Man Leben!

Man Leben, so warst du doch nicht gedacht. Oder checke ich einfach nicht wie der Hase läuft? Eigentlich müsste ich doch froh sein. Ich habe ein Job, den ich abgöttisch liebe. Ich habe die vier wunderbarsten Kinder der Welt und ein tolles Haus in dem ich lebe. Alles stimmt! Mein Leben ist ein Paradies, besser als man es sich irgendwie vorstellen kann, es ist geradezu perfekt! Und ja, irgendwie ist es das auch. Manchmal. Aber manchmal eben auch nicht, da geraten diese wunderbaren Faktoren zu einer Spirale aus Stress und Anspannung.

Ich liebe meinen Job, wirklich! Ohne mit der Wimper zu zucken würde ich jederzeit auf 30 oder sogar 40 Stunden erhöhen. Ich genieße jede Stunde in dem verrückten Laden und mag unsagbar gern, was ich da tue. Das Problem bei der Sache? Meine vier wunderbare Kinder. Ab mittags arbeite ich gegen die Uhr. Ich muss pünktlich Feierabend machen damit ich pünktlich zu Hause bin. Oftmals schaffe ich es nicht ganz so gut, dann hasse ich mich selbst. Dabei ist das alles halb so Wild. Ich bin eine wunderbare Mutter, und eine noch viel wunderbarer wenn ich Zeit habe und mich nicht stressen muss. Wie großartig wäre ich, wenn ich nicht ständig den Haushalt und die Arbeit im Nacken hätte. Ich würde mit meinen Kindern backen, wir würden häkeln, basteln, Fahrradtouren machen und die Welt erkunden. Ich bin so unsagbar gerne mit ihnen zusammen und genieße jeden freien Moment. Nur leider kommen auch diese Momente viel zu kurz – Job und Haushalt…

Denn auch der, dass dieser dämliche und unsagbare Haushalt, fordert seine Zeit und meine Nerven. Alles halbwegs in Schuss zu halten, die Wäsche gewaschen, das Geschirr gespült, das Essen gekocht und den Kühlschrank gefüllt, erfordert doch schon einige Zeit. Zeit die ich nicht habe, weil ich ja eigentlich jede freie Sekunde mit meinen Kindern verbringen würde und so gern arbeiten gehe. Der Haushalt kotzt mich wirklich an! Schon morgens beginnt die Tretmühle mich zu quälen. Und nach der Arbeit beginnt dann der richtige Wettlauf gegen die Zeit. Kinder wieder einsammeln, Mittagessen für den großen kochen, Hausaufgaben, für Vokabeltests üben, Verabredung organisieren, Termine in der Schule wahrnehmen und all das prasselt auf mich ein und entzieht mir jede freie Sekunde. Ich renne und renne und renne und renne.

Einzeln betrachtet, bin ich in allem was ich so tue ganz gut. Ich mache meinen Job ganz gut, bin eine hervorragende Mutter und kannst voller Leidenschaft und Hingabe ein Haushalt führen. Ich mag es sauber und aufgeräumt und freue mich auch darüber wenn ich ganz in Ruhe putzen kann. Nur gestaltet sich die Sache eben ganz genau so, dass immer zwei Dinge auf der Strecke bleiben wenn ich eine vernünftig mache. Also mache ich alles nur halb, naja vielleicht auch nur ein Drittel. Das einzige was ich mit voller Hingabe mache ist unzufrieden sein. Ja, ich bin vollkommen angekotzt von dem Dreck hier zu Hause, der Unordnung, den Wäschebergen, den Fertiggerichten und der mangelnden Zeit, die ich mit meinen Kindern verbringe. Ebenso Genervt bin ich davon, dass ich viel zu wenig im Job schaffe und noch so viel vor hätte. Ich bin einfach nicht genug!

Lösung gibt es einige aber dennoch keine die mir wirklich gefällt. Ein Au-Pair wäre großartig, aber ohne Zimmer auch nicht so richtig gut. Auch eine Putzfrau kann ich mir nicht leisten und umsonst macht es mir dann doch keiner. Wenn ich im Job reduziere, bin ich noch unzufriedener und unser Geld reicht von vorne bis hinten nicht und die Zeit mit meinen Kindern ein zu knappen – das kommt wirklich nicht infrage! So bleibt mir nur eins: weiter zu rennen, bis einer der Faktoren sich von selbst erledigt. Traurigerweise werden das meine Kinder sein, die mich mit der Zeit immer weniger brauchen. Und dann beruhigt sich alles, dann glätten sich die Wogen. Na herrlich

Lieber Kalender,

Lieber Kalender,

was ich dir schon lange mal sagen wollte: Fick dich!

In letzter Zeit bist du zu dominant in unserer Beziehung, du lässt mir keine Freiräume, ich fühle mich von dir rungeschubst. Wann immer ich mal eine Zeile für mich erobere, belehrst du mich schnell eines besseren. Ich mach das nicht mehr mit!

Mal im Ernst, ich weiß! Auch du hast es nicht leicht mit mir. Immer 1000 Baustellen nebeneinander, alles überschlägt sich miteinander und du sollst den Überblick behalten. Drei Dinge zur selben Zeit, schaffen können wir das beide nicht, ja das gebe ich zu.

Ach weißt du, ich kopiere mich einfach, und dann kopiere ich dich. Eine von mir kann dann arbeiten und eine leben; so müsste es gehen! Wir können ja regelmäßig in Kontakt bleiben und uns mit den anderen austauschen. Und wenn wir dann alle 70 sind, der eine Kalender, die andere Anna und wir beiden, dann gehen wir alle vier in Rente. Plan?