen können, ohne sich albern, dumm oder sonst was zu fühlen, dann ist alles ok. Und bis das so weit ist, freue ich mich wie eh und jeh über jeden Fortschritt, jedes Schwimmabzeichen und alles andere was sie so großartig schaffen, an dem ich nie Zweifel hatte.

Die Warheit und das Vertauen

A-Hörnchen will los. Routiniert frage ich ihn ob er seinen Inhalator (A-Hörnchen ist Asthmatiker) dabei hat. Etwas unständlich klopft er sich auf die überraschend flachen Hosentaschen:“Ja! Ist hier.“ antwortet er und will los. Ich zögere kurz, Kontrolle ist doof. Jedoch wiederstrebt es mir ihn damit durchzulassen. „Zeig her.“ rufe ich die Treppe herauf. A-Hörnchen popelt unbeholfen in seiner Hosentasche, bekommt einen roten Kopf und sagt:“Ups, hol ich eben!“  

Er holt nichts, er findet ihn nichtmal. Er geht auch nicht. Mir reichts! Es war nicht die erste dreiste Lüge dieser Art und so jage ich das lautstark protestierende Hörnchen zunächst in sein Zimmer. Ihm fehlt jedes Verständnis, er tobt. Nach 10 Minuten ist er langsam ansprechbar. Ich setzte mich in den Legohaufen und frage ob er versteht warum er nun hier ist und nicht unterwegs. Versteht er nicht. Gar nichts versteht er, und ich bin so gemein!

Vertrauen. Was ist das eigentlich, und was hat es mit groß werden zu tun? Warum brauche ich vertrauen für seine Freiheit und was Hat das alles mit gegenseitigem Respekt zu tun. Und ist es wirklich immer besser die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie schlimm, peinlich und noch schlimmer ist? Ich erkläre und erzähle, von Mist den ich verzapft habe, von meiner ersten Zigarette (zugegeben, beim Alter habe ich geschummelt) und den Nebenwirkungen. Ich erzähle wie meine Mama nicht wusste warum es mit doof geht und wie wir beide hilflos waren. Die Wahrheit, und das Vertrauen in einander sie immer sagen zu können. Ich verspreche immer zu ihm zustehen, ist die Wahrheit auch noch so schlimm. Ich verspreche ihm zu helfen und ihn zu unterstützen. Und ihm zu vertrauen, wenn er mich lässt.  

Ein gutes Gespräch! Am Ende liegen wir uns in den Armen, zufrieden und irgendwie glücklich. 

Der Pakt mit dem Teufel

Zunehmend erkenne ich: Große Kinder stellen uns Eltern vor ganz andere Herausforderung als Kleine. 

Kurz nach Schulschluss klingelte das Telefon. A-Hörnchen. Hörnchen wolle noch mit zu Kumpel. „Klar!“ sage ich, und denke das war’s. Da verlangt der Kumpel nach mir. 

Er erklärt, es handele sich aber um ein Geheimtreffen. Auf meine Nachfrage erläutert er weiter: Mama ist arbeiten, Opa ist da. Mama sagt er darf keinen Besuch wenn Opa da ist. Aber Opa sagt, wenn er seine Ruhe hat ist es ihm recht. 

Nach kurzer Bedenkzeit (etwa 1,7 Sek.) beschließe ich, den Deal einzugehen. Ich halte dicht, er hält dicht. 

Richtig? Falsch? Ich dachte es wäre gut, ein vertrauter Ansprechpartner zu sein. Ich vertraue außerdem den Jungs. Alles wird gut sein. Aber wie ist das? Müssen Mütter sich verbünden? Oder darf ich auch einen Pakt mit dem Teufel eingehen?