Wir wählen den Kreiskönig

Heute wird gewählt; in Europa aber auch im schönen Stadtstaat Bremen. In mir löst diese Wahl vielfältige Kontroversen aus. Keine der zur Wahl stehenden Parteien stellt mich ganz und gar zufrieden, nur wenige – oder sagen wir eine oder zwei – decken wenigstens einen Teil meiner Belange ab. Zu der allgemeinen Unzufriedenheit gesellt sich jedoch die Angst vor den Braunen; was wird die afd in Bremen machen, wie stark werden sie? Ich rechne mit dem Schlimmsten, hoffe das Beste und sehe mit bangen Augen nach Rom. Alles kann wichtig sein, wer weiß wie knapp es wird. Wer weiß wie wichtig die Stimme jedes Einzelnen wird, was im Vorfeld wen wodurch beeinflusst..?

Vergangene Nacht kam es in Bremen zu Ausschreitungen. Schaufenster gingen zu Bruch, das Pflaster wurde angehoben, Farbbeutel geworfen. Auch die Polizei wurde angegriffen, es kam zu Verletzten. Heute morgen ist das Geschrei groß. „Das waren die Linken!!“ keift das Netz, „die Radikalen, die Zecken!“, heißt es da und der braune Mob kocht. Andere Stimmen erinnern sich noch gut an den Kantholz-Skandal vom Januar diesen Jahres. „Das waren die Linken“, hieß es auch da und am Ende waren die Nazis einfach Nazis, das Kantholz nicht da und die Linken vollkommen unschuldig an der abartig reißerischen Aktion. Waren es also heut Nacht die Braunen selbst, die Randale am Eck machten, das braue Feuer noch mal ordentlich anfachten, um sich selbst in die Karten zu spielen? Ich kann mir das vorstellen und hoffe und bange weiter. Die Presse hält sich seltsam bedeckt jedenfalls. Denn obwohl es zu Festnahmen kam, die die Motivation der Aktion doch irgendwie lokalisieren können müssten, schweigen sie. Kein Öl ins Feuer zu gießen scheint die Devise; aber in welches? Zumindest das braune brennt lichterloh!

Wir werden gleich wählen gehen; alle zusammen. Die Hörnchen fragen 1000 Fragen und wir erklären alles, die Demokratie, die verschiedenen Windrichtungen und den Wert der Mitbestimmung. Das D-Hörnchen fasst es gut zusammen: „Im Kindergarten wählen wir immer den Kreiskönig (im Morgenkreis) und der darf dann das Lied und den Tischspruch bestimmen!“.

Liebe Leute, geht wählen! Wählt um euer Leben; um eure Freiheit, die Demokratie und die Menschenrechte! Wählen zu dürfen ist ein Privileg, das wir nicht verpokern sollten. Und die afd ist keine Alternative, die heißt nur so!!

Wahltag

Seit einer halben Stunde versuche ich nun einen sinnvollen Beitrag über die Wahl zu schreiben. Etwas hilflos versuche ich das Gefühl der Ungewissheit, der Angst und das Bange hoffen auf ein Wunder in hübsche Worte zu fassen; was mir nicht gelingt. Mein Eindruck: alles ist gesagt! Die Nazis wollen in den Bundestag, die Linken wollen das nicht. Bei Schwarz und rot bleibt alles wie es ist, Oder es wird sich alles ändern. Die Wahlbeteiligung ist ein Graus, vielleicht dieses Mal aber auch nicht. 

Durch die sozialen Medien, sagte der Wahlkampf auf mich dieses Mal völlig neu. Jeder Tag, seit Wochen, war durchzogen von aufrufen zu wählen, Slogans gegen die AFD, Häme und Spott, ernsten Beiträgen und ich weiß nicht was noch alles. Die Wahl – dieses Jahr so präsent wie noch nie. Aber wird das irgendwas bewirken? Gehen jetzt wirklich mehr Menschen wählen, und wenn ja welche, und wenn ja was? Somit bleibt nur ein Fazit: alles wie immer, Alles neu, alles ungewiss. Mehr wissen wir heute Abend. Aber eigentlich auch nicht. 

Also was bleibt zu sagen? „Leute geht wählen! Denn die Nazis tun es auch.“

Done that

Der 24.9. fällt dieses Jahr auf einen Sonntag. Zu dämlich, denn Sonntags habe ich keine Lust zur Wahl zu gehen. Gut, dass man das alles vorher weiß und sich somit frühzeitig um Briefwahl bemühen kann. Heute ist es also erledigt, die Wahl getroffen. Links ist es geworden, die Entscheidung fiel vor allem mit dem Gedanken vielleicht etwas zum Überschreiten der 5% beitragen zu können. Viele kleine Linke Parteien sind am Ende kein Segen füreinander, ein großes Gutes wäre sinniger. 

Und irgendwo dort beginnt auch das doofe ganze. Wenn alle das wählen, was Sinn macht, eben die Parei, die am ehesten über 5% kommt, sind die anderen erst recht chancenlos. Zersplittern sich die Stimmen aber zu sehr, haben die vielen Kleinst-Parteien keine Chance. Es ist verzwickt. 

Besinnen wir uns einen Moment auf’s wesentliche: Geht wählen! Jede Stimme zählt, und ich befürchte dieses Jahr mehr denn jeh. Wählt! Wählt rot, rosa, grün und im Notfall sogar schwarz. Wählt von mir aus die Veganer Partei oder Biebeltreue Christen – aber wählt!! Wählt euch um Kopf und Kragen, wählt was das Zeug hält.  Erhebt euch gegen rechts und lässt dem braunen Mob keinen Millimeter, keine Stimme, kein Prozent! 

Über Geld spricht man nicht – und über Politik auch nicht!

Es ist erstaunlich! Im Internet wird gern jeder noch so peinliche Fehltritt breitgetreten. Auch über Menstruationsrieten, das Sexualleben oder den letzten Ehestreit spricht man gern vor großer Masse. Bei jedem Stammtisch und auch in der Mittagspause ist es kein Problem, über die Schnarchgewohnheiten oder Unarten des Partners in Bad und Küche zu sprechen. Nichts ist peinlich, man kennt kein Tabu. Wo man hingegen jede Menge Tabu kennt, ist in Sachen Politik. Denn darüber spricht man nicht.

Im Grunde genommen ist es ja nicht sonderlich geheim. Die allermeisten Menschen in unserem Land wählen eine von etwa 6-7 großen Parteien. CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke, AFD und für die ganz ausgefallenen vielleicht noch die eine oder andere Randpartei. Mit einem kleinem bisschen statistischen Geschick ist es jedem durch aus möglich abzuschätzen, welche Partei sein gegenüber wählt. Eher links, eher rechts, eher radikal, eher konservativ? Und schon ist der Drops so gut wie gelutscht. Dazu kommt, dass die Wahl der Partei im Grunde genommen nichts über eine Person aussagt – bis auf eben die grobe politische Gesinnung.

Tatsächlich ist es sogar so, dass viele Dinge die wir sonst gerne über uns breit treten, wesentlich mehr aussagen. H&M, C & A, Primark, Ökoladen, Peek und Cloppenburg? Niemand hat Probleme darüber zu sprechen, wo er gern Einkauf. Real, Rewe, dem Markt, Lidl, Aldi oder doch lieber Bio laden? Auch das ist kein besonders pikantes Thema. RTL, ProSieben, RTL zwei, N 24 oder doch lieber Sky? Verrate mir was du kuckst, und ich verrate dir wer du bist. Kaum jemand scheut sich davor zu erzählen, was er gestern Abend im Fernsehen geguckt hat. Warum aber sprechen wir Deutschen nicht darüber, was wir wählen?

Ist es ein Relikt der NS Zeit, in der man Angst haben musste für seine politische Gesinnung bestraft zu werden? Oder ist es die Angst davor, sich rechtfertigen zu müssen? Hat man bedenken nicht gut genug informiert zu sein? Ich finde all das albern. Meine Meinung ist kein Geheimnis! Sie ist nicht peinlich, falsch, und hässlich oder sonst irgendwas komisches. Sie ist meine Meinung; sie bringt zum Ausdruck, was ich für mich und meine Familie möchte. Und die Partei die ich wähle, ist am Ende nichts weiter als die größte mögliche  Schnittmenge der von mir gewünschten Veränderungen. Bestenfalls gibt die Partei die ich wähle das wieder, was ich mir für mein Leben Wünsche – nichts Komisches, nichts Peinliches, nichts über das man die naserümpfen müsst und eigentlich auch nichts was nicht da wissen dürfte!

Die Wahl 

Noch drei Wochen sind es bis zu Wahl und ich fühle mich wieder einmal gestrandet in den Optionen und der Optionslosigkeit. Irgendwie kommt alles nicht in Frage. Die Großen eh nicht, was ich will und brauch verstehen die nicht. Die kleinen roten; denkbar. Viel mehr aber auch nicht.  Links riecht nach Kompromiss, Kommunist bin ich auch nicht und Piraten (zu denen rät der Wahl-O-Mat) sind irgendwie durcheinander. Letztlich lässt mir diese Wahl, bzw. dieses Wahlsystem keine Wahl. Ich will mich nicht für einen dieser Versuche entscheiden. Ich will keinen Kompromiss, kein kleines bisschen. Es geht um die Zufriedenheit in meinem Leben und um die Zukunft meiner Kinder – da ist ein Kompromiss nicht genug. 

Was also tun? Nicht wählen? No way! So googelte ich gestern ausgiebig, das Kanzlerduell im TV laberte während dessen  auf mich ein und trieb mich weiter an eine Lösung zu finden. Wendet man den Blick mal ab von all dem, was man eh so richtig scheisse findet, bleibt erstaunlich wenig über. Irgendwann fand ich die „Demokratie in Bewegung“, eine nagelneue Partei, die sich auf die durchaus rote Fahne schreibt Demokratie neu zu definieren. Ein Portal auf dem man mitbestimmen kann, eine Art Teilhabe ohne Parteimitglied zu sein. Die Richtung schmeckt mir. Weg von einem vorgefertigtem Manual, dass einem keine Luft zum denken lässt; hin zu Partizipation. Ich werde mich mal eindenken, in das Neue, das Mitbestimmende und das ganz andere. Am gespanntesten bin ich darauf, ob es denn wirklich anders und neu ist. Dann hat es vielleicht eine Chance verdient. 

Hallo, 9. November 

Und dann wählte sie einen alten Mann mit einem Flokati auf dem Kopf. Und auch wenn das unverständlich und dumm klingt, so überrascht es nicht. Andere haben zu anderen Zeiten einen einen Giftzwerg mit Bartding gewählt, wieder andere wählen die Afd. 

Erneute Panik legt sich über mich. Passiert das in echt? Jap! Offenbar tut es das. Und ein kurzer Blick auf Trumps Wahlversprechen erklärt dann alles. Weniger Steuern, viel Geld und alle bösen, pseudo-bösen oder die, die böse werden könnten oder die, die einen bösen kennen oder die, die so aussehen, als ob sie mal böse werden könnten , schicken wir weg. Dumm, rassisch, verlogen und leider wirksam. Denn, das haben wir aus der Geschichte gelernt, der Mensch in Panik ist dumm genug alles zu glauben, wenn es nur die Verbesserung seiner eigenen Situation in Aussicht stellt. 

Da ist er also wieder, der 9. November. Mal sehen was er dieses Mal bringt. Nichts gutes, das steht fest. Bleibt die Frage wie schlimm es wird. 

Was mir bleibt ist, dass ich es auf dem Klo erfahren habe. Und wenn in 30 Jahren meine Enkel fragen:“Oma, wie hast du erfahren, dass Trump Präsident ist?“ kann ich sagen:“Auf dem Klo!“ Das machts nicht besser aber irgendwie … doch. 

Es als eine Chance sehen

20%. Diese Zahl ist derzeit ein Synonym für Angst, Schrecken und Nazis. 20% AFD in MeckPom, das bedeutet übersetzt, dass 20% der Menschen die gewählt haben, bereit sind die Grundregeln unseres Zudammenlebens aufzugeben, Menschen zu diskriminieren und notfalls ihren Tod in Kauf zu nehmen. 20% der Stimmen waren für die AFD, das ist schlimm, darf aber nun nicht zur Schockstarre führen.

20% der Wähler wählten AFD; das heißt aber auch, dass 80% es nicht taten. Und ich denke auf diese 80%, die eine Mehrheit bilden, sollten wir uns konzentrieren. Was nun wichtig ist, ist ein Bündnis der 80%. An einem Strang ziehen, das gemeinsame Problem erkennen und es demokratisch lösen. 80% der Wähler möchten die AFD nicht, 80% der Wähler vertrauten auf die Kraft und Klugheit der übrigen Parteien. Klug agieren kann in diesem Falle nur eins heißen: Keine Akzeptanz für Nazi-Parolen und die Missachtung von Menschenrechten. Das Konstrukt aus Angst, Hass und Verzweiflung muss aufgebrochen und entschärft werden. Die Menschen müssen sich sicher, verstanden und geborgen in diesem Land fühlen. Hierzu braucht es keine Fremdenfeindlichkeit und keine Hetzparolen. Alles was es braucht ist den Zusammenhalt aller der, die keinen Hass wollen. Nicht mehr und nicht weniger. 

Was die AFD wirklich will

Heute teile ich einen Link mit euch, der mich entsetzt hat. 

In 10 Punkten ist HIER aufgeführt, was die AFD, außer der Erschießung der Flüchtlinge, noch so fordert. Es ist schlimm, wirklich schlimm. Fast alle Punkte erinnern Stark an die 40er Jahre und das Programm der NSDAP. Es wird gehetzt, verharmlost und auch in den Schulen soll ordentlich Gehirnwäsche betrieben werden. 

Leute! Schützt eure Kinder vor dem was da auf uns zu kommt. Wehrt euch, geht wählen, denn sonst wird’s braun. Das Spektakel, dass sich in Hessen oder in Sachsen abspielt ist nicht lustig, harmlos oder egal. Es bedroht unsere Freiheit und die Werte für die vor wenigen Jahren gekämpft wurde. Diese Partei gehört verboten und dieses Land endlich ‚entnazifiziert‘. 

Wahl in Bremen

Heute hat unser schönes, kleines Bundesland gewählt. Na ja, eigentlich ist es arg übertrieben das zu sagen. Etwa die Hälfte der Bremer hat. Der Rest; ja. Der eben nicht. 

Das Ergebnis ist wenig überraschend. Kein Grund zur euphorischen Freude aber auch noch kein Grund auszuwandern. Aber warum bitte, wie kommt es zu einer Wahlbeteiligung von knapp 50%. Fünfzig. Das ist in etwa die Hälfte. Ich gebe zu, dass keiner der Parteien mich jubeln lässt, und dass das ewige rot-grün vielleicht auch den einen oder anderen Wunsch offen lässt, aber nix machen ist nix. 

Und eine Demokratie ohne Wahl, bzw. mit Wahl aber ohne Wahl ist total sinnbefreit, traurig und kaputt. Da stimmt doch einfach alles nicht.