Meine Schokolade 

Manchmal treffen einen die Kinder mitten dorthin, wo es besonders weh tut. Ich glaube sie wollten mich nicht so treffen, jedoch sass der Schlag. Sie haben meine Schokolade gegessen. Einfach so! Wisst ihr, ich bin nicht so der Typ Frau, der gelegentlich mal ein Stündchen Schokolade isst. Ein Eckchen abbrechen und dann die Tafel wieder weg; drei Weingummie und fertig. Das ist alles nicht mein Style. Ich bin so der Typ: Eine Tafel, eben mal aufessen und dann ist auch schon wieder gut. Ich finde süß gut und Zucker ist eben ungesund, ja. Wusstet ihr, dass ich auch noch rauche?! 

Jedenfalls haben sie meine Schokolade gegessen. Grad sind sie alle in einem Zimmer und ich betrat es eben mit traurigstem Gesichtsausdruck. „Ich müsst euch entschuldigen, das ist das mindeste!!“ Sie wollten schon anfangen irre zu kichern und all sowas, da schaute ich noch trauriger und gab zu verstehen: „Bei meiner Schokolade hört der Spaß auf!“, ich sprach in einem Tonfall, der vermuten ließ mein Hamster wäre gestorben oder mein Handy ins Klo gefallen. A-Hörnchen war der erste der verstand: „Entschuldige Mama! Das war doof.“ B- und C-Hörnchen folgten dem guten Beispiel und entschuldigten sich ebenfalls. Dann stand da noch das D-Hörnchen. Er kicherte und fand das alles zum schießen. Ich guckte immer noch genau so tief getroffen wie ich war. Da bückt sich das A-Hörnchen zum kleinen Bruder und sagt: „Du musst dich entschuldigen! Dieses Mal haben wir was wirklich schlimmes gemacht!“ 

Diese Einsicht! Und wie gut sie doch ihre Mama kennen. Handy und Essen, damit kann man mich kriegen. Alles andere ist halt eben Schwund. Gleich fahren wir zur Tanke und kaufen Nachschub. Der Sonntag ist noch jung… 

Sehnsucht 

Es ist 16.45 Uhr. Ich stehe an der Uni an der Bahnhaltestelle. Es wird langsam dunkel, der Tiefnebel hatte sich den ganzen Tag nicht aufgelöst. Es ist bitterkalt, der Wind pfeift durch meine drei oder zehn Schichten Klamotten. Ich bibbere, halte die Fäuste verkrampft in den Jackentaschen. Ein langer Unitag geht zu Ende, ein unendlich langer und vor allem langweiliger. Ich starre über eine trübe Wiese ins grau und sehe eine Frau mit ihrem Hund. Plötzlich packt mich die Sehnsucht. 

Von jetzt auf gleich kann ich es nicht erwarten in mein warmes, wohliges, geborgenes Chaos zu kommen. Alles fehlt mir. D-Hörnchen, wie er hinter mir herläuft und von Feuerwehrmann Sam redet, C-Hörnchen, wie sie mir die Dramen des Tages berichtet. Ich sehne mich nach B-Hörnerns stolze Augen, wenn Sie mir ihr Buch entgegen hält um zu zeigen wie weit sie schon ist; und ich sehen mich nach A-Hörnchen, der vor lauter Langeweile und Groß-sein fast keine Zeit hat irgendwas anderes zu zu machen als zu meckern. Ich sehne mich nach meinem Mann, den Storys des Tages. Nach Ofenwärme und einem heißen Kaffee. Ich kann es kaum erwarten übers Zimmeraufräumen zu debattieren, Vokabeln abzufragen und Streit zu schlichten. 

Was bin ich für ein gesegneter Mensch. Ohne jeden Zweifel habe ich das beste Zuhause der Welt. Und die besten Kinder, den besten Mann! Was für ein Volltreffer!